Einzelbild herunterladen
 

18. Jahrgang

Donnerstag, den 20. August 1891

J\S 189

iMkrWZkitlliig

Hoffnungen vom rauhen Gebirg herübergezogen waren. Aber ach, von all' diesen Hoffnungen hatte sich bis jetzt noch keine einzige erfüllt.

Es war ein Samstag, mitten im Sommer. Die drückend heißen Tagesstunden hatte der Abend abge­löst, aber er brachte keine erfrischende Kühle. Damit doch etwas Luft vom Hofe hereindringe, hatte Mar- gareth die Stubenthür halb offen gelassen; es kamen ja doch nur wenige Personen durch den Hausflur, und das aus dem Innern schallende Kindergeschrei über­tönte ohnehin die gedämpfte Stimme ihres Mannes.

„Ich sage Dir, Frau," Hub er eben wieder an, „es ist eine heidenmäßige Plackerei und dafür so wenig Geld. Da steh' her, das ist mein ganzer Wochenlohn."

Sie klinkte das Thürschloß ein, zündete Licht an und zählte.

Es war viel Kleingeld dabei, auch mußte ein Ab­zug in Anschlag gebracht werden und so kam sie nicht rasch damit zu Stande. ...

Wer die Beiden genau betrachtete, wie sie so einan­der gegenüber am Tische saßen, der konnte kaum eine äußere Veränderung wahrnehmen. Der frühere Hof­bauer war vielleicht weniger breitschulterig und sein von der Sonne gebräuntes Gesicht erschien etwas älter; aber die Haltung der Frau war noch ebenso rüstig und ungebeugt, und ihre Züge trugen denselben entschlossenen Ausdruck wie einst. Und doch hätte Margareth ein

langes Lied singen können von zahllosen Täuschungen und täglichen Entbehrungen; indeß es mußte mehr kommen, um ihrer urwüchsigen Natur etwas anhaben zu können. Sie betrachtete es noch immer als ihre Hauptaufgabe, mit dem Wenigen, das ihr Mann heim­brachte, geschickt auszukommen; um sein Leben außer­halb kümmerte sie sich nicht viel. Er verstand es auch vortrefflich, ihren seltenen Fragen klug auszuweichen. In der Zwischenzeit bemühte sie sich, ihr Hauswesen durch emsiges Schaffen in Ordnung zu halten, und das war ebenfalls keine ganz leichte Sache, denn schon spielten vier Kinder um sie her, außer den zweien, die — je nun, die nicht gar so viel Sorgfalt brauchten, oder richtiger gefügt, erhielten. Sie wusch, scheuerte und flickte bis spät in die Nacht hinein, ohne jemals ein anerkennendes Wort von ihrem Manne zu er­halten; es war gewiß, daß er es nicht zu bemerken schien, wenn sie das Beste auf dem Tische stets ihm vorsetzte, aber es war auch eben so sicher, daß er jedes Versäumniß strenge rügte. In solchen Fällen kehrte er ganz den früheren Herrn heraus.

„Bist Du endlich fertig?" brauste er jetzt auf; „s'ist wenig genug — da braucht's doch gewiß keine Stunde zum Zählen."

„Wenn Dir der Landwirth nicht allwöchentlich einen Theil für die verlorenen Decken abziehen müßte, so würde es ja mehr sein;" entgegne^ die Frau ruhig.

