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217 - Dienstag, denZ22. September 1891. , 18. Jahrgang

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erstehen würden, das Volk zu führm? Wer mehrere Tage in dieser Zeit in Trier gewesen und wer das in wundersamem Glanze bengalischen Lichtes erscheinende Flammenkreuz über dem heiligen Schrein gesehen hat, der muß sagen — die Zeiten sind andere geworden, die Menschen und die Zeichen sind dieselben geblieben.

Nächte unter Andachtsübungen verbracht.

An den Ufern der Mosel ist es schon in früher

selbst und auf den naheliegenden Ortschaften hinreichend gesorgt. Zahlreiche Massenquartiere für 50 bis 200 Personen sind vorhanden, und alle freien Böden und Speicher scheinen in solche Quartiere umgewandelt zu sein. Gegen eine Entschädigung von 10pCt. werden den Wirthen die Pilger durch das Wohnungs-Komitee zugewiesen und erhalten letztere dann gewöhnlich gute reinliche Strohlager mit wollenen Decken. Für die Frauen sind manchmal sogar Matratzen zur Verfügung gestellt, welch' letzteren aber wohl kaum der Vorzug vor den Strohlagern gebührt. Der Preis eines solchen Nachtlagers ist 25 Pfg. für die Person, so daß in dieser Beziehung keine Klage berechtigt sein kann, weder von Seiten der Pilger, noch von Seiten der Wirthe, ja man möchte behaupten: das Geschäft, dieser Ausdruck ist nun einmal nicht zu vermeiden, der Wirth dieser Klasse ist ein gutes zu nennen, wenn sie nur 20 oder 30 Tage lang einen vollen Schlafboden haben, denn die Lagerstätten behalten ihren Materialwerth und die Arbeit, welche von Tag zu Tag entsteht, ist nicht nennenswerth, wohl aber ist von Bedeutung, daß jene Wirthe gleichzeitig mehr oder weniger Ausschankgeschäfte betreiben. Selbst in diesen Massenlagern werden die

beladene Dampfer aus der mittleren Stromgegend, vorn im Bug wehen die Kirchenfahnen und um diese herum drängt sich in bunten Massen das Landvolk; von der Brücke her naht sich, während die Dampfer sich ent­leeren, ein unabsehbarer Pilgerzug, gebildet von den Bergleuten der Saar, während von links her neue Schaaren aus den Dörfern herbeiziehen, ein malerisches Bild!, aber das Leben in demselben ist nur ein Schein­leben, langsam, schleppend, gebeugten Hauptes wallt es vorüber von rechts und links, vieltausendköpfig windet und schlängelt es sich um die alte Stadt herum, und zum millionsten Male tönt es dumpf: „Gegrüßet seist du Maria." —

Da plötzlich erbebt in naher Straße ein Pauken­schlag, Helme und Gewehre blitzen in der Morgensonne, schnellen, festen Schrittes in enggeschlossenen Kolonnen, Zug auf Zug, Kompagnie auf Kompagnie, eilt es vorbei, um leider schnell wieder zu verschwinden, aber noch lang schmettert es in reinen Tönen in die frische Morgenluft:

»Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben."

Fort sind die Bilder der letzten Tage und noch lange summt man freudig vor sich hin die Melodie des Preußenliedes.

Gine Pilgerfahrt nach Trier.

Eine Stimme aus der protestantisch-konservativen,Kreuzzeitung'. (Fortsetzung statt Schluß.)

Man fühlt unwillkürlich, wie in jener scheinbar stillen, willenlosen Menschheit ein mächtiger Geist schlummert, wie es in den Zügen athmet und wollt, wie in einem Meer zu Zeiten der Stille, man fühlt, wie sie alle, die da harren und harren, von einer großen Idee erfüllt sind, welche sie kräftigt, welche sie mit Begeisterung und einer inneren Erregung erfüllt, und daß es nur eines Funkens bedarf, jenes ruhende Feuer der Begeisterung in einen Fanatismus (?) um­zuwandeln, wie ihn nur verflossene Jahrhunderte ge­zeitigt haben. Ja, man fühlt sich im Geiste zurückver­setzt in jene Gegend und in jene Tage, wo Peter von Amiens von Land zu Land zog und die Gläubigen zum Kampfe um das heilige Land zusammenrief — ob das Volk heute folgen würde, ob die Ritter wieder

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' -mathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Ua®e

auf die

.Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Oktober beginnende

4. Guartal 1891

wolle man alsbald dem nächsten Postamte über­mitteln, damit uns dieselben rechtzeitig mitgetheilt werden können und prompte Zusendung des Blattes ermöglicht wird.

Der Post-Abonnementspreis auf die , Fulda er Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage

Sterne und Mumm =

und dem

Dathgeber für Landwirthschaft, Gartenbau re.

beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

IW*’ Neu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage und dem Rath­geber gegen Einsendung der Post-Quittung bis Ende September gratis.

