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Volksschule bewirkt. Aus einem Ackerbautreibenden- oder

Kamen sie noch zur Zeit, oder schon zu spät? . . . . Euklid lag regungslos auf dem Boden, das verstörte Gesicht und die grauen Haare mit Blut befleckt. Frau Sinnet kniete neben ihm; sie ries ihm zu: er möge einen Laut von sich geben zum Zeichen, daß er noch lebe, oder nur die Augen aufschlagcn. Das Fenster stand offen und wies auf den Weg hin, den der flüch­tige Mörder genommen hatte. Der eine von den zwei Polizeileuten machte sich sofort auf die Suche nach ihm. Der zweite, welcher David nicht loslassen durfte, sah zu, wie Frau Sinnet sich vergeblich abmühte, den Ver­wundeten vom Boden aufzuheben und wieder in sein Bett zurückbringen. Das ganze Zimmer in seiner völligen Unordnung ließ erkennen, wie heftig der Kampf gewesen war, der hier ausgefochten wurde.

„Ich bin David Fell", sagte der Verhaftete mit kläglicher Stimme. „Ich hab' nicht gewußt, daß es der alte Euklid sei, den wir bestehlen sollten. Ich hätte mir lieber die rechte Hand abgehauen, als das gethan. Segt mir die Füß' zusammen — ich will still halten; nur seht zu, ob der alte Manu noch am Seben oder schon tobt ist!" „Nein, Bürschchen, ich muß Dich erst in sicherem Gewahrsam haben," versetzte schlau der Polizist. „Wir kennen eure Kniffe und Schliche. Komm' hübsch mit! Ich werde Beistand schicken so

schnell wie möglich." Elsbeth hockte auf dem Boden unten an der Treppe und kam erst nach und nach wie­der zur Besinnung. David stand einen Augenblick still bei ihr, als er bei dem Scheine der Saterne des Polizisten ihrer bleichen und vom Schrecken entstellten Züge ansichtig wurde, „'s ist meine Schwester," sagte David mit derselben kläglichen Stimme. „Els', ich hält' mich lieber in der Thems' ersäuft, als daß ich Dir so in den Weg gekommen wär' — wenn ich's gewußt hätt'."

Elsbeth barg ihr Gesicht in beide Hände. Sie schauderte vor dem, was sie in dieser Nacht hatte er» leben müssen. Mit ineinander gekrallten Fingern und zuckenden Sippen lauschte sie dann den in der Ferne verhallenden Fußtritten David's. Endlich löste sich ihr Seid in einem quellenden Thränenstrom.

XXI.

Wer trägt die Schuld?

Als Elsbeth einige Minuten später, von der Angst, wie oben die Dinge standen, getrieben, sich mit Auf­gebot aller ihrer Kräfte die Treppe hinaufgeschleppt hatte, fand sie den alten Euklid noch immer auf dem Boden liegen und Frau Sinnet neben ihm knieen. Die Saterne des behufs der Verfolgung Blackett'S zuerst weggegangenen Schutzmannes stand auf dem Karnin-

Jm Kamps um's Dasein.

Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.

(41. Fortsetzung.)

„Schnell, schnell!" rief sie ihnen zu. „Ich hab' ' ihn. Schnell, sonst reißt er sich los!" Ihre Stimme war schrill und kreischend; David erkannte sie aber doch: es war Elsbeth, welche ihn mit den Kräften der Verzweiflung umklammert hielt. Dem Tone ihrer Stimme gegenüber fühlte er sich völlig ohnmächtig. Die kleine Els', die er so geliebt hatte, auf die er so stolz gewesen, die eigene Schwester sollte ihn der Polizei überliefern! „Elsbeth," stöhnte er, „ich bin's, der David." Unter einem wilden Schreckensfchrei fielen die Arme des Mädchens von den Schultern des Diebes herunter, dann fank es selber zu Boden, vor Davids Füße, wie von einem tödtlichen Streiche getroffen. Aber wenn David auch noch fliehen gewollt hätte — jetzt war's zu spät; der zuvörderst eingetretene Polizist ergriff ihn bereits am Arme und umklammerte den­selben so fest, als säße er in einem Schraubstock. „Wenn ihr einen Mord verhüten wollt, dann eilt schnell die Treppe hinauf!" rief David den Schutz­leuten zu. „Ihr braucht mich ja nicht loszulassen, aber, um Gottes Willen, verliert keinen Augenblick!"

