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18. Jahrgang

Dienstag- den 28. Juli 1891

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FilldaerMZeitiliig

Tage erscheinenden SratildeWM

«ebst der illustrirten Sonntagsbeilage.Sterne «nd Blumen" und dem.Rathgeber für Land- wirthschaft. Gartenbau und Hauswesen" von allenlPostanstalten, sowie Landbriesträgern, Zeitungsträgern und von der Expedition (Katholisches Bereinshaus .Harmonie") zum Preise von 1 M. (nebst Bestellgeld) jederzert entgegengenommen.

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Verirrt und rviedergesunden.

Eine Studentengeschichte.

Nach dem Leben erzählt von Erich Krafft.

(Fortsetzung.)

Eines Morgens kamen drei sehr elegant geklei­dete Studenten in sein Zimmer, unter denen sich auch einer seiner Mit-Abiturienten, der Studiosus juris Alfred Mihlmann, befand. Mihlmann hatte auf dem Gymnasium zu Kroner's besten Freunden gehört, und somit gestaltete sich das Wiedersehen der beiden zu einem sehr frohen und herzlichen. Es wurden Fragen und Antworten nach dem seitherigen Ergehen ausge­tauscht, und im Laufe der Unterhaltung erfuhr Hein­rich, daß Mihlmann bei einer sogenannten „schlagenden Verbindung" eingetreten sei und sich dabei sehr wohl fühle.

„Bei uns geht es fein und herrlich zu, Heinrich," schloß der rechtsbeflissene Studiosus seine Erzählung. Unsere Mitglieder sind insgesammt Söhne aus den besten Familien des Landes. Jugendlicher Frohmuth und echt studentisches Wesen ist bei ihnen ebenso wohl zu finden, wie Mannhastigkeit, ritterlicher Sinn und Ehre." • • u u

„Da gleicht eure Vereinigung ja sehr der „Arminia"," meinte Kroner hierauf ehrlich. „Ich war dieser Tage bei den Arminen zu Gaste, und ich muß gestehen, daß

Deutsches Deich.

Berlin, 25. Juli.

* Der .Reichsanzeiger" bringt an der Spitze des amtlichen Theils folgende Mittheilung: „S. M. der Kaiser sind am Abend des 23. d. M. an Deck der „Hohenzollern" auf dem durch Regen glatt und feucht gewordenen Fußboden ausgeglitten und haben sich dabei leicht am rechten Knie verletzt. In Folge dessen ist Schonung des Fußes erforderlich und werden für die nächste Zeit Berg- und Landpartie«» nicht unternommen werden können. Das Allgemeinbefinden Sr. Majestät ist ein gutes. Allerhöchstderselbe nahm gestern an der gemeinschaftlichen Mittagstafel an Deck Theil. — Heute liegt folgendes Telegramm aus Skjervö vor, welches besagt: Die Dacht „Hohenzollern" liegt bei Karlsö vor Anker. Gestern ist wieder gutes Wetter mit Nordwind eingetreten.

* Major v. Wißmann hat heute Lauterberg ver­lassen und schifft sich am 3. August in Genua ein.

* Für die Durchführung der Schulreform auf Grundlage der von der Dezember-Konferenz gefaßten und vom Kaiser gebilligten Beschlüsse, ist die wichtigste Vorbedingung die Neuregelung des Berechtigungs­wesens der höheren Schulen. Ueber diese Vorbe­dingung ist, wie der .Reichsanzeiger" mittheilt, theils durch Schriftwechsel zwischen den einzelnen Ministerien, theils in Sitzungen des Staatsministeriums eingehend verhandelt und nunmehr eine Verständigung dahin er­zielt worden, daß den Abiturienten der Ober-Real­schulen in Preußen der Zugang zu dem Bau- und Maschinenbaufach, Bergfach und Forstfach, fowie zu dem Studium der Mathematik undNaturwissenfchaften mit der Aussicht auf Anstellung als Lehrer eröffnet werden soll. Dasselbe wird im Dienstbereiche des Reichs für das Post- und Telegraphenwesen, für den Marineschiffbau und den Marineschiffsmaschinenbau ge­schehen. Die Oberrealschulen werden also den Real­gymnasien bezüglich der Berechtigungen im Wesent­lichen gleichgestellt werden. Was die höheren Bürger­schulen betrifft, so wird das Reifezeugniß derselben in Zukunft zu dem gesammten Subalterndienst berechtigen, während dies bisher nur für den Justiz-Subalterndienst der Fall war. Damit wird die höhere Bürgerschule auch in solchen Landestheilen Fuß fassen können, welche in industrieller und gewerblicher Hinsicht weniger ent­

wickelt sind. Ueber einzelne Spezialfächer, z. B. die Landmesser, sind die Verhandlungen noch nichtßabge- schlosien. Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst wird so geordnet werden, daß für die Schüler der neunjährigen Vollanstalten, sowie der bis­her siebenjährigen Anstalten der Vorzug aufhört, den Befähigungsschein durch bloße Versetzung nach Ober­sekunda ohne Prüfung zu erwerben. Es wird künftig an allen Anstalten nach Abschluß eines sechsjährigen Lehrkursus eine Prüfung unter Vorsitz eines Kommis- fars der Staatsbehörde abgehalten und die Ertheilung des Befähigungsscheines für den einjährigen Dienst von dem Bestehen derselben abhängig gemacht werden. Hiermit wird eine Ungleichheit beseitigt, welche die Verbreitung der höheren Bürgerschulen hemmte, da deren Abiturienten bisher allein, um den Befähigungs­schein zu erlangen, eine volle Prüfung bestehen mußten.

