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Mttwoch^den2^September 1891.
18.Iahrgmg
Fuldaer WZ ei ttng
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38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.
* Danzig, 30. August.
Zur 38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sind bis jetzt 900 Mitglieder und 500 Theil- nehmer angemeldet, darunter viele Polen. Das Wetter ist vortressLch, der Besuch schon heute außerordentlich stark; man zählt bereits 800 Mitglieder und 400 Zheilnehmer. Auch viele Polen sind anwesend.
Heute Abend 7 Uhr nahm die Generalversammlung mit einer Segens-Andacht in der Nikolaikirche ihren Anfang. Um8Uhr begann die Begrüßungs- Versammlung im Schützenhause. Der Saal war überfüllt. Anwesend waren u. A. Fürst Löwenstein, Frhr. v. Schorlemer-Alst, Graf Ballestrem, Rechtsanwalt Dr. Porsch, Abg. Hitze, Frhr. von Heereman, Frhr. v. Buol, v. Kehler, zahlreiche andere Abgeordnete, Propst Racke (Paderborn), Chefredakteur Dr. Cardauns (Köln), Pfarrer Hammer (Pfalz). Auch der Oberbürgermeister Dr. Baumbach war erschienen. Auf den Gallerten waren zahlreiche Damen anwesend. Die Versammlung wurde mit Musik und Liedervortrag eröffnet.
Der Vorsitzende des Lokalkomitee's, Herr Kaufmann Fuchs (Danzig), begrüßte die Anwesenden. Trotz der vielen Schwierigkeiten, welche sich den Danziger Katholiken entgegenstellten, wurde es jubelnd begrüßt, daß die Katholikenversammlung hier abzuhalten beschlossen worden war. Die katholische Liebe kommt überall hin. Redner gedenkt des Todes Windthorst's und der Ausstellung des hl. Rockes zu Trier. Beides hätte wohl Befürchtungen bezüglich der Versammlung erregen können, doch die starke Besetzung zeige, daß die Befürchtungen unbegründet waren. Er danke herzlich den Erschienenen und heiße Alle herzlich willkommen. Die Katholikentage suchen vor allem die Förderung der Ehre Gottes und sind ebenso dazu angethan, die Ehrfurcht vor dem weltlichen Oberhaupt zu stärken. (Lebhafte Zustimmung.) Sie suchen nicht die Herrschaft der Kirche über Alles. Gewiß wollen wir die Herrschaft der Kirche über unsere Herzen. Die uns wegen dieser Knechtung bemitleiden, sollten zu den Katholikentagen kommen und sehen, daß es unser größtes Glück ist, treu zur Kirche zu stehen. (Beifall.) In der heutigen Zeit ist es wohlgethan, die Bestrebungen der Katholikentage zu fördern. Ich stelle die Verhandlungen unter den Schutz der hl. Jungfrau Maria, deren Verehrung in Danzig nie erloschen ist. Sie möge uns beistehen, daß alle Beschlüsse zur Ehre Gottes, zum Heile des Staates und zum Wohl der Nebenmenschen gefaßt werden. (Lebhafter Beifall.)
Hr. Oberbürgermeister Dr. B a u m b a ch, lebhaft begrüßt, bewillkommnet die Versammlung Namens des Magistrats und der Stadt. Er hätte gehofft, hier einen Mann begrüßen zu können, der bei den Katholiken mit Recht in größtem Ansehen stand, dem auch der politische Gegner die höchste Achtung zollte, der ihm weit mehr Freund als Gegner gewesen sei. Er hat nicht mehr erscheinen können, aber Ehre seinem Andenken. (Beifall). In Danzig leben die Konfessionen in Frieden, und das ist unsere Freude und unser Stolz,
Gl Im Sturme der Zett.
Gne Erzählung aus der Gegenwart von Klara Löt schert (15. Fortsetzung.)
Unterdessen durchwanderte Christine die nächste Umgebung der Hütte. Jeder grüne Rasenfleck, jeder Baum und jede Blume hatten ein Interesse für sie. So war sie bis in die Nähe des Hofes gelangt, welcher damals ihrem Vater gehört hatte. An einem Abende, an welchem er besonders gut gelaunt gewesen war, hatte er ihr Manches von ihrer Heimath und von der verstorbenen Mutter erzählt, und sie hin wiederum hatte versucht, sich eine, wenn auch schwache Vorstellung von dem Leben der Eltern und ihrer ersten Geschwister zu bilden. Gern hätte sie sich das Haus besser angesehen. Es lag so einsam da drüben und sah so stattlich aus im Vergleich zu den beiden Dachstuben daheim! Wie schwer mußte es dem Vater nicht geworden sein, sich in das arme Leben hineinzufinden! Gewiß, sie wollte immer recht gut gegen ihn sein, wenn er auch manchmal unzufrieden oder zornig schien. Warum nur hatten sie den Hof nicht behalten können?
Während sie noch überlegte, ob sie wohl wagen könne, näher zu treten, ohne aufzufallen, fesselte sie
Wir hoffen und wissen, daß auch Ihre Verhandlungen auf dem Boden gegenseitiger Duldung und Werthschätzung der Konfessionen sich bewegen. (Beifall.)
