18. Jahrgang
Mittwoch, den 15. Juli 1891
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Das ist der Zweck der niederträchtigen Katholik en Hetze und all' der Legionen von Lügen und Verdächtigungen, die man gegen die Katholiken begeht. Auf Grund einer solchen verächtlichen und landesgefährlichen Tendenz war es denn auch sehr begreiflich, daß der Ausruf unseres Windthorst auf seinem Sterbelager: „den Kaiser und die Kaiserin müssen wir hoch leben lassen", jenen Leuten höchst unbequem erschien, denn wie unser unvergeßlicher, großer Führer in tausenden von Fällen das verlangte und betonte, was den 17 Millionen deutschen Katholiken aus dem Herzen gesprochen war, so fand auch der Ruf des Sterbenden einen ungetheilten Widerhall in allen katholischen Herzen.
Die „bewußte" Unwahrheit des Stöcker-Blattes ist deshalb auf das Bestimmteste zurückzuweisen. Mögen jene Menschen, deren Intellekt sich in dem stupiden Katholikenhaß verzehrt und die ihre ganze Bedeutung nur in dem verhängnißvollen negativen Postulate der Verhetzung, Aufreizung und Zwietracht erblicken, zu jeder Zeit richtig erkannt werden, damit ihr Gift, das sie dem deutschen Volkskörper zuführen, wirkungs- ios bleibt.
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Endlich die Vergeltung.
Es waren jetzt sechs Jahre, seit David zum ersten- male die Schwelle des Gefängnisses überschritten hatte. Wie an Alter, so hatte er, da er von Natur weder ein Dummkopf noch ein Tölpel war, auch an Geschick zum Diebshandwerk zugenommen. Er verstand es, den Gesetzen ein Schnippchen zu schlagen und doch der Strafe zu entgehen. Die natürliche Anstelligkeit eines englischen Arbeiters neben der verschlagenen Findigkeit eines Londoner Straßenjungen hatten ihn zu einem ausgemachten Verbrecher werden lassen, der sich in allen Lagen und in allen Unternehmungen seines Diebsgewerbes zu helfen wußte. Die Polizeileute kannten ihn fast alle, wenn nicht von Ansehen, dann doch von Hörensagen; aber trotz hundertfältigen Verdachtes, war er während der letzten zwei Jahre ihrer Gewalt doch immer entgangen; oft freilich hatte nur eines Haares Breite an den Belastungs-Indizien gefehlt, um ihn festnehmen und vor Gericht stellen zu können. Er machte der Spitzbubeuzunst, zu welcher sich zu halten
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die Ausstellung des hl. Rockes in Trier und schließt dann mit folgenden reizend kindlichen Worten: „Jedenfalls halten wir es für nöthig, alle Nichtkatholikm, insbesondere alle Protestanten, davor zu toornen, sich zu irgend einem Einspruch gegen die Trierer Ausstellung verleiten zu lassen. Dies würde nur Wasser auf die klerikalen Mühlen schaffen. Man lasse die Gläubigen ungestört und ungehänselt nach Trier pilgern. „In meinem Staate", sagte der alte Fritz, „kann jeder nach seiner Fayon selig werden." Ein rheinischer Sackträger rief einst einer hohen Persönlichkeit allerlei liebliche Namen wie Vagabund, Os, Spitzbov rc. nach. Als er nach Steinen griff um seine Worte zu bekräftigen, machte man ihn aufmerksam, daß es eine vornehme Person sei, die er beschimpfe: „Gott sei Dank, dat ich nit grob gewode bin, antwortete er, ich Han et nur glich gedach."
* Erfurt, 9. Juli. Zu dem VereinStag des „Generalanwaltschaftsverbands ländlicher Genossen- schaften" (System Raiffeisen) für Deutschland pro 1891, der gestern hier abgehalten wurde, hatten sich an 500 Vertreter ländlicher Darlehenskasien-Vereine aus allen Theilen Deutschlands eingefunden. Nach dem vom Generalanwalt für Deutschland, Raiffeisen- Neuwied, erstatteten Jahresbericht gehören gegenwärtig dem Verbände 855 Vereine an, von denen 830 Dar- lehenskassen-Vereine, die übrigen Molkerei- und Winzer- Genossenschaften, fowie Konsumvereine sind. Ein besonderer Aufschwung der Sache wird aus der Rheinpfalz und aus dem Großherzogthum Hessen berichtet. Es wird beabsichtigt, eine Winzer-Darlehenskasse zu gründen, welche bezweckt, den Winzern den Verkauf der Naturweine zu erleichtern. In der Kontrollstelle Neuwied sind 21 Personen beschäftigt. Als nächster Versammlungsort wurde München gewählt.
* Metz, 12. Juli. Bei der Nachwahl zum Gemeinderath wurden 5 Altdeutsche und 11 Eingeborene gewählt, so daß es im Ganzen 11 Eingewanderte und 21 Eingeborene sind. Die frühere Zusammensetzung war 13 Eingeborene und 19 Altdeutsche.