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage

Vierteljährlicher Abonnementspreis r‘—

Ausstellung, nämlich von Ende August an den ganzen Sep'ember laufenden Jahres hindurch die genannte Kirche nach Vorschrift besuchen würden, Gnadenschätze verliehen. Da es aber bei der Menge der Einheimischen und fremden Pilger zur Befriedigung der Andacht der einzelnen vielleicht nothwendig sein wird, die für die Feier bestimmte Zeit auszudehnen, so hast du, ehrwürdiger Bruder, Uns neuerdings gebeten, die zur, Ge­winnung der Ablässe festgesetzte Zeit kraft Unserer Apostolischen Machtvollkommenheit gnädigst zu verlängern. Auch darin wollen Wir deiner Bitte willfahren, und von dem Wunsche erfüllt, den geistigen Nutzen der Gläubigen möglichst zu fördern, heben Wir das oben erwähnte Apostolische Schreiben sammt dem die Feier betreffenden Dekret der heiligen Congregation für Ablässe und Reliquien vom 20. Juni dieses Jahres wieder auf und gewähren kraft gegenwärtigen Erlasses einen vollkommenen Ablaß und Nachlaß aller Sünden, der von allen Christgläubigen beiderlei Geschlechts gewonnen werden kann, weiche reumüthig gebeichtet und die hl. Kommunion empfangen haben und während der Zeit der Ausstellung des hl. Gewandes unferes Herrn und Heilandes Jesu Christi, deren Dauer von dir nach Gutdünken festgesetzt und verlängert werden kann, jedoch nicht über zwei Monate hinaus, an einem von ihnen nach Belieben gewählten Tage die Domkirche zu Trier besuchen und dort für den Frieden unter den christlichen Fürsten, für die Ausrottung der Irrlehren, die Bekehrung der Sünder und die Erhöhung unserer Mutter, der Kirche, fromm beten. Ferner gewähren Wir den Gläubigen, welche wenigstens mit zerknirschtem Herzen an einem beliebigen Tage während der Ausstellung die genannte Kirche besuchen und boti nach obiger Vorschrift beten, einen Ablaß von sieben Jahren und ebensovielen Quadragenen der ihnen auferlegten oder sonst schuldigen Buße gemäß der in der Kirche üblichen Form. Alle diese Ablässe von Sünden und Sündenstrafen sollen auch den Seelen der Gläubigen, welche in der Liebe Gottes aus diesem Leben geschieden sind, fürbittweise zugewendet werden können. Gegenwärtiger Erlaß foll durch entgegenstehende Ent­scheidungen nicht beeinträchtigt werden und nur für den vor­liegenden Fall Geltung haben.

Gegeben zu Rom bei St. Peter unter dem Fifcherrmg, am August 1891, im 14. Jahre unseres Pontifikates.

Für den Cardinal Ledochowski

T. Erzbischof von Seleucia, Stellvertreter.

Nach dem Wortlaut des päpstlichen Breve wird zur Gewinnung des Ablasfes nur erfordert, daß die Pilger das Sakrament der Buße und die hl. Kom­munion empfangen und während ihres Besuches in der Domkirche in dn: Meinung des hl. Vaters einige Gebete (5 Vaterunser) verrichten. Da bei der großen Zahl der Prozessionen es nicht möglich ist, daß die Pilger nach der Verehrung der hl. Reliquie sich noch in dem Dome zu dem vorgeschriebenen Gebete auf­halten, so wird es genügen, in der Meinung des hl. Vaters die Gebete zu verrichten, während die Pro­zession sich durch den Dom zur hl. Reliquie begibt.

In der Bulle, durch welche Leo X. feiner Zeit für die Ausstellung des hl. Rockes im Jahre 1514 ver­schiedene Ablässe den frommen Pilgern gewährt hatte, war ein Almosen für die Herstellung des Domes als Bedingung zur Erlangung des Ablasses vorgeschrieben. Das päpstliche Schreiben enthält diese Bedingung nicht mehr. Das hindert aber nicht, daß ich bei dieser Ge­legenheit in Anbetracht des schadhaften Zustandes des Domes, welcher dringend in baulicher Hinsicht beträcht­liche Reparaturen erheischt, an oie bekannte Freigebig­keit der Pilger mich wenden und einen milden Beitrag zur Herstellung unferes altehrwürdigen Domes erbitten darf. Der Sankt-Peters-Dom in Trier ist die älteste christliche Kirche auf deutschem Boden, von der Vor-

.Rathgeber für Landwirthfchaft, Gartenbau und HanSwesen in Fulda und auswärts 1 Mark SO Pfennig. ___________

Eine Erzählung aus der Gegenwart von Klara Löt schert- (4. Fortsetzung.)

III.

Es war doch anders gekommen.

Sei getreu in Pflicht und Liebe, Täglich festige dein Herz auf's Neu', Und wenn dir auch das Glück nicht treu verbliebe, —

Thu's ihm zuvor — Sei du getreu!

Sechs Jahre sind vorüber.

Es ist Abend. Nur wenige Wagen fahren mehr durch die belebtesten Straßen, und auch die Läden werden langsam geschlossen. In den Hofräumen, welche sich hinter den Vorderhäusern ausdehnen, herrscht um diese Zeit schon völlige Ruhe. Es sind sämmtlich enge, dumpfige Plätze, die noch überdies von hohen Gebäuden umgeben sind, in denen zahlreiche Familien ihr mehr oder minder glückliches Heim aufgeschlagen haben.