Graf B a l l e ft r e m überbringt Grüße aus Breslau, GrafRechberg-Rothenlöwen von den Katholiken Württembergs, v. Schorlemer-Alst, jubelnd begrüßt, von den Landsleuten in Westfalen. Wenn auch mein Doktor die Achseln zuckte, ich habe gesagt, ich gehe doch nach Danzig, wenn ich mich irgendwie rühren kann. (Bravo!) Die Worte des Herrn Oberbürgermeisters haben mich tief ergriffen; sie gereichen der Stadt und dem Magistrat, sowie dem Herrn Oberbürgermeister zur größten Ehre. (Beifall.) Ich glaube im Namen Aller versichern zu dürfen: wir werden die in uns gesetzten Erwartungen erfüllen. Von keiner Seite, aus keinem Munde wird ein Wort fallen, das die religiösen Anschauungen Andersdenkender verletzen könnte. (Beifall.) Als ich an Hannover vorbeifuhr, dachte ich, könnte ich doch unfern alten Windthorst mitbringen. Gott hat es anders gewollt; aber Windthorst's Geist wird auch diese Versammlung beseelen. Uns vereinigt ein doppeltes Band: das Band der Gemeinsamkeit im Glauben und der Treue zu Fürst und Vaterland, zu Kaiser und Reich. Wir sind unserm jugendkräftigen, geliebten Kaiser dankbar für das, was er in seiner kurzen Regierungszeit gethan, namentlich für die Erhaltung des Friedens, und wir erklären, wenn jemals ein Feind frevelnd in die Grenzen unseres deutschen Vaterlandes einbräche, dann werden wir Katholiken in erster Reihe stehen, um die Größe und Einheit des Vaterlandes, des theuern, und die Monarchie zu vertheidigen. (Lebhafter Beifall.) Keinem räumen wir den Vorrang ein, wir stehen treu und fest zu Kaiser und Reich. Lassen Sie uns gleich am ersten Tage diese Gesinnung, die aus dem doppelten Bande, das uns einigt, entspringt, bethättgen, indem Sie mit mir einstimmen in den Ruf: Papst Leo XIII. und Kaiser Wilhelm II. leben hoch! (Stürmischer Jubel.)
Es überbrachten weitere Grüße Frhr. v. Buol aus Baden, Reichstags-Abgeordneter Biehl aus München, Herold aus dem Eichsfelde, Chefredakteur Dr. Cardauns (Köln), der die Damen feiert, Klein (Elberfeld). Pfarrer Lukaszozyk (Könighütte) führt unter lebhaftem Beifall aus, daß es gleich sei, ob tohr in polnischer oder in deutscher Zunge dem Oberhaupte der Kirche und des Staates unsere Ehrfurcht bezeugten. Graf Kwilecki bringt Grüße aus der Erzdiözese Gnesen-Posen, um zu dokumentiren, daß die Katholiken ohne Unterschied der Nationalität ein einig Volk von Brüdern sind. Weitere Grüße überbrachten noch Professor Dr. Dittrich Namens der Diözese Ermland, König (Mannheim), Stadtpfarrer Westermayer (München) für die Erzdiözese München-Freising, Mol- than (Mainz), Hammer (Pfalz) und der Abt Franz von Mariahilf.
Nach einer Ansprache des General-Vikars Luedtke (Pelplin) wurde die Versammlung geschlossen, worauf ein Konzert noch längere Zeit einen großen Theil der Festtheilnehmer zusammenhielt.
Danzig, 31. August.
Heute Morgen, 8 Uhr, fand ein feierliches P o nt i- ficalamt in der Pfarrkirche zu St. Nikolai behufs
der Blick, den man von der Anhöhe in das unten liegende Thal hatte. Die Sonne stand schon ziemlich tief, und die prächtigen Wiesen und die in der Ferne verstreut auftauchenden Basaltmassen erglänzten unter ihren Strahlen. Auch der Kirchthurmund die Häuser des Dorfes leuchteten herüber. Christine wunderte sich, daß so viele Menschen in der Stadt wohnen wollten, und fragte sich, warum sie nicht lieber herauszögen, wo der Himmel so tiefblau über der Gegend ruhte und die Luft so rein und würzig wehte? Sie vergaß Alles um sich her und würde wohl noch lange gestanden haben, wenn nicht ein dumpfes Geräusch und ein Stampfen, wie von dem Auftreten vieler Hufe, sie plötzlich aufgeschreckt hätte.
