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Beilage zu Nr. 198 der „Fuldaer Zeitung".

* Zur Naturgeschichte der nichtkatholischen Kresse.

Die Kölnische Volkszeitung' gibt einen Ueberblick, wie die verschiedenen nichtkatholischen Zeitungen zur katholischen Kirche stehen. Danach tritt für die katho­lische Kirche kein einziges dieser Blätter ein, als Gegner sind sie sämmtlich zu betrachten, aber die Gegnerschaft äußert sich nicht blos in verschiedener Weise, sonoern tritt auch in recht verschiedener Stärke hervor. Einige nichtkatholische Zeitungen sind katholikenfeindlich bis zum tödtlichsten Haß, andere beschäftigen sich wenig mit katholischen Angelegenheiten, noch andere sind ziem­lich duldsam und auch wohl in manchen Fällen gerecht.

Beginnen wir mit den sozialdemokratischen Blättern, so finden wir, daß diese im Ganzen nach dieser Richtung „über einen Kamm geschoren" sind. Sie verhöhnen und verlästern alles positive Christenthum, und somit nach Kräften auch das katholische, nur geben sie nicht selten der Meinung Ausdruck, die Ultramontanen seien weit „praktischer", „schlauer" und „geriebener" als die pro­testantischen Orthodoxen.

Die freisinnigen Blätter zeigen einen großen Unter­schied. Das duldsamste ist die .Freisinnige Zei­tung,' welche sich grundsätzlich jeder Hetze gegen katholische Glaubenslehren enthält, aber gegen das Cen­trum nicht selten scharf polemisirende Artikel bringt. In demselben Stil ist auch die .Breslauer Zei­tung,' ein großes, freisinniges Organ, gehalten. Die ,Vossische Zeitung' und die .Weser-Zeitung' sind die katholikenfeindlichsten freisinnigen Blätter, am meisten gilt das von der ,Voss. Ztg.', welche nichts und Niemand so leidenschaftlich und unablässig bekämpft, als die katholische Kirche und das Centrum.

Diejenigen freisinnigen Blätter, welche wegen ihrer Verleger oder der großen Zahl ihrer jüdischen Redak­teure oder auf Grund spezieller Interessen, die sie ver­folgen, häufig als,Judenblätter' bezeichnet werden, sind keineswegs besonders feindlich gegen die Katholiken. Dagegen lieben sie, z. B. das .Berliner Tage­blatt,' der Berliner ,Börsen-Courier' und be­sonders das .Kleine Journal' — ebenfalls, aber in geringerem Maße die demokratische.Frankfurter Zeitung', allerhand Skandal- und Klatfch-Geschichten über Klöster, Vatikan und Klerus zu verbreiten; sie verlegen den Kampf gegen die Kirche mehr in die Ver­mischten Nachrichten und das Feuilleton. Das ist eben so wirksam, sieht aber nicht so gehässig aus. Die verschiedenen „unpolitischen" oder „farblosen" Blätter pflegen ebenso zu handeln

Die nationalliberalen Blätter bestreben sich noch immer, in der Katholikenfeindschaft an der Spitze der „Civilffation" zu stehen. Die.Kölnische Zeitung' kennen unsere Leser zur Genüge, die .National- Zeitung' und der .Hannoversche Courier'sind nicht viel angenehmer, am schlimmsten vielleicht treibt es aber die Magdeburgische Zeitung,' bei der die Katholikenfresserei geradezu eine Spezialität ist.

In der freikonservativen Presse ist allein die ,P o st' erwähnenswerth. Sie sucht uns auch viel am Zeuge zu flicken, ist aber immer noch etwas weniger auffallend, als die meisten nationalliberalen Blätter.

Gehen wir zu den gouvernementalen Blättern über, so finden wir, daß die ,N o r d d e u t s ch e Allgemeine Zeitung' sich gegen früher sehr gebessert hat; sie ist eine der wohlwollendsten akatholischen Zeitungen ge­worden. Gar nicht verletzend ist der Deichs-An­zeiger,' leider ist das kein Blatt zur Lektüre.

