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18. Jahrgang

Mittwoch, den 26. August 1891.

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Erichnnt täalich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die ernspalttge Zelle oder deren Raum 16 Hf., bei ^^"^lnugen

«ntÄjührlichn A b ° nnem'entSpr - is ohne Bnngnlöhn urw Bestellgeld mit der belletristischen 2°^!-^"«' erneu n dB tu m - nund der alle 14 Tage erschemenden «r-ti—W» l y Rathgeber für Landwirthschast, «artenbau und HanSwesen" in Fulda und auSwttrtS 1 Mark 50 Pfrmng.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. August.

' * Von den 4 Bewerbern zur engeren Konkurrenz für das Kaiser Wilhelm-Denkmal erhielt Bildhauer Karl Hilgers in Charlottenburg den Preis von 12,000 Mark.

* Der Gesetzentwurf, betreffend den Mißbrauch geistiger Getränke, wird, wie die .Post' hört, demnächst dem Bundesrath zugehen, der sich alsdann damit in einer der nächsten Sitzungen, welche zu Ende nächsten Monats wieder ausgenommen werden, beschäftigen wird. Dem Entwurf wird ein umfangreiches Material, Ge­setze und Gesetzentwürfe anderer Staaten beigefügt.

* In den höheren Lrhrerkreisen werden die folgen­den, anscheinend offiziösen Bemerkungen der ,Berliner Polit. Nachr.' keine Freude Hervorrufen:

„lieber die Nothwendigkeit der Aufbesserung der Stellung der Lehrer an den höheren Lehranstalten besteht kein Zweifel; sie bildet eine der unerläßlichsten Voraussetzungen für die Reform des höheren Unterrichtswesens. Der von der Unterrichts- Verwaltung befürwortete Vorschlag, die Rang- und Gehalts-Verhältnisse denen der Richter an den Land­gerichten entsprechend zu ändern, begegnet indessen, was die materielle Seite der Sache anlangt, nicht unerheblichen Schwie­rigkeiten. Dieselben sind vornehmlich dreierlei Art. Zunächst ist es in einer Zeit, in welcher die äußerste Vorsicht angewendet werden muß, um das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben des Staates aufrecht zu erhalten, keine leichte Auf­gabe, Deckung für einen Mehrbedarf von etwa 6 Millionen Mark jährlich zu schaffen. Sodann aber läßt sich eine derartige Maß­regel auch nicht aus dem Zusammenhänge des gesummten Be­soldungs-Systems herauslösen, vielmehr wird, wenn anders nicht zu alsdann schwer abzuweisenden Berufungen Anlaß gegeben und an anderen Stellen schwer erträgliche Ungleichheiten herbeigeführt «erden sollen, dieselbe in Uebereinftimmung mit den Gesammt- Besoldungsverhältniffen und insbesondere den Gehältern der nach Vorbildung und Stellung etwa gleich zu behandelnden Beamten- Kategorien zu Bringen sein. Es wirft sich damit von selbst die ganze Frage der Neuregelung der Gehälter der höheren Beamten der Lokal- und Provinzial Verwaltung ans, und zwar bevor es noch möglich war, die Aufbesserung der zwischen diesen und den allgemein bereits bester gestellten Unterbeamten liegenden Beamten- Klaffen herbeizuführen. Wie große Schwierigkeiten es hier macht, eine nur einigermaßen befriedigende Lösung zu einer Zeit zu finden, in der es gilt, den Daumen auf dem Beutel zu halten, bedarf der näheren Darlegung nicht. Eine dritte erhebliche Schwierigkeit liegt in der Rückwirkung, welche eine so beträcht­liche Aufbesserung der Bezüge der Lehrer an den staatlichen Lehr­anstalten uothwendig auf die Stellung der Lehrer an städtischen höheren Lehranstalten üben muß. Wenn auch auf eine völlige Meichstellung der letzteren mit den Lehrern an Staatsanstaltm aus zwingenden praktischen Gründen nicht zu bestehen sein würde, fo ist es aus der anderen Seite im Interesse gedeihlicher Ent­wickelung des Unterrichtswesens nicht angängig, eine zu große Kluft zwischen betben nach Vorbildung und Thätigkeit völlig gleich­stehenden Kategorien entstehen zu lasten. Bei einer Reihe von Gemeinden bildet aber theils das Unvermögen, theils die Abnei­gung, dem Staate auf der Bahn der Besserung der Stellung der Lehrer der höheren Lehranstalten zu folgen, ein schweres Hinder­niß. Es gilt daher bezüglich der Besserung der Stellung der Lehrer an Den höheren Unterrichts-Anstalten eine überaus schwie­rige und weite Kreise berührende Aufgabe zu lösen."

