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Verkäufer muß jeder Zeit die Vorausbezahlung der künftigen Raten annehmen und dem Schuldner einen Abzug von fo und so viel Prozent bewilligen.

Wenn der Juristentag eine brauchbare Lösung der Frage finden will, so muß er sich vor allen theo­retischen Künsteleien hüten. Solche fein ausgeklügelte Paragraphen machen nur den braven Geschäftsleuten das Leben sauer; die bösartigen, die vom Schaden ihrer Mitmenschen sich nähren wollen, wissen schon einen Durchschlupf zu finden.

Deutsches Keich.

Berlin, 6. August.

* Gegenüber der kürzlich von einigen Blättern ge­brachten Meldung, daß der preußische Landtag auch diesmal wieder im Herbst einberufen werden würde, weiß die ,Berl. Börsen-Ztg.' aus zuverlässiger Quelle zu melden, daß diesmal nicht daran gedacht wird, von der Gepflogenheit früherer Jahre abzuweichen und den Landtag vor dem 15. Januar k. Js. einzuberufen. Bis dahin werden auch die Arbeiten für die Aufstellung des Preußischen Etats, die augenblicklich noch erheblich im Rückstände sind, derart gefördert sein, daß der Etat mit allem Zubehör dem Landtage sofort nach desfen Zusammentritt vorgelegt werden kann.

* Zu den Stockungen in den Handelsvertrags-Ver­handlungen, erfährt das .Wiener Fremdenblatt' von wohlunterrichteter Seite noch Folgendes: „In den Ver­handlungen der österreich-ungarischen, deutschen und schweizerischen Delegirten betreffs des Abschlusses eines Handelsvertrages haben sich in neuester Zeit so bedeu­tende Schwierigkeiten ergeben, daß es fraglich ist, ob in diesem Monate eine Verständigung überhaupt erzielt werden kann, um so mehr, als im Hinblick auf die in kurzer Zeit mit Italien aufzunehmenden Verhandlungen über den Abschluß eines Vertrages mit der Schweiz ein nur vcrhältnißmäßig kurzer Zeitraum verfügbar ist. Die definitive Entscheidung ersolgt erst in den nächsten Tagen, doch ist eine Unterbrechung der Verhandlungen mit der Schweiz möglich. Eine gemeinsame Aktion Oesterreich-Ungarns, Deutschlands und der Schweiz gegenüber Italien war niemals in Aussicht genommen. Die Verhandlungen mit Italien werden nicht hinaus­geschoben; vielmehr besteht sowohl in Wien, als in Berlin und Rom die Absicht, den Beginn derselben möglichst zu beschleunigen. Der Ort der Verhand­lungen ist noch unbestimmt."

* Ueber die Länge der Arbeitszeit der Bediensteten bei den privaten Vcrkehrsunternehmungen finden gegen­wärtig auf Veranlassung der Regierung genaue Er­mittelungen statt.

* Auf dem Kyffhüuser sand heute die Grundstein­legung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. statt. Divisionsprediger Rogge hielt die Festrede. Derselbe sührte Folgendes aus: „Neben dem Denkmal für den Kriegsherrn werde eine Denktafel für den Friedens­fürsten von den Jüngern deutscher Wissenschaft errichtet. Damit sei ein lang gehegter Wunsch der Vereine deutscher Studenten erfüllt, die von Anfang an in der Botschaft vom 17. November 1881 eine Darstellung der Pflichten eines modernen Staatswesens erblickt hätten. Den Geist der Botschaft, der in Pflichttreue, Vaterlandsliebe und sittlich-christlicher Gesinnung wur­zelt, möge die deutsche Jugend allezeit festhalten. — Am Festzuge betheiligten sich etwa 600 Teilnehmer unter Vorantritt des Musikkorps des 134. Infanterie- Regiments.

* Für das Kaiser Friedrich-Denkmal bei Wörth sind bereits 271,000 Mark eingegangen, so daß schon in allernächster Zeit mit dem Konkurrenzausschreiben begonnen werden wird. Das Denkmal, ein Reiterstand­bild, wird etwa zehn Minuten von Wörth erstehen, an derselben Stelle, wo am 6. August 1870 bei der Schlacht von Wörth die Artillerie des 5. preußischen Armeekorps Stellung genommen hatte.

* Der Landwirtbschaftsminister hat die Einfuhr von lebendem Rindvieh aus Oesterreich-Ungarn sowie die Einfuhr lebender Schweine aus den Mastanstal­ten Bielitz-Biala und Steinbruch in das städtische Schlachthaus zu Neisse widerruflich gestattet.