Von den konservativen Zeitungen kann der .Reichs­bote' der „Voss. Ztg." die Hand reichen. Er kann sich das erlauben, denn kein Blatt dürfte weniger katholische Abonnenten haben, als gerade er. Die der Kirche fernstehenden Katholiken lesen sicher nicht den .Reichsboten', sondern ein liberales oder sozialdemo­kratisches Blatt, und die gläubigen Katholiken lesen das Blatt ebensowenig. Die .Kreuzzeitung' wird wegen der Hofnachrichten, militärischen Artikel und ihrer Nachrichten über Personal- und Beamten-Ver- hältnisse auch in vornehmeren katholischen Kreisen viel gelesen und ist schon deshalb toleranter; hat auch mehr Rücksicht zu nehmen wie Kollege .Reichsbote'. Was hier von norddeutschen Blättern gesagt ist, gilt auch von den liberalen Blättern Bayerns: „N e u e st e Nach­richten," .Abendzeitung' und,Fränk. Kurier.'

Ueberblicken wir nun das gesammte Resultat, so kann man es als erfreuliches gerade nicht bezeichnen. Wenn die Centrum spres se nicht da wäre, fo würde die Vertretung der katholischen Kirche in der Journa­listik recht schlecht fahren. Daß außerhalb der Cent­rumspresse ein Blatt für die kath. Kirche eintritt, kommt fo gut wie gar nicht vor; es handelt sich eigent­lich nur um den größer» oder geringeren Grad der Gegnerschaft. Die Katholiken sollten daher in ihrem eigenen Interesse und in Rücksicht auf das eigene Ehr­gefühl eben fo wenig andere Blätter halten, wie die Konservativen den .Vorwärts' die Antisemiten das

Samstag, den 30. August 1891.

,Berliner Tageblatt' und die Sozialdemokraten die .Nordd. Allg. Ztg.' Wo aber besondere Verhältnisse es nothwendig erscheinen lassen, neben dem Centrums­blatte noch ein nichtkatholisches Blatt zu halten, da sollte man wenigstens nicht ausgesprochen katholiken­feindliche und geradezu fanatische Blätter unterstützen.

vermischtes.

(Die Urfadjctt der Eisenbahnnnsälle.) Der Generaldirektor der österreichischen Karl-Ludwig-Bahn, Hofrath Frhr. v. Sochor, beschäftigt sich in einem Artikel der .Zeitschrift für Eisenbahnen und Dampfschifffahrt', mit der Untersuchung der Ursachen, auf welche die jüngsten Eisenbahn-Unfälle zurückzuführen sind. Frei­herr von Sochor schreibt: „Warum die Eisenbahn-Unfälle zu­nehmen? Nach Zahl und Umfang! Diese Frage schwebt aus so vielen Lippen, daß der Versuch einer Antwort wohl entschuld­bar erscheint. Sie ist kurz und Niemand dürfte sich wohl dagegen erheben: Die Sicherheit aus Eisenbahnen steht im geraden Ver­hältnisse zu dem Ansehen, in welchem die Qualität der Dienst­leistung steht. So lange das Eisenbahnwesen jung war, wurde auf die Qualität der Dienstleistung oben und unten der allergrößte Werth gelegt. Die Unvollkommenheit der Hilfsmittel zwang da­zu ; die Tüchtigkeit des Individuums mußte diese Unvollkommen­heit ersetzen, und deshalb bemühte man sich, zu jedem einzelnen Dienstzweige die spezifisch Geeigneten zu wählen und sie in ge­eigneter Weise in dem betreffenden Dienste zu erziehen. Und da­rauf kommt es in der That an. Seit Lokomotiven und Schienen­wege erfunden sind, ist, außer auf dem Gebiete des Signalwesens, eigentlich doch keine durchgreifende Erfindung im Eisenbahnwesen gemacht worden; Alles sollte sich demnach um die Vertiefung der einzelnen Dienstzweige drehen, denn die Kunst aller Verwal­tung beruht eben auf der Entwicklung der iudividuellen Dienstleistung. Im Laufe der Zeiten hat sich das jedoch wesentlich geändert, und zwar sowohl oben als auch unten. Spezifische Kenntniß des Eisen­bahndienstes erschien für die Dienstleistung immer mehr und mehr entbehrlich und allmählig schlich sich die Meinung ein, die Vor­schrift und die Strenge ihrer Handhabung sei das Wichtigste, auf das Individuum und seine Durchbildung komme es gar nicht an. Das Blocksignal und die automatische Weichenstellung gelten als Ersatz für jegliche Ausbildung und diesen mechanischen Hilfs­mitteln gegenüber sind Pflichteifer und Diensttreue so sehr in Mißkredit gerathen, das successive aus den Menschen selbst ebenfalls Automaten werden, die natürlich auch in demselben Au­genblicke versagen, in welchem an der mechanischen Reihenfolge irgend eine Unterbrechung eintritt. Das Signal ist vorhanden; wozu noch sorgsam nachsehen, ob es richtig gestellt ist, ob der Signalmann seine Pflicht gethan! Er ist ja dafür verantwortlich, sagt sich der Maschinenführer; und der Signalmann kalkulirt: da steht meine Scheibe genau nach Vorschrift; was kümmert mich der Zug sonst noch? Aus diesem Punkte liegt das Geheimniß der immer häufiger wiederkehrenden großen Unfälle. Das über­mäßige Vertrauen in die mechanischen Sicherungsmittel hat nach und nach dazu geführt, den Werth der individuellen Thätigkeit auf Eisenbahnen zu unterschätzen; auf der einen Seite werden die Leistlingen der Eisenbahnen maßlos gesteigert und auf der anderen Seite glaubt man, die mechanischen Hilfsmittel seien ausreichend, um sich von besonderer Qualifikation der Eisenbahnbediensteten ernanzipiren und um auch in Ansehung der Wahl zum Eisenbahn­dienste Angebot und Nachfrage als allein entscheidend betrachten zu dürfen. Schon Weber hat auf den Unterschied zwischen „Können" und „Wissen" im Eisenbahndienste hingewiesen. Und wie erst seitdem? Der Wissensbereich nimmt unzweifelhaft zu, doch Ge­lenkigkeit zu Allem und Jedem scheint mehr und mehr höher im Werthe zu stehen als verläßliches „Können und daraus er­klärt sich auch, wie man dazu gelangt ist, weit weniger da­mit zu erziehen, daß man imEisenbahndienste be­lohnt, wenn dauernd „nichts geschehen ist", als damit, daß man das allergrößte Gewicht darauf legt, in jedem Falle sorgsam zu strafen, wenn „etwas geschehen ist". In der Ver­minderung der Werthschätzung der Individualität und der Erziehung und Eignung des Eiscnbahnbeamten liegt je­doch die allergrößte Gefahr für Gegenwart und Zukunft. Ge­rade deshalb erscheint auf diesem Gebiete die weitgehendste Für­sorge um so dringender geboten, weil es auf den inneren Werth des Eisenbahnbeamten viel, viel mehr ankommt, als auf die sorg­samste Ausbildung automatisch wirkender Hilfsmittel.