Das ziemlich geräumige Parterrezimmer einer dieser Miethskasernen hatte seit einigen Tagen einen neuen Bewohner erhalten; demgemäß zeigte die alte Thüre auch eine neue Aufschrift, nämlich einen vergilbten Zettel, auf dem mit blauem Stift und in ungelenken Buchstaben der Name: I. Fern, Fuhrmann, prangte.

Ja, sie waren es wirklich, die schlichten Menschen, welche damals mit o geringem Gut und so großen

sehung dazu bestimmt, das ungenähte Kleid des Hei­landes, das Bild der unzertrennlichen Einheit der Kirche, aufzubewahren. In verschiedenen Zeiten hat der fromme' Eifer unserer Vorfahren für feine würdige Ausstattung und Erhaltung große Opfer gebracht, und unsere Zeit wird gewiß in Erfüllung dieser Ehren­pflicht nicht zurückstehen wollen.

Ferner ermahnt uns die immer drückender wer­dende Lage des heiligen Vaters, seiner Roth zu Hülfe zu kommen. Viele Klöster und fromme Stiftungen in Italien, welche ihres Vermögens beraubt worden sind, leben nur von dem Almosen, welches der Papst ihnen spendet. Wir alle wissen, in welchen mehr und mehr ungünstig sich gestaltenden Verhältnissen durch die Be­setzung Roms und den Verlust des Kirchenstaates der heilige Stuhl sich befindet und welche Pflichten für die Katholiken sich daraus ergeben. Es soll daher auch bei dieser kirchlichen Feier Jedem Gelegenheit geboten werden, seiner kindlichen Liebe zum heiligen Vater durch eine milde Gabe Ausdruck zu verleihen. Ver­sagen wir dem Stellvertreter Christi unser Scherflein nicht: der Herr wird es uns tausendfach lohnen.

Es nahet die Gnadenzeit, geliebte Diözesanen; bereiten wir unsere Herzen durch wahren Bußgeist, Gebet und Werke der Barmherzigkeit vor. Die Aus­stellung des hl. Rockes war immer in den verflossenen Jahrhunderten eine Zeit himmlischen Segens; möge sie es auch diesmal werden!

Schließlich möchte ich noch alle väterlich ermahnen, den Weisungen der geistlichen, sowie der weltlichen Vorgesetzten während der Pilgerfahrt pünktlich nachzu­kommen, damit jede Unordnung vermieden wird. Be- fonders auf den Bahnhöfen, beim Einzug in den Dom, in Wirthshäufern und Gasthöfen und öffentlichen Plätzen soll jedes unordentliche Gedränge und Lärmen unterbleiben, damit wir, treu dem Beispiele unserer Vorfahren, in heiliger Ruhe und Sammlung diefe Feier begehen. Jnsbefondere erwarte ich zuversichtlich von den katholischen Bürgern der Stadt Trier, daß sie durch ihr fteundliches, gefälliges Benehmen die Pilger erbauen und Niemanden durch unbillige und ungerechte Forderungen irgendwie Anlaß zur Unzufriedenheit geben.

Wir wollen Alle zusammenwirken, daß die schöne Feier durch Nichts gestört werde, sondern zur Ehre der Stadt und der Diözese zur Verherrlichung Gottes und zur Erbauung der Mitmenschen gereiche.

Trier, am Feste des hl. Laurentius, den 10. August 1891.

f M. Felix, Bischof.

Das Bischöfliche General-Vikariat veröffentlicht mit Bezug auf dieses Hirten-Schreiben folgenden Erlaß: Indem wir das vorstehende Hittenschreiben veröffentlichen und im Auftrage des Hochwürdigsten Herrn Bischofs verordnen, daß dasselbe am nächsten Sonntage in allen Pfarrkirchen der Diözese von der Kanzel verlesen wird, fügen wir mit Bezug­nahme auf unsere Anweisungen vom 10. und 30. Juli d. I. noch folgende nähere Bestimmungen bei:

1. Die Herren Pfarrer ersuchen wir wiederholt, ihren Pfarr- : angehörigen vor dem Antritt der Pilgerfahrt Gelegenheit zum Empfang der hh. Sakramente zu geben. Zwar wird in allen

Hirtenschreiben des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Wer.

