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d Die richtige parlamentarische Taktik.

In der Rede vom 5. Juli, in welcher v. Voll- mar sich gegen die berliner Angriffe vertheidigte, führte derselbe u. A. folgendes aus:

Nur Brauseköpfe könnten glauben, daß man mit einem Streiche die bestehenden Verhältnisse umwerfen könne; dazu ge­höre die angestrengteste Arbeit langer Jahre. Ohne die Endziele der Partei zu vergessen oder zu verschweigen, komme es doch auch darauf an praktische Erfolge zu erringen. Wenn man z. B. den zehnstündigen Arbeitstag bekommen würde, so durfte man hierin doch einen großen Erfolg erblicken. Werner (Berlin) be­haupte nun, mit den gegenwärtigen Regierungen dürfe man nicht verhandeln. Er, Vollmar, fordere auch immer, aber dann folgen

schworen? , ~

Der weiße feine Uferstaub flimmerte tm Sonnen­licht wie Demantgefunkel und that ihren Augen weh. Blendend und grell schimmerten auch die Kalkwände der Häuser, an denen sie heimkehrend vorübereilte. So oft sie sonst in der Nähe des Domes das Auge zu dem herrlichen Bauwerk erhob, blieb sie gefeffstt von

Mach zehn Jahren.

Eine Skizze von I. v. Dirkink. (2. Fortsetzung.),

Verhandlungen. Wenn man aber nur hergehe und sage: „Da thue ich nicht mit“, so sei dies keine Politik von ernsten Män­nern, sondern Kinderpolitik. (Lebhafter Beifall.) Aus einer Kette von Forderungen und Verhandlungen bestehe die Geschichte jeder Partei. Ja, wenn die sozialdemokratische Partei keine Partei, sondern eine religiöse Sekte, eine wissenschaftliche Schule wäre, dann könnte mann bloß mit allgemeinen Forderungen kommen. Die sozialdemokratische Partei sei aber eine große Partei geworden, an die auch große Aufgaben herantreten. An diesen mitzuwirken, sei viel schwieriger, als bloße Phrasen zu drechseln. Zur Zeit oer Herrschaft des Sozia­listen - Gesetzes habe man allerdings nicht debattirt; nach dem Falle desselben müsse man aber eine andere Taktik befolgen. Das Eine sei erreicht, die Sozialdemokratie stehe nicht mehr außerhalb des Rechtsbodens, wie früher, sondern den anderen Parteien annähernd gleich auf gemeinsamem Rechtsboden. Der heutige Rechtszustand verpflichte die Sozialdemokratie, ohne das Gesammt- Programm und das Endziel aus den Augen zu verlieren, erst dringende Bedürfnisse zu befriedigen. Man müsfe positive For­derungen aufstellen, welche als die allerwichtigsten erscheinen. Diese Forderungen würden mehr Nutzen bringen, als die schön­sten blutdürstigen Phrasen.

In diesen Ausführungen steckt sicher manches ganz Vernünftige. Das Centrum beispielsweise hat seine großen Erfolge hauptsächlich gerade der Taktik zu ver­danken, welche hier empfohlen wird. Schritt für Schritt hat es im „Kulturkämpfe" gerungen um jede Position und damit seine Siege erfochten. Genau so hat es das Centrum aber auch bezüglich des Arbeiterschutzes gemacht. Es war die erste Partei, welche ein Arbeiter­schutzgesetz forderte, sobald es eben nur ein wenig Ruhe im „Kulturkämpfe" gab. Seit 1877 (Antrag Galen) hat es immer und immer wieder — so 1882, 1884, seitdem Jahr um Jahr in jeder Session — seine For­derungen erneuert, hat gedrängt und getrieben, daß die berechtigten Forderungen der Arbeiter erfüllt werden. Es hat dies gethan unter den fchwierigsten Verhält- niffen und Anfangs fast ohne Aussicht auf Erfolg.

Es war, um nur an Eines zu erinnern, kurz vor Schluß des Reichstages im Jahre 1890, als der selige Windthorst dem Reichstage ernst und warnend zurief, er sehe den Abgrund, dem wir zutreiben, wenn nicht bald in dieser Frage gründlich Hilfe geschaffen werde; er hoffe und erwarte, daß die erste Gesetzesvorlage in dem neuen Reichstage die des Arbeiterschutzes sei.