* Der Minister für Handel und Gewerbe hat an mehrere „Vereine für das Wohl der arbeitenden Klaffen" ein Schreiben gerichtet, worin der Minister seine Ge­neigtheit kundgibt, eine Central - Stelle für Arbeiter- Wohlfahrts-Einrichtungen begründen zu helfen. Als Zweck einer solchen Central-Stelle wird genannt: 1) Die Sammlung von möglichst vollständigen Nachrichten über die bestehenden Wohlfahrts - Einrichtungen nebst der Sichtung, Ordnung und Katalogisirung derselben. 2) Auskunfts-Ertheilung auf Anfragen über Wohlfahrts- Einrichtungen. 3) Veranlassung von Veröffentlichungen über bemerkenswerte Erscheinungen auf dem Gebiete der Wohlfahrts - Einrichtungen durch die Blätter der betheiligten Vereine und andere Blätter, die sich zu diesem Zwecke zur Verfügung stellen. 4) Veranstaltung von Konferenzen zur Erörterung wichtiger, die Wohl­fahrts-Einrichtung betreffender Fragen, bestehend aus Delegirten der Vereine und einzelnen auf diesem Ge­biete erfahrenen Personen, denen etwa Beauftragte der- jenigen preußischen Ministerien und Reichsämter, denen Betriebs-Verwaltungen unterstehen, hinzutreten könnten. — Der Minister hat sich bereit erklärt, einem mit dem Gebiete der Wohlfahrts-Einrichtungen vertrauten Beam­ten seines Ministeriums die unentgeltliche Wahrnehmug der Geschäftsführung der Central-Stelle im Nebenamte zu gestatten. Aus den demnächst zusammentretenden Delegirten soll ein Vorstand gebildet werden, unter dessen allgemeiner Leitung die lausenden Geschäfte der Central-Stelle von diesem Geschäftsführer zu beforgen sein würden.

* Die Nachricht, daß auf Veranlassung des General­stabschefs Verschärfungen des Paßzwanges für Elsaß- Lothringen angeordnet worden feien, wird offiziell dementirt mit dem Hinzufügen, daß überhaupt keine schärfere Handbabung eingetreten sei.

• Vou allen deutschen Industrien steht die Woll- waarenindustrie, besonders die Wollenweberei, der Weltausstellung in Chicago am kühlsten gegenüber. Wie verlautet, soll sich bereits der Fabrikantenverein in Greiz, dem die Mehrzahl der dortigen Textil­industriellen angehört, gegen die Beschickung der Aus­stellung erklärt haben. Die meisten anderen Fabrikanten- es mir ausnehmend gut bei ihnen gefiel. Es schien mir, als ob alle vortrefflichen Eigenschaften, die Du eben aufgezählt, auch in der „Arminia" zu Hause feien."

Wie von einer Viper gestochen, fuhren die drei Studenten bei diesen Worten empor. Auf Mihlmann's Lippen schwebte eine heftige Entgegnung; allein sein Verbindungsbruder, der ihm gegenüber saß, zwinkerte ihm bedeutungsvoll zu, so daß er die grollende Erwide­rung unterdrückte und jenem das Wort ließ.

„Sie haben Recht, Herr Kroner," Hub dieser in möglichst ruhigem Tone an. „Die Herren aus der Arminia sind sehr nette Leute, da ist durchaus nicht daran zu mäkeln."

„Nur verfechten sie etliche Grundsätze," sekundirte der zweite Genosse Mihlmann's seinem Bundesbruder, die nicht Jedermanns Art sind."

„Und welche sind diese Prinzipien z. B.," frug Kroner erstaunt.

„Sie verwerfen das Duell," platzte Mihlmann übereifrig heraus, „sie sind zu . . ."

Ein strenger Blick des Gefährten hemmte den Rede­strom des hitzigen Duellfreundes. „Es dürfte hier nicht des Ortes sein, Herr Kroner," nahm er für Mihlmann das Wort an, „sich in weitläufigen Erörterungen über die Unterschiede in den Ansichten zu ergehen, die unsere Korporation von der Arminia trennen. Bei einem feierlichen Kommers, in einer schönen Rede läßt sich

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vereine, die in ihrer Gesammtheit den „Centralverein deutscher Wollenwaarenfabrikanten" bilden, werden sich voraussichtlich diesem Vorgehen anschließen. — Die ,Berl. Börsenzeitung" bemerkt hierzu: So bedauerlich dieser Mißmuth einer unserer größten Industrien viel­leicht auch erscheinen mag, begreiflich ist er, wenn man berücksichtigt, daß gerade die deutsche Wollenindustrie durch die neuen amerikanischen Zollgesetze die schwersten Schädigungen erlitten hat.

