am 8. Januar die trauriae Nachricht, daß der Apostolische Vikar des Tanganjika, Msgr. Bridoux, am 31. Oktober 1890 in Kibanga am Gallenfieber gestorben sei. Da die Anwerbung von Trägern sich verzögerte, mußte die Expedition zwei Monate in Kipalapala liegen bleiben. Sie ist inzwischen am Tanganjika-See angekommen.
Eine neue Missionsexpedition der Weißen Väter ist am 12. Juni von Marseille abgefahren und wird inzwischen bereits nach dem Innern aufgebrochen sein. Der Centralvorstand beschloß, für die Apostolischen Vikariate Viktoria, Tanganjika und Unyamjembe, denen schon früher im Ganzen 80,000 M. bewilligt waren, eine weitere Summe von 20,000 M. zur Verfügung zu stellen.
3. Die Apostolisch e PräfekturSüd-Sansibar. Die St. Benediktus-MissionSgenosienschaft, über welche in der Januar-Sitzung ausführlich berichtet wurde, hat in Dar-es-Salaam den Tod mehrerer Mitglieder der Mission, auch des Apostolischen Präfekten P. Bonifatius zu beklagen. Dadurch hat die Erweiterung der Misfionsthätigkest eine Verzögerung erfahren. Der Centralvorstand spricht die Hoffnung aus, daß es der Genoffenschaft mit den früher» vom Verein zur Verfügung gestellten Mitteln gelingen werde, bald neue Stationen im Innern anzulegen.
4. Die Apostolifche Präfektur Kamerun. Die erste Missionsexpedition der Pallotiner, bestehend aus zwei Priestern und sechs Laienbrüdern, hat gegen Ende des vorigen Jahres nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten ihre erste Misfionsstation in Tokotown am Samaga-Flusse angelegt. Das Land ist bevölkert, der Fluß eine Haupthandelstraße in Kamerun. Ihr Hauptaugenmerk richten die Missionare auf Erziehung der Jugend. Die Bekehrung der Erwachsenen verspricht weniger Erfolg, namentlich wegen der herrschenden Polygamie, bei welcher die Frau nichts als Sclavin und Handelsgegenstand ist. UeberdieS sind die Erwachsenen sehr dem Müßiggänge und mancherlei Lastern ergeben. Am 9. Juni d. I. schiffte sich in Hamburg die zweite MissionS-Karawane der Pallotiner ein, bestehend aus zwei PatreS, P. Breintner (Oberbayern) und P. Eckmann (Erzdiözese Freiburg) und fünf Laienbrüdern (ein Zimmermann, ein Mau.er, ein Sattler, ein Bildhauer und ein Landwirth). Den Missionaren von Kamerun sind im Ganzen vom Afrika-Verein 30,000 Mk. zur Verfügung gestellt worden.
Hierauf erstattete Kanonikus Hespers Bericht über einen Antrag, die Thätigkeit des Vereins auf die Missionen in den deutschen Schutzgebieten der Südsee auSzudehnen. Der hl. Vater hat in einem Schreiben an den Kardinal-Staatssekretair Rampolla die deutschen Katholiken aufgefordert, die katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten thatkräftig zu unterstützen. Zu diesen Schutzgebieten gehören in der Südsee Neu-Guinea, Neu- Pommern, Neu-Mecklenburg und noch einige Inselgruppen. Bei den dortigen Bewohnern, den Papua, herrscht die Sklaverei und die Menschenjagd, deren Bekämpfung der Verein unternommen, in ihrer schrecklichsten Gestalt. Hat der afrikanische Neger bei der Gefangennahme die traurige Aussicht, unter die Knute eines grausamen Herrn zu ge- rathen, so droht dem Papua, der in die Gefangenschaft geräth, das weit entsetzlichere Loos, bei dem nächsten öffentlichen Gelage der Gebirgsstämme als Festschmaus zu dienen, nachdem er vorher alle Unbill ausgestanden hat und unter den ausgesuchtesten Qualen zu Tode gemartert worden ist. Es liegt hierüber eine ausführliche Denkschrift der Missionare vor, die in „Gott will es" veröffentlicht werden wird.
Auf der letzten Generalversammlung der Katholiken in Koblenz wurde eine Resolution angenommen, nach welcher die Unterstützung der katholischen Mission in diesen Gebieten
❖ Afrika-Verein deutscher Katholiken.
