207
Donnerstag, den 10. September 1891.
18. Jahrgang
uldaerWZkitiing
Trkckernt täalich Sonn« und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile ober deren Raum 16 Pf-, bei Wiederholnugen entf pretfcnb« Rabatt. «ertüjShrlichcr Abonnem'entSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der beLetriftischen Sonntagsbeilage /St^cne und Blum enund der alle 14 Tage ersche .Rathgeber für Landwirthfchast, «artenbau und HmrSwesen' in Fulda und auSwürt« 1 Mark 60 Pfennig.__________________________
Schlußrede des Grafen Kallestrem,
1. Vizepräsidenten des deutschen Reichstags, gehalten in der letzten öffentlichen Versammlung der 38. General- 77 p! Versammlung der Katholiken Deutschlands in Danzig.
Hochwürdigster Herr Bischof! Hochansehnliche Versammlung! Mein.hochwürdiger und hochberedter Vorredner hat die bisher abgelaufenen Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands in zwei Perioden getheilt und hat die zweite Periode kurz mit chem Namen Windthorst bezeichnet. Er meinte, daß die gegen» -wärtige 38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Danzig am Scheidepunkt stände, und daß künftig eine neue Periode der Generalversammlungen beginnen würde. Ich bin mit dem hochverehrten Herrn einverstanden; aber wenn die ganze zweite Periode der katholischen Generalversammlungen unter dem Zeichen Windthorsts stand — Windthorsts des Lebenden — so steht die gegenwärtige 38. Generalversammlung voll und ganz unter dem Zeichen Windthorsts des Verstorbenen. (Lebhafter Beifall.) M. H.! Vom ersten Beginn unserer Be- rathuugen, von der Begrüßungsrede des Präsidenten des Lokal- Komitees und von den ersten Worten unseres hochverehrten erwählten ersten Präsidenten an hat fast jeder Redner seinen Ausgangspunkt genommen von dem uns Allen so theuren Namen Windthorst, — bis endlich gestern der Kulminationspunkt erreicht wurde in jenem herrlichen rednerischen Grabdenkmal, welches mein hochverehrter Freund Herr Dr. Lieber dem verstorbenen Führer über seinem geschlossenen Grabe errichtet hat. (Bravo!) Meine Herren, es würde auch mir wohl anstehen, über den hochverehrten und beliebten Führer und Lehrer zu sprechen, zu dessen Füßen ich zwanzig Jahre als politischer Schüler gesessen habe, und dessen Liebe und Vertrauen in hohem Maße zu genießen mir das unvergängliche Glück zu Theil wurde. Jedoch, meine Herren, ich sage: der Kulminationspunkt ist gestern erreicht worden; unb ich könnte nur Geringeres und es schlechter sagen, als es gestern gesagt worden ist. Und deshalb will ich zu Ihnen sprechen nicht direkt von Windthorst, aber ich will zu Ihnen sprechen von den Hinterbliebenen. Nicht von der ehrwürdigen Frau, die im einsamen Hanse zu Hannover sitzt, nicht von der heldenmüthigen Tochter, die, nachdem sie dem Vater bis zum letzten Athemzuge beigestanden, nunmehr der greisen Mutter tröstend zur Seite steht. Das sind seine natürlichen Hinterbliebenen, denen wir nur geringen Trost spenden können, sie erwarten ihn von dem allmächtigen Gott, und er wird ihn diesen edlen Frauen auch gewähren. Ich will zu Ihnen sprechen, von den politischen Hinterbliebenen Windthorsts.
Wer sind nun dieselben? Gewiß sind es zunächst die engeren Freunde mit denen Windthorst in den Fraktionen der gesetzgebenden Körper zusammen und an ihrer Spitze die unvergleichlichen Geistesschlachten der letzten Jahre geschlagen hat. Es sind ferner auch die, die sich nach dem Borbilde dieser zu Berlin tagenden Versammlungen in den anderen Ländern des Deutschen Reiches und unter dem Namen Centrumsfraktion gebildet haben.