* Bochum, 25. Juli. Die .Westfälische Volks­zeitung" theilt in ihrer Nr. 167 mit, daß Geheimrath Baare bei Roheisen-Verzollungen Defraudationen be­gangen habe. Dem gegenüber erklärt Herr Baare, daß „auch diese Verläumdung im Strafverfahren Wi­derlegung und Ahndung finden werde".

* Der Prinz-Regent von Bayern hat genehmigt, daß die Loose der deutschen Antistlavcreilotterie auch im Königreich Bayern abgesetzl werden dürfen. Im Königreich Sachfen bleibt der Vertrieb der Loose mit Rücksicht auf . die dort bestehenden gesetzlichen Bestim­mungen verboten.

Ausland.

* Gastein, 26. Juli. Fürst Ferdinand von Bul­garien ist nach beendigter Kur heute Vormittag über München nach Coburg abgereist, um der zehnjährigen Trauerfeier anläßlich des Todes seines Vaters beizu­wohnen.

* Bern, 26. Juli. Beim Bundesgericht ist inner­halb der gesetzlichen Frist kein Kassationsgesuch gegen das T e s s i n e r Schwurgerichtsurtheil eingereicht worden. Die gegentheiligen Meldungen sind unbegründet.

* Das Ländchen Luxemburg hat in diesen Tagen ein großes Freudenfest gefeiert: den 73. Geburtstag feines Großherzogs Adolph und dessen und seiner Familie Einzug in die Residenz, der am Mittwoch unter Entfaltung des höchsten Pompes und dem Jubel der aus dem ganzen Lande herbeigeströmten Bevölkerung statt­fand. Das gefammte beim Großherzog beglaubigte diplo­matische Korps wohnte dem Empfange bei, der vom schönsten Wetter begünstigt war. Nachdem der Bürger­meister von Luxemburg das großherzogliche Paar an der Grenze der Stadt begrüßt hatte, fuhr dasselbe in Begleitung seiner Kinder: des Erbprinzen Wilhelm und der Prinzessin Hilda, der Gemahlin des Erbgroßherzogs von Baden, durch die Straßen der Residenz zum Palais, wo es die Huldigung des glücklichen Volkes entgegen nahm. Ueber 200 Vereine zogen am Palais vorbei, vom Herrscherpaare .freundlichst begrüßt. In der Kathredrale fand Vormittags ein vom hochw. Herrn Bischof Koppes selbst abgehaltener Festgottesdienst statt, welchem der Großherzog und seine Gemahlin beiwohnten. — Man begreift und theilt die Freude der guten Luxem­burger, wenn man bedenkt, daß Jahrhunderte vergangen sind, seit der Landesherr bei ihnen in Luxemburg residirte. Seit sie mit den Niederlanden durch Personalunion ver­bunden und in Folge dessen die Könige von Holland auch Großherzöge von Luxemburg gewesen, hatten sie nur höchst selten und meist nur auf Tage Gelegenheit, solcherlei viel bestimmter und nachdrücklicher übersehen, und so wollten wir drei, meine beiden Vereinsgenossen und ich, uns die Ehre geben, Sie für heute Abend zu unserem Festkommerse höflichst einzuladen."

Wir wollen Ihnen hierdurch lediglich eine An­nehmlichkeit bereiten,"" setzte der Andere die Einladung fort. „Sie laden sich durch den Besuch unseres Festes keinerlei Verpflichtungen und Verbindlichkeiten auf."

„Und obendrein habe ich mir gedacht," drang noch Mihlmann in Kroner ein, „daß es Dir angenehm sein müsse, mit mir wieder einmal einen frohen Abend ge­meinschaftlich zu verleben, der ich doch siebm Jahre lang Freud' und Leid mit Dir am Gymnasium ge- theilt habe."

Hierauf ließ sich schlechterdings nichts einwenden, und wenn auch Kroner bei der von Mihlmann ge- thanenen Bemerkung über das Duell stutzig geworden war und mißtrauisch gegen den Charakter der Vereini­gung, welche die drei Herren repräsentirten, so hatte doch die ausnehmende Höflichkeit derselben und ihre vornehme Zurückhaltung ihre Wirkung auf den uner­fahrenen Jüngling nicht verfehlt. Geschmeichelt und ohne zu ahnen, daß er mit einem feinen Netze umgarnt werde, das ihn nach und nach in jene „freie schlagende Verbindung" hineinziehen müsse, sagte er sein Er­scheinen bei dem Festkommerse zu und gab unverhohlen