* Straßburg, 12. Juli. Bei der Nachwahl zum Gemeinderath wurden gewählt die Kandidaten des Centralcomitös: Deuster (Altdeutscher) und Seyboth
Im Kampf ums Dasein.
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen. (38. Fortsetzung.)
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* Wie aus Wien gemeldet wird, trifft dort am 2. September mit Kaiser Wilhelm und dem Könige von Sachsen auch der Reichskanzler v. Caprivi ein.
* Freiburg, 13. Juli. Die gestrige von 350 Teilnehmern besuchte Generalversammlung des schweizerischen katholischen Arbeitervereins beschloß die Gründung eines katholischen Arbeiterblattes. Bischof Deruaz hielt eine Ansprache; die Festrede hielt Nationalrath Decurtius. (Frkf. Ztg.)
* Brüssel, 12. Juli. Der Verkehrsminister Van- denpeerebom hat dieser Tage eine Anzahl unsittlicher französischer Zeitschriften vom Postverkehr ausgefchlofsen, worüber die Liberalen unter der Führung des radikalen Abgeordneten Jonson in der Kammer großen Lärm auffchlugeu, indem sie diese Maßregel als Blackett hielt viel auf den Jungen. Sie theilten redlich die zeitweilige Noth, wie den zeitweiligen Ueberfluß, lebten, mit einem Wort, zusammen wie Vater und Sohn. Der Gedanke, daß die Polizeirichter dafür, daß sie ihm seinen Sohn Roger „weggeputzt", ihm den David in die Arme getrieben hatten, ergötzte Blackett oft genug. „Der David ist noch einmal so viel werth, wie der Roger," sprach er dann in sich hinein. Und in der That, der David hatte Kopf und Herz auf dem rechten Fleck und überlegte alles wohl. Er hatte den klaren Menschenverstand feines Vaters geerbt, der kein Trinker und nicht ohne Begabung gewesen war. David hätte sich eine solche Behandlung, wie Roger sie jahrelang erduldete, niemals gefallen lassen, und jetzt wäre sie noch weniger am Platze gewesen. Blackett ging daher wohlweislich sanfter mit ihm um; feine Rücklichtsnahme auf den Charakter David's wuchs sich fast aus zu einer Art von Anhänglichkeit. Es wurde ihm unbehaglich und ängstlich, sobald David einmal allzulange ausblieb, und wenn der Junge dann nach einer solchen Geduldprobe die Dachkammer wieder betrat, kam Blackett ihm mit verdoppelter Freundlichkeit entgegen. Blackett sagte David nichts davon, daß er Euklid's Wohnung entdeckt hab«, und daß Elsbeth sich noch bei demselben befinde. Sorgfältig verkleidet,
2 Einer frivolen Unwahrheit
machtD sich die .Deutsche Evangelische Kirchenzeitung' des Herrn Stöcker in ihrer Nr. 26 in dem Artikel „Aus Rom" (Sperrgelder, Encyklika über die Arbeiterfrage) schuldig. Den nichtswürdigen Hetzereien gegen die Katholiken setzt das,Stöckerblatt' in seinem stupiden Katholikenhaß durch eine geradezu schändliche Lüge die Krone auf. In Bezug auf die Erledigung der „Sperrgelder - Frage" schreibt das Blatt: „Wie ver- hängnißvoll, daß man immer noch meint, einen e r - klärten Feind, der unversöhnlich sein will, mit den größten Opfern aus lediglich persönlichen Gründen versöhnen zu müssen!" Wie will die Stöckerische .Deutsche Evangelische Kirchenzeitung' die Wahrheit auf den „erklärten Feind", und ferner, daß dieser „unversöhnlich sein will", beweisen? In Wahrheit ist von einem „erklärten Feind" gegen Preußen oder das deutsche Reich, indem man hierunter die Katholiken oder die Kurie verstanden wissen will, keine Rede. Was die katholische Kirche und hinter ihr das katholische Volk in eng geschlossenen Reihen, Schulter an Schulter, in den für Staat und Kirche gleichmäßig verhängnißvollen „Kulturkampf" trieb, das galt nur der reinen Ver- theidigung unveräußerlicher Rechte, Rechte und Pflichten, welche die katholische Kirche nicht von dieser Welt erhielt, auf denen sie bestehen und die sie ausführen mußte mit einer Bestimmtheit und Hingabe, welche nur die nicht verstehen, denen auch ihre göttliche Berufung unverständlich ist. Es gehört die ganze verächtliche Unaufrichtigkeit und der sprichwörtlich gewordene ßügengeift des Stöcker'schen Blattes dazu, um aus dem Standpunkte, den die „Kirche" mit ihren Gläubigen im Kulturkämpfe gegenüber dem Staate eingenommen, ihr den Vorwurf einer „unversöhnlichen Feindschaft" entgegen zu halten. Dieser Borwurf beruht auf einer Lüge, denn wie die „Kirche" gern jede Gelegenheit benutzte, um den „Kamps" zu beseitigen und der Regierung bereitwilligst bis zu den ihr von einer höheren Macht erlaubten Grenzen entgegen zu kommen, so zeigten auch die Katholiken Preußens und des deutschen Reiches in- und außerhalb der gesetzgebenden Körper stets das Verlangen nach friedlichen Verhältnissen. Die Kurie und die deutschen Katholiken als „einenFeind" hinzustellen, der „unversöhnlich sein will", eine solche monströse Lüge kann nur kbei Leuten vorkommen, die der Haß nicht allein blind, sondern auch täppisch gemacht hat.