Aber, meine Herren, die Hinterlassenschaft Windthorsts ist viel größer; die Zahl seiner Hinterbliebenen ist eine ungeheure. Alle die, die hinter diesen Männern stehen, die in den gesetzgebenden Körperschaften sitzen, die Wähler und auch die, die noch keine Wähler sind, die Männer des katholischen Deutschlands, und nicht bloß die Männer, sondern auch die Frauen, die so mächtig wirken (Heiterkeit), indem sie die Männer anfeuern und Ordnung halten: — alle die gehören zu den Hinterbliebenen Windthorsts. Das ist das katholische Volk Deutschlands. (Bravo!)
Im engeren Sinne werden natürlicher Weise zunächst jene Männer darunter zu verstehen sein, welche das Werk Windthorsts im engeren politischen Leben weiter zu führen haben. Und mit ihnen will ich mich zunächst beschäftigen.
Meine Herren, wenn ein Mann stirbt, der durch seine großen Geistesgaben, -durch seinen weltumfassenden Blick ein großes, blühendes Unternehmen errichtet hat, dem er mit aller Kraft Vorstand, und dessen Geschäfte er in seiner Überlegenheit Über alle seine Gehülfen fast allein verrichtet, — ich sage, wenn so ein Mann stirbt und eine zahlreiche Familie hinterläßt, so treten wohl die, die diesem Unternehmen minder günstig waren, zusammen und sagen: die Söhne werden nicht im Stande sein, das Geschäft des Vaters weiter zu führen; mit ihm wird das große Unternehmen begraben sein; sie werden noch eine Zeit lang vielleicht die Sache dem Scheine nach weiter führen, allein bald muß sie in sich selbst zusammenbrechen, wenn der Geist, der
Im Sturme der Zeit.
Eine Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert (22. Fortsetzung.)
Sie war bange, daß er sich ereifern und seinen Zustand dadurch verschlimmern möchte, darum lenkte sie begütigend ein:
„Er kommt ja auch nicht zu Dir, und Jeder weiß, daß es nicht in Deinem Auftrage geschieht — 's ist eben nur um der armen Bärbel willen. Ach, Johannes, wenn Du sie sähest, wer weiß, wie lange wir sie noch haben!" Ihre Stimme brach, denn sie fühlte, daß die kommende Zeit den herbsten Schmerz für sie bereit hielt, welchen ein Mutterherz empfinden kann. Ihr Mann machte eine ungeduldige Bewegung. Endlich sagte er rauh:
„So thut dem Kinde seinen Willen."
Vielleicht hatte er sich nie eine größere Gewalt an- gethan, als in diesem Augenblicke. Er hatte sich unzählige Male verschworen, nie den Besuch eines Geistlichen in seiner Wohnung zuzulassen — Gott sah, was ihn seine Einwilligung kostete!
Es war ein noch junger, aber sehr frommer Geistlicher, welcher zu Barbara gerufen wurde. Johannes
bis jetzt das Ganze regierte, nicht mehr in demselben waltet. — Auch Freunde dieses Mannes können eine ähnliche Besorgnis) nicht unterdrücken, nur daß sie sie in eine wohlwollendere Form kleiden würden. Und was erlebt man nun an diesem Geschäft? Die Söhne sind vom Vater beschäftigt worden, der eine im Komptoir, der andere im Waarenlager; der dritte besorgte die auswärtige Korrespondenz; der vierte inspizirte die Schiffe des großen Handlungshauses: Alle aber regierte der Geist des Vaters. Nach dem Tode des Vaters treten die Söhne zusammen, sie sagen: keiner von uns hat das weltumfassende Genie unseres seligen Vaters, keiner von uns ist geeignet, an die Spitze des ganzen Unternehmens zu treten, aber wir sind ausgebildet von unserem Vater; wir verstehen jeder eine Branche des Geschäfts, und die verstehen wir gründlich; wir wollen zusammentreten und wollen das Geschäft weiter führen, und jeder wird in der Branche thätig sein, in der er besonders ausgebildet ist. Und durch dieses feste Zusammenhalten der Brüder wird das blühende Geschäft weiter geführt, und die berühmte Firma bleibt berühmt, wie sie es ftüher war. (Stürmischer Beifall.)