Strafe" drohte er mit dem Finger. Dann bereitete er ein Glas kühlender Limonade und verließ sie erst, nachdem sie ihm versprochen hatte, ihr Lager aufsuchen zu wollen. Auf der Straße begegnete ihm Helene, sie schien verstimmt. Vielleicht kam sie aus der Stunde, in der sie sich mit einer talentlosen Schülerin abge­müht ; in solchen Momenten betrachtete sie ihren Beruf uicht anders als einen Frohndienst. Wie ganz anders würde sich ihr Leben gestaltet haben, wäre die Vor­sehung gnädiger gegen sie gewesen. So haderte sie, und solche Rückblicke beeinflußten ihr Benehmen gegen die alte Dienerin, welche mit geschärften Sinnen auf der Lauer lag nach einem freundlichen Wort, nach einem Hauch von Theilnahme für den nagenden inneren Kummer. Helene war höflich, abgemessen, freundlich, aber die alte Herzlichkeit war ihr völlig abhanden ge­kommen. Wie gedankenlos wird das Gebet des Herrn gesprochen, sonst müßte die fünfte Bitte manchem red­lich strebenden, feinfühlenden Herzen ein Stein des Anstoßes werden! Vergib uns unsere Schuld! O, schwerwiegendes Wort in der Wagschale des ewigen Richters!

* Als das „höchststrhende Thier" hat nach einem Berichte des .Vorwärts' Herr Liebknecht in einer Ver­sammlung den Menschen bezeichnet, Tie Sozialdemo­kraten würden, meint dazu die .Kreuzztg.' sicherlich ent­rüstet werden, wenn ein „Bourgeoisblatt" berichten wollte, die „anwesenden Thiere" hätten dazu „Bravo gebrüllt". Theoretisch jubeln sie der Rede Liebknechts zu; es sollte sich aber einmal Jemand unterstehen, die praktische Konsequenz daraus zu ziehen! Ganz richtig, im Uebrigen aber sind die Sozialdemokraten auch hier wieder lediglich die gelehrigen Schüler einer gewissen Wissenschaft; nur drücken sie sich etwas drastischer aus, wie die gelehrten Herren

* Der dem Kolonialrathe zur Begutachtung vor­gelegene Vertrag zwischen der Reichsregierung und der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft wegen Ausführung der Eisenbahn von Usambara nach Korogwe ist vom Reichskanzler genehmigt worden. Zur Vornahme der speziellen Vorarbeiten gehen am 6. d. Mts. Ingenieure nach Ostafrika ab.

* Bochum, 5. Aug. Wie die ,Wests. Volksztg.' erfährt, ist für die Zeit vom 15. August bis 15. September Amtsrichter Neukamp zum Untersuchungs­richter beim Amtsgericht Bochum bestellt, hat sich also auch mit der Baare-Angelegenheit zu befassen. Neu- kawp ist aber, wie das Blatt weiter mittheilt, Haus­freund bei Herrn Baare und Dutzfreund seiner Söhne. Die ,Wests. Volksztg.' hofft, Neukamp werde sich selbst für die Baare-Sache als Untersuchungsrichter ablehnen. — Wie die ,Wests. Volksztg.' neuerdings meldet wird sich Redakteur Fusangel sofort im Duisburger Ge- richtsgefängniß stellen, wenn der Justizmi nister die Maßnahme des Staatsanwalts bestätigen sollte.

* Duüerstadt, 5. Aug. Seit Sonnabend weilt Fürstbischof Dr. Georg Kopp von Breslau hier in seiner Vaterstadt. Der hochwürdigste Herr hat im Ursulinerkloster Absteigequartier genommen.

* Der offizielle Saatenbericht für Bayer» pro Juli konstatirt: Wintergetreide hat sich gut nachentwickelt; Sonlmergetreide stand durchgängig gut, jedoch wurde die Ernte vielfach verschlechtert und verzögert in Folge der Regenfälle. Der zweite Kleeschnitt und das zweite Wiesengrummet versprechen die ersten noch zu über­treffen. Der Gerstenschnitt befriedigt. Frühkartoffeln litten durch die Nässe. Der Stand der Weinberge ist etwas zurück, der Fruchtansatz durchweg gering; viel­fach schadete der Heuwurm. Die Obsternte verspricht überall reichlich zu werden. Hafer ist recht gut. Hopfen bisher gut. Hülsenfrüchte und Futterrüben werden allgemein gelobt. Der Stand der Kartoffeln ist unregel­mäßig; auf schwerem Boden vielfach angefault; auf trockenem und leichterem Boden meistens gut.

