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JV 211

Dienstag, den 15. September 1891.

18. Jahrgang

FiiIdlitrWZciti>.iig

icitung', daß der Entwurf den Landtag in der kom­menden Session beschäftigen werde, übrigens nicht.

• Dem am 1. September d. I. eingeführten allge­meinen Ausnahmrtaris für Getreide, Hülfenfrüchte und Mühlenfabrikate (einschließlich Kleie) sind außer den bereits genannten Bahnen ferner beigetreten : Die Mam- Neckar, Farge-Vegesacker, Hoyaer, Neuhaldenslebener, Warstein-Lippstadter und Osterwiek-Wasserlebener Eifen­bahn (letztere mit Kilometerzuschlägen), sowie die Nord­brabant-Deutsche Eisenbahn bezüglich der auf deutschem Gebiete gelegenen Stationen.

* Am Schluß der ersten 8 Monate seit dem In­krafttreten des Jnvaliditäts- und Altersverfichrrungs- aesetzrs waren im Reiche 111,325 Rentenansprüche an­erkannt, 21,614 dagegen zurückgewiesen. Von den 149,026 überhaupt erhobenen Ansprüchen kamen 8458 auf den Monat August.

* Das ,Berl. Tagebl.' meldet aus Sansibar: Bei Henza fand ein Gefecht der Expedition Zalewski gegen die Wahehe's statt. Es sind angeblich 9 Deutsche und viele Schwarze von der Schutztruppe gefallen. Als tobt bezeichnet werden die Lieutenants Zitzewitz und Buschow, fowie der Unteroffizier Tiedemann. — Die erste, kurze Nachricht an das auswärtige Amt spricht nur von schweren Verlusten. Dagegen ist später die Meldung eingetroffen, daß jene Expedition am 17. August Morgens in Uheha südlich vom Ruhahafluß von Wahehe überfallen und zersprengt worden ist. Vermißt werden die Offiziere Zelewski, Zitzewitz, Pirch, Dr. Duschow, die Unteroffiziere Hoorich L, Tiderwitz, Schmidt, Henzelhaupt und Hewprich. Wohlbehalten sind die Offiziere Tettenborn und Heydebreck, die Unter­offiziere Kay und Wutzer. ,

* Das deutsche Reichseisenbahnamt veröffentlicht eine Nachweisung der Unfälle beim Eisenbahnbetriebe auf deutschen Bahnen (ausschließlich Bayerns) im Monat Juli 1891. Danach sind 230 Personen verunglückt, wovon 34 (darunter 2 Reisende) gelobtet wurden.

* Noch kleineres Kaliber. Daß die Bewegung zur Einführung immer kleinerer Kaliber ihr Ende noch nicht erreicht hat, geht aus den „Neuen militärischen Blättern" hervor. Die Einführung von Wolfram- Geschossen (Wolfram ist ein ziemlich seltenes Metall von größerem spezifischen Gewicht und bedeutend härter als Blei) statt der jetzigen Bleigeschosse würde es er­möglichen, eine vorzügliche Waffe von 6 Millimeter Kaliber und weniger herzustellen. Dadurch würde das Gewehr entweder bedeutend leichter gemacht und des­halb ein größerer Patronen-Vorrath mitgeführt werden können, oder es könnte bei gleichem Gewicht der Waffe die Pulverladung verstärkt und so eine flachere Flug­bahn des Geschosses erzielt werden, wodurch natürlich die Treffsicherheit bedeutend erhöht würde.

* Der Wohlthätigkeitsfinn des deutschen Volkes tritt in den Schenkungen und letztwilligen Zuwendungen für gemeinnützige Zwecke glänzend hervor. Soweit allein das Ressort des preußffchen Kultusministeriums in Frage kommt, beläuft sich für's Jahr 1890 die Werthhöhe dieser Widmungen — es sind im Ganzen 218 — auf

„Ach, mir ist stets kalt; ich meine immer, es sei Abend und werde Nacht." , ,

„Fast bei jedem Ausgang," fuhr Christine fort, „sehe ich welche ans dem Markt und in den Läden stehen, aber - sie sind so sehr theuer. Ich glaube, hier blühen die Blumen nur für die reichen Leute."

