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Samstag, den 12. September 1891

18. Jahrgang

iiIdmWZcitlliig

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,Rathgeber für Landwirthschast, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und au-wärt- 1 Mark 50 Pfennig. w

Deutsches Keich.

Berlin, 10. September.

U * An der gestrigen Getreidebörse gingen die Preise für Weizen um P/2 bis 2 Mk., für Roggen um 21/« bis 2l/a Mk. zurück. Die Berichte von auswärts lauteten auf „lustlos" und „matt". Die hiesige Kauf­lust zeigte sich gering; man will abwarten; auch war die Witterung „ungünstig". Trotz geringer Anfrage mußten daher die Preise nachgeben. Ein Wolff'sches Telegramm meldet aus Petersburg, im russischen Finanz­ministerium werde demnächst die Frage der Roggen­ausfuhr über Archangel zur Berathung kommen. Wie lange wird denn bei der vorgerückten Jahreszeit eine solche Ausfuhr überhaupt noch möglich sein?

* Die ersten amerikanischen Schweineprodukte wer­den frühestens in sechs Wochen auf den deutschen Markt kommen können. Zur Vorgeschichte der Aufhebung des Einfuhrverbotes erfährt die „Allgemeine Fleischerztg.", daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika dem auswärtigen Amte mitgetheilt hatte, daß am 1. September die in ihren Einzelheiten dem auswärtigen Amte bereits bekannte und den deutscherseits erhobenen Forderungen entsprechende Fleischuntersuchung in Kraft treten würde. Daraufhin ist denn die Aufhebung des Verbots am 3. September erfolgt.

* Die Schulfrage bildete neben der sozialen Frage den Hauptgegenstand der Reden, Berathungen und Be­schlüsse auf der Danziger Katholikcn-Versammlung. Gleich die Rede des Herrn Bischofs von Kulm am Montag beschäftigte sich zum großen Theile mit den Rechten der Kirche auf die Schule. Ganz war dieser wichtigen Frage an demselben Abend die Rede des Herrn Dr. Porsch gewidmet. Graf Ballestrem nahm in seiner Schlußrede nochmals ausdrücklich Bezug auf den Windthorst'schen Schul-Antrag, den das Centrum als ein Vermächtniß seines großen Führers betrachtet und behandeln wird. Als Ideal, das andere Völker schon erreicht haben, während es bei uns, wie vieles andere, noch als unerreichbar gilt, stellte Herr Stadt­pfarrer Huhn die volle Unterrichtsfreiheit auf. Auch in anderen Reden der öffentlichen und geschlossenen Versammlungen sowie bei verschiedenen Festlichkeiten wurde die Schul-Frage berührt. Endlich gelangte eine Anzahl Resolutionen über dieselbe zur Annahme. Das alles beweist, wie überhaupt der ganze Verlauf der Verhandlungen, daß die Katholiken nach Windthorst's Tode die Alten geblieben sind, was manche Leute nicht hatten glauben wollen oder wenigstens zu bezweifeln sich den Anschein gegeben hatten. Es ist nicht das Mindeste geändert, und wenn heute der Goßler'sche Schulgesetz-Entwurf wieder vorgelegt würde, so würden die Katholiken genau so entschieden Widerstand dagegen erheben wie früher. Wir wissen, daß er nicht wieder- kommt, daß vielmehr ein neuer Entwurf auf anderer Grundlage aufgebaut werden soll. Weil wir aber nicht wissen und keine Sicherheit haben, wie der neue Ent­wurf aussehen wird, so war es erst recht wohlgethan, mit aller Klarheit und Bestimmtheit auszusprechen, was geschehen muß, wenn nicht ein neuer heftiger Kultur­kampf entbrennen soll. Was wir sogleich vermuthet und

H Jm Sturme der Zett.

Eine Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert.

(24. Fortsetzung.)

„Alls Allem, was ich gesagt habe, läßt sich erkennen, daß die Hauptgrundsätze des sozialistischen Systems gegen Gottes Willen und Gebot verstoßen. Was aber nicht in des höchsten Herrn Absicht gelegen hat, kann und darf sein Geschöpf nicht zu erreichen suchen. Gesetzt den Fall, es würde es erzwingen wollen, so würden sich die Früchte dieses wahnsinnigen Spieles in einen Fluch verwandeln, welchen der Frevler auf sein eigenes Haupt herabgezogen hätte. . . .

„Und nun habe ich Ihnen meine Ansicht von der Sache dargelegt und hoffe, daß ich Ihnen nicht zu viel vorgesprochen, aber auch, daß ich Sie ein wenig überzeugt habe."

„Es ist viel Wahres in dem, was Sie sagen, Herr Kaplan," gab Johannes Fern zu. „Manchmal habe ich ähnlich so gedacht, aber wenn Einer zweifelt, so wissen die Kameraden es Einem so schnell rund zu machen, daß man schließlich weder ein noch aus weiß und mitspricht, was man versteht und nicht versteht."