Meine Herren, das war ein Gleichniß, — ein Gleichniß aber, welches, wie ich glaube, auch zutrifft. Auch Windthorst hat seine Söhne ausgebildet; auch Windthorst wußte jeden an den Platz zu stellen, für den er besonders befähigt war; auch Windthorst hat Schule gemacht. Abgesehen davon, daß die Centrumspartei und ihre Repräsentanten in den gesetzgebenden Körperschaften schon vor dem Eintritt Windthorsts in diese Körperschaften bestanden haben, abgesehen davon, daß schon damals eine Reihe hochbegabter, ja genialer Männer in diesen politischen Bereinigungen wirkten — ich brauche Ihnen nur den Namen des katholischen Herrn v. Mallinckrodt, ich brauche Ihnen nur die Namen des edlen Bruderpaares Reichensperger zu nennen (Bravo!), die alle drei schon länger als Windthorst für die katholische Sache in den gesetzgebenden Versammlungen mit Eifer und Erfolg und Genie gewirkt hatten — abgesehen also davon, daß diese Vereinigungen früher ohne Windthorst existiren mußten und existirt haben, da kommen nun jetzt alle jene Leute dazu, welche unter Windthorst geschult sind, unter Windthorst gekämpft und mit Windthorst gesiegt haben. (Lebhaftes Bravo). Deshalb ist mir nicht bange. Das Werk des katholischen Volkes Deutschlands wird nicht untergehen, seine Sache wird nicht unterliegen, denn sie ist die Sache Gottes. (Bravo). Und unser Herrgott im Himmel, er braucht nicht einzelne Menschen! (Bravo.) Er läßt den richtigen Mann für die richtige Thai zur richtigen Zeft auftreten. (Bravo.) Und wenn er nach seiner unermeßlichen Weisheit annimmt, daß er nicht mehr uöthig ist, so ruft er ihn ab; und so schmerzlich dies für uns sein mag, wir haben uns dem göttlichen Willen zu beugen. (Bravo.)
Mir ist also nicht bange! Gott wird die Epigonen stärken, Gott wird uns vielleicht auch wieder einen Mann schicken — allein das kommt selten vor, daß nach einander zwei solche weltum- fassendeGenies auftreten, die eine Sache vertheidigen. Aber wie gesagt, jeder muß den guten Willen mitbringen, an seiner Stelle zu wirken, in seinem bescheidenen Maße einen Theil dessen zu thun, was bis jetzt Windthorst gethan hat, und dann wird es gehen; ich bin davon überzeugt. (Bravo!) Jedoch, meine Herren, es wird noch ein Einwand erhoben, weshalb die politischen Hinterbliebenen Windthorsts das von ihm bisher geleitete Unternehmen aufzugeben hätten. Und zwar heißt es: Jedes Unternehmen soll aufhören, sobald die Ursache, die es hervorgebracht, aufgehört hat. Nun ist das Centrum ins Leben gerufen worden durch den Kulturkampf, und der Kulturkampf hat aufgehört: — wenn jemand noch daran zweifeln wollte, so sollten die Ehren, die bis von der Allerhöchsten Stelle aus dem greifen Führer des Centrums vor und bei und nach seinem Tode erwiesen worden sind, allen deutlich zeigen, daß der Kulturkampf enbgültig begraben ist. Ja, meine Herren, auf die Frage komme ich später noch zurück. Was wir als Centrumsleute zu thun haben werden, wenn endlich der Kulturkampf endgültig begraben sein wird, darauf komme ich noch zurück. (Bravo!) Jedoch, meine Herren, ich möchte zunächst Ihre Aufmerksamkeit dahin in Anspruch nehmen, zu untersuchen, ob dieser Zeitpunkt schon jetzt eingetreten ist. Als ich die hohe Ehre hatte, im Jahre 1887 in der 34. Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Trier zu präsidiren, nahm ich auch Gelegenheit, bei meiner Eröffnungsrede diesen Zustand zu untersuchen; und damals kam ich zu dem Resultat, daß unser glorreich regierender hl. Vater Papst Leo Xlll. in einem Schreiben an den hochwürdigsten Herrn
Fern drehte den Kopf nach der Wand um, als er durch's Zimmer ging. Doch den klugen Mann kümmerte das wenig. Er sagte sich im Gegentheil, daß Derjenige, welcher ihm ausdrücklich hatte mittheilen lassen, nicht er, sondern nur seine kranke Tochter wünsche seinen Besuch, wohl am meisten des göttlichen Beistandes bedürfe.