Wohl mochte damals Mancher diese kühne Hoffnung des greisen Parlamentariers belächeln — sie hat sich dennoch erfüllt. Fürst Bismarck, der bittere Gegner des Arb-iterschutzes, war inzwischen entlasten worden. Kaiser Wilhelm berief die internationale Konferenz, auf welcher Herr Fürstbischof Kopp so hervorragend thätig war, und dann den vorbereitenden Staatsrath, bei welchem Herr Abgeordneter Hitze seine reichen Kennt­nisse in der sozialen Frage verwerthen konnte. Eine der ersten Vorlagen für den Reichstag war der Arbeiterschutzgesetzentwurf, hervorgegangen aus diesen Berathungen. Bei der Berathung desselben hat das Centrum sich in hervorragender Weise bethei- ligt, sowohl in der Kommission, wie im Plenum. Das Centrum stellte den Vorsitzenden der Komission (Graf Ballestrem), das Centrum (Abg. Hitze) lieferte den von allen Seiten als mustergültig anerkannten Bericht. Das Centrum bemühte sich mit aller Kraft, Verbesserungen im Interesse der Arbeiter durchzusetzen, Verschlimme­rungen fernzuhalten, so daß selbst der sozialdemokratische Abg. Singer in einer Plenarsitzung schließlich zugeben der wunderbaren Architektur stehen, lagen alle ihre Sinne im Banne jenes heiligen Zaubers, wie die edle erhabene Kunst ihn auf die fchönheitstrunkene Seele ausübt. Heute war ihr Auge umflort, ihr Gemüth umnachtet, von der dumpfen Vorahnung kommenden Unheils. Hastig stürzte sie weiter, im Geheimen hof­fend, daß ihr auf der Treppe wie sonst, ein hellklingen­des Kinderstimmchen entgegentönen würde. Ja, einmal verlachte sie sich als eine Thörin, die sich nur durch Hirnqespinnte ängstigte — und gleich darauf schnürte chr die Angst die Brust ein; kam es wie eine Lähmung über sie, als ob sich ein Centnergewicht an ihre Füße hänge. Im Haufe war Alles todtenstill. In ohn­mächtiger Qual sank Helene auf einen Stuhl nieder und zermalmte ihr Hirn, was sie beginnen, wo sie Hilfe suchen sollte. Plötzlich fliegt sie empor: der Schall einer Stimme schlägt an ihr Ohr. War das Babette? Sie stürzte ans Fenster, unbekümmert um ihr Gegenüber, den Oberkörper weit vorgebeugt, schaut sie die Straße entlang. Milchkarren schieben rasselnd vorüber, Mädchen mit Körben am Arme, muntere Kinder trippeln vorbei; eilfertige Dienstleute, beladene Kommis — und ist das nicht der Pfarrer von st Martin?! Nein, sie hat sich getäuscht; aber jetzt weiß

Es war ein ungewöhnlich schwüler Tag.

Rhein schimmerte goldig herüber, blitzende Kugeln tauch­ten funkensprühend auf, wo ein Boot seine Furche zog, oder ein Segel vom Luftzug gebläht, einen Silber- schweif sich kräuselnder Wellchen gewahren ließ. Stolze Dampfer glitten majestätisch auf der leuchtenden Fluth dahin, heitere Menschengruppen schwenkten grüßend Tuch und Hut in der Luft; Helenen erschien es rote ein Hohn auf ihre verzehrende Unruhe, die sich mehr und mehr zur gräßlichen Angst steigerte. Bis nach Kunibert hinabeilend, sollte sie unter der Anzahl Spaziergänger auch nicht ein bekanntes Gesicht an­treffen. Hatte sich denn heute Alles gegen sie ver-

mußte, daß das'Centrum arbeiterfreundlich sei. Es hat nichts alles Wünschenswerthe erreicht, es mußte auf manchen Wunsch verzichten, um nicht das Ganze zu gefährden und um zunächst, wie Vollmar will, „dringende Bedürfnisse zu befriedigen." Dann ist es ja auch eine allgemeine Erfahrung, daß der erste Schrit der schwierigste ist; ist dieser einmal gethan, dann lassen sich im Laufe der Zeit Verbesserungen leicht durchsetzen. So war es in andern Ländern mit dem Arbeiterschutze, so wird es auch in Deutschland sein.