18. Jahrgang

Samstag, den 18. Juli 1891

JM 162

cttiliig

Fuldaer

Bauernvolk smv wir zu einem 'Staat» uno ^aortivon geworden. Als ein gesunder Zustand kann es aber un­möglich angesehen werden, wenn großer Ueberfluß an Gebildeten, an Anwärtern für öffentliche Stellen, so­wie an städtischen- und Fabrikarbeitern herrscht, während der erste und unentbehrlichste aller wirthschaftlichen Berufe wegen Arbeitermangel zurückgeht. Die er­wähnte Umwälzung, welche sich in Deutschland voll­zieht, treibt aber die Bevölkerung mit unwiderstehlicher Gewalt der Sozialdemokratie in die Arme. Die moderne Schulbildung verschiebt somit alle Verhältnisse, denn anstatt sich den Sebensbedingungen der Gesellschaft an­zupassen, dient sie nur den Zwecken des Staates. Sie kann nicht anders, denn der Einfluß von Familie und Kirche sind von ihr großentheils ausgeschlossen. Nicht Bebel, Siebknecht und Genossen allein schaffen die Sozialdemokratie, sondern die moderne Schule und das alles verschlingende Beamtenthum.___________________

Deutsches Keich.

Berlin, 16. Juli.

* Der Kaiser ist gestern am Spätabend in Bergen eingetroffen, von wo er nach eintägigem Aufenthalt die Weiterreise nach dem Ncktzdkap fortsetzt.

* Als Glanzpunkt der Kaiserreise «ach England ist, wie wir bereits gestern ausführten, die Feierlichkeit im Rathhause der Sondoner City, der „Guildhall", zu be­trachten, wo der Kaiser auf die Adresse der Munizipa­lität vonSondon, wo die fteundschaftlichen Beziehungen betont werden und der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß dieselben auch ferner stets fortbauern wer­ben, eine Rebe von hoher politischer Tragweite hielt. Bei ber Wichtigkeit ber Sache lassen wir bie Rebe nachträglich im Wortlaute folgen. Der Kaiser sagte:

, Mylord! Empfangen Sie Meinen herzlichsten Dank für das warme Willkommen, welches Mr seitens der Bürger dieser alten und edlen Mettopole geworden. Ich bitte Eure Herrlich­keit, Denjenigen, in deren Namen Sie gesprochen, den Ausdruck Meiner Gesinnungen gütigst übermitteln zu wollen. In diesem reizenden Lande habe Ich Mich stets zu Hause gefühlt als Enkel einer Königin, deren Name stets in der Erinnerung bleiben wird als ein edler Charakter und eine Dame, die groß ist in der Weisheit ihrer Rathschläge und deren Regierung England dauernde Segnungen verliehen hat. Ueberdies läuft dasselbe Blut in eng­lischen und deutschen Adern. Dem Beispiele Meines Großvaters und unvergeßlichen Vaters folgend, werde ich stets, soweit es in Meiner Macht liegt, die historische Freund­schaft zwischen diesen unseren beiden Nationen bewahren, welche, wie Eure Herrlichkeit erwähnte, man so oft neben einander gesehen zum Schutze der Freiheit und Gerechtig­keit. Ich fühle Mich in Meiner Aufgabe ermuthigt, wenn Ich sehe, daß weise und fähige Männer, wie sie hier versammelt sind, dem Ernste und der Ehrlichkeit Meiner Absichten Gerechtigkeit widerfahren lassen. Mein Ziel ist vor Allem die Auf­rechthaltung des Friedens, denn der Friede allein kann das Vertrauen einflößen, welches zur gesunden Entwickelung der Wissenschaft, der Kunst, des Handels erforderlich ist. Nur so lange Friede herrscht, steht es uns frei, ernste Gedanken den großen Problemen zu widmen, deren Lösung mit Billigkeit und Gerechtigkeft Ich als hervorragendste Aufgabe unserer Zeiten be­trachte. Sie dürfen sich daher versichert halten, daß Ich fort« fahren werde, Mein Bestes zu thun, die guten Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Nationen zu erhalten und be­ständig zu stärken, und daß man Mich stets bereit finden wird. Mich mit Ihnen und denselben zu vereinen in einer gemein«

