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18. Jahrgang

Mittwoch, den 12. August 1891.

I

sich ansehen, als Der 2 Monaten zu erwarten war, Die Ungleichheit des Ernte-Ausfalles m den verfchie- denen Ländern bleibt unbestritten. Rußland und Indien haben geradezu dürftige Ergebnisse im Vergleich zu Nordamerika. England und namentlich Dänemark haben eine reiche, Mitteleuropa höchstens eine knappe Mittelernte u. s. w. Das wird sich natürlich auch am Weltmarkt geltend machen und abwärts gehenden Preis-Tendenzen wenig zuträglich sein.

* Redakteur Fußangel sendet dem Bureau Herold folgendes Telegramm: „Vaals (Holland), 10. August. Die in Berlin verbreitete Meldung, der in Bochum tobt aufgefundene Ingenieur Steiger habe mir das Material gegen Baare geliefert, ist unwahr. >rch habe den Mann gar nicht gekannt. Derfelbe ist auch durch meine dem Untersuchungsrichter gemachten Angaben nicht belastet. Fußangel."

* Der Landtagsabgeordnete Berger-Witten ist am Sonntag Abend auf feinem Gute bei Horchhelm a. Rhein aeftorben. Gr war lange Jahre hindurch auch Reichstagsabgeordneter und bildete mit dem bereits früher verstorbenen Abgeordneten Löwe-Calbe eme be­sondere gemäßigt fortschrittliche und zwar schutzzollnenfche

* Bei der Gestaltung der europäischen Handels­verträge ist bereits jetzt die Rücksicht auf Ostasten bis ;u einem gewisfen Grade mit bestimmend gewesen. Ein enger Zusammenschluß der europäischen Staaten ist einmal mit der drohenden Union des gejammten dmerua 8, bann aber auch mit der Möglichkeit einer wirthschaft- lichen Vereinigung ber unerschöpflichen ostastattschen Völkerschaften begrünbet worben. Bereits zu wieber- holten Malen ist China, bas allein mehr Kohlen in sich bergen soll als bas gefammte Europa, als em zu beachtenber Zukunftsfaktor am handel-politischen Himmel aufqetaucht. Als ein Beitrag zu ber Frage ob die ost- asiatiiche Konkurrenz Europa gefährlich werben könne, verdient bie Melbung jebenfalls Beachtung, baß China unb Japan einen Hanbelsvertrag abschließen wollen mit bem ausgesprochenen Zweck, bie auswärtigen b. h. europäischen Einflüsse möglichst zurückzudrängen

■* Wie bie ,Reißer Zeitung' vermüthlich auf Grunb von Privatbriefen (Sinin Pascha s an besten Verwandte, mittheilt, hat Emin Pascha seinen Eintritt in den Reich sbienst unter den gestellten Bedingungen zuge­sagt und ist entschlossen zu bleiben, wenn auch Wlßmann bleibe. Falls das deutsche Gouvernement in Dar-es- Salaam die betreffenden Schriftstücke nicht erhalten hat, liegt die Schuld daran nicht an Emin.

* Arbeiter-Wohnhäuser für die im Dienste der Staats-Eisenbahnen in Preußen beschäftigten Arbeiter waren am 1. April 1890 vorhanden 316 mit 965 Wohnungen. Hiervon entfallen auf die Werk- stätten-Arbeiter 296 Häuser mit 922 Wohnungen, wah­rend weitere 15 Häuser mit 54 Wohnungen für Werk- stätten-Arbeiter im laufenden Bettlebsjahre im Bau begriffen sind. Eine größere Anzahl von Arbeiter- Wohnungen ist vorhanden bei den Werkstätten zu Neu­münster (18 Häuser mit 36 Wohnungen), Schneide­mühl (5 Häuser mit 30 Wohnungen), Nippes (72