* Der Antrag Richter auf Abänderung der Be- fiimmungen über die Reisekosten der Beamten welcher in der letzten Reichstagssesstvn angenommen wurde, findet jetzt auch die volle Zustimmung der „Monats-

G Im Sturme der Jett.

Line Erzählung aus der Gegenwart von Klara Lötschert.

(9. Fortsetzung.)

V.

Weiter abwärts.

Wie wenig weiß der Reiche doch, Was fühlt der arme Mann, Wenn nah und immer näher noch Der Mangel rückt heran.

Nie sah er seine Kinderlein Bor Kälte blau und roth. Ihm drang noch nie durch Mark und Bein: „O Vater, gieb mir Brod!"

(Altes Lied)

Wieder waren zwei Jahre vergangen.

Was der emsigste Fleiß und die äußerste Willens­kraft hatten thun können, das war von Margareth Fern und ihrer Tochter geleistet worden.

Damals in ihrer Rathlosigkeit, war Christinen der Gedanke gekommen, das Plätten zu erlernen, und da diese Beschäftigung dem Vater fein genug erschienen, fo hatte er großmüthig seine Einwilligung ertheilt. Zugleich waren Kunden zum Waschen angenommen worden, und wenn es mitunter auch noch sehr knapp herging, so brachten sie sich doch durch; sie verstanden eS, sich eben über Wasier zu halten, wie man zu sagen -psiegt.

schrift für deutsche Beamte", welche bis vor kurzem der jetzige Staatssekretär Bosse redigirte. Die Monats­schrift nennt das jetzige System der Reisekosten­entschädigung unlogisch, ungerecht, schädlich, unwürdig. Unlogisch wird es bezeichnet, weil die Vergütungen, welche den Beamten gewährt werden, heute nicht mehr, was sie sein sollen, Entschädigungen für den Aufwand der Reise sind, sondern einen Zusatz zum Gehalte dar­stellen. Ungerecht nennt der Verfasser das System, weil diese Vortheile, diese Gehaltsverbesserung nur einem Theile der Beamten, d. h. denen, die viel reisen müssen oder doch viel reisen, zu gute komme. Als schädlich sieht es der Artikel an, weil die Ueberschüsse zu überflüssigen Dienstreisen verleiten, andererseits auch gegen die Motive der Dienstreisen mißtrauisch machen können. Endlich wird das System noch unwürdig ge­nannt, weil der Beamte die Ueberschüsse lediglich durch „Kilometerabsitzen" verdiene.

* Wie die.Wiener Montags-Revue' meldet, nehmen die Zollderhandlungen in München einen raschen Ver­lauf und dürften bis zum 15. September beendet sein.

