Einzelbild herunterladen
 

JM 168

Samstag den 25. Juli 1891.

18. Jahrgang

uldilkrMZcltllng

Feiertage ausgenommen. - Inserate kosten die einspaltige Zelle oder deren Raum 15 Ps, bei Wiederholungen ^ntspre-henr;n R<ckrtt.

ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,S t erneu n d Blu m e n undder alle 14 Tage erscheinenden wanmw» .Rathgeber für Laudwirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' tn Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. _____,

Mutter

nebst der illustrirten Sonntagsbeilage,Sterne «nd Blumen" und dem ,Rathgeber für Land- wirthschaft, Gartenbau und Hauswesen" von allen Postanstalten, sowie Landbriefträgern, Zeitungsträgern und von der Expedition (Katholisches Bereinshaus .Harmonie") zum Preise von 1 M. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.

Für die Monate August und September werden Abonnements auf die

strömen und alle ohne Ausnahme eine milde Gabe, ein gütiges Wort und eine heilsame Lehre davontragen.

Tas würdige Ehepaar befindet sich heute in äugen«

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, vierteljährlicher AbonnernentSpreis r*— °

Verirrt und medergesunden.

Eine Studentengeschichte.

Nach dem Leben erzählt von Erich Krafft.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Wie sriedsam und lauschig liegt doch das Kirchdorf Hahnfelden da! Rechts und links steigen kleinere Erd­erhebungen empor, die sich in sanften Wellenlinien bis zu den ersten Häusern abdachen und Hahnfelden wie ein kostbares Kleinod in ihrem Schooße zu hegen und zu schützen scheinen. Die Häuser des Dorfes sind nicht gerade reich und pompös gehalten, aber reinlich und geschmackvoll; schmucke Blumengärtchen und reblaub- gedeckte Hütten befinden sich fast vor jedem Gebäude und verleihen dem Ganzen einen trauten, heimischen Anstrich. Außerhalb der Ortschaft, auf einer Halde des rechten Hügels, liegt das Gotteshaus. Wie eine sorg­same Mutter hält das Kirchlein hier oben Wache über die Pfarreingesessenen. Sein Glöcklein kündet ihnen die Tageszeiten, rüst sie zu Gebet und Andacht, stimmt sie zu Freude und Wehmuth. Gastlich nimmt das Haus des Herrn das neugeborene Kind auf und spendet ihm die hl. Taufe, vor seinem Ware reichen sich die Paare der Pfarrei die Hände zum ewigen Treugelöbmß, und in seinem Schiff werden die Leichen derer ausge­bahrt, die, müde der mühseligen Erdenwanderung, ihr körperliches Auge geschlossen haben und in das bessere Jenseits eingegangen sind. So ist die Kirche den Hahn- feldern der Hauptfaktor in ihrem Lebenswandel vom Anfänge bis zum Ende.

Deutsches Keich.

Berlin, 23. Juli.

* Die Nordlandreise des Kaisers hat am Dienstag ihren letzten Zielpunkt erreicht. Am genannten Tage stand Kaiser Wilhelm abermals auf dem in's Meer vorspringenden Felsen des Nordkap, welches als der nördlichste Punkt des europäischen Kontinents gilt, ob­schon dies geographisch nicht ganz richtig ist. Vom Nordkap ist der Kaiser zunächst nach Hammerfest, der nördlichsten Stadt Europas zurückgekehrt, von wo aus die Rückreise dann nach mancherlei Unterbrechungen angetreten wird. — Heute (Donnerstag) Vormittag hat der Kaiser Hammerfest verlassen und sich nach der Insel S k o r o e begeben.

* Nach der Rückkehr des Kaisers soll in dessen Beisein eine größere militärische Uebung, nämlich der Uebergank größerer Truppentheile über die Havel, stattfinden, bei welcher außer auf Pontonbrücken die Kavallerie auch auf schnell gebauten Flößen übergesetzt wird. Im Tempelsee, ferner bei Hohenschöpping und zwischen Spandau und Potsdam finden jetzt fort­während derartige Uebungen statt.

* Die großen Kavallerie-Manöver in der Provinz Posen werden vom Prinz-Regenten von Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen, welcher sich zu diesem Zwecke am 8. September nach Thorn begibt, geleitet werden.

* Die an den deutschen Hochschulen veranstaltete Sammlung für einen dem Fürsten Bismarck zu widmen­den Ehrenhumpen haben gegen 3500 M. ergeben. Die feierliche Uebergabe soll am 10. August in Kissingen stattfinden. Ob Bismarck von dem Geschenk besonders erbaut sein wird, nachdem verschiedene Hochschulen die Betheiligung an der Sammlung rundweg abgelehnt haben ?

* Die Angelegenheit des sozialdemokratischen Abg. v. Vollmar wird nicht, wie man annahm, erst auf dem Erfurter Parteitage, sondern wahrscheinlich auf dem internationalen Kongreß zn Brüssel zur Sprache kommen. Es stellt sich nämlich, wie jetzt berichtet wird, heraus, daß von den 3 in Berlin gewählten Delegirten

in den schmeichelndsten Tönen.

