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Sonntag, den 20. September 1891.

18. Jahrgang

FiMerWZkitilng

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wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern schon jetzt dem näch­sten Postamte übermitteln, damtt uns dieselbm frühzeitig mitgetheilt werden können und prompte Zu­sendung des Blattes ermöglicht wird.

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Deutsches Keich.

Berlin, 18. September.

* Die Erfurter Kaiserrede, in welcher bekanntlich vom „korstschen Eroberer" (Napoleon I.) gesprochen wurde — nach dem Bericht der .Post' lautete der Aus­druck noch schärfer — hat in Frankreich, wie wir schon erwähnten, große Erregung hervorgerufen, die sich in mehr oder minder heftigen Auslassungen der Blätter bekundet. Bon den chauvinistischen Blättern, deren „patriotische Entrüstung" keine Grenzen kennt, absehend, wollen wir nur eine Aeußerung eines ruhigen Blattes, des ,Journal desDebats', wiedergeben; das­selbe schreibt, die Version des Reichsanzeigers habe die Tragweite derselben wohl etwas verringern können, ohne jedoch an dem Sinne der früheren Lesart viel zu ändern. Auch sie verrathe eine gewisse Erregung. In Erfurt hätten den Kaiser die geschichtlichen Erinne­rungen übermannt und fortgerissen mit einer Gewalt, die auch seine Sprache beherrscht habe. Der humanitäre Kaiser, der soziale Reformator sei plötzlich vor dem obersten Kriegsherrn zurückgetreten, der erfüllt ist von den Erinnerungen der Vergangenheit, vielleicht sogar von Rachegedanken für die Zukunft. — „Der .Stan­dard', die erste europäische Zeitung, zeigt kriegerische Ungeduld. Er appellirt an den Krieg als eine Be­freiung. Was uns betrifft, so wünschen wir ihn nicht, denn wir halten ihn nicht für unvermeidlich, und wenn er auch wäre, so wäre in unseren Augen jedes Jahr des Friedens eine Eroberung und ein Gewinn für die Civilisation und die Menschlichkeit".

• Der Kaiser wird bis Montag früh in Wi l- helmshöhe bei Kaffel verbleiben und dann nach Stettin reisen, um dort die Taufe des neuen Panzer­schiffes persönlich zu vollziehen.

* Die Ankündigung eines Besuches des russischen Kutserpanres in Berlin steht mit diesen Dispositionen mcht im Einklang. Immerhin wird noch vielfach an eine bevorstehende Begegnung des deutschen Kaisers mit dem Zaren geglaubt. Wenn wirklich eine solche Begegnung geplant ist, so wird man darüber doch kaum früher etwas Authentisches erfahren, als bis die Zusammenkunft unmittelbar bevorsteht.

* Dem ,Berl. Tageblatt' wird aus Bagamoyo tele- graphirt: Die Ueberbleibsel der Erpkditi-N Zrlewski, nämlich die Lieutenants Tettenborn und Heydebreck, sowie die Unteroffiziere Kay und Wutzer sind mit 65 Mann soeben hier eingetroffen. Es ist kaum Hofftiung vorhanden, oaß von den Uebrigen sich noch einige ein­finden werden. — Dann wären also etwa 350 Mann mit dem Führer derselben im Kampfe mit den Wahehes umgekommen.

* Der Oberführer der ostafrikanischen Schutztruppe, Dr. Wilhelm Schmidt, ist aus der Schweiz zurück- gekehrt und wird mit dem nächsten Dampfer (25. Sep­tember) die Reise nach Ost-Afrika antreten, um das Kommando der Schutztruppe zu übernehmen. Seine

