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18. Jahrgang

FiildmWZeitlliig

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate tosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 16 Pf., bei Wtedrrholuuae» entsprechend« Rakatt. M Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bring«lohn und Bestellgeld nnt der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erschrmenden VrattldNWM .Rathgeber für Landwirthschoft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärt« 1 Mart 60 Pfennig. G

38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. (Fortsetzung.)

* Danzig, 31. August.

In der ersten öffentlichen Generalversammlung führte Abg. Dr. Porsch-Breslau in seiner schon er­wähnten Rede über die Schulfrage weiter aus: Als 1888 der sogenannte Windthorst'sche Schulan­trag erschienen, sei ein Sturm erheuchelter oder wirk­licher Entrüstung durch die Reihen der Gegner ge­gangen, als ob das Centrum etwas Ungeheuerliches fordere. Und doch habe man nichts anderes verlangt, als was der preußische Minister von Ladenberg selbst aufgestellt habe. Wir wollen nur den bis 1872 be­standenen Zustand, unter dem Preußen groß und mächtig geworden. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen keinen Streit. In der letzten Session erschien dann der bekannte Schulgesetzentwurf, der zwar zurückge­zogen wurde; doch ist bereits ein neuer angekündigt. So stehen wir zwischen zwei Schlachten und da heißt es: Stellung nehmen. Wir erheben unsere Forderungen nur für uns und für unsere Kirche, aber wir verlangen die gleichen Rechte auch für die anderen Konfessionen und werden für sie eintreten. Wir erwarten dabei aber Gegenseitigkeit, wahre Parität, und diese besteht leider vielfach nicht, vor Allem leider nicht in der Mark Brandenburg, wo Hunderte von katholischen Kindern keine katholische Schule haben. Wir stellen zunächst den Grundsatz auf, daß die katholische Kirche allein berechtigt und befähigt ist, den Religionsunterricht zu ertheilen. Das ist ihr mächtiger Rechtstitel, mächtiger wie jeder andere, denn er ist ihr gegeben von Gott selbst. Die Kirche kann aber hauptsächlich nur so lange lehren und erziehen, als der Mensch bildungsfähig ist, und das ist vor Allem im schulpflichtigen Alter des Kindes der Fall. So ist denn auch das ganze Schulwesen von der Kirche ausgegangen, und diese Mutter der Schule soll man nicht hinauswerfen. Wir bekämpfen nicht das Recht des Staates, aber der Staat soll das Band zwischen Schule und Kirche nicht lösen, beide sollen Hand in Hand gehen, ein Condominium üben, für das die Ge­setzgebung eine Formel finden muß. Die Kirche kann nicht verzichten auf ihr Recht, die Kinder zu unters mchten und die Leitung des Religionsunterrichtes zu heben. Dadurch wird die Autorität des Staates ebensowenig geschmälert, wie die dcs Königs, wenn er stch „von Gottes Gnaden" nennt. Nicht die sind Feinde des Staates, welche die Staatsregierung bekämpfen, son­dern der ist Feind der Monarchie und der staatlichen Ord­nung, welcher für Omnipotenz schwärmt und die Kirche wie eine Magd des Staates behandelt. Die Kirche hat ihr eigenes Recht auf freie ungehinderte Bewegung, kraft eigenen Rechtes erzieht sie für den Himmel. Neben dem Religionsunterrichte aber müssen auch die anderen Unterrichtsgegenstände in Betracht gezogen werden. Dem religiösen und dem konfessionellen Bedürfnisse des Volkes muß Rechnung getragen werden, und das Volk verlangt, daß das geschieht, daß konsessionelle Schulen

G Im Sturme der Zeit.

Eine Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert (17. Fortsetzung.)

VII. War das seine Rache?

Mag sich des Mannes Muth im Glück erproben, Des Weibes Kraft im Unglück sich bewährt; Ihr Glaubenswort, durch Liebe mild verklärt, Zieht mächtig sein gefangen Herz nach Oben.

L. Brill.

Der Nachmittag war schon ziemlich vorgeschritten, als Margareth und ihre Tochter in ihr düsteres Heim zurückkehrten.

Das bleiche Gespenst der Armuth und des Elendes grinste ihnen noch deutlicher entgegen, als vor ihrer Abreise, und der Unterschied zwischen der traurigen Oede der beiden Dachkammern und dem behaglichen Stübchen der Muhme machte sogar Christinens junges, wenn auch an Leid gewöhntes Herz verzagen.