Sich umwendend, gewahrte sie eine zahlreiche Kuhheerde, an deren Spitze ein mächtiger Stier schritt, Nicht an den Anblick gewöhnt, erschrak sie heftig und überlegte, was sie thun wolle, um nicht den Thieren gerade entgegen gehen zu müssen. Doch es blieb ihr keine Zeit übrig; hart an den Abhang gedrängt, sah sie noch, wie der Hirt seinen Stock erhob, um ihr wahrscheinlich eine Richtung anzudeuten, dann rannte sie quer an der Heerde vorbei, direkt auf den Hof zu, in einem so athemlosen Lauf, daß sie fast an dem
Anrufung des hl. Geistes statt, welches der hoch». Herr Bischof Redner celebrirte. Darauf bewegte sich ein festlicher Zug nach dem Schützenhause, woselbst die erste geschlossene Generalversammlung abgehalten wurde. Zum erstm Präsidenten wählte man den Grafen Rech berg, einen Württemberger, zum erstm Vizepräsidenten Herrn Kaufmann Walther aus Erfurt und zum zweiten Vizepräsidenten den Grafen Kwilecki. Schriftführer sind Abgeordneter Dr. Krebs, Graf Droste, Pfarrer Menzel und Rechtsanwalt Bilewicz. Der Vorsitzende des Ausschusses für die römische Frage ist Graf Ballestrem, für Soziales Hitze, für die Missionen und Charitas Hr. v. Rochow, für Kunst, Wissenschaft und Presse Graf Sierakowski, für die Schule Rechtsanwalt Dr. Porsch, für Vereinswesen v. Kehler.
Graf Kwilecki verlas ein päpstliches Schreiben, welches der Versammlung den aostolffchen Segm ertheilt. Das Schreiben wurde telegraphisch beantwortet. (Forts, folgt.)
Deutsches Deich.
Berlin, 31. August.
* Die ,Köln. Ztg.' verzeichnet das Gerücht, der russische Minister des Auswärtigen, von Giers, werde im Laufe des September den Fürsten Bismarck besuchen und sich sodann nach Oberitalien begeben.
* Die ,Köln. Ztg.' und Magdeb. Ztg.' enthalten wörtlich übereinstimmend folgmdes Telegramm: „Berlin, 28. August. Polnische Blätter wußten in den letztm Tagen zu berichten, daß der Vatikan für die Besetzung des Posener Erzbischofs-Stuhles, den Wünschen der preußischen Regierung entsprechend, in die Wahl eines deutschen Priesters gewMgt habe. Wie wir von verlässigster Seit^ erfahrm, ist diese Angabe durchaus grundlos. Die Angelegenheit befindet sich unverrückt auf dem bisherigen Standpunkte; der Vatikan begünstigt nach wie vor die Wahl eines polnischen Priesters, und diesseits hält man daran fest, einen Deutschen berufen zu sehen." Die ,Germania' hat in den letzten Vierteljahren wiederholt berichtet und allen gegenteiligen Angaben gegenüber aufrecht erhalten, daß die Angelegenheit nicht von der Stelle kommt, bezw. ruht. Fünf Vierteljahre ist es nun bereits, daß durch den Tod des Erzbischofs Binder die große Erzdiözese Gnesen-Posen erledigt ist. Zwar ist dieselbe durch Kapitularvikare und Weihbischöfe versorgt, aber einen guten Eindruck macht es dennoch nicht, daß die defiuittve normale Besetzung noch immer nicht möglich ist. Und das Eine müßte man doch in Berlin sich sagen, daß der päpstliche Stuhl die verschiedenen Nationalitäten mit gleicher Liebe behandeln muß und auf eine prinzipielle Ausschließung der Polen auch von Bischofssitzen nicht eingehen kann. Die gemischtsprachigen Diözesen Preußens waren zu Erzbischof Dinder's Zeit alle mit Bischöfen deutscher Nationalität besetzt, und der päpstliche Stuhl muß also in Betracht ziehen, daß ihm, zumal die Tendenzen der preußischen Regierung dahin drängen, nicht auch der Vorwurf gemacht werden könnte, die Polen von allen wichtigen Stellungen ausschließen zu wollen.
Thore zusammenbrach. Das gewaltige Brüllen des Stieres erscholl hinter ihr, und sie fühlte, daß er ihr folgte. Doch in diesem Augenblicke öffnete sich die kleine Pforte; ein junger Bauer trat heraus, reichte dem zitternden Mädchen die Hand, zog es herein und schloß das Thor wieder ab.
„Es sind einige von unseren Kühen dabei", sagte er ruhig. „Der Stier ist ein wenig wild und ich bedauere, daß er Sie erschreckt hat".
Christine wußte nicht, wie ihr geschah. Sie sah sich plötzlich auf einem niederen Holzschemel sitzend in einer geräumigen Küche, deren Wände von blitzenden Pfannen und Deckeln widerstrahlten. Ein mächtiges Feuer loderte auf dem Heerde, an dem eine behäbige, aber gutmüthig ausfehende Frau stand. Sie hob eben einen dampfenden Topf in die Höhe und blickte erstaunt auf. Der junge Mann trat leife an sie heran und sprach leise einige Worte. Da nickte sie freundlich, füllte ein Glas mit schäumender Milch und sagte, es dem bleichen Mädchen reichend:
„Trinken Sie, das thut gut nach dem Schreck; mein Sohn kann Sie in die große Unterstube führen."
Christine dankte bescheiden und bat, hier sitzen bleiben zu dürfen. Ein richtiges Gefühl der Scham