Geliebte Diözejfanen!

Vor einigen Wochen hatte ich, wie es die Pflicht erheischte, von meinem Vorhaben, das hl. Kleid unse­res Erlösers zur öffentlichen Verehrung auszustellen, den hl. Vater in Kenntniß gesetzt und zugleich zu dieser Feier den Segen des Stellvertreters Christi erbeten. Seine Heiligkeit geruhten, meinen Entschluß zu billigen und den frommen Pilgern geistliche Gnaden zu gewähren. Es gereicht mir zu großem Tröste, Euch, geliebte Diöcefanen, das huldvolle Schreiben unseres gemeinsamen Vaters mittheilen zu können. Es lautet:

Papst Leo XIII.

Ehrwürdiger Bruder: Gruß und Apostolischen Segen!

Aus deinem Schreiben vom 4. Juni haben Wir ersehen, daß du eine alchergebrachte Feier, welche dem gläubigen Volke so theuer ist, insbesondere aber von deinen Trierern ersehnt wird, nach langer Unterbrechung wieder veranstalten willst, in­dem du das ungenähte Gewand unseres Herrn Jesu Christ,, welches die Trierische Domkirche als ihren größten Schatz rühmt, nach Sitte der Vorfahren zur öffentlichen Verehrung ausstellst. Du machst darauf aufmerksam, daß diesen Wunsch auch die Versammlung katholischer Männer Deutschlands ausgesprochen hat, welche an deinem ehrwürdigen Bischofssitze zusammenkamen. Mit Recht; denn nach Beseitigung der Schwierigkeiten, welche den Aufschwung des katholischen Lebens bei euch vielfach ge­hemmt haben, macht sich die Nothwendigkeit geltend, die Wohl- thaten des wiedererlangten Friedens zur Rührung uud Stärk­ung des Glaubens zu Nutze zu machen. Du bist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Ehre, welche jenen hoch­heiligen Reliquien feierlich erwiesen wird, zur Verherrlichung Gottes und zugleich zur Förderung des religiösen Sinnes im Volke, sowie zur Läuterung der Seelen viel beiträgt. Es ist fürwahr ein schöner und heilsamer Gedanke, zumal in unserer dem christlichen Glauben so entfremdeten Zeit, heilige Erinne­rungen öffentlich wachzurufen und das christliche Volk einzu­laden, der erhabenen Geheimnisse der menschlichen Erlösung zu gedenken. Daher finden Wir diesen deinen Entschluß lobens- werth, nicht nur, weil er so zeitgemäß ist, sondern auch der Frömmigkeit zu Statten kommt, und wir können dich nur er- muthigen, denselben mit Gottes Hülfe und Unserer vollen Be­willigung auszuführen. Im Hinblick auf die Bestimmung, welche unser Vorgänger Leo X. bei ähnlicher Gelegenheit durch das Apostolische Schreiben Salvator Noster vom 26. Januar 1514 erlassen hat, haben Wir beschlossen, zur größeren Belebung der öffentlichen Andacht und zur Erzielung reicherer Frucht allen einheimischen und fremden Pilgern die Wohlthaten emes päpst­lichen Ablaffes zur Reinigung der Seelen zuzuwenden. Dres wirst du des Näheren aus dem Schreiben ersehen, welches Wir dieserhalb ausfertigen ließen. Unterdessen ettheilen Wir als Unterpfand himmlischer Gnaden und als Beweis Unseres Wohl­wollens dir, ehrwürdiger Bruder, deinem Klerus und Volk aus ganzem Herzen den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 11. Jul, 1891, im 14. Jahre Unseres Pontifikates.

Leo XIII. Papst.

Das Ablaß-Breve, welches ich in diesen Tagen erhielt, hat folgenden Inhalt:

Leo XIII.

entbietet dir, ehrwürdiger Bruder, Gruß und Apostolischen Segen.

Beim Herannahen der feierlichen Ausstellung des heiligen Gewandes unseres Heilandes Jesu Christi, welches in höchster Verehrung in deiner Kathedralkirche zu Trier aufbewahrt wird, haben Wir deiner Bitte gemäß durch Apostolisches Schreiben vom 11. Juli dieses Jahres den Gläubigen, welche zur Zeit der