* In dem vom preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten herausgegebenen „Archiv für Eisenbahnwesen" wird eine Zusammenstellung der Eisenbahnen der Erde für die Zeit vom Ende des Jahres 1885 bis 1889 veröffentlicht. Darnach haben die Eisenbahnen am Schluß des vorletzten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts eine Ausdehnung von 595,767 Km. erreicht, was einer Zunahme um 245,731 Kni. seit Ende 1879 und um 108,000 Kilometer seit Ende 1885 gleichkommt. Zu der letzteren Ziffer hat Amerika den größten Theil (68,679 Km.) beigetragen, wovon allein auf die Bereinigten Staaten 52,179 Km. entfallen. In Europa betrug der Zuwachs feit Ende 1885 nur 24,604 oder 12,6 Prozent <gegen 25,1 Prozent in Amerika). Von den ver­schiedenen Ländern Europas hat Deutschland den größten Zu­wachs an Eisenbahnlänge 4222 Km. oder 11,2 Prozent aufzu­weisen. Hiernach kommen Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Ruß­land und Italien mit beträchtlichen Vermehrungen — Oesterreich- Ungarn einschließlich Bosnien u. s. w. um 3888 Km. —, während in England, allerdings dem verhältnißmäßig eisenbahnreichsten Lande Europas, die Zunahme nur sehr gering gewesen ist: 1245. In Asien ist es Britisch-Jndien, dessen Eisenbahnnetz den größten Zuwachs, 6180 Km. oder 32 pCt. aufweist. Japan hatte es von 559 Km. Ende 1885 auf 1460 Ende 1889 gebracht, China (Stammland) in demselben Zeitraum von 11 auf 200 Km., doch dürfte der von der russischen Regierung nunmehr in Angriff ge­nommene Bau der sibirischen Bahn demnächst vielleicht auch einen neuen Anstoß zu größeren Eisenbahnbauten in dem großen, volk­reichen China geben. In Afrika hat bisher nur in Algier und Tunis eine beträchtliche Entwicklung des Eisenbahnwesens statt­gefunden. Selbst für Egypten ist feit 1885 nur ein Zuwachs von 1500 auf 1541 Km. zu verzeichnen. Dagegen haben die Eisenbahnnetze in den verschiedenen Kolonieen Australiens im Verhältniß zur Bevölkerungszahl schon eine sehr beträchtliche Ausdehnung und sind im fortdauernd starken Wachsthum der griffen. Ende 1889 belief sich das auf die Eisenbahnen der Erde verwendete Anlagekapital auf rund 128*/» Milliarden M. Es hat sich in einem Jahre, feit Ende 1888, um rund 7 Milliar­den vergrößert. Durchschnittlich stellt sich ein Kilometer Eisen­bahnlänge auf rund 215,700 M.