Ernennung zum Kommandeur ist, wenn sich der Tod v. Zelewskis bestätigt, wahrscheinlich. Derselbe ist seit 1885 in Ostafrika thätig; er ist am 4. März 1859 in Braunschweig geboren und trat im Ottober 1885 in eine von der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft ab­gesandte Expedition ein: er sollte namentlich eine geo­logische Untersuchung des Kilima-Ndscharo vornehmen. Der Ausführung dieses Auftrages stellten sich aber Hindernisse in den Weg, und Dr. Schmidt, der Reserve- Lieutenant im 3. bayerischen Infanterie-Regiment ist, schloß sich der Expedition Hoernicke nach Usambara an, wo die Station Korogwe angelegt wurde. Er wurde von Wißmann 1889 sofort in die Schutztruppe über­nommen. Bei dem ersten Angriffe auf das Lager Bu­schiris bei Bagamoyo führte er den linken Flügel der Schutztruppe; dann zerstörte er Ende Juni mit nahezu 400 Mann das befestigte Lager bei Kwale, welches die von Buschiri zurückgelassenen Araber und Belutschen errichtet hatten. Auch an der Einnahme von Pangani nahm er Theil und wurde zum Befehlshaber der Station ernannt; dort führte er Festungsbauten in Stein au und beruhigte die Umgegend. Bei einem Ausfluge, den er zu Pferde allein in die Umgebung Panganis machte, wurde er im August 1889 von Maganda-Leuten überfallen und konnte kaum entkommen. Schon am nächsten Tage zog er mit seiner Truppe gegen die Maganda, zerstörte ihre Dörfer und trieb sie nach Westen. Major v. Wißmann rühmt von seiner Thätig- keit in Pangani, daß vor Allem das ruhige und be­stimmte Auftreten des Dr. Schmidt, unterstützt durch seine mehrjährige Kenntniß von Land und Leuten, seine guten Früchte gezeitigt habe. Zuletzt griff W. Schmidt nordwestlich von Pangani ein Rebellenlager mit dem Bajonett an und zerstörte es. In der Zeit der Ab­wesenheit Wißmanns von Ostafrika im Sommer und Herbst 1890 war Dr. Schmidt stellvertretender.Reichs- Kommiffar in Ostaftika.

* Die .Kölnische Volkszeitung' bekämpft entschieden die Auffassung, als ob die Polemik gegen de» ,Osser- vatore Äomano' in letzter Linie auf den Papst falle und daher maßvoller geführt werden muffe; die Unter­scheidung zwischen päpstlicher Politik und den Aus­lassungen des .Osservatore' sei unbedingt festzuhalten. In scharfer Bekämpfung der letztem seien die deutschen Katholiken einig, die.Volkszeitung' werde damit nöthigen- falls fortfahren in Erfüllung einer patriotischen Pflicht und ebenso sehr in Wahrung der kirchlichen Interessen, speziell der Interessen der deutschen Katholiken.

* Im Reichsgesundheitsamte ist heute die vom Reichskanzler berufene Weinkommisfion zusammenge­treten.

* „Geflickte Schienen". Der Bochumer Verein für Bergbau und Stahlfabrikation hat in die .Emsztg.' in Papenburg folgendes Schreiben gerichtet: „Sie haben kürzlich in Ihrer Zeitung d. d. Aschendorf, 30. August, die Mittheilung gebracht, es seien im Laufe des Monats August von Bochum nach Aschen­dorf rc. 300 Schienen geschickt, von denen 72 Stück meist durch Kitt verdeckte Fehler und Mängel gezeigt Jütten und ausgeworfen seien. Mangels näherer Be­zeichnung des Lieferanten ist Ihr Bericht so aufge- aßt worden, als ob diese Schienen aus unseren Fab­riken stammten. Dies ist aber nicht der Fall. Die Schienen sind vielmehr von einem erst im vorigen Jahre gegründeten Stahlwerk geliefert worden, zu welchem der unterzeichnete Verein keinerlei Beziehungen jat. Der Verwaltungsrath. I. A.: Pinagel. Der Generaldirektor Baare." Also, daß „geflickte Schienen" überall mit unterlaufen, diese Möglichkeit wird auch ! lier von Herrn Baare durchaus nicht bestritten, sondem vielmehr vorausgesetzt. Das Publikum aber will über­haupt keine „geflickten Schienen", gleichgiltig, von welchem Werke dieselben geliefert sind. Mit dem „nen- l ^gründeten Werk" sind ziemlich unverblümt die West­fälischen Stahlwerke gemeint, in deren Interesse eine schleunige Untersuchung jetzt ebmfalls liegt.

* Die Handelsvertrags - Verhandlungen zwischen Dmtschland, Oesterreich - Ungarn und Italien in München nehmen, namentlich soweit es sich dabei um Deutschland und Italien handelt, einen günstigen Verlauf. Die italienischen Delegirten, welche nach Ablauf der ersten Lesung neue Jnstruttionen aus Rom einholten, sind auf Grund dieser Jnsttuktionen sehr zuversichtlich in der Erwartung eines baldigen be­friedigendes Abschlusses.

* Ein neues Lotterie-Projekt zur Verbesserung der Aussichten des Kaiserfchlosses in Berlin soll der ,Freis.

Ztg.' zufolge in Erwägung stehen. Diesmal handelt es sich nicht zugleich um die Gewinnung eines Platzes für das National - Denkmal, sondern einfach um eine Verschönerung der Umgebung des Schlosses. Der Kaiser wünscht nach der Seite des Schloßplatzes das Schloß von gärtnerischen Anlagen ähnlich wie auf der Luft­gartenseite begrenzt zu sehen. Die städtischen Behörden haben hiergegen die Rücksichten auf den Verkehr des Schloßplatzes geltend gemacht. Was der Schloßplatz an Anlagen für das Schloß abgebe, muffe anderweitig gewonnen werden durch die Niederlegung eines Theiles der Marstall - Gebäude und der gegenüber liegenden Häuser. Nun sind allerlei Personen am Werke, um ein neues Lotterie-Projekt aufzustellen für die Bestrei­tung der Kosten der Niederlegung solcher Gebäude.