Ich weiß das und ich will auch keine," wehrte das'kranke Mädchen ängstlich. „Ich hab' mich im Leben so oft danach gesehnt und — es ist so dumm, — aber manchmal meine ich, ich bekäme plötzlich von Jemanden einen ganzen Korb voll, und dann müßte ich sterben — mitten unter Blumen!"

„Aber warum denkst Du heute so viel an den Tod? Ist Dir bange?"

Gar nicht," sagte Bärbel mit schwachem Lächeln. Mir ist viel besser; ich kann auch viel leichter sprechen." " Das ist gut, und weißt Du auch, was mir eben einfällt? Wenn die Mutter und ich morgen Mittag in die Kirche gehen, will ich auf dem Rückwege die gute Frau Mertens einmal fragen. Die verschafft nur gewiß ein paar Blumen für Dich, denn sie hilft m einer Gärtnerei dann und wann bei der Arbeit aus."

Das wäre wunderschön, und jetzt will ich Dir auch" sagen, warum ich geftern Abend so traurig war. Siehst Du, ich dachte wieder einmal daran, daß ich doch eigentlich ganz unnütz auf der Welt gewesen bin. Ich hab' nichts gethan und nichts gearbeitet, weder für

Eine Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert. (26. Fortsetzung.)

IX. Weiße Rosen.

Da legt sich in der Brust das wilde Toben,

Da öffnet sich dem Gnadenstrahl das Herz;

Und die im Sturm des Schicksals ihn verließen —

Bertrau'n und Glauben, neu im Herzen sprießen!

(L. Brill.)

Es war stille in der Wohnstube. Johannes Fern las in einer alten Zeitung; das Umschlagen der Blätter mnd das leise, eintönige Schnurren einer kleinen Katze in der Ofenecke bildeten das einzige Geräusch.

Ab und zu flog auch ein Bogel gegen bas Fenster ober eine gedämpfte Stimme summte in abgebrochenen Tönen die Melodie eines Lieblingsliedes aus der Schulzeit.

„Sag', Christel, ob es draußen wohl noch Blumen gibt?" Es war Barbara, die so fragte.

Die Schwester ließ ihr Strickzeug einen Augenblick ruhen und versicherte, daß es noch eine ganze Menge geben müsse.

„Wir sind ja erst im Juli, Bärbel; es ist Som­mer und hell und sonnig draußen."

Deutsches Keich.

Berlin, 12. September.

* Der Kaiser und die Kaiserin trafen um 9 Uhr Vormittags zu Wagen in Niederzwehren eilt, stiegen daselbst zu Pferde und ritten mit dem König von Sachsen, gefolgt von einer großen Suite, nach dem Paradefeld füdlich des Dorfes. Der Kaiser trug die Uniform der Gardes du Corps, die Kaiserin die Abzeichen des 2. Kürassier-Regiments „Königin" und der König von Sachsen die Uniform feines ostpreußischen Dragoner-Regiments Nr. 10. Auf dem Wege schlossen sich den Majestäten die Prinzen Heinrich und Albrecht, ferner der Großherzog von Hefsen, der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Herzog von Edinburg, die Prin­zessinnen Heinrich von Preußen und Alix von Hessen, die Erbprinzessin von Meiningen, sowie die Prinzessin Viktoria von Schaumburg-Lippe an. Die Truppen riefen unter präsentirtem Gewehr dreimal Hurrah. Nach dem Abrciten der Fronten erfolgte zweimaliger Vorbeimarsch, bei dem die Fürsten ihre betreffenden Regimenter an dem Kaiser vorbeisührten. Die Parade verlief sehr glänzend. Das Wetter war prächtig. Der Parade folgte am Nachmittage bei den Kaiserlichen Majestäten größeres Paradediner, zu welchem außer den Fürstlichkeiten nebst Gefolge und Ehrendienst auch die gesummte Generalität des 11. Armeekorps, die kommandirenden Generale, welche zur Zeit in Kassel weilen, die Generalseldmarschälle, die Militairbevoll- mächtigten und Militairattachss, die fremdherrlichen Offiziere, die Militair- und Civilbehörden, die Führer der den Manövern als Zufchauer beiwohnenden fremden Offiziere und viele andere hohe Militairs und distinguirte Persönlichkeiten geladen waren. Morgen Nachmittag, nach der Festtafel im Schlosse werden die Majestäten von Kassel nach Erfurt Weiterreisen, woselbst die Ankunft gegen 93/4 Uhr erfolgen dürfte.