(Verkommene Genies.) Im Volksmunde hört man häufig die Worte: „Der X. ist ein äußerst tüchtiger Mann in seinem Fache, schade, daß er sich dem Trünke ergeben hat. Aber unter

den genialen Leute findet man Säufer!" Daß Gott erbarm Ein Genie, das zum Säufer geworden ist, das wird nicht viel Geniales mehr leisten. Es können wohl noch etliche lichte Augen­blicke eintreten, in denen der Arme die alte Kraft und das alte heilige Feuer des Genius spürt, aber etwas wirklich Vollendetes wird er kaum noch zu schaffen im Stande sein. Solche Leute mögen auch ehemals zu den genialen Geistern gezählt haben, aber der Wein, das Bier und am Ende der Schnaps haben ihnen die geistige Kraft genommen. Man wird einen solchen Unglücklichen bedauern, als man sich doch immer fragen muß: was ist er jetzt und was könnte er sein? Wenn es in Folge des Trinkens soweit gekommen ist, daß auch die körperliche Krast zu Ende geht, daß er 10 Jahre zu früh in die Grube fährt, da sagt man : „Wieder einer, der sich selbst getödtet, der sich zu Tode getrunken hat." Ja, unter den 46 Millionen Deutschen gibt es eine große Zahl solcher, die ehemals zu den besten Hoffnungen berechtigten, die das ihnen anvertraute Pfund dem Volke viel mehr hätten nutzbar machen können, aber der leidige Alkohol stellte sich ihnen wie ein Dämon in den Weg. Dichter, Maler, Musiker und sonstige Künstler und große Geister zählen unter sich solche, von denen es schließlich heißt: „Verdorben — Gestorben." Der Alkohol hatte ihn in feiner Gewalt und ließ ihn nimmer los. Was können wir nun von diesen Bedauernswerthen lernen? Zunächst, daß die geistigen Getränke heimtückische und deshalb um so gefährlichere Feinde sind. Solche „verkommene Genies" haben wohl zuerst geglaubt, sich etwas vor anderen Leuten herausnehmen zu sollen und zu dürfen. Sie meinten wohl, ihre höhere Gabe berechtige sie auch, des öfteren „über die Stränge zu schlagen." Von dem „öfteren" kam es zum „oft" und endlich so weit, daß der Trunk sein Ovfer rettungslos in seiner Gewalt hatte. Von Stufe zu Stufe ist's gegangen, die Gewohnheit ist ja eine ungeheuere Macht. Wenn von den geistig Hochstehenden unseres Volkes schon so viele häufig nicht der dämonischen Macht des Trinkens wider­stehen können, wie viel weniger wird es bei vielen aus den Ständen der Fall sein, die auf einer nicht so hohen Stnse stehen. Und auch sie könnten doch nützliche Gesellschaftsglieder werden. Der Trunk ist ein gräßlicher Feind. Ohne ihn bliebe viel häusliches Glück bestehen, viele begabte Leute würden dem Gemeinwohl er­halten bleiben und die Zahl der „verkommenen Genies" und die der verkommenen Leute überhaupt würde eine immer kleinere werden.

* In Verlegenheit. Dame: „Sie sind ja so niederge­schlagen, was fehlt Ihnen?" — Dramatischer Dichter: „Nur'n paar Bretter I" — Dame: „Bretter?" — Dichter: „Ja — über welche meine Stücke gehen können!"

* Im richtigen Augenblick. Redner (der von der Tri­büne heruntergerissen und zum Lokale hinansgeworfen wurde); „Gottlob, gerade war ich im Begriff, stecken zu bleiben!"

* Aus dem Berliner Centrnl-Biehhos hat der Thierschutz- Verein zu Dresden ein Plakat anbringen lassen, dessen Inhalt wie folgt, lautet:

Blutig ist ja Dein Amt, o Schlächter, Doch Übe es menschlich.