Mf Immer lauter ertönen bie Klagen wegen ber üblen Sage ber Sanbwirthschaft. Um ben ungenügenben Er­trag bes Ackerbaues zu erklären, werben eine ganze Reihe von Grünben aufgezählt, z.B. Verschulbung, hohe Zinsen, Steuerbruck, Mangel an guten Verkehrswegen unb anbere Umstäube, welche bie Betriebskosten steigern. Der tiefste Grunb bes Rückganges unserer Bauernschaft ist indeß nicht in äußeren Umstänben zu suchen; er besteht vielmehr in ber Abwendung von der Feldarbeit und Sanbwirthschaft, welche bie moberne Schule bewirkt. Eine ber schwersten Anklagen, welche toiber bie heutige Schule erhoben werben, besteht barin, daß sie den Sinn ber heranwachsenben Jugend auf alles Ändere eher hinlenkt, denn auf ben Ackerbau. „Wissen, Kenntnisse, Schulbilbung rc." sinb bie Stichworte, welche bie Ohren unserer Jugend fort unb fort umtönen. Man weist die Kinder auf „etwas Besseres" hin, als auf Ackerbau und was damit in Verbindung steht. Das Kind empfängt den Eindruck, daß es sich der Feldarbeit bei­nahe zu schämen habe, und daß diese Art von Be­schäftigung jedenfalls anderen Berufen untergeordnet sei. Dem Bauer, von dem doch schon der Dichter sagt: „Und wäre nicht der Bauer, so hättest Du kein Brod," wird vielfach Beschränktheit, Bornirtheit rc. nachgesagt; es fehlt nicht an Gelegenheiten, wo er lächerlich gemacht wird. Noch bedenklicher ist, daß die Schule die Sanbtinber ber Feldarbeit entwöhnt. Ob­wohl diese Thatsache schwer in's Gewicht fällt, getraut sich kaum Jemand davon zu reden, weil die gesetzlich vorgeschriebene Schulbildung allem Andern vorgeht, und weil es bedenklich erscheint, gegen eine staatliche Einrichtung aufzutreten. Wenn das Kind im 14. Sebensjahre die Schule verläßt, mag es sich nur schwer an die Feldarbeit gewöhnen. Zieht man noch in Be­tracht , daß ein paar Jahre später der Wehrdienst kommt, welcher ben Sinn des jungen Mannes aber­mals auf Jahre hinaus in Beschlag nimmt und ihm eine andere Richtung gibt, so wird man sich nicht wundem dürfen, wenn im Saufe der Zeit Vwle der rauhen Feldarbeit gründlich abhold geworden sind. Schulgaug und Militärdienst verschulden zum großen Theil jenen verhängnißvollen Zug in die Städte und die Entvölkerung des platten Sandes von ben Arbeits­kräften. Daß bie höheren Schulen vollends bie Be­mittelten von ber Sanbwirthschaft abziehen, braucht kaum erst erläutert zu werben. Deshalb fehlt es der Sandwirthschaft an Geld und Arbeitern, welche sich in den Städten und Fabrikorten anhäufen, dort aber wie die letzte Volkszählung dargethan hat, zum guten Theil brach liegen.