* Bremen, 17. Sept. Herr Pastor Schlösser dahier, in ganz Deutschland bekannt als Vertrauens­mann des „St. Raphael-Vereins zum Schutze deutscher katholischer Auswanderer", dessen Sache er auf den General - Versammlungen der Katholiken Deutschlands wiederholt, zuletzt in Danzig, aufs Eifrigste ver­treten, hat auf seine Pfarrstelle in Bremen wegen an­gegriffener Gesundheit resignirt. Vom Kölner Erzbischof ist demselben das Rektorat des Klosters zum guten Hirten in Aachen übertragen worden.

* Trier, 17. Sept. Gestern Abend zogen die letzten Prozessionen erst um halb 12 Uhr in den Dom ein. Die Ausdauer und Geduld, welche die frommen Pilger bis in die späten Nachtstunden zeigen, zwingt jedem Zuschauer Anerkennung ab. — Gestern hat die Zahl der Pilger, welche bislang am hl. Rock vorbeizogen, eine Million erreicht. Hierunter befanden sich 20 Bischöfe. — Die im Interesse des Evangelischen Bun­des wirkende Presse ist emsig bemüht, wie es scheint, falsche Zeugen und Eideshelfer zu schaffen gegen die bewundernswerth großartige Dokumentation inniger Glaubenstreue und warmer Religiosität, wie die gegen­wärtige Verehrung des hl. Rockes dieselbe bekundet. Gegen die Allgewalt der Thatsache, daß seit fast vier Wochen tagtäglich 30,000 bis 40,000 Pilger den Trierer Dom besuchen, daß alle deutschen Gauen, daß nicht allein Frankreich und Belgien, daß selbst Amerika zu diesen Schaaren sein Kontingent stellt, kann man nicht ankämpfen, so versucht man denn, die von außer­halb der Trierer Diözese herkommenden Pilger zu Vergnügungsreisenden zu stempeln, die nur so nebenbei, oder ganz und gar aus Neugierde dem „sogenannten heiligen Rock," wie man sich auszudrücken beliebt, eine kleine Reverenz machen. Wir glauben kühn behaupten zu dürfen, daß kaum ein halb Prozent der mehr wie achtmalhunderttansend Pilger, die bis jetzt zu diesem Feste nach Trier gewallfahrtet sind, in anderer als tiefgläubiger Gesinnung dorthin eilten, vielmehr von der Absicht geleitet, Christus einen Akt der Huldigung, der Bitte oder der Dankbarkeit in der Verehrung seines heiligen Kleides darzubringen, und wir legen hiermit Verwahrung ein gegen die Tendenz, die Pilger, die von fern her nach Trier kommen, als Bessersttuirte ausscheiden und denselben das Prädikat „Vergnügungs­reisende" aufdrücken zu wollen. Vergnügungsreisende! wahrlich, die preuß. Staatsbahnverwaltung sorgt ge­wissenhaft dafür, daß den Pilgern nicht zu wohl wird. Wo die Thatsachen eine so laute und klare Sprache reden wie in Trier, da ist es für die Nörgler am besten zu schweigen, denn in diesem Falle tritt sonst auch der Pferdefuß der Gehässigkeit um so deutlicher hervor, und diese Gehässigkeit erscheint um so ver­werflicher, weil ihr Wesen Lug und ihr Zweck Trug ist.

* Dresden, 18. Sept. Ganz Sachsen, besonders Dresden, wird Körners 100. Geburtstag feiern. In Frankenberg und in der Bergakademie Freiberg werden besondere Festakte vorbereitet.

Ausland.

* Wie«, 18. Sept. Ein hiesiges Sensationsblatt will aus hocharistokratischen Kreisen erfahren haben, Johann Orth (Erzherzog Johann) lebe noch und jabe an den Kämpfen in Chile auf der Seite der Kongreßpartei hervorragenden Antheil genommen.

* Bern, 17. Sept. Die eidgenössische Post ist bei Bergün (Graubünden) in den Abgrund gestürzt. Zwei Personen wurden hierbei gelobtet und mehrere ver­wundet.

* In einem Rückblick auf den Katholikenkougreß zu Mecheln schreibt das »Schwarze Blatt': Faßt man seine Berathnngen zusammen, so zieht sich vor allem wie ein rotijer Faden das Bestreben hindurch, die soziale