Schaffe nicht Leiden dem Thier, Das Du zu tödten bestimmt; Leit' es mit schonender Hand Und tödte es sicher und eilig, Wünschest Du selber ja auch: „Körn' doch sanft mir der Tod!" Dresdner Verein zum Schutz der Thiere.

Literarisches.

Rheinischer Bolkskalender" für 1892 mit „Plauder- stübchen der Badischen Vetter." Verlag von Joh. Falk III. in Mainz. Mit 33 Illustrationen, 59 Seiten Text nebst 29 Seiten Markt Berzeichniß und Geschäfts-Anzeiger. Preis 25 Pfennig. (Unter Kreuzband 35 Pfennig.)

Zum fünfzehnten Male erscheint in diesem Jahre der Rhei­nische Bolkskalender in verjüngter Gestalt. Der Geist desselben ist der alte geblieben, doch hat er in sofern dem Fortfchritte ge­huldigt, als hinsichtlich der äußeren und inneren Ausstattung besondere Sorgfalt verwandt wurde. Da ist vor allem das von dem Mainzer Maler Karl Goebel entworfene geschmackvolle „Gedenkblatt" zn erwähnen. Das Kalendarium selbst hat durch „Die Arbeiten im Blumengarten" eine nützliche Beigabe er­halten. Bon den drei reizenden Erzählungen führt uns die erste: „Eine alte Geschichte," verfaßt von Wilh. Koch, in das roman­tische Säckingen, berühmt durch seinen „Trompeter." Meister­haft beschreibt der beliebte Novellist Land und Leute und schil­dert in gleich anziehender Form, wie Charakterfestigkeit, edles Streben und treue, heldenmüthige Liebe zur Vereinigung eines jungen Paares führt. Eingestreute Illustrationen erläutern und beleben sowohl hier als anderweitig den Text. Die zweite Erzäh­lung, von G. K. v. Kellenbach, den Lesern des Kalenders gleichfalls als vortrefflicher Mitarbeiter bekannt, führt den Titel: „Geschwisterliebe." Der Hanptschanplatz der Handlung ist Mainz zur Zeit des ersten französischen Krieges; nach langen Jahren der Trennung finden und versöhnen sich zwei Brüder, der so lange bestandene Zwist muß der Eintracht weichen. Der lang­jährige treue Freund des Kalenders, Superior Jos. Gnerber, erzählt eine Geschichte aus dem Elsaß, sie trägt die Uebcrschrist: „Sponsele" und macht uns mit einem alten, ebenso frommen als sinnigen Gebrauche im Elsaß bekannt, dort eingeführt durch die guten Kapuzinerpatres. Liebe und Barmherzigkeit sind die herrlichen Tugenden, welche die Helden dieser Erzählung zieren. — „Ein siebzigjähriges (eisernes) Priesterjubiläum" schildert uns das?Wirken eines vortrefflichen Priesters im Mosellande (Pfarrer Klein in Dieblich); das beigegebene Portrait zeigt die edlen Züge des bald hundertjährigen Greises. — Die „Plauderei der badischen Vetter" ergeht sich in diesem Jahre in einem sehr zeit­gemäßen Thema: „Die Wallfahrt nach Trier zum heiligen Rocke." Ebenfalls unserer Zeit entsprechend halten wir den recht volks- thümlichen Aufsatz: „Was gibt's Neues in Afrika?" Die „Rund­schau" bringt in der bekannten kurzen und packenden Form eine Uebersicht der wichtigsten Vorkommnisse des verflossenen Jahres. Dieselbe ist mit 11 gut getroffenen Portraits und anderen Ab­bildungen geschmückt. Dem rheinischen, zum Frohsinn neigenden Charakter seiner Leser entsprechend bietet der Kalender neben dem Ernsten zur Kurzweil manchen Scherz in Wort und Bild. Wir nennen besonders : „Ein gestörtes Vergnügen," von Meggen­dörfer, „Probewein," von Harburger und „Die erste Cigarre", von Hartmann. Ein nettes Genrebildchen: „Am Bett der Kinder," wird uns durch ein paffendes Gedicht erläutert. Wie gewöhnlich treffen wir unter der Rubrik „Gemeinnütziges" manches Inter­essante. „Die wichtigsten Bestimmungen aus dem Jnvaliditäts- nnd Alters-Versicherungsgesetz" werden besonders willkommen fein. Der Jnferaten-Anhang, sowie Messen- und Märkteverzeichniß, Porto-Tarif u. f. w. erhöhen den Werth des so überaus prak ttschen und billigen Kalenders.