„Da haben Sie sehr richtig gedacht," bekräftigte der junge Geistliche. „Man muß nur Allem so recht

als durchaus kein Unglück bezeichnet haben, scheint sich zu bestätigen: der Entwurf wird wohl in der nächsten Landtags-Session noch nicht wieder eingebracht werden. Für alte Kulturkämpfer ist das recht unangenehm zu hören; denn sie sehen voraus, daß das eine Nachgiebig­keit gegen das Centrum bedeutet.

* Die Stellung der deutschen Katholiken zur römi­schen Frage präzisirt die ,Germania' in einer Klar­legung der Beschlüsse der Danziger Katholiken - Ver­sammlung, in welcher sie eine irrthümliche Meldung des Moniteur de Rome' über die Berufung eines inter­nationalen Kongresses zur Zurückgabe des Kirchenstaates an den Papst berichtigt, in folgenden Sätzen: „Immer von Neuem Aufgabe und Stellung des Papstthums und die Nothwendigkeit seiner Freiheit und seiner territorial fundirten Souveränetät betonen, immer von Neuem protestiren gegen das ungesühnte Unrecht in Rom und gegen dessen kirchliche, sittliche und politische Nachtheile, ohne Unterlaß Gott bitten um Erleuchtung und Besse­rung der Schuldigen, und um Abkürzung der von ihnen verursachten Leiden niemals nachlassen, die kirchlichen Bedürfnisse durch Spenden für den Peterspfennig zu befriedigen und in dieser Beziehung die kirchliche Un­abhängigkeit sichern — das ist Alles, was die deutschen Katholiken bei der gegenwärtigen europäischen Konstel­lation bezüglich der römischen Frage thun können und auch eifrig zu thun sich bemühen. Gegen den Drei­bund auftreten, ist weder Pflicht, noch nützlich, noch für sie erlaubt!"

* Potsdam, 10. Sept. Die Kaiserin reiste um 2'/2 Uhr per Sonderzug von Wildpark nach Kassel ab, von den drei ältesten Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold zum Bahnhof geleitet.

* Köln, 10. Sept. Der deutsche Juristentag wird durch Senatspräsident v. Stoesser aus Karlsruhe eröffnet. Senatspräsident Drechsler-Leipzig wird als Vorsitzender gewählt und beruft in den Vorstand Struckmann (Köln), Hueffer (Bonn), Götz (Köln), Brunner (Berlin), Heck (Greifswald), Norkramer (Köln), Rieth (Köln), Hanauseck (Wien). Oberbürgermeister Becker begrüßt Namens der Stadt, Rektor Hueffer-Bonn Namens der Universität die Versammlung. Geheimrath Eck-Berlin berichtet sodann über die Rechtsentwickelung in Deutschland seit dem letzten Juristentag. Dann folgen Abtheilungssitzungen. Angemeldet sind bis jetzt etwa dreihundert Mitglieder.

* München, 10. Sept. Der Kaiser begab sich heute Vormittag 9 Uhr mit dem Prinzregenten und dem Prinzen Ludwig nach dem Manöverfelde östlich von Röhrmoos. Die Rückkehr zum Familien-Diner ist gegen 21/i Uhr in Aussicht genommen. — Nach einer Mel­dung der ,Neuesten Nachrichten' sagte Se. Maj. der Kaiser zu Sr. Königl. Hoheit dem Prinzregenten: „Ich beglückwünsche Dich zu dieser schönen Armee!" — Der Kaiser hat ferner an Mitglieder der städtischen Behör­den Auszeichnungen verliehen, darunter den Rothen Adlerorden 2. Klasse an den Bürgermeister Dr. von Widenmayer, den Rothen Adlerorden 3. Klasse dem 2. Bürgermeister Wilhelm Borscht, den Kronen-Orden 3. Klasse dem Architekten Hauberiscer und dem Kom- merzienrath Haenle, den Kronen-Orden 4. Klasse dem

auf den Grund gehen und überhaupt nie etwas nach­sprechen, was man nicht versteht; noch weniger aber darnach handeln. Ich muß nun gehen, damit man im Pfarrhause nicht nut dem Abendtisch auf mich zu warten braucht, aber ich werde öfter wiederkommen und dann wollen wir weiter über die Sache reden. Sehen Sie, ich bin auch abhängig, lieber Freund, und ich bin es gern. Wenn wir jede Abhängigkeit, welche Pflicht und Beruf mit sich bringen, im Geiste des Gehorsams tragen, so wird uns Gott dort oben tausend­fältig lohnen."

Hier unterbrach der Ton der Abendglocke seine Rede und er erhob sich, um den Engel des Herrn zu sprechen.

„Ave Maria!" sagte er dann, als er sein Gebet vollendet und das Läuten ausgeklungen hatte. „Mit diesem schönen Gruße wollen wir scheiden. Zuvor aber wollte ich noch fragen, ob Sie nicht gern gute Predigten hören? Wir werden in Kurzem eine Mission hier haben und dazu kommt auch einer unserer ausgezeich­netsten Kanzelredner. Wie wäre es, wenn wir einmal recht herzlich beteten, daß Sie bis dahin wieder so wohl sind, daß Sie diese gnadenreiche Zeit auch mit­machen können?"

