Beilage zu Nr. 157 der „Fuldaer Zeitung".
Sonntag, den 12. Juli 1891.
Im Kamps ums Dasein.
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.
(36. Fortsetzung.)
Nach Beendigung des Banketts wurden die Preise ver- theilt, und Roger war mit unter den ersten, denen solche zuerkannt wurden. Mit einem aus Stolz und Schüchternheit gemischten Gefühl trat er beim Aufrufe seines Namens vor die versammelte Menge hin, um dieselben in Empfang zu nehmen. Lebhafte Bravo- Rufe erfüllten feine Ohren, während er zu Elsbeth zu- rückfchritt, um ihr seine Trophäen zu zeigen. Die Freudenthränen, welche seine Augen dabei füllten, zerdrückte er rasch und wandte sich, um seine gerührte Stimmung vollends zu verbergen, schnell ab, um in dasHochrufen auf den nach ihm preisgekrönten Kameraden herzlich einzustimmen. Es folgte nun im Festtags- Programm eine Reihe gemeinsamer Uebungen. Die ganze „Kleopatra" wurde lebendig von vorn bis hinten mit flinken, wackeren Burschen, welche hier Segel refften und einzogen, dort ein Wettrennen im Takelwerk unternahmen bis hinauf zur Mastspitze, Taue spleißten und kappten, ein Schiffs - Exerzitium vollführten und mancherlei andere bewundernswerthe Leistungen boten. Roger zeichnete sich in Allem aus, und Elsbeth starrte ihn an, als sei er ein halber Zauberer. Sie hätte ihm zusehen können tagelang. War das in der That derselbe schmutzige, schleichende, verkommene Knabe, der sich einstmals so oft vor seines Vaters unberechenbarer Tyrannei nach hinten flüchtete in ihrer Mutter Kammer? War das der schüchterne Dieb, der Euklid um seinen Schatz bestohlen und dann diesem selben Euklid es zu danken hatte, daß er nicht in's Gefängniß gesperrt wurde? Oder träumte sie nur einen schönen Traum, der ein Ende nehmen mußte, wie alle Träume? Viktoria erfreute sich des schönen Tages nicht minder, als Elsbeth, obgleich sie weniger sprach und meist sinnend hinausblickte in das tiefe Blau des Himmels, auf das Wellenkräuseln des schnellen Stromes und die saftig grünen Wiesen, die sich an seinen Ufern sanft zu ihm herabsenkten. Sie war stärker geworden, aber das zeigte doch ihr ganzes Wesen, daß sie zeitlebens eine zarte und schmächtige Figur bleiben werde, die für fchwere Arbeit nie tüchtig würde. Herr John Dudley hatte mehr als einen Schützling auf der „Kleopatra" und deshalb mancherlei zu thun von dem Augenblicke an, als er das Schiff betreten. Als die gemeinsamen Uebungen begannen, war er aber herbeigekommen und hatte neben Viktoria Platz genommen. Ihr ernstes, schweigsames Wesen war ihm aufgefallen, ohne daß er jedoch etwas befürchtet hätte, denn um den Mund des Mädchens lagerte es doch trotz aller ernsten Miene wie Friede und Freude.
„Fehlt's irgendwo, Viktoria?" fragte er theil- nehmend.
„Nichts, Herr Dudley; ich bin nur etwas nachdenklich, aber das bin ich ja immer; bei der langen Abwesenheit des Vaters den ganzen Tag über bin ich das so geworden."
„Und worüber dachten Sie denn gerade eben nach?"
„Was macht wohl mehr Kosten, der Unterhalt Roger's hier auf dem Schulschiff, oder der Unterhalt David's im Gefängniß?" fragte Viktoria ernst.
„Gefängnisse kosten mehr als Schulschiffe," war die Antwort.
„Roger," fuhr Viktoria darauf fort, „lernt hier sein ehrliches Brot verdienen; er wird in den Stand kommen, zu heirathen und als ehrlicher Mann seine Kinder rechtschaffen erziehen; er wird niemand mehr Kosten machen. Nun aber der David! Die Elsbeth hat Ihnen erzählt, wie er gestern selber sagte, er sei hoffnungslos verloren. Und Sie mögen mir glauben, er war ein viel besserer Junge und eher etwas mit ihm anzufangen, als mit Roger; er war so gutgesinnt und so leicht zu leiten, wie die Elsbeth da. Wenn Sie nicht zeitig noch eingegriffen hätten, wäre das arme Mädchen wohl auch in den Abgrund gerathen. Traurig nur, daß der Roger erst stehlen mußte, ehe für ihn und Elsbeth der Helfer kam." Viktoria's Augen füllten sich mit Thränen, und sie wandte das Gesicht halb von John Dudley weg, sorgenvoll auf die Stadt blickend, über welcher unter allem Sonnenschein eine Wolke rothen Rauches schwebte. Die Rückkehr aller Gäste von dem Schulschiff nach London erfolgte in Gemeinschaft auf einem zu diesem Zwecke eigens gemietheten Dampfer.
Seitens der Schiffsjungen folgte ihnen ein des Tages würdiger Abschiedsgruß: die Musikbande spielte wieder heitere Seemannsweisen; die übrigen Zöglinge kletterten in die Takelage oder stellten sich auf der