* Die ,Kreuzzeitung' glaubt, daß das Bolksschul- Gesktz dem Landtage in der nächsten Session doch wieder zugehen werde, aber in wichtigen Punkten prinzipiell umgestaltet; vielleicht stoße die Einbringung des Gesetzes auf finanzielle Schwierigkeiten, weil der neue Entwurf auch die Gehalts-Verhältnisse der Lehrer regeln soll. Der vorjährige Entwurf wollte die Mittel dazu aus den Ueberweisungen der Lex Huene gewin­nen. Dieser Plan scheiterte an dem Widerstand der weitaus größten Mehrheit des Abgeordnetenhauses. Ob man ihn wieder anfnehmen wird, wissen wir nicht. Es wird abzuwarten sein, ob der Finanzminister auf an­derem Wege die nothwendigen Mittel bereit stellen wird; in den Kommissions-Verhandlungen des letzten Jahres lehnte er dies auf's Entschiedenste ab. — Das soll also so viel heißen, bemerkt die,Germania' zu vorstehender Mittheilung der ,Kreuzzeitung', daß, wenn der Gesetz­entwurf in der nächsten Session nicht vorgelegt werden sollte, nicht der Kultus-, sondern der Finanzminister dafür verantwortlich zu machen sei. Mehr als den Werth einer Vermuthung hat die Annahme der Kreuz­

mehr als 31/3 Millionen Mark; die baaren Geldzu- wendungen betragen über 21/2 Millionen Mark. In­teressant sind die einzelnen Posten. Auf evangelische Kirchen und Pfarrgemeinden kommen rund 592,000, aufkatholische547,900Mk.; auf evangelisch-kirchliche Anstalten, Stiftungen, Gesellschaften 362,000 Mark auf katholifch-kirchliche 821,000 Mark. Den Univer­sitäten und ihren Instituten wurden 39,770 Mark, ge­widmet, den höheren Lehranstalten und ihren (Stiftungen, 24,112, den Volksschulen rc. 16.300 Mark. Die Taub­stummen- und Blindenanstalten erhielten die ansehnliche Summe von 170,000 Mark, die Waisenhäuser und andere Wohlthätigkeitsanstalten 544.000 Mark. Für Kunst und wissenschaftliche Anstalten wurden Zuwen­dungen im Werthe von 81,000 Mark gemacht. Heil­anstalten rc. wurden mit 74,000 Mark bedacht.