* Köln, 21. Aug. In der Nachmittagssitzung der Präsides der katholischen Gesellenvereine verbreitete sich Herr Faßhauer aus Köln, Ehrenmitglied des Gesellenvereins, in längerer Ausführung über die Frage: „Wie stellt sich der Gesellenverein gegenüber den soge­nannten Fachvereinen? Gerade das treue Fest­halten des Bürger- und Handwerkerstandes an der katholischen Sache sei ein Grund gewesen, daß von den Sozialdemokraten die Fachvereine ins Leben gerufen wurden. In denselben würden Krankenkassen, Arbeits­nachweise und Unterstützungskasfen bei Streiks gegründet, auch sogenannte Landsmannschaften gebildet, die zur Schulung der Agitatoren dienen und die Lehren der Sozialdemokratie aufs Land in die Heimath tragen sollen. Daher erforderten die Fachvereine die ganze Aufmerksamkeit der Präsides. Der Redner gab eine ganze Reihe praktischer Vorschläge über die Lösung dieser Aufgabe an, namentlich über den Schutz der Gesellenvereine gegen die Gefahr der Sozialdemokratie. Auch Herr Dr. Seywald aus Wien und van Rispen aus Amsterdam gaben praktische Rathschläge; beide empfahlen neben recht vielen und klaren Vorträgen über das Wesen der Sozialdemokratie, die Stärkung des christlichen Glaubens als wirksame Stütze. Der katholische Glaube sei für das Handwerk der wirksamste Schutz gegen diese Gefahren. Um */-6 Uhr erschien Hr. Kardinal-Fürsterzbischof Dr. Gruscha, der erst kurz vorher aus Wien angelangt war, in der Ver­sammlung und wurde mit brausendem Hoch empfangen. Der Kirchenfürst folgte mit größter Aufmerksamkeit den Verhandlungen. Nachdem noch P. B. Gmür die Ge­sellenhäuser zu Basel, St. Gallen und Zürich der Für­sorge der Präsides empfohlen hatte, wurde die Sitzung gegen 7 Uhr geschlossen. Um halb 9 Uhr begann im großen Saale des Gesellenhospitium die Fest-Ver­sammlung, welche so zahlreich besucht war, wie eine niemals vorher. Die Zahl der Theilnehmer be­trug mehrere Tausend. Unter denselben befanden sich

Jetzt aber schien es mit einem Male, als ob es ihnen nicht länger gelingen werde. Der Winter hatte sämmtliche kleinen Vorräthe aufgezehrt; die strenge Kälte und die bei der harten Arbeit immerhin unzu­reichende Nahrung aber die körperlichen Kräfte er­schöpft. Ein Theil des Lehrgeldes für Adam mußte bezahlt werden und an dem Tage, da Margareth den letzten Rest ihrer kleinen Baarschaft zufammengerafft hatte, um den Meister zu befriedigen, da erfuhr sie, daß ihr Mann wieder neue Schulden im Wirthshause ge­macht hatte.

Da entsank ihr der Muth. Verzweiflung im Herzen schlich sie nach Hause zurück in der unsicheren Hoffnung, dort Hülfe in Gestalt von — Geld zu fin­den. Es war ohnehin eine stille Zeit jetzt; die Arbeit stockte, aber einige Kunden waren noch im Rückstand — vielleicht war der Betrag von einem von ihnen in­zwischen eingegangm.

Eitle Täuschung; „es ist Niemand da gewesen" flüsterte Bärbels heisere Stimme.

Das Frühjahr nahte schon; aber es war noch sehr kalt, und ein später Schnee lag auf den Dächern und in den Straßen. Eine feuchte, dumpfe Luft herrschte in der Stube; man hatte seit mehreren Tagen nicht ordentlich einheizen können. In dem ungewiffen Zwie­lichte unterschied man nur undeutlich die Gestalten der daheim gebliebenen Kinder; Bärbel lag fröstelnd auf