Als Barbara einige Tage später die hl. Sakramente empfangen, trat der junge Priester auch an das Bett des Vaters. Er sprach über das kranke Mädchen mit ihm und stellte auch einige theilnehmende Fragen in Betreff seines Zustandes.
„Ich werde bald wieder wohlauf sein und verlange nach keinem Geistlichen," entgegnete Johannes.
„Das bemerke ich wohl, aber sehen Sie, ich bin auch nur einfacher Leute Kind, und wenn ich nun gern einmal als Freund käme, um ein Stündchen mit Ihnen zu verplaudern, würde Ihnen das nicht recht sein?"
„Wenns so ist, so wird mir Ihr Besuch eine Ehre sein," antwortete der Kranke.
Das war die zweite Staffel auf der Leiter aufwärts.
Der Sonntag kam. Christtne und Susanne hatten einen freien Tag und saßen bei der kranken Schwester, während die Mutter den müden Kopf an das Kissen
Erzbischof von Köln die Situation ganz richttg bezeichnet hatte als Zugang zum Frieden — aditus ad pacem. Ich übersetzte das, meiner rnilitairischen Vergangenheit eingedenk, in die Worte: „Präliminarvertrag mit Waffenstillstand und Demarkationslinie". (Heiterkeit.) Wenn ich mich nun desselben Bildes heute vor Ihne« weiter bedienen darf, so kann ich nicht leugnen, daß die Präli- minar-Friedensverhandlungen langsam, aber günstig vorrücken, daß die Demarkationslinie sich seit jenen vier Jahren etwas zu unseren Gunsten verschoben hat, daß jedoch noch wichtige und gerechte Forderungen unsererseits zu erfüllen sind, ehe wir annehmen können, daß ein definitiver Friede abgeschlossen ist. Meine Herren, zu einem richtigen Friedensvertrage gehört, daß die Kriegsgefangenen heransgegeben werden. (Bravo. Heiterkeit.) Dies ist bis jetzt nicht geschehen. In dem Kampfe, den man Kulturkampf nennt, sind auch Kriegsgesange gemacht worden; aber nur einseitig — wir haben keine (Heiterkeit.); jedoch sind unsere Ordensleute damals zu Kriegsgefangenen gemacht und verbannt worden. Dieselben sind noch nicht zurück; noch weilen die Väter der Gesellschaft Jesu und die, welche der hohe Bundesrath als mit ihnen verwandte Kongregationen bezeichnet hat — die Patres Redemptoristen und noch einige andere Orden — vom deutschen Boden gesetzlich entfernt. Meine Herren, können wir da annehmen, daß der Friede vollständig ist? (Nein!) Dann würden wir nicht im Geiste jenes hohen, uns jetzt entrissenen Führers handeln, dessen letzte Gedanken noch daraus gerichtet waren, diese Kriegsgefangenen ihrem Baterlande wiederzugeben. (Stürmischer Beifall.) Er hat uns als Bermächtniß einen Antrag hinterlassen, der seinen Namen führt und der in den Archiven des Reichstages noch ruht. Ich sage Ihnen: der Antrag kommt zur Erledigung. (Stürmischer Beifall.) Wir werden eintreten für das Erbe des großen Führers, wir werden feinen letzten Willen ausführen, (Bravo.) und ich nehme die Ehre in Anspruch, der Testamentsexeeutor zu sein. (Stürmisches Bravo). Meine Herren, wenn ein definitiver Friede geschlossen werden soll, dann muß das vom Feinde oeeupirte Gebiet voll und ganz zurückgegeben werden. (Sehr richtig.) Diese Bedingung ist noch nicht vollständig erfüllt. Noch ist ein Theil des Gebietes, den wir mit Recht in Anspruch nehmen, uns nicht zurückgegeben, das ist die Betheiligung der Kirche an der