'^TAm 13. Juli fand in Köln die in den Satzungen vorgesehene halbjährliche Versammlung des Central- VorstandeS des Afrika-Vereins deutscher Katholiken unter dem Vorsitze des Ehrenpräsidenten, deS hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Köln statt.
Herr Justizrath Sieger schildert die Lage des Vereins. Derselbe umfaßt jetzt die Diözefanvereine Köln, Trier, Münster, Paderborn, Limburg, Fulda, Osnabrück, Hildesheim, Rottenburg, Apostolisches Vicariat Sachsen, außerdem noch Zweigvereine in Berlin, Schlesien, West- und Ostpreußen, Elsaß, Baden, Bayern.
Der Verein hat in den 21/s Jahren seines Bestehens über eine Summe von 480,000 M. zu Gunsten der afrikanischen Missionen verfügt.
Hierauf berichtete Herr Justizrath Sieger über die von der belgischen Anti-Sclaverei-Gesellschast veranstaltete Konferenz in Brüssel, zu welcher Vertreter fast aller Anti- Sclaverei-Gesellschaften erschienen waren, und welcher als Delegirte de« Afrika-Vereins der Vorsitzende Herr Sieger und der Schriftführer, Herr Rechtsanwalt Wirtz, beiwohnten. Das belgische Somit« wird in einem reich ausgestatteten Werke die auf der Konferenz von hervorragenden Rednern gehaltenen Vorträge veröffentlichen.
Hierauf erstattete der Schatzmeister, Herr Heinrich Horten, den Kaffenbericht. Die in der Januar-Sitzung des Centralvorstandes bewilligten 100,000 M. sind bereits fast ganz zur Auszahlung gekommen. Die vom 1. Januar bis zum Juli eingegangenen Beträge der Sammlungen deS Vereins belaufen sich auf 111,040 M. Es ist also noch eine rege Thätigkeit der Zweigvereine nothwendig, um in der zweiten Hälfte des Jahres den wachsenden Anforderungen entsprechend die Jahreseinnahme zu der erforderlichen Höhe zu bringen. Der geringe Jahresbeitrag von 1 M. wird gern gezahlt, wenn nur in allen Gemeinden eifrige Mitglieder sich befinden, die sich der Mühe des Sammelns unterziehen.
Zu Revisoren der Kaffe und des Kaffenberichtes wurden gewähft: Herr LandgerichtSrath Reichensperger (Köln) und Bankier Pistorius (Hildesheim).
Hierauf schilderte Herr Kanonikus HeSper die Thätigkeit der vom Afrika-Verein in den deutschen Schutzgebieten unterstützten Missions-Gesellschaften.
1. Apostolisch es Vikariat Nord-Sansibar. Zu den bereits bestehenden Missionsstationen der Väter von hl. Geist: Bagamoyo, Mhonda, Mandera, Mrogoro, Tununguo, La Longa mit mehreren Nebenstationen und christlichen Dörfer» ist Ende vorigen Jahres eine neue, sehr wichtige Station am Kilima Ndscharo hinzugekommen. Gründer derselben ist P. August Gommenginger. Die erste ihm nachgeschickte Karawane ist am 14. Januar 1891 von Pang am auigebrochen und mit der Expedition Wiffmanns izum Kilima Ndscharo marschirt. Die zweite Karawane, bestehend aus dem Pater Rohmer, einem Bruder und einem Dutzend christlicher Neger-Jünglinge mit 250 Trägern, hatte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dieselbe brach am 20. Februar von Pangani auf; doch unterwegs entstand unter den Trägern eine panische Furcht vor den Maffai wegen der Kämpfe, welche sie angeblich dem Major Wtfsman» bereitet hätten. Heber zwei Drittel verließen ihre Lasten und flohen. In Masinde begegnete die so geschwächte Expedition dem Major v. Wissmann, der siegreich vom Kilima Ndscharo zurückkehrte. Der Reichskommiffar gab den Missionaren einen Theil seiner Soldaten zur Begleitung mit. Dieselben kamen am 21. März in Kilema am Kilima Ndscharo an.