zu können, daß sie sich nicht in ihrer eigenen Kammer

Gott, verzeihen Sie, daß ich Ihnen so viel Last"verursachte", stammelte Babette, ihre Blicke um­hergleiten lassend. „Wie lange habe ich Sie durch mein dummes Kranksein nun schon belästigt? Es ist doch zu arg", seufzte die Alte wahrend em fliegendes Roth über ihr eingefallenes Antlitz huschte. Belästigt!? Schäme Dich Babet, Du wirst anzüglich und grob", drohte Helene mit dem Finger, während sie mit Gewalt ihre emporquellenden Thränen zurück­hielt Gute Babet!" schmeichelte sie, die abgemagerte Hand der Alten streichelnd. „Du ahnst nicht, tote sehr heilsam mir diese Nachtwachen geworden sind, ^ch hatte die innere Einkehr dringend nöthig. O, Babet, in diesen langen bangen Nächten habe ich Zwiegespräch gehalten mit meinem in Selbstsucht erstickten Herzen, das im Wiederstreben gegen Gottes Fügung weder Glück noch Frieden sand. Hätte ich, ergebungsvoll in des Höchsten Willen, mein Unglück ertragen, so wäre mir das kostbare Gut eines treuen Freundes erhalten geblieben. Allein in meinem Schmerz wie verbannt, achtete ich das Gute gering, was mir als Trost hätte genügen sollen. Zu meinem wahren Heil, sollte bie Prüfung dienen, aber ich wollte mich nicht fügen. Jetzt habe ich auch ihn verloren, ihn, der als em

Allein wir hielten dieses Geständniß der Sterbenden für Fieberphantasieen und glaubten, ein gutes Werk xu thun, wenn wir uns der Waife erbarmten und sie, da wir kinderlos sind, an Kindesstatt annahmen. Um bei der Polizei Anzeige zu machen, dafür erschien uns die Geschichte zu unglaublich. Auch macht sich unser­eins nicht gern Scheererei auf dem Amte, wenn man nicht nothgezwungen das thun muß und keinen Schem von Beweis hat, wie es hier doch der Fall war. Schweigend starrte Schröder vor sich hin.

Der Mann machte einen glaubwürdigen Eindruck und Otto selbst würde die Wahrheit seiner Angaben bestätigen, so behauptete er. Die einzige Schuldige hatte sich dem weltlichen Richter entzogen. Andere Verpflichtungen lagen näher. Zuerst sollte Otto die Wandlung seiner Lage erfahren; und dann blieb ihm als Arzt und Freund eine Aufgabe zu losen, so zart behutsam und vorsichtig, wie eschwl m stmeij Stellung zu den Betheiligten kaum möglich war. ^hre Freude kann tödtlich wirken. Wie würden Helene und Babet die Freudenbotschaft ertragen!?

Unterdeß verharrte Helene ahnungslos ob ber über ihr in ber Luft fchwebenben Ueberrafchung am Lager ber Kranken. Aufrecht in den Kisten lehnend, die Hand ihres Lieblings mit der ihren umschließend, schaute Babet sich um, denn sie schien es kaum fassen

Deutsches Deich.

Berlin, 10. August.