Was thaten dagegen die sozialdemokratischen Führer? Singer, der auf dem Parteitage in Hülle schon die erste Violine spielte und jetzt thatsächlich der oberste Leiter der Sozialdemokratie in Deutschland ist, erklärte dort höhnisch, die Berathungen über das vorliegende Arbeiter­schutzgesetz würden von der sozialdemokratischen Partei nur benutzt werden, um die Arbeiterfteundlichkeit der anderen Parteien als Humbug zu brandmarken; ihre Ziele lägen ganz wo anders. Er sagte u. A. wörtlich: „Die Sozialdemokratie, welche die jetzige Gesell­schaftsordnung von Grund aus umändern will und daher ihrer prinzipiellen Stellung nach eine durchaus revolutionäre Partei ist, weiß ganz genau, daß ihre Ziele nicht auf dem Wege der Arbeiter­schutz-Gesetzgebung zu erreichen sind." Das nur suche sie dabei zu erreichen, das „ihre Armee immer schneller wachse und immer thatkräftiger, zielbewußter und schlagbereiter werde."

Genau nach dieser Parole haben denn auch die sozialdemokratischen Führer gehandelt. Endlose Reden haben sie gehalten und manche „blutdürstige Phrase" dabei geleistet, um den Arbeiterschutz als völlig werthlos erscheinen zu lassen und um zum Voraus die Arbeiter gegen denselben zu verhetzen und zu erbittern. Unter Berufung auf die Ablehnung ihrer maßlosen, oder wenigstens zur Zeit und mit einem Schlage nicht erfüll­baren Forderungen sowie unter gröblicher Entstellung der gefaßten Befchlüsse — wir erinnern nur an die hartnäckigen Lügen über die Lohneinbehaltung zur Sicher­ung gegen Kontraktbruch — haben sie schließlich Mann für Mann gegen das ganze Gesetz gestimmt. Sie haben so, um mit Vollmar zu reden, in Wort und That ge­sagt: „Da thue ich nicht mit." Jetzt sind ihre Agita­toren auf Kommando in fieberhafter Thätigkeit, um diese Verhetzung und Erbitterung gegen das Gesetz in weitere Kreise zu tragen. „. «. .

In diese verhetzende Thättgkett ist nun bte Rede Vollmar's wie eine Bombe hineingefallen. Sie ist die denkbar schärfste Verurtheilung dieses ganzen Thuns und Treibens, das nach ihm „keine Politik von ernsten Männern, fondern Kinderpolitik" ist. Gewiß, nur nicht harmlos, wie das Spielen von Kindern, ist dieses Treiben, sondern raffinirt böswillig und nichtsnutzig. Vollmar galt als einer der schärfsten und radikalsten Führer, aber er sieht eben doch ein, so könne es nicht fortgehen, man könne die ruhigeren und besonneren Arbeiter nicht für die Länge damit abspeisen und hinters Licht führen, daß man ihnen nebelhafte Zukunftsbilder im Namen der „Wissenschaft" vormale, aber für die Gegenwart nichts biete. Vollmar hatte sich schon bei der Berathung des Arbeiterschutzgesetzes säst ganz zurückgezogen; möglich ist, daß er in der sie, wohin sie ihre Schritte zu lenken hat. Der Seel- sorger ist ihr väterlicher Freund, — er wird wissen, was zu thun ist. .. . m£

An allen Gliedern zitternd, erreichte sie das Pfarr­haus. Mit verstörten Zügen tritt ihr ine Jungfrau entgegen — als ob sie bereits wüßte, welche bange Sorge sie hergetrieben hat. Stumm öffnet sie bte Thure des Sprechzimmers; wie betäubt taumelt Helene über die Schwelle, um mit einem flackernden Bück auf Babette — auf Babette, die fahl wie ein Gespenst, die ohne den Knaben, in gebrochener Haltung da lehnt, — leblos zusammen zu brechen. Aber plötzlich kommt Leben in die wie versteinerte Gestalt der alten Dienerin. Laut auffchluchzend wirft sie sich über die geknickte Mädchengestalt, die wie eine vom tödtlichen Pfeil ge­troffene Taube am Boden liegt. Der Pfarrer trat mahnend hinzu. Man versuchte Alles, die Ohnmächtige ins Leben zurückzurufen. Und als es endlich gelungen ist und Helene zu dem Bewußtsein erwacht, daß hier entsetzliche Wirklichkeit und kein wüster Traum waltet, daß ihr süßer Liebling verschwunden ist, da ringt sie die Hände und wünscht nur gestorben zu sein. Und der Vorstellung des Pfarrers, daß man durch die Mit­wirkung der Polizei zu einem sicheren Resultat kommen

Dreihundertjähriges Jubiläum des heiligen Aloysius.