Dort hatte inzwischen P. Gommenginger beim Häuptling Fumba eine Missions-Station gegründet, zu welcher der Letztere ein mit Bananen bepflanztes Feld, Wiffrnann eine Heerde Kühe geschenkt hatte. Die Missionare an der Küste waren qenöthigt, eine neue Karawane zusammenzustellen, um die zurückgebliebenen Lasten zur Station zu befördern.
Der Apostolische Vikar will in nächster Zeit noch mehrere neue Missions-Stationen anlegen. Der Central- Vorstand beschloß, dem apostolischen Vikar die weitere Summe von 15,000 M. zur Verfügung zu stellen, so daß die Ge- sammtsumme der bis jetzt den Vätern vom hl. Geist be- willigte» Mittel 91,000 M. beträgt.
2. Die Apostolischen Vikariate Viktoria- See, Tanganjika und Unyanjembe. Msgr. Hirth, der Apostolische Vikar des Viftoria-See hat einen ausführlichen Bericht über den Fortgang der Mission an den Aftikaverein gerichtet. Nachdem er die von den Arabern veranlaßten Wirren geschildert, fährt er fort: „Schon seit einem Jahre haben sich unsere Hoffnungen neu belebt und find stärker als zuvor. In einem Heldenkampf hat Uganda den Islam niedergeworfen; im Süden hat die Kolonne von Emin Pascha den schimpflichen Schlupfwinkel von Maffanza vernichtet, welcher der Sammelplatz für all' die unglücklichen Selaven bildete, die seit Jahren muhamme- danische Habgier an allen Küsten des Sees zusammenraffte. Auch Unyanjembe und Usukuma scheinen Dank dem Ein- schreften der deutschen Truppen beruhigt. Es ist also an der Zeit, entschieden die Bewegung zu fördern, welche den Neger heute zu den Weißen, seinen Befreier», trägt. Darum werden wir mit Gottes Hilfe unsere Stationen möglichst vermehren. Jede Station bildet nicht blos ein Centrum für die Ausbreitung des Evangeliums, sondern ist zugleich ein Zufluchtsort für Selaven, zu deren Befreiung sich vielfach Gelegenheit darbietet und ein Mittelpunkt für die Volksbildung.
Inzwischen ist dem apostolischen Vikar die ersehnte Verstärkung gekommen. Wie schon früher mitgethellt, war die neunte Mijsionsexpedition der Weißen Väter am 26. August 1890 nach Bagamoyo aufgebrochen. Dieselbe bildete zwei Kolonnen, eine für den Viktoria-See, die andere für den Tanganjika und Unyanjembe bestimmt. Die erste, bestehend aus acht Patres, vier Brüdern und zwei schwarzen in Malta ausgebildeten Aerzten, ist am 30. November 1890 wohlbehalten in Bukumbi am See angekommen. Ein Theil derselben ist bereits über den See nach Uganda gefahren; ein anderer Theil wird im Westen und Süden des Sees neue Stationen anlegen.
Der bekannte P. Schynse hat schon die in Betracht kommenden Landschaften zur Anlage von Missionsstationen erforscht.
Die andere für Unyanjembe und Tanganjika bestimmte Kolonne kam am 15. November 1890 in Kipalapala bei Tabora an. Bekanntlich hatte diese Station im Jahre 1889 in Folge der Drohungen des Sultans Sike und der Araber verlaffen werden müssen. Die Missionare wie die Kinder waren nach Bukumbi geflüchtet, und der Sultan hatte die Station für seine Selaven und Kühe in Besitz genommen. Der Führer derMissionskaravane P. van Oost stellte an den Sultan die Forderung, die Station zu räumen. „Die Anwort war sehr demüthig; man merkte ihr die Furcht vor den Deutschen an." Der Sultan gab die Station zurück. Auch das geraubte Eiqenthum erhielten die Missionare zum größten Thelle zurück.
Inzwischen wurden in Tabora neue Träger geworben für die Karawane, welche zum Tanganjika-See ziehen sollte. Nach Karema am Tanganjika geschickte Eilboten brachten
Im Kamps ums Dasein.
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.
(43. Fortsetzung.)
XXII.
Durch 's Gefängniß zum Grabe.