Bei ihrem Eintritt fanden sie Bärbel an ihrem gewöhnlichen Platze in der einzigen Fensternische sitzen. Sie schlief, während ihre durchsichtigen, schlanken Hände stch noch bemühten, die Näharbeit auf ihrem Schooße festzuhalten. Sie mochte wohl zu arbeiten versucht haben, war aber vor Schwäche und Entkräftung ein- gefchlafen. Wie scharf zeichnete sich das blasse Oval des Gesichtes mit seinen hervorstehenden Backenknochen von dem schwarzen Jäckchen ab, das ihre mageren

eingerichtet und erhalten werden. (Lebhafte Zustimmung.) Redner führt dann neuere (noch weniger bekannte) Ent­scheidungen des Kammergerichts an, worin anerkannt wird, daß für die konfessionelle Erziehung nicht allein der Religionsunterricht in den Volksschulen genüge, sondern daß auch in den anderen Unterrichtsgegen­ständen den konfessionellen Lehren und Vorschriften Rechnung getragen werden müsse. Denjenigen, welche die Schulanträge des Centrums bekämpften, halte er diese Erkenntnisse des Kammergerichts entgegen. Wenn in Preußen wirklich Unterrichts-Freiheit herrschte, wür­den die Katholiken schon dafür sorgen, daß die katho­lischen Kinder wirklich katholisch erzogen werden. Aber weil keine Unterrichtsfreiheit existire, darum müsse man vom Staat, der daS Unterrichtsmonopol für, sich bean­spruche, verlangen, daß er gesetzliche Garantien für die religiöse Erziehung in der Volksschule gebe. Das zu erreichen, dürfe kein Kampf zu hart und schwer sein. Im Abgeordnetenhause habe man bereits darauf auf­merksam gemacht, daß die Schulfrage vielleicht zu einem neuen Kulturkämpfe führen werde. Freilich werde es dahin kommen, wenn nicht die Gewissensbedenken der Katholiken berücksichtigt würden. Aber er hoffe und erwarte, daß die Schulfrage ihre Lösung finden werde in dem Sinne, wie die Katholiken es erhofften. Man sage allerdings auf der Gegenseite, daß wir verlangten, die Schule solle an die Kirche ausgeliefert werden, aber diese Phrase von der „Herrschaft der Kirche über die Schule" sei eben nichts weiter wie eine Phrase. Nicht der Macht der Kirche, sondern der Ehre Gottes und dem Wohle des Vaterlandes werde es dienen, wenn die Forderungen des katholischen Volkes in Be­zug auf die Schule chre Befriedigung fänden. (Bei Beginn der Rede des Abg. Dr. Porsch verließ Herr v. Goßler die Versammlung. Es hat ihm vielleicht das Thema des Redyers — die Volksschule — nicht recht behagt.)

Nachdem der Präsident Graf v. Rech berg den Eingang weiterer Begrüßungstelegramme mitgetheilt, besteigt Herr Generalvikar Dr. Lüdtke (Pelplin) die Rednertribüne, um über seine Wallfahrt zum hl. Rock nach Trier der Versammlung kurz zu berichten. Auf seinen Antrag wird beschlossen, an den hochw. Herrn Bischof von Trier Namens der Versammlung ein Begrüßungs- und Danktelegramm zu richten. Hier­auf schließt der Präsident die erste öffentliche Ver­sammlung mit dem katholischen Gruße kurz nach 8 Uhr.

* Danzig, 1. September. Z

Gestern Abend und in vergangener Nacht strömte dichter Regen nieder. Trotzdem war gestern Abend bei der Festversammlung des katholischen kaufmännischen Vereins das Schützenhaus überfüllt. Herr Bischof Redner sprach über die Bedeutung der katholischen kaufmännischen Vereine für die jungen Leute, während Freiherr v. Schorlemer-Alst sich in humorvoller Rede über den Werth einer tüchtigen und religiösen Frau für den Kaufmann verbreitete. Heute früh ist das Wetter besser. Um 8 Uhr heute Morgen wurde

Schultern bedeckte I In einiger Entfernung spielt Hein- ricy mit seinen Holzklötzchen. Als er der Beiden ansichtig wmde, rief er mit seinem schrillen, kläglich dünnen Sümmchen:

„O Mutter wir haben so auf Dich gewartet! Ich bin so hungrig!"

Auf ihr Befragen erzählte er, die Susanna sei bestellt worden, um Wäsche abzuholen, die Anderen wären, nachdem sie aus der Schule gekommen, gleich wieder auf die Straße gelaufen, weil ja doch kein Brod mehr da sei. Und der Vater? Ja, der müßte wohl noch im „Neuen Leben" sitzen, da sei er wenigstens heute früh hingegangen. Wenn die Mutter heimkäme, solle er gerufen werden, — so habe er befohlen. Mar­gareth schüttelte verneinend den Kopf, — sie erbebte vor diesem Wiedersehen und suchte es hinauszuschieben.

Unterdessen hatte sich Christel umgesehen. Holz und Kohlen waren all' und im kleinen Schränkchen fand sich außer einigen rothen Kartoffeln auch keine Spur von Eßwaaren vor. Sie zog stillschweigend ihr altes Wochenkleid an, bürstete und glättete den Sonn- tagsanzug und legte ihn sauber gefaltet in ein reines Tuch, nachdem sie die Mutter fragend angeblickt hatte.