zahlreiche Mitglieder des Metropolitan-Domkapitels, mehrere Pfarrer der Stadt und über 200 Präsides der Gesellenvereine, sowie viele Bürger ans den angesehensten Kreisen der Stadt. Gegen 9 Uhr erschienen die hoch«. Herren Kardinal-Fürsterzbischof Dr. Gruscha, Erz­bischof Dr. Krementz und Bischof Dr. Wahl, von der Versammlung mit stürmischem Jubel begrüßt. Der Chor des Vereins sang das Lied „Die Himmel rühmen", worauf Herr Willms einen prächtigen, von Herrn Wach verfaßten Prolog vortrug. Herr Lokal­präses Rektor Schlick begrüßte dann die erlauchte Ver­sammlung und entbot allen lieben Gästen, insbesondere den hohen Ehrengästen den Willkomm des Kölner Vereins, verbunden mit dem Danke für die Theilnahme an einem Feste, das der Kölner Verein niemals ver- gesien werde. Während andere Stände vielfach nase­rümpfend an den Handwerksgesellen vorübergingen, zeige die heutige Versammlung, daß der Klerus der katho­lischen Kirche gerne bereit sei, an seinen Festen Theil zu nehmen. (Lebhafter Beifall). Darauf nahm Herr Bischof Dr. Wahl das Wort, um den Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit Ausdruck zu geben, die mit ihm alle Präsides dem Herrn Generalpräses zu seinem heutigen Ehrentage entgegenbrächten. Er schloß mit einem Hoch auf den Jubilar und die beiden anroefcnben Kirchenfürsten. Herr General-Präses Schäffer roieS in feiner Erwiderung u. A. darauf hin, daß es wunder­bar zu fehen fei, wie die katholischen Gesellen-Vereiue aus kleinen Anfängen sich zu fo großer fegensreicher Blüthe entwickelt haben. Er sprach allen Präsides herzlichen Dank aus für ihr Erscheinen und ihre Mitarbeit zum Heile der Gesellen. Mit Gottes Hülfe werde er das Schifflein des Vereins weiter leiten und er bat, ihn hierbei nach Kräften zu unterstützen. Alsbald er­hob sich Herr Kardinal Dr. Gruscha. Er banfte im Namen der Präsides für die herzliche und freundliche Aufnahme, welche sie hier gefunden. So lange es in feiner Macht liege, werde er im Rathe des hl. Vaters die Jntereffen des Gesellen-Bereins vertreten. Die Wichtigkeit der Gesellen- und Handwerker-Vereine sei vom heiligen Vater in einer Weise betont worden, welche bezeuge, wie sehr ihm das Wohl derselben am Herzen liege. Dieses beweise auch seine Encyklika über die soziale Frage. Die Arbeiterwelt solle wissen, was die Kirche thun wolle, wenn sie auch nicht Alles thun könne. Es fei Keiner in der Versammlung, der nicht mit dem heiligen Vater spreche: Ich will Alles thun, was ich kann! Schließlich entbot der Kirchenfürft noch­mals herzlichen Dank, Gruß und ©egen. Langandauern­der Beifall folgte feinen Worten. Der Herr Erz­bischof Philippus sprach den Wunsch aus, daß das Wort des Herrn „Ich bin gekommen, um Feuer auf diese Erde zu senden," sich an Allen erfüllen möge, wie ein solches heiliges Feuer auch den Stifter des Vereins erfüllt hocke. Daß dieses Feuer auch, in die Herzen der Gesellen einziehe, sei sein Wunsch und in diesem Sinne ertheile er der Versammlung seinen Segen. Lieder und humoristische Vorträge beschlossen den er» hebenden Abend.

der Mutter Bett; sie hatte die einzige Decke den beiden kleinen Mädchen gegeben und diese saßen eng aneinander geschmiegt in der Nähe der Thür; — was sie beim Aufgehen derfelben erhofft, und was den armen, kleinen Knaben an den teeren Schrank getrieben, das wußte man, wenn man nur einen Blick in die so scharf ge­zeichneten Kindergesichter warf. Die Augen lagen bei Allen tief; aber sie leuchteten unheimlich, während die dünnen, blauen Lippen fest zusammen gepreßt waren.

Als Margareth eingetreten, erweckte die furchtbare Luft die Erinnerung an Grabesmoder in ihr; dennoch wagte sie nicht das Fenster zu öffnen — aus Furcht, es würde noch kälter werden. Die ungewöhnliche Stille bedrückte sie, ihr Blut stockte, und von dem unwider­stehlichen Verlangen getrieben, irgend ein Lebenszeichen von den stummen, gleichsam dahinsterbenden Geschöpfen zu erhalten, fragte sie unbedacht:

„Fehlt Euch etwas, Kinder?"

O diese entsetzliche Frage! War sie nicht ein Hohn an diesem Orte, wo an den Wänden die nothwendigsten Geräthe, der Lust die wichtigsten Bestandtheile und den darin mühsam athmenden Wesen Alles fehlte, was zum Seben nöthig war.

Aber sie war einmal gestellt worden, und sie hatte ihr schauerliches Echo in den Herzen gefunden! Seht ihr die Folgm? Seht ihr, wie sie langsam zu ihr hin-