Eine große Zahl der 7000 katholischen Bewohner Kassels gehört dem Arbeiterstande an und wird sich den Lurus eines täglich erscheinenden Blattes entweder gar nicht ge­statten können oder sich in Anbetracht der alltäglichen Verkehrs- und Lebensbedürfnisie auf ein billiges Lokal­blatt angewiesen sehen. Vielleicht, daß der geringe Abonnementspreis des ,Bonifatiusboten' ihnen außerdem noch das Lesen dieser erbaulichen Wochenschrift ermöglicht. Diesem Theil der katholischen Bevölkerung Kassels könnte jedoch das einzige im Regierungsbezirk und in der Diözese erscheinende katholische Tagesorgan, die,Fuldaer Zeitung', durch Auflegen an bestimmten öffentlichen Orten (in Vereinslokalen rc.) zugänglich gemacht werden. Die Be­sitzer von Gasthäusern, Wirthschaftiräumen und ähnlichen viel besuchten Lokalitäten erweisen sich selbst einen Dienst, wenn sie mit Rücksicht auf den katholischen Theil der Bevölkerung Kassels neben den sonstigen Zei­tungen auch das meist gewünschte katholische Blatt, die,Fuldaer Zeitung', auflegen.

Der besser situirte katholische Bewohner unserer Provinzialhauptstadt dürfte gewiß gut daran thun, neben seinem unentbehrlichen Lokalblatt noch eine katholische Zei­tung zu halten, denn auf diese Weise entzieht er sich und seine Familienangehörigen der unausbleiblichen Gefahr, durch das fortgesetzte Lesen des liberalen oder indifferenten Blattes seinen Grundsätzen allmälig entfremdet und über wichtige katholische Angelegenheiten und Tagesfragen ent­weder falsch oder mangelhaft unterrichtet zu werden.

Unter den katholischen Blättern ist aber für die Kasseler Katholiken im Allgemeinen keines empfehlens- werther als die ,Fuldaer Zeitung.' Kann sich die­selbe mit den großen katholischen Tages-Organen, wie .Kölnische Volkszeitung', .Germania', Westfälisches Volks­blatt' u. A. nicht messen, so hat sie trotzdem diesen gegen­über für die Kasseler Katholiken mehrere unbestreitbare Vorzüge, denn:

1) Erscheint die .FuldaerZeitung' am Bischofssitze derjenigen Diözese, zu welcher Kaffel gehört, und ist die einzige katholische Tageszeitung der Diözese Fulda und des Regierungsbezirks Kaffel. Sie bietet also in dieser doppelten Eigenschaft zweifelsohne mehr Jntereffe, als jedes andere außerhalb der Diözese und des Regierungsbe­zirkes erscheinende katholische Blatt. Die ,Fuldaer Zeitung' ist aber auch aus eben diesem Grunde das berufene Organ zur Besprechung der katholischen Angelegenheiten Kassels, soweit solche überhaupt hier in Betracht kommen. Wir haben erneute Vorsorge getroffen, daß uns Korrespondenzen dieser Art aus zuverlässiger Hand übermittelt werden.

2) Ist es Ehrensache und Pflicht eines jeden Katholiken, die Centrums-Preffe nach Kräften zu unter­stützen, so ergibt sich von selbst, daß man diese Unterstützung in erster Linie doch am liebsten den Centrums-Organen der eigenen Diözese zuwendet.

3) Dürste gerade der Umstand, daß die ,Fuldaer Zei­tung' zu den weniger umfangreichen katholischen Blättern gehört, dieselbe den Kaffeler Katholiken um so empfehlenswerther machen, weil diese ohnehin genöthigt sind, Kasseler Lokalblätter zu lesen und mit täglicher Zeitungslektüre nicht übermäßig belastet sein wollen.

4) Fällt auch der Kostenpunkt in's Gewicht. Der Abonnements preis der ,Fuldaer Zeitung' ist im Verhältniß zu dem der.Kölnischen Volkszeitzmg', .Germania' und an­derer großen Blätter sehr gering und läßt sich deshalb neben demjenigen eines Kasseler Lokalblattes leichter auf­bringen und „verschmerzen". —

Damit das vorstehend Gesagte allseitige Beach­tung seitens der Katholiken unserer Provinzial-Hauptstadt

An die Katholiken der Prooinziaihanpt- ssadt Kassel.

Fulda, im September 1891.

Als wir unlängst den Lesern der .Fuldaer Zei- kun g' Bericht erstatteten über den glänzenden Verlauf der in Danzig abgehaltenen 38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, wurden unsere Gedanken unwill­kürlich auf diejenigen Katholiken hingelenkt, denen in Er­mangelung der täglichen Lektüre eines katholisches Blattes von jenen herrlichen, jedes katholische Herz erhebenden Vor­gängen kaum etwas Näheres bekannt wurde. Solcher Katholiken gibt es beispielsweise — wir glauben uns nickt zu täuschen — recht viele in unserer Provinzialhauptstadt Kassel. Die .Fuldaer Zeitung'wird dort in nur wenigen Exemplaren gehalten, ebenso das .Westfälische Volksblatt', die,Germania', die,Kölnische Volkszeitung' und abgesehen von dem in ungefähr 80 Exemplaren gelesenen.Bonifattus- boten' vielleicht auch noch das eine oder andere katholische Blatt. Die Gesammtzahl der in Kassel verbreiteten katho­lischen Organe ist jedoch im Verhältniß zur dortigen Katho­likenzahl — 70Ö0 — eine verschwindend kleine. Wer von den Kaffeler Katholiken in der Lage ist, eine Zeitung halten zu können, liest ein liberales oder parteiloses Lokalblatt, und wer sich auf die öffentlich ausgelegten Blätter ange­wiesen sieht, findet in Wirthschaftslokälen rc. nur selten eine katholische Zeitung.