Ausland.

* Wien, 6. August. Der Handelsminister ver­fügte infolge der Ausbreitung der C h o l e r a in-S y r i e n die Ausdehnung der bestehenden siebentägigen Beobach­tung auf die Herkunft aus den Häfen zwischen Persina und Tripolis, letzteren ausgenommen, und strenge ärzt­liche Untersuchung aller Herkünfte aus den Häfen zwi­schen Messina und Adalia einerseits, und Tripolis und Jaffa anderseits, die genannten Häfen eingeschlossen.

* Der Königin von Belgien ist ein Besuch bei ihrer geisteskranken Schwägerin, der Kaiserin Charlotte von Mexiko, übel bekommen. Die unglückliche Charlotte hatte einen Tobsuchtsanfall, in welchem sie sich auf ihre Schwägerin stürzte. Diese hatte in Folge dessen, wie schon mitgetheilt wurde, einen Nervenanfall, der Anfangs das Schlimmste befürchten ließ, bisher aber ziemlich glücklich verlaufen ist.

* Brüssel, 6. Aug. Der König reiste nach Ostende ab. Vorher telegraphirte er an die Prinzessin Louise von Koburg und an die Erzherzogin Stephanie, welche die Absicht geäußert hatten, nach Brüssel zu kommen, daß das Befinden der Königin gut sei und die Besse­rung fortschreite. Die Königin machte gestern eine kurze Promenade im Laekener Park.

* Paris, 6. Aug. Das französische Geschwader des Admirals Gervais wird auf seiner Rückfahrt von Ruß­land nicht in Plymouth, wie Anfangs beabsichtigt war,

„Badet ist krank, Fräulein Helene!" sagte der Arzt, sich an ihrer Seite haltend, denn ein Zug von Ungeduld flog über das hübsche Gesicht, das im Wider­schein ihres farbigen Sonnenschirms wie in Purpur getaucht erschien. „Ich werde Anstalten treffen," fügte er schnell hinzu, „daß sie im Hospital Unterkunft findet; denn es kann ein Nervenfieber im Anzuge sein, weil ihr Nervensystem total zerrüttet ist. Sie aber können sich unmöglich mit der Pflege befassen?"

„So, weshalb glauben Sie das?" fragte das junge Mädchen piquirt und ihr stahlfarbenes Auge blitzte; die feine Rechte faßte den Kopf des Schirmchens fester.

Der Doktor zuckte mit den Achseln und begegnete dem zornfunkelnden Blick der jungen Dame mit ruhigem Ernst. „Weil zur Krankenpflege nicht nur Willenskraft, sondern auch noch andere Eigenschaften erforderlich sind," versetzte er gelassen, während seine schlanke weiße Hand über den dunklen Vollbart fuhr.

„Welche Eigenschaften, bitte!" rief sie rascher aus­schreitend.

„Liebe, Nachsicht, Zartgefühl!" betonte er, den

sondern nur in Portsmouth anlaufen und dann nach Frankreich zurückkehren.

* Triest, 6 Aug. Ja Cagliari überfielen 6 Briganten am hellichten Tage den Kaufmann Lubraso und gaben denselben erst gegen ein Lösegeld von 100,000 Lire frei.

* London, 6. Aug. Wie man in irischen Kreisen behauptet, würde Parnell binnen wenigen Wochen sein Mandat niederlegen und dem politischen Leben vorläufig entsagen. Das wäre die naturgemäße Schluß­folgerung, welche Parnell aus der Lage zu ziehen hätte, die er sich bereitet hat. Bei der Unbändigkeit des Ehr­geizes und der Herrschsucht, welche den Mann ver­zehren, kann man es gleichwohl noch als fraglich be­zeichnen, daß Parnell sich so viel Selbstbeherrschung auferlegen könnte, vorläufig keine Rolle mehr zu spielen. Wie aus Dublin gemeldet wird, hätte derselbe zwar das einflußreiche .Freemans Journal' verloren, dafür aber den ,United Jreland' an sich gerissen.

§taM, Dromn? und Uachbargebiet.

Fulda, 7. August.

* Zur Erstehung günstigen Erntewetters wird am kommenden Sonntag, Montag und Dienstag eine be­sondere Bittandacht mit ausgesetztem Hochwürdigsten Gute in allen Pfarr- und Filialkirchen unserer Diözese abgehalten. (Siehe „Kirchliches"!)