* Das in Folge des bekannten Unfalles beschädigte Bein des Kaisers (Zerrung der Kniescheibe) bedarf noch großer Schonung. Gestern wurde sr. Ma;estat in Kiel eine von einem dortigen Bandagisten gefertigte Kniekappe angelegt; übrigens geht der Kaffer frei ^^^Die Besorgniffe, welche von den Politikern der fortgefchrittenen Linken und der Sozialdemokratie ms Land getragen sind, als gehe Deutschland hmstchtlich feiner Volks-Ernährung einem allgemeinen Nothstanb entgegen ober befinde sich schon mitten m einem wichen, zerfallen angesichts ber neuesten Vltuattons - Berichte vom Getreide - Weltmarkt in sich selbst. Es wäre ,a thöricht, in Abrebe stellen zu wollen, baß wir hohe Getreibe- unb Kartoffelpreise haben, unb daß ent völ­liges Mißrathen ber Ernte strichweise brückende Zu­stände für bie Nächstbetroffenen herbeiführen muß. Hagel unb Wolkenbrüche, Überschwemmungen, Fruhiahrs- fröste u. s. w. haben bergleichen örtliche Kalamitäten von jeher bewirkt, unb Verkehrs- unb Kreditwesen, äußersten Falles bie menfchliche Mildthätigkett haben darüber hinweg geholfen. Das ist ein Kapitel ganz für sich. Ein anderes Kapitel aber war fettens der Freihändler behandelt worden, besten sensationelle Ueber- fchrift lautet: Allgemeiner Mangel an Brod- frucht, allgemeine Aussichtslosigkeit ber neuen Ernte, allgemeiner Nothstand; das war bamals schon eine Uebertreibung unb wird heute dafür allgemein erkannt fein. Richtig ist, unb daraus hat ber Reichskanzler schon Anfangs Juni hingewieien, baß Roggen im bisherigen Umfange nicht mehr vor- räthig fein wirb, um bie Hauptbrodfrüchte für bert deutschen Verbrauch zu liefern. Wir würben uns ge­wöhnen müssen, mehr zum Weizen-Verbrauch uberzu- gehen. Das verursacht um so weniger Schwierigkeit, als Weizen anscheinenb in überreichlicher Masse aus Amerika zu uns zu Markte kommen wirb, ber Boss. Ztg.' vom 29. Juli finden wir einen anschau­lichen Bericht über bie enormen Verlobungen von Kali­fornien, Oregon, Newyork, Neworleans u. s. w. Hun­derte von Schiffen sind dazu auf Monate hinaus m Anspruch genommen. In derselben Zeitung vom 30. Juli finden wir auch ziffernmäßige Nachweisungen der bereits verladenen, schwimmenden Mengen. In der Woche vom 21. bis 28. Juli schwammen nahezu 2 2 Millionen Quarters W-izen nach dem europaiichen Fest­land über den Ozean, während in der gleichen Woche des vorigen Jahres nur 0,6 Mill. Quarters unterwegs waren. Die Minderzufuhr des überdies auch m der Qualität zurückgebliebenen indischen Weizens und des russischen Roggens und Weizens kann durch diese ame­rikanische Zufuhr völlig ausgeglichen werden. Ein all­gemeiner Mangel anBrodkorn ist dann um fo weniger zu besorgen, als Oesterreich-Ungarn, das auch nur Weizen exportirt, gerade von dieser Frucht eine gute Mittelernte erwartet und die Ernte-Ergebnisse in Deutsch­land selbst nach dem heutigen Stande doch schon bester

Häuser mit 162 Wohnungen), Speldorf (22 Häuser mit 48 Wohnungen), Osnabrück (12 W« ®>t 2 Wohnungen), Dortmund (28 Haufer mit 10»ZWoh- nunaen), Deutzerfeld (18 Häufer mit 72 Wohnungen), Betzdorf (10 Häufer mit 40 Wohnungen), Langenberg (1 Haus mit 30 Wohnungen),Arnsberg (2 Hauser mit 41 Wohnungen), Witten (o Häuser mit ,o2 Woh­nungen — außerdem im Bau befindlich 1» Hauser mit 54 Wohnungen -) Stendal (42 Häuser mit 42 Wohnungen/ und Leinhausen (Direktionsbezirk Hannover) bildet einen selbstständigen Gutsbezirk mit allen kom­munalen Einrichtungen. . ,