„Ach, Herr Kaplan," entgegnete der Kranke ab-

Kommerzienrath Schuster und dem Brauereibesitzer Sedlmayer.

Ausland.

* Mechel«, 10. Sept. (Katholischer Kongreß.) Die soziale Sektion spricht sich für Arbeiterbörsen aus. Nach einer längeren Debatte anläßlich des G e n o s s e n - schaftswesens wurde diesbezüglich die Erzielung eines Einverständnisses zwischen den Handeltreibenden und den Arbeitern als Wünschenswerth bezeichnet. Die literarische Sektion verlangt vom Staate die Unter­drückung unsittlicher Bücher und Zeitschriften.

* London, 10. Sept. Der ,Daily Telegraph' sagt, bezüglich der Dardanellen sei ein regelrechtes Ab­kommen nicht unterzeichnet worden, nur ein Noten- Austausch habe stattgefunden. Auch englische und deutsche Schiffe hätten Kriegsmaterial für Rumänien, Serbien und Bulgarien durch die Dardanellen geschafft.

* Der New-Iorker ,Herold' enthält einen Bericht über das am 9. d. M. in San Salvador stattgehabte Erdbeben. Die Vulkane von San Salvador, der San Miguel und der Zizalka zeigten schon seit einigen Tagen eine erhöhte Thätigkeit, welche sich durch unter­irdisches Rollen bemerkbar machte. Am Morgen des 9. September, 1 Uhr 55 Min, erzitterte die Erde in vertikal schwingender Bewegung. Die Bewohner stürzten in Nachtkleidern auf die Straße, und obwohl der Stoß nur 20 Sekunden dauerte, flüchtete die bestürzte Menge in's Freie. Männer, Frauen und Kinder stießen wie Wahnsinnige Hülferufe aus. Die Straßen und Häuser wankten und stürzten ein. In Zwischenräumen dauerte das donnerähnliche Rollen fort, der Himmel verfinsterte sich, die Athmosphäre war, so lange der Stoß dauerte, mit feinen Staubtheilchen versetzt. Der Boden hob und senkte sich in wogender Bewegung, so daß selbst starke Männer sich nicht aufrecht halten konnten. Während des ganzen Morgens erfolgten noch leichte Stöße. Die Ortschaften auf dem Lande haben noch mehr gelitten, als die Hauptstadt. Analquito, Comafagua sind zerstört. Cojutepeque Santa Tecla, San Pedro und Nasahuct gleichen Ruinen. Zahlreiche Menschenleben sind zu Grunde gegangen. Der Schaden an Eigenthum wird auf Millionen Dollars geschätzt. Die meisten Orte, mit Ausnahme der an der Küste belegenen haben gelitten. Der Stoß wurde bis Santa Ana und Sensumtepeque, 60 Meilen von San Salvador, verspürt.

* Nach einer Meldung des,Herald' aus Valparaiso haben die Juntamitglieder und Senatoren, deren Mandat noch unerloschen, beschlossen, da allgemeine Wahlen das beste Mittel zur Beruhigung des Landes sein dürften, die Wahlen auf den 18. Oktober anzusetzen. Die neugewählten Deputirten und Senatoren sollen am 18. November den Präsidenten wählen. Der Kriegs­minister Balmaceda's unterwarf sich der Junta. Die Chefs der Junta behaupten, zur Anerkennung von Balmaceda ausgegebener Noten nicht berechtigt zu sein. Die Frage wird dem obersten Gerichtshof unter­breitet werden.

* New-York, 10. Sept. In der gestrigen Sitzung der New-Iorker republikanischen Konvention zu Rochester sprachen von 771 Theilnehmern für Blaine alsPrä- lehnend, „daran ist vor der Hand noch gar nicht zu denken. Wir wollen erst warten, bis ich wieder auf den Beinen bin — das hat noch gute Weile, und dann muß ich doch auch zuerst meine guten Freunde auf­suchen."

„Haben die während Ihrer langen Krankheit an Sie gedacht?"

„Nein!"

„Nun, sehen Sie, der liebe Gott hat aber an Sie gedacht; denn wxm Er Leiden schickt, an den denkt Er auch. Er ist der beste Freund, und Ihm, der Sie allein wieder auf die Beine bringen kann, gehört doch auch der erste Gang. Grüßen Sie mir Ihr frommes Kind, die Barbara, und nun, Gott befohlen!" —

Johannes blieb den ganzen Abend einsilbig. Mar- gareth aber dachte, sie hätte eine gar schöne Sonntags­feier gehabt. Es lag wie eine stille Weihe über der kleinen Stube. Während Christel lautlos die Vorbe­reitungen zum Abendbrod besorgte, blieb sie an dem Lager des Gatten und betete, daß die Worte des Priesters nicht nutzlos für ihn verhallt sein möchten.

O Sonntag, du, der Menschheit Segenshort, Der Müde mild zu heil'ger Ruhe bettet, Du ttägst den Himmel auf die Erde nieder Und führst die Erd' hinauf zum ^Himmel wieder!