Weit entfernt, den Kaffeler Katholiken etwas zum Vorwurf machen zu wollen, was die Gewalt der Ver­hältnisse mit sich bringt, können wir uns andererseits doch auch des Gedankens nicht erwehren, daß bei einer Seelenzahl von 7000 Katholiken in unserer Provinzial­hauptstadt recht wohl Einiges zu Gunsten der katholischen Tagespreffe geschehen könne, was für beide Theile, Pub­likum und Preffe, gleichermaßen angenehm und nützlich sein werde.

finden kann, laffen wir die gegenwärtige Nummer unseres Blattes in den betreffenden Familienkreisen Kaffels genügend verbreiten. Die vorgetragenen Gründe und Erwägungen sind, wie man sieht, nicht gesucht und erkünstett, sondern ergeben sich aus den obwaltenden thatsächlichen Verhält- niffen und aus der Natur der Sache ganz von selbst. Möge sich darum auch Niemand dem Eindruck des Gesagten ent­ziehen; möge vielmehr jeder katholische Bewohner Kaffels in gerechter und vollkommener Würdigung dieser Gesichts­punkte die daraus entspringenden Konsequenzen ziehen. Der bevorstehende Quartalswechsel bietet willkommene Ge­legenheit, zwischen den Katholiken Kaffels und dem einzigen katholischen Tages - Organ ihrer Diözese zum Nutzen und Frommen beider Theile für die Folge lebhaftere Beziehun­gen herbeizuführen.

Redaktion und Verlag der,Fuldaer Zeitung'.

Ein verschollener kaiserlicher Mn;.

* Wien, 18. September.

Es ist nunmehr ein Jahr verflossen, seit der als Militär hochgeschätzte ehemalige Erzherzog Johann, welcher unter dem angenommenen Namen Johann Orth ein Handelsschiff in Amerika erworben hatte, verschollen ist. Allgemein herrschte die Anschauung vor, Johann Orth sei auf der Fahrt nach Chile, wo er Salpeter verladen wollte, sammt seiner „Santa Margareta" ein Opfer der ungeheueren Stürme in der Nähe des Kap Horn geworden. Diese Ansicht wurde auch in den fachmännischen Kreisen getheilt, so daß die Versicherungs­summe für die „Santa Margareta" bereits angewiesen war. Um so größer ist heute die unglaubliche Nach­richt, Johann Orth sei nicht zu Grunde gegangen, sondern habe sein Schiff in ein Kriegsschiff umgewandelt und am Kriege in Chile theilgenommen. So lesen wir im heutigen „Wiener Tageblatt."

Diese Behauptung des „Tageblatt" hat in allen Kreisen der Bevölkerung die größte Antheilnahme her- . vorgerufen. Erzherzog Johann war außerordentlich beliebt, und wenn er auch als ein verworrener und unklarer Kopf galt, so wurden ihm doch seine Fehler gerne nachgesehen, weil er in hohem militärischen An­sehen stand. Der junge Erzherzog galt als einer der besten Strategen Oesterreichs, und zweifellos wäre er berufen gewesen, in einem zukünftigen Kriege eine große Rolle zu spielen. Das Bedauern um den Verlust dieses Prinzen war denn auch ein allgemeines.

Lassen wir jetzt das ,Tagbl.' sprechen. Dieses offi­ziös bediente Organ theilt mit, daß ein Gewährsmann von ihm an der Küste des Quarnero Gelegenheit hatte, einen Matrosen kennen zu lernen, der auf dem Schiffe Johann Orths gedient hatte. „Ich wurde", erzählte der Matrose, „eines Leiden wegen entlassen, dieses Schick­sal traf aber auch die Offiziere Jodich und Juvich, beide aus Fiume, dann den Offizier Luigi Cera und den Steuermann Jakony aus Lissa. Es blieb nur ein einziger Lieutenant an Bord. Ueber die weitere Fahrt der „Santa Margareta" hieß es, daß dieselbe nach Chile gehen werde, um dort Salpeter für Hamburg zu laden. Als wir auf unserer Rückfahrt nach Europa in Valparaiso den angeblichen Untergang der „Santa Margareta" in den Gewässern des Kap Horn ersuhren, glaubten wir nicht daran und wir sind vielmehr der

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Fur die Unterbringung der Pilger ist in der StadtMorgenstunde belebt. Da landen eben zw ei schwer- stieg bis zum 31. August schon weit das dritte Hundert-