* Ueber einen Unglücksfall, der unfere Marine be­troffen haben foll, wird der ,Post' aus Danzig be­richtet : Am Sonnabend ertranken tn unserer Bucht ein Kapitain-Lieutenant, ein Assistenzarzt und 2 Matrosen. Sie hatten sich von ihrem Schiffe, dem „Zielen in einem Boote auf See begeben. Das Meer war ziem­lich lebhaft, fo daß das kleine Boot kenterte und die Jnfasfen den Tod in den Wellen fanden. Rettung war unmöglich, und obwohl sofort zahlreiche Boote und Dampfbai kaffen die westliche Bucht absuchten, waren die Leichen nicht zu finden. Gestern wurde die Leiche eines Matrosen bei dem Seebad „Westerplatte ans 2an* Ater"' 8 August. Der Artikelschreiber der .Düsseldorfer Zeitung', welcher sich in seinen Anklagen gegen das Trierer P r i e st e r f e m i n a r als „ altern Geist­lichen" als „Sachwalter des Clerus" aufip teile und sich berufen erachtete, „der drängenden Ueberzeugung des bei weiteck überwiegenden Theiles unserer kathott- fchen Geistlichkeit Geltung zu verschaffen , hat sich, wie schon gemeldet, entpuppt als iunS.eJ..?emV narist Mit Erlaubniß der geistlichen Behörde und mit freigebiger Unterstützung von Seiten des Trierer Priesterfeminares hat derselbe sechs Semester an deutschen Universitäten Vorlesungen gehört und wurde vor beinahe einem Jahre als Zögling im Trierer Seminar zu bedeutend ermäßigtemPeniionS- preis ausgenommen. Beim Versuche, das Subdiakon- Examen zu machen, bestand er in keinem Fache, und wollte sich in diesem Jahre ein zweites Mal dem (vor Kurzem abgehaltenen) Examen nicht mehr unter« liefen — Weitere Bemerkungen sind hiernach wohl überflüssig. Ebenso ist es nach der gegebenen Charakte­ristik auch nicht mehr nöthig, die Unwahrhetten und Entstellungen der früheren Artikel der .Dusteldorftr Rettung' weiter zu beleuchten. Das ist also der „hoch­geschätzte Verfasser" der Artikel in der .Düsseldorfer Rettung'! Ein solcher junger Mann, der nicht einmal das Examen bestand, wagt es, von oben herab über die zweckmäßigste Einrichtung der philosophischen und theologischen Studien zu sprechen. — Am Donnerstag Morgen gegen 9 Uhr fand, rote schon kurz berichtet, im Beisein des hochwürdigsten Herrn Bischofs, des Domkapitels, der Profefforen des Priesterfemlnars, der Pfarrgeistlichkeit und des Herrn Oberbürgermeisters die Feierlichkeit der Uebertragung des heiligen Rockes in geschloffener Lade in die Schatzkammer statt. Nachdem der Hr. Domprost das Protokoll der letzten

Aach zehn Jahren. Eine Skizze von I. v. Dirkink.

(Schluß.)

Da kam, während sie mit dem Tode rang, Otto ganz verstört, mit einem verweinten Gesicht ju mir und meiner Fran ins Zimmer gestürzt und erzählte uns, die Mutter hätte ihm ein entsetzliches Gestandmß ge­macht, und nun fürchtete er sich vor ihr; denn fte sehe allerlei böse Gestalten um sich und spreche lauter wirres, krauses Zeug durcheinander; ihm graue förmlich vor der Sterbenden und er wage sich nicht mehr m ihre Nähe. „Sie phantasirt", sagte meine Frau. Wir be- hielten den jammernden Knaben bet uns und. sandten nach dem Pfarrer. Als dieser kam, hatte die Frau ausgelitten, es war ihr Mund verstummt. Otto er­zählte uns, daß sie ihm mitgetheilt habe, er wäre nicht ihr eigener Sohn, sondern auf einer Durchreise in Köln von ihr geraubt, weil sie einen Ersatz für ihr einziges verstorbenes Kind fieberhaft gesucht und nicht gerastet habe, bis sie ihr Ziel erreicht hätte. Aber die grag- lichsteu Gewissensbisse hätten sie oft bis zum Wahnsinn gepeinigt und gerade in der Gegenwart Ottos wäre sie keine Stunde ihres Lebens mehr froh geworden; nur die Furcht vor Strafe habe sie von einem reuigen Bekemttmß abgehalten. Das erzählte uns der Knabe.

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