Fast in der Mitte des stattlichen Dorfes steht ein Wohngebäude, das die übrigen an Größe und Schön­heit weit übertrifft, es gehört dem Vorsteher der Ge­meinde, dem Bürgermeister Kron er. Nicht leicht dürfte sich in der ganzen Gegend ein Mann finden, der Kroner an Ehrenhaftigkeit, Biedersinn und Geradheit des Charakters überträfe. So kurz und schlicht seine Rede­weise ist, so rasch und energisch ist seine Art zu handeln, wenn es gilt, dem Guten Vorschub zu leisten und dem Schlechten entgegenzutreten. Die Vortrefflichkeit seines Charakters ist unter den Hahnfeldern sprichwörtlich ge­worden; „er ist brav und redlich wie Kroner," sagt man von einem Menschen, dem man höchste Aner­kennung und ausnehmendes Lob spenden will.

Die Bürgermeisterin, Frau Katharina Kroner, ist ihres Mannes vollkommen werth. Eine Hausfrau und Christin im besten Wortsinne, wird sie von Hoch und Niedrig in Ehren gehalten, besonders aber ist sie eine der Armen, die oft schaarenweise in ihr Haus

sie haben, so viel Ankläger würden ihnen entstehen» Wahrscheinlicher ist es, daß Arbeiter ohneWissen und Willen der Direktion in solcher Weise manipulieren. Gewöhnlich arbeiten diese Leute im Akkord. Wenn ein Ingenieur der Fabrik eine Anzahl der durch eine Arbeitergruppe abgelieferten Schienen als untauglich zurückweist, entsteht den Leuten ein Lohnabzug, den sie möglicherweise in der angedeuteten Weise zu vermeiden suchen. Welchm Vortheil sollte denn der Leiter einer Fabrik durch solche Fälschungen haben? —" Nun weiß man es endlich: die Arbeiter haben es gethan! Merkwürdig, daß man auf diese Entdeckung in den Kreisen der ,Rheim-Wests. Ztg." nicht schon früher gekommen ist. Dieselbe lag doch so nahe!

* Bon der Saar, 22. Juli. Als dieser Tage Herr Bischof Korum von Trier auf seiner Firmungsreise in einem Bergmannsdorfe des Kreises Saarlouis Abends durch die Bergleute mit einem Fackelzuge geehrt wurde, streifte derselbe in einer Ansprache auch die soziale Frage und führte aus: der Bergmann wie auch jeder andere Arbeiter habe für ein doppeltes Vater­land zu kämpfen, für ein irdisches und für ein bimm- lisches, und dieses könne er nur, wenn er aus Erden stets dem Kaiser gebe, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. Es könne sich keiner den Himmel auf Erden bereiten, deshalb solle der Arbeiter nicht auf die gewisfenlosen Führer hören, welche ihn nur in's Ver­derben brächten. Der Arbeiter und besonders der katho­lische Arbeiter solle seinen wahren Führern folgen, und dies seien unser glorreich regierender hl. Vater Leo XIII. und der jugendliche Kaiser Wilhelm II. Wie der Papst durch seine vor einigen Wochen veröffentlichte Kund­gebung die Rechten und Pflichten sowohl den Arbeit­gebern als den Arbeitern zugerufen habe, so habe auch der Kaiser stets ein warmes Herz für die Arbeiter be­wiesen. Darum seien dies die wahren Führer der Arbeiter, durch jede andere Führung müßten sie in's Verderben rennen.

* Würzburg, 20. Juli. Der bekannte Kolonial­politiker Friedrich Fabri, der am vorigen Freitag hier gestorben ist, war protestantischer Theologie-Pro­fessor an der Universität Bonn. Durch seine im Jahre 1884 in Gotha erschienene Schrift: „Bedarf Deutsch­land der Kolonien?" zog er die allgemeine Aufmerk­samkeit auf sich und wurde in weiten Kreisen bekannt. Ebenso sensationell war seine zweite, im Jahre 1889 erschienene Schrift: „Fünf Jahre deutscher Kolonial­politik", in welcher er alle erzielten Erfolge bekannt machte, aber auch schonungslos die Mißerfolge ver­zeichnete. Professor Friedrich Fabri war auf Besuch bei seinem Neffen in Eschau, wo er erkrankte. Um ärztliche Hülfe anzurufen, kam er hierher, wo er Ver­wandte hat. Nach kurzem aber schwerem Leiden starb er Freitag früh. Die Beerdigung findet in Godes­berg bei Bonn statt, wohin die Leiche überführt ward. scheinlicher Unruhe und Aufregung. Frau Kroner macht sich am Tische zu schaffen. Schneeweißes Linnen deckt das rauhgearbeitete Tannenholz desselben zu, in blenden­der Reinheit glänzen die goldgeränderten Kaffeetassen, eine prächtige Torte und ein großer Rosinenkuchen prangen oben und unten aus der Tischplatte. Trotzdem aber hat die geschäftige Hausfrau noch allerhand zu ordnen; hier legt sie ein Mesfer gerade, dort rückt sie eine Tasse zurecht. Zwischendurch eilt sie zum Fenster und wirft sehnsüchtige Blicke auf die Straße.