Wir wissen leider sehr wohl, daß es Protestanten gibt, denen nichts verdrießlicher und unbequemer ist, als die Treue und Loyalität der Katholiken. Für ihr Leben gerne möchten solche falsche Patrioten das Gegen- theil tonftatiren können, sie möchten ein Mißtrauen, womöglich eine Abneigung des Kaisers gegen die Katholiken erzeugen, um--mit einem
Schlage zwei Treffer zu machen: den Katholiken zu schaden und den Kaiser für ihre speziellen Verlangen und Wünsche zu gewinnen. Jene preußischen und deutschen „Patrioten" möchten den Kaiser von seinen katholischen Untertanen isoliren und hüben wie drüben Mißtrauen und Abneigung erzeugen.
Deutsches Keich.
Berlin. 13. Juli.
* Der Kaiser und die Kaiserin haben sich heute von der Königin Viktoria verabschiedet und ihre Reisen nach Portsmouth und Felixtow angetreten, von wo der Kaiser am Bord der „Hohenzollern" in See geht.
* Die ,Köl. Ztg.' meldet gerüchtweise, daß auch Graf Wilhelm Bismarck, jetzt Regierungspräsident in Hannover, aus dem Staatsdienste ausscheiden werde, um die Verwaltung von Varzin zu übernehmen. Gras Herbert Bismarck erhalte Schönhausen.
* Bochum, 10. Juli. Redakteur Fusaugel hat die Aufforderung erhalten, sich gestern im Gefängnisse zu Duisburg zu stellen, um eine Strafe von einem Monate abzubüßen, die ihm wegen Beleidigung der Handelskammer zuerkannt ist. Am 6. Juli ist ihm das rechtskräftig gewordene Urtheil zugestellt, am 8. bereits erhielt er die Aufforderung, sich zur Verbüßung der Strafe zu stellen. Fusaugel führt in seiner Zeitung aus, selbst in den schlimmsten Zeiten des Kulturkampfes sei so nicht gegen die Vertreter der katholischen Presse verfahren worden. Auf sein Ansuchen ist die Frist bis zum 14. Juli verlängert. Herr Fusaugel bedauert lebhaft, gerade jetzt aus seiner Thätigkeit herausgerissen zu werden, wo täglich in Sachen des „Bochumer Vereins" Mittheilungen an ihn eingehen, die er dem Untersuchungsrichter zustellt. Die Folge werde eine Stockung der Angelegenheit sein. Hätte man ihn in Bochum eingesperrt, so habe er noch manches mit erledigen können, was von Duisburg aus nicht gehe. Die Folge werde sein, daß er nach den Gerichtsferien mit einem ganzen Berge von Beweisanträgen kommen werde und der Herr Untersuchungsrichter von vorn anfangen könne.
* Essen, 9. Juli. Eine ganze Spalte lang paukt heute die,Rh.-Westf. Ztg.' voll Gift und Galle gegen er nicht hatte vermeiden können, alle Ehre. Eine andere Schande als die, erwischt zu werden, gab es für ihn nicht mehr. Als Roger's Schulzeit auf der „Kleo- patra" vorüber, Blackett also nicht mehr verpflichtet war, fernerhin fünf Schillinge wöchentlich zu seinem Unterhalte beizutragen, war dieser alte Sünder wieder in das frühere Haus zurückgezogen, David hatte sich auch hierin an ihn angeschlossen. Eine gewisse treue Anhänglichkeit an diejenigen, welche ihm einmal im Leben sich hülsreich erwiesen hatten, lag in der inneren Natur des sonst so herabgekommenen Burschen unvertilgbar, und Blackett war doch der einzige Mann gewesen, der ihm, als er das erstemal aus dem Gefängnis kam, nicht den Rücken gekehrt hatte. Sie hatten, als sie gerade wieder leer stand, Euklid's Dachkammer sich gemiethet, weil diese so leichte Gelegenheit bot, über Dächer zu entkommen, wenn einmal bei urplötzlicher Verfolgung die Noth am Mann sei. Anfangs hatte die Umgebung, welche ihn an die besseren Tage der Kindheit, an die brüderliche und kindliche Liebe zu Elsbeth und zu der so hart wie ehrlich gegen die Unbill des Schicksals ankämpfenden Mutter erinnerte, verstimmend auf David gewirkt; aber Blackett nannte ihn darob einen Träumer, und so wurden denn die alten, störenden Erinnerungen bald in die Flucht geschlagen.
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