David kehrte also wieder in das Gefängniß zurück, jetzt gebrochenen Herzens und des Lebens müde. Die Umstände hatten ihn auf eine Bahn getrieben, für welche er nicht gemacht war. So war er von Natur geartet, daß er es mit Gleichmuth ertragen hätte, als die Fluth des Schicksals ihn faßte und ihn hinab- schwewmte unter die niedrigsten Schurken. Aber die unverlöschlichen Eindrücke seiner Kindheit mit ihrer hingebenden Sohnes- und Bruderliebe hielten eine unüberbrückbare Kluft offen zwischen ihm und der Masse der jungen Londoner Diebe, welche im Auswurfe der Gesellschaft zur Welt kommen und von Kindesbeinen an zu ihrem späteren Spitzbuben-Gewerbe förmlich abgerichtet werden.
Tief unter der Hülle künstlicher Sorglosigkeit, in welcher bei den Verbrecher-Kumpanen sich wohl zu fühlen Blackett ihn gelehrt hatte, schlummerte in David '.dar Bewußtsein der Entwürdigung und des Verlustes aller wahrhaften menschlichen Lebensgüter. Er trank mit den Trinkern, spielte mit den Spielern, stahl heute
in Gemeinschaft mit diesem, morgen in der von jenem; im Herzen aber hatte er Abscheu vor allen. Jetzt hatte ihn sein vertrautester Spießgeselle verleitet, zu freveln sogar wider die Wohnstätte, welche seiner Schwester Obdach gewährt hatte, und wider den freundlichen Beschützer der verlassenen Waise, den alten Euklid, der kaum noch mit dem Leben aus diesem Anfall herauskam. Er meinte, nicht mehr tiefer sinken zu können in den Abgrund der Schande und Bosheit, als er nun gesunken war. David wurde sich selbst zur Last. Ein Dieb! — das war das Wort, welches zu verabscheuen und zu fürchten er von frühester Jugend an gelehrt worden war. Der Mensch muß ehrlich sein und fleißig und Alles, was das Leben bringt, als Gottes Willen geduldig hinnehmen — das war die einfache Glaubensund Sittenlehre seiner Mutter gewesen. Nun war er selbst ein solches Wesen geworden, welches sie verabscheute und zu verabscheuen ihn allezeit gemahnt hatte! Die zwei Jahre werden bald vorüber sein — aber was dann? Ein Dieb war er auch noch, wenn er auch die Gefängnißthür wieder hinter sich hatte, und als einem solchen blieben ihm die Kreise der ehrlichen Leute jetzt noch mehr unzugänglich, als früher. Wenn er zu wählen gehabt hätte, so würde er am liebsten das Gefängniß gar nicht mehr verlassen haben. Hier war er unter Dieben, und draußen stand ihm auch keine an
dere Gesellschaft offen als die von Dieben; aber hier war er wenigstens hinsichtlich seines^ Unterhaltes nicht auf bereit Freundschaft angewiesen. Zu was Allem hat er sich nicht verstehen müssen, nur um sich an Blackett einen Rückhalt zu sichern! War unter solchen Umständen das Gefängniß nicht besser als die Freiheit, und der Tod nicht besser als das Gefängniß?
Er war nicht mehr länger den jugendlichen, sondern den erwachsenen Verbrechern zugetheilt worden. Seine Beschäftigung war wieder die frühere: das Schuhmacherhandwerk. Er vermied aber jeden Verkehr mit den ihm hierin zugesellten Mitsträflingen. Wie wenig bedacht er übrigens auf seine Arbeit war, das bekundeten die vielen Strafen, die er sich deswegen zuzog. Weder ermuthigendes Zureden noch Züchtigungen vermochten hierin etwas zu ändern. Er hatte an allem das selbstthätige Interesse so sehr verloren, daß das Lob ihn so gleichgültig ließ, wie der Tadel — er schwieg mißachtend zu beidem. Wie beim Hellen Tage träumend saß er oft da, die offenen Augen starr auf den Boden gerichtet. Er war theilnahmlos gegen alles, mürrisch gegen jeden. Als wäre er blind und taub, so apathisch verhielt er sich gegen die Vorgänge um ihn her, und es war nicht zu verwundern, wenn manche von seinen Schicksalsgenossen ihn geradezu für still verrückt hielten. Dann und wann aber lagerte eine noch
18. Jahrgang
Dienstag, den 21. Juli 1891.
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