Der Bürgermeister sitzt an seinem Schreibpulte. Zwar liegt ein großes Aktenbuch vor ihm ausgeschlagen; aber die Feder, die sonst so eifrig in demselben ge­handhabt wird, liegt heute unbenutzt da, und die großen, klaren Augen des Bürgervorstehers widmen den Zahlen in dem Buche weniger Interesse als der Dorfstraße.

In diesem Augenblicke rief die Schwarzwälder Kukuksuhr, die neben dem Pulte Kroners hing, drei Mal veryehmlich „Kukuk".

„Schon 3 Uhr, und Heinrich ist immer noch nicht da," wandte sich Frau Katharina an ihren Mann. „Hast Du auch recht gelesen in der Depesche? Steht wirklich darin, daß unser Junge um 2 Uhr hier sein will?"

„Gewiß steht das darin, die Nachricht lautet wirk­lich: „Abiturientenexamen mit „sehr gut" bestanden, komme morgen um 2 Uhr bei euch an. Heinrich."

„Mit „sehr gut" bestanden", wiederholte Frau Kroner, und inniges Mutterglück malte sich auf ihrem Gesichte. „Ich wollte, der Junge wäre schon da, es

zum Brüsseler Kongreß mindestens der eine der sogen, radikalen Richtung angehört, und daß die Stellung eines zweiten zweifelhaft ist. Es scheint, daß die große Volksversammlung, welche die Herren gewählt hat, sich über die Richtung derselben in einer Täuschung be­funden hat, und es wird mitgetheilt, daß diese Dele­girten die Angelegenheit Vollmar's auf dem Kongreß zur Sprache bringen wollen. M. W

* lieber die angeblichen Grundzüge des zwischen den Bundesregierungen erzielten Einvernehmens hin­sichtlich eines einheitlichen Militürstrafprozeß-Berfahreus läßt sich der ,Fränk. Cour.' aus Berlin schreiben: Es sei gelungen, mit dem Argument, daß Bayern unter keinen Umständen sein jetzt bestehendes, im großen Ganzen vorzüglich bewährtes Prozeßverfahren zu opfern geneigt sei, den Widerstand gegen die zwei Grundprin­zipien des bayerischen Militär-Strafprozesses, gegen die Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, zu überwinden und sogar den Verzicht des Kriegsherrn auf das Bestäti- gungs- bezw. das Verwerfungsrecht als Kriegsherr zu erlangen. Voraussichtlich würden die bayerischen Ein­richtungen als Muster dienen, also Untergerichte bei den einzelnen Abtheilungen als Schöffengerichte und Bezirksgerichte für jedes Armeekorps als Geschworenen­gerichte eingeführt werden, nur würde voraussichtlich der mit einem großen Personenaufwand arbeitende Apparat der bayerischen Militär - Bezirksgerichte eine auch im dienstlichen Interesse wünschenswerthe Verein­fachung erfahren.

* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht jetzt auch die UebergangSbeftimmungen zur Ausführung des neuen Patenlgefetzes. Danach ist u. a. bei Anmeldungen, bereit Veröffentlichung vor dem 1. Oktober d. I. er­folgt, die erste Jahresgebühr für das Patent erst bei der Ertheilung des Patents zu entrichten. .Vollmachten der Vertreter in Patentangelegenheiten, welche vor dem 1. Oktober beim Patentamt eingereicht sind, können auf Grund der mit diesem Tage in Kraft tretenden Bestimmungen nicht beanstandet werden.

* Kaltowitz, 21. Juli. Wie das protestantische Familienblatt meldet, ist der Redakteur eines hiesigen Blattes wegen einer abfälligen Bemerkung über die demnächst stattfindende Ausstellung des heiligen Rockes zu Trier zu 14 Tagen Gesängniß verur- theilt worden.

* Den wahren Schuldigen bei der Bochumer Schieuenstempel-Affaire hat jetzt das Organ der rhei­nisch-westfälischen Großindustriellen, die .Rhein.-Westf. Ztg.' glücklich herausgebracht. Das Blatt läßt sich aus Amsterdam eine „Ehrenerklärung holländischer Autori­täten gegenüber der deutschen Eisenindustrie" schreiben, in welcher ein Herr Ober-Ingenieur Kalff folgenden Satz leistet: „Daß die Leiter des Bochumer Etablisie- ments sich dazu herbeilassen sollten, znrückgewiesene Schienen mit falschen Stempelabdrücken zu versehen, ist einfach eine blödsinnige Behauptung. So viel Arbeiter

Es ist gerade Frühlingszeit. Hahnfelden schwimmt in einem Meere von goldenem Sonnenschein und süßem Lenzesdust, den Frühblumen und blühende Birn- und Aepfelbäume rings in die Lust streuen. In den Vor­gärtchen sprossen bereits Veilchen, Schlüsselblumen, Frühlingskrokus und zarte, rothgesprenkelte Narzissen, in dem Blüthenschnee der Obstbäume locken die Vögel