* Trier, 10. Sept. Wie bereits mitgetheilt, hatte die großartige Prozession des Vereins der deutschen katholischen Lehrerinnen die Ehre, vorn Herrn Bischos in Audienz empfangen zu werden. Hochder- selbe sprach zuerst seinen Dank ans für das offene Be- kenntniß des Glaubens, welche die großartige Prozession der Lehrerinnen gegeben habe, indem sie einen so weiten Weg nach alter Pilgersitte zu Fuß unter Gebet und Gelang zurückgelegt hätten. „Es freut mich, daß so viele Hunderte von Euch erschienen find, ^hr wollet alle fest stehen auf dem Grund des Glaubens, auf dem Boden der Kirche. Wie wichtig ist dieses Bekenntniß gerade von Euch, denen so viele Tausende von Kindern anvertraut sind, wichtig in unserer Zeit, wo die feindlichen Mächte fo eifrig sich bemühen, Bil­dung und Erziehung von der Kirche loszureißen, alles nach blos natürlichen Gesetzen einzurichten. Gott wird es Euch lohnen, dieses feierliche Bekenntniß, diesen Pro­test gegen den Unglauben. Gewiß habt Ihr aus Euerer Pilgerfahrt Euch gestärkt in Euerer gläubigen Gesin­nung. Alles, was Ihr gesehen, hat Euch ja den Glau­ben gepredigt; besonders zeigt die alte Domkirche, die in die frühesten Jahrhunderte der Christenheit hmauf- reicht, daß wir Christen nach einem Wort Tertullians wahrlich nicht von heut und gestern sind. S. Helena hat denselben Glauben hier empfangen, den wir haben. Hier hat S. Athanasius gebetet, hier haben S. Maxi- minns und S. Paulinus sich im Glauben gestärkt, hier haben die Trierischen Märtyrer sich Kraft geholt, ihr Haupt dem Todesstreich zu beugen, freudig für Christus das Blut zu vergießen. Ihr habt fodann im Dom die hl. Reliquien gefehen, den hl. Nagel, die Stück­chen von dem Kreuzesholz, Ihr habt dadurch an die Liebe Christi Euch erinnert. Und welche Erinnerungen hat das Kleid in Euch erweckt? Ihr habt gleichsam den göttlichen Kinderfreund gesehen, in sein hl. liebevolles Herz geschaut, und aus diesem Herzen Jesu habt Ihr geschöpft neue Siebe für Euren Beruf, neuen Muth für Eure Mühen und Arbeiten. Was Euch das heilige Kleid und die übrigen Reliquien gesagt, vergeßt es nie, seid Lehrerinnen, Erzieherinnen, welche die Kinder zu Jesus führen, welche das Bild Christi, die Tugenden Christi den Herzen der Kinder einprägeu. Seid, liebe den lieben Gott, noch für die Menschen. Jetzt ist die schöne Mission — Ihr geht in die Predigten, wie alle anderen braven Leute, und ich liege da und — kann nichts thnn, als Euch Müh' und gar viele Last machen.

Bärbel, Du darfst nicht weinen! Von Dir ver- lang't's der liebe Gott nicht, und wir thnn Alles so gern für Dich." „ ., . .. 1

Und geduldig bin ich auch nicht gewesen, klagte die Kranke. „Wenn ich Schmerzen hatte, hab' lch's gesagt, und wenn mir so kalt war, auch. Wenn ich nur etwas erreicht, nur ein gut’ Werk mit hinaufneh- men könnt', bann wollt' ich zufrieden sein."

„Daß Du's so wünschst, das ist schon viel, Bär­bel," versicherte Christine. „Und nun sei lieb und höre auf zu meinen, sonst wird die Mutter traurig, wenn sie nach Hause kommt und Dich so sieht."

„Wo ist die Mutter?"

„Im Vorderhause. Sie hilft Scheuern und Rein­machen und die Susanne auch. Am Sonntag feiern sie drüben ein großes Fest und heut' ist schon Donnerstag."

Bei dem Mittagessen des folgenden Tages wurde sehr eifrig die Frage erörtert, wie man es einrichten werde, um der Mutter und Christinen das Anhören der Predigt zu ermöglichen, ohne daß Barbara deshalb allein bleiben muffe. Sie konnten zu keinem rechten Entschlüsse kommen. Da erklärte der Vater, er tooHe ihre Stelle bei der Kranken vertreten. Der Doktor

" .Rathgebcr für Landwirthschast, Gartenbau und Hauswesen in ,ru>da und au-warts 1 Mark 50 Pfennig