Diese nickte. „Ja, es muß sein," sagte sie endlich entschlossen. „Es ist zwar das Letzte, was entbehrt werden kann, aber was soll sonst werden, wenn die Kinder kommen? Der Vater muß zum Abend eine

in der St. Josephskirche ein Requiem für die verstor­benen Mitglieder der General-Versammlung abgehalten.

Um 11 Uhr begann im Schützenhaufe die zweite geschlossene General-Versammlung, welche nach einer eingehenden Befürwortung durch Freiherrn v. Schor- lemer-Alst unter lebhaftem Beifall der Anwesenden eine Resolution wegen der territorialen Unabhängigkeit des hl. Stuhles annahm. Die Versammlung beschloß weiter, der Wittwe des verstorbenenAbg.Dr. Windthorst ihre wehmuthsvolle Ergebenheit auszusprechen. Als Ort für die nächste General - Versammlung der Katholiken Deutschlands wird Mainz gewählt. Es folgt weiter Annahme einer Resolution, in der die Sammlung von Beiträgen für eine Windthorst-Kirche in Berlin und das Windthorst-.Denkmal in Meppen drin­gend empfohlen wird. Ferner empfiehlt die Versamm­lung den Bonisatius-Verein, namentlich mit Rücksicht auf die kirchlichen Nothstände in Berlin und Hamburg, und fordert ohne jegliche Diskufsion die freie Ausübung der Ordensthätigkeit. Freiherr v. B u o l erklärt, es würde eine Schande fein, wenn noch Worte zur Begründung nöthig wären. (Beifall.)

Bisher beträgt die Zahl der Mitglieder und Theil- nehmer 2500. Für den Abend sind als Redner ver­zeichnet: Prof. Dr. Dittrich (Braunsberg) über religiöse Kunst, Magistratsrath Biehl (München) über die Handwerkerfrage, Rechtsanwalt Karl Trim- born (Köln) über den Volksverein für das katholische Deutschland, Frhr. v. Buol über die Orden, und Oberpfarrer Dr. Schmitz (Krefeld) über katholisches Vereinswesen.

In der heutigen Nachmittags-Versammlung für die Polen werden folgende Themata behandelt: Schule, Missionen, soziale Frage, die Pflichten der gebildeten Stände. — Das Wetter ist wieder schön.

* * ♦

Die heute Nachmittag 4 Uhr im „Schützenhause" begonnene, für die polnisch sprechenden Teilnehmer besonders veranstaltete zweite öffentliche General- Versammlung wies einen sehr starken Besuch auf, namentlich waren viele Landleute und Frauen an- wesend. Die angesehenem deutschen Gäste der Katho- liken-Versammlung waren ebenfalls erschienen; des­gleichen Herr Bischof Dr. R e d n e r. Außer einer Ansprache des Bischofs mit Ertheilung des bischöflichen Segens verbreiteten sich weitere vier Redner eingehend über die bereits genannten Themata. (Forts, folgt.)

Deutsches Keich.

Berlin, 2. September.

* Nächsten Montag wird sich der Kaiser nach München und von dort aus am Freitag nach Kassel begeben.

* Die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins haben folgenden Antrag eingebracht: Angesichts der von Tag zu Tag steigenden Preise für die noth- wendigsten Lebensmittel — Brod — Kartoffeln — Fleisch —, sowie der stetig zunehmenden Arbeitslostg-

toarme Suppe finden, und auch Du und ich haben feit dem Morgen nichts mehr gegessen."

Sie nahm das Packet und ging.

Ach, so hatten wieder Alle nur auf ihr Kommen, auf ihre Hülfe gerechnet und Johannes das wenige, aber für die zwei Tage reichende Geld im WirthS- hause verthan! Was sollte es am Abend geben, wenn er heim kam und von ihr Geld verlangte! Gewiß würde er wieder feiner Sinne nicht mächtig fein. SBettn sie nur die Kinder vor seinen Wuthausbrüchen, ihr Ohr vor seinen wilden Reden und Flüchen schützen könnte! Wie, wenn sie draußen auf ihn war­tete und ihm den schlechten Erfolg der Reife schon im Hose mittheilte? Dann konnte sein Zorn sich nur über sie entladen — aber nein, das hätte leicht einen Auf­lauf verursachen können, und vor dem schreckte ihre zwar rauhe, aber echt weibliche Natur zurück.

Christine kniete unterdessen bei der schlummernden Schwester nieder, entzog ihr sanft die Arbeit und stützte den zurückgesunkenen Kopf durch ein kleines Kiffen. Sie wagte nicht, die Arme zu wecken, denn noch hatte sie ihr ja nichts vorzusetzen, und ihr war wohler, wäh­rend sie schlief! Dann beruhigte sie den Kleinen, in­dem sie ihn aus den Holzklötzchen ein kleines Häuschen bauen lehrte; so ähnlich fei Muhme Gerttud's Haus, sagte sie dabei.

„Ach ja," flüsterte Heinrich, „und in dem kleinen