Die sog. Sandflucht wächst denn auch feit 2 Jahr­zehnten mit rapider Geschwindigkeit. Bei der 1882er Zählung betrug die Bevölkerung Deutschlands nicht ganz 47 Millionen, wovon 48 Procent sich mit Acker­bau beschäftigten. Heute werden kaum noch 42 Procent dem Ackerbau angehören. Dieses Ergebniß aber muß jedem Einsichtigen schwere Besorgnisse einflößen. Die gewaltige landwirthschastliche Umwälzung, welche sich in Deutschland vollzieht, wird hauptsächlich durch die

isa- tion."

Diese Rede des Kaisers gehört zu den wohl vorbe­reiteten Staatsreden. Sie ist ein Kunstwerk in ihrer Art, trefflich gelungen. Der Kaiser hatte besondere Rücksichten zu nehmen auf die eigenartige Natur der englischen Annäherung an den Dreibund. Er mußte mit herzlicher Wärme von der Freundschaft mit Eng­land sprechen, aber er mußte Alles vermeiden, was die Opposition hätte mißdeuten können zum Zwecke des Vorwurfes, daß Salisbury in unzulässiger Weise von der herkömmlichen Politik der freien Hand und des eigenen Interesses abgewichen sei. In Folge dessen hob der Kaiser die Verwandtschaft der Dynastien, das ge­meinsame Blut der beiden Volker und die „histo­rische Freundschaft" der beiden Nationen hervor, ohne auf die Einzelheiten des augenblicklichen Verhält- niffeS näher einzngehen. Der Schlußsatz gibt diesm gmndlegenden Gedanken in der positiven Form; der militärische Gesichtspunkt wird bei Seite gelassen unb als Zweck der Bereinigung mit England und, „den anderen Nationen" hingestellt die „gemeinsame Arbeit für friedlichen Fortschritt, freundschaftlichen Verkehr und Forderung der Civilisation." Diese Worte schlagen, gewiß nicht ohne Absicht, auch leise die Saiten der Handelsvertrags-Bestimmungen und der Äntisklaverei- Akte an. Der Kaiser braucht nicht das Wort „Drei­bund". Erläßt dieses engere, in Vertrags-Paragraphm stipulirte Schutzbündniß gewissermaßen als innere An­gelegenheit des kontinentalen Europa bei Seite, um dem englischen Volke das Bild eines weiteren Bundes aller friedliebenden Kulturvölker vorzuführen, eines Bündniffes ohne Brief Md Siegel, getragen von der gemeinsamen Entwickelung per Mensch­heit und von dem genteinfamen Widerwillen gegen fulturfeinblidje Bestrebungen. Der Kaiser enthält sich ferner jeder Anspielung auf die militärische Stärke seines oder der verbündeten Staaten. Er will auch den Schein jeder Drohung vermeidm. Wie diese kaiserliche Rede gewürdigt worden ist, haben wir bereits mitgetheilt.

* Reichskanzler V. Caprivi verzichtet auch in diesem Jahre auf einen Sommerurlaub. <

* Der am 28. und 29. Juni in Bonn abge­haltene 2. Rheinische Handwerkertag hat über die Resultate der in Berlin stattgehabten Handwerkerkoa- ferenz einiges Sicht verbreitet. Die ,Nat.-lib. Korr.' entnimmt einem ihr vorliegenden Bericht das Folgende: „Die Delegirten der Konferenz, namentlich Stadtver­ordneter Rings-Köln, erklärten: „Die Vertreter hätten den Eindruck gewonnen, daß die Staatsregierung wirk­lich gewillt fei, den Wünschen des Handwerks gerecht zu werden. Heber die Berathung selbst sei den Ber- tretern Stillschweigen auferlegt, damit die Presse sich nicht ber Sache bemächtigen solle, bevor Se. Majestät zu ihr Stellung genommen habe. Positive Resultate hätte bie Konferenz, ba sie nach Bestimmung Se. Majestät nur eine Besprechung ber Hanbwerkerlaae sein sollte, nicht haben können. Die Sache sei so gründlich beratijen worben, baß einerseits bie Vertreter ber Regierung gestehen mußten, nun einmal aus bem

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