Im ,Unitier§' vom 18. Juli findet sich nachstehen­des Schreiben des Kardinals Mermillod, welches er als Ehren-Präsident des Vereins der katholischen ita­lienischen Jugend und auf Wunsch Sr. Heiligkeit des Papstes an alle hochwürdigsten Kirchenfürsten ge­richtet hat: ,

Hochwürdigster und sehr verehrter Herr!

• Da in diesem Jahr in Rom und in der ganzen Welt, rote es Ero. Gnaden schon bekannt sein wird, das Jubiläum des hl. Aloysius vom 21. Juni an gefeiert wird, ist es sehr wichtig, daß die katholische Jugend, welche den Heiligen als ihren besonderen Patron verehrt, ihm auch ganz besondere Huldigungen dar- Bnn9®e. Heiligkeit Papst Leo XIII. hat mir unter dem Titel eines Ehrenpräsidenten die Sorge anvertraut, dte frommen Wall­fahrten der katholischen jungen Leute zum Grabe des englischen Heiligen zu veranlassen und zu leiten; ich müßte aber befürchten, daß meine Bemühungen nur von wenigem Erfolg begleitet fem würden, wenn ich mich nicht vor Allem an das Wohlwollen und den Eifer der Oberhirten aller Diözesen wenden wollte.

Ew Gnaden werden leicht erkennen, daß aus dieser Kund­gebung des Glaubens drei Vortheile von allergrößter Wichtigkeit entspringen werden: . „ .

Erstens wird der Geist und das Herz der jungen Leute sich durch ein wärmeres und kindlicheres Gefühl der Treue an den hl Stuhl anschließen. Der Anblick der Stadt, welche der Sitz des Stellvertreters Jesu Christi ist, die Worte dieses wohl­wollendsten und liebendsten aller Väter werden in den Seelen der katholischen Jugend, welche die Hoffnung der Kirche und des Vaterlandes ist, einen lebendigeren Glauben und einen neuen Eifer erwecken, und damit dem Hauptübel unserer Zeit entgegen­arbeiten, der beklagenswerthen Trennung der bürgerlichen Gesell­schaft von der Kirche, unserer Mutter! .. .

Dann wird die Erinnerung an die jungfräuliche Reinheit des hl. Aloysius den jungen Leuten, welche ihn verehren wollen, den Wunsch einflößen, die englische Unschuld zu bewahren, und mit aller Anstrengung dem schändlichen Uebetgretfen der Leiden­schaften und der Laster zu widerstehen.

Endlich, und das wird nicht die unbedeutendste der Früchte sein auf die wir hoffen, — werden die jungen Leute, bte von den entlegensten Gegenden kommen, beim Stuhle Petri, wo die lautersten Quellen nicht nur der katholischen Wahrheit, sondern auch der göttlichen und menschlichen Wissenschaften entspringen, die Liebe zu der katholischen Wissenschaft schöpfen und einen berech­tigten Abscheu vor jenen Lehren, welche unter dem trugerychen Schein der Wissenschaft gegen Religion und Kirche ankampfen.

Da nun fo bedeutende Vortheile für das Wohl der katho­lischen Jugend aus diesen frommen Wallfahrten zum Grab des hl. Aloysius erwachsen sollen, fo zweifle ich nicht, daß Ew. Gnaden dieselben aus allen Kräften begünstigen und ermutigen wird.

Einstweilen erflehe ich die reichsten Gnaden des allmächtigen und allgütigen Gottes re.

Rom, 5. Juni 1891. Fest des hlgst. Herzens.

Euer Gnaden

sehr ergebener Diener Gaspard Kardinal Mermillod.

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