* Dem Vernehmen nach hat Herr Landrath Trott zu Solz die Ernennung zum Präsidenten des hessischen Konsistoriums in Kassel angenommen. Sobald die Be­stätigung durch S. M. den Kaiser erfolgt ist, wird die Ueberstedelung nach Kassel stattfinden. Herr Land­rath Trott amtirte in Fulda 8 Jahre. Als sein Nach­folger soll, wie man hört, Herr Landrath Fliedner in Schmalkalden, früher in Hünfeld, in Aussicht ge­nommen sein.

* Die silbernen 20 Pfennigstücke für und wider welche im Publikum so lange gestritten worden ist, werden nunmehr thatsächlich aus dem Verkehr ver­schwinden. Die öffentlichen Kassen haben Anweisung erhalten, bei Vereinnahmung dieser Münzen dieselben anzuhalten und nach Berlin einzusenden.

* Zu der bereits geschehenen Veröffentlichung über die Besetzung der auf Grund der Zuvaliditäts- und Altersversicherungsgesctzes in der Provinz Hessen-Nassau errichteten Schiedsgerichte wird im heutigen ,Staats­anzeiger für den Bezirk des Schiedsgerichts Kreis Fulda Folgendes nach getragen: Beisitzer aus der Klasse der Arbeitgeber: 5) Struth, Gutsbesitzer zu Sickels. Hülfsbeisitzer: 1) Lorey, Damian Joseph, Oekonom und Lohnfuhrwerksbesitzer zu Fulda.

* Im Amtsblatt der König!. Regierung zu Kassel wird veröffentlicht: Das genehmigte Statut der Jnvali- ditäts- und Altersverficherungsanstalt Hessen-Nassau; die von dem Provinzial-Landtage für die Provinz Hessen- Nassau unterm 6. November 1890 festgestellten und von dem Herrn Minister des Innern unterm 26. März 1891 genehmigten reglementarischen Grundsätze und Be­stimmungen : a) über die Einreihung der Beamten des Provinzialverbandes der Provinz Hessen-Nassau in die durch den Normal-Gehalts-Etat festgesetzten Gehalts­stufen, und über das Aufrücken derselben in die höheren Gehaltsstufen, d) über die Gewährung von Wohnungs­geldzuschüssen an diese Beamten, c) über die Pensio- nirung derselben und b) über die Fürsorge für deren Wittwen und Waisen.

•|- Es dürste von Interesse sein, die Zahl der bis­herigen schönen Sommertage zu erfahren; sie ist herz­lich gering. Es wurden nämlich im Ganzen bis jetzt 13 — welch' ominöse Ziffer — Tage gezählt, an denen es nicht regnete und die eine Temperatur von über 20 Grad Reaumur aufwiesen. Wenn man be­denkt, wie nöthig der Landmann warmes Wetter hat, so ist es recht beklagenswerth, daß eine so geringe Anzahl von wirklich sommerlichen Tagen zu verzeichnen ist. Es ist ja nicht gesagt, daß außer den 13 Tagen die übrigen alle Regentage waren; aber „Sommertage" waren es nicht. Trotzdem wir nun eigentlich einen Sommer noch nicht gehabt, machen sich bereits die

Fuß anhaltend; et streckte dem ihn verwundert an­starrenden Mädchen die Hand zum Abschied entgegen. — „Hier wohnt ein Patient von mir", mit dem Kopfe auf ein stattliches Gebäude deutend. Helene folgte seinem Blicke und erbleichte plötzlich. Dann glitt ein schwaches Lächeln über ihre Züge, galt es dem Doktor oder dem schönen Mädchenkopf, der aus dem Fenster des ersten Stocks hervorbeugend, mit dem Doktor einen Gruß wechselte! Schnell eilte Helene weiter.

Hatte sie gehofft, Babet auf ihrem Lager zu finden, so sollte sie, zu Hause angelangt, sich getäuscht sehen. In einem Winkel in der Küche kauerte die Kranke, die augenscheinlich bei der Arbeit zusammengebrochen war, als sie, den Herd entzündend, für das Abendbrod sorgen wollte. Das verstörte, leichenbleiche Gesicht, die ohnmächtige Gestalt wirkte erschütternd auf Helene ein. Schnell warf sie Hut und Sonnenschirm bei Seite, und geleitete Babet in ihr eigenes Schlafzimmer. Dann bereitete sie Fliederthee und ordnete Alles an, was zur Pflege der Leidenden dienen konnte.

(Fortsetzung folgt.)