Schule. (Bravo.) Niemand wird leugnen, daß die Schule zum Theil der Staatshoheit untersteht; aber Niemand kann auch leugnen, daß mindestens die Ertheilung des Religionsunterrichts der Kirche allein zu unter* stehen hat. (Lebhafter Beifall.) Das ist das Gebiet, was der Staat noch oeeupirt, und das muß zurückgegeben werden, ehe von einem definitiven Frieden die Rede fein kann, (Bravo!) Auch das ist ein Bermächtniß des großen Führers; auch da liegt ein Antrag vor, der den Namen Windthorst führt, der berühmte Schulantrarn der wahrhaft nur minimale Förderungen enthält, und für diesen Antrag wird im preußischen Abgeordnetenhaus die Centrumsfraktion mit demselben Eifer eintreten, wie im Reichstage die Centrumsfraktion für den Jesuiten-Antrag.. Ich wjll dagegen auch das nicht unerwähnt taffen, was günstige? geschehen ist. Während des Kriegszustandes hatte der ßagnefr im Kulturkampf Kriegskontribution erhoben in der Fopp» ogat Sperrgeldern. (Heiterkeit.) Diese Kriegs-Kontributionen sind endlich zurückgezahtt worden, (Bravo!) und zwar an die, den« sie entzogen worden waren. Darüber mein? Herren, spreche ich meine Freude aus, und das ist einer der Punkte, wodurch die Dernar- kattonslinie zu unseren Gunsten verschoben worden ist. (Bravo!) Meine Herren, ich glaube Ihnen nachgewiesen zu haben, daß wir in diesen von uns wie von unserem damaligen Gegner — von dem ich annehme, daß er jetzt nicht mehr unser Gegner ist, sondern nur durch besondere schwierige Berhättnisse verhindert ist, zu dem definittven Frieden zu kommen — heißersehnten vollständigen Frieden noch nicht eingetreten sind, und daß deshalb das Zusammenhalten der Katholiken in der großen Centrums- Dereinigung, welche, wie ich schon ftüher sagte, nicht nur die parlamentarische Fraktion, sondern das ganze katholische Volk umfaßt, und dessen Ausdruck diese Generalversammlungen sind, die alle Jahre zusammentreten, nach wie vor nothwendig ist.
(Schluß folgt.)
Deutsches Keich.
Beriin, 8. September.
* Der Kaiser wurde bei feiner gestrigen Ankunft in München auf dem Bahnhofe vom Prinzregenten ihres Gatten lehnte. Sie schlief nur wenige Stunden des Nachts; denn die beiden Kranken erforderten eine fast unausgesetzte Pflege.
„Der Herr Kaplan hat versprochen, mir heute ein hübsches Bild mitzubringen," erzählte Barbara den Anderen.
Sie sollte sich nicht umsonst gefreut haben. Eine Weile darauf betrachtete sie mit glänzenden Augen eine schöne Darstellung der lieben Muttergottes mit dem Jesukinde, während der Vater nothgedrungen seinem Gaste die Hand reichte.
„Ihnen, liebe Frau, habe ich ein kleines Büchlein mitgebracht," sagte der würdige Geistliche, indem er neben dem Bette Platz nahm. „Vielleicht blättern Sie in den Abendstunden einmal darin; es sollte mich freuen, wenn es Ihnen von Nutzen wäre."
Margareth schlug das kleine Buch dankend auf — auf dem Titelblatte standen die einfachen, aber schwer wiegenden Worte: „Das häusliche Glück."
Johannes Fern hatte gefürchtet, fein Besuch werde ihm vom Beichten, Kirchengehen rc. sprechen und gewaltig in ihn dringen, sein bisheriges Leben aufzugeben. Zu dem Letzteren war er durchaus nicht enffchlossen, und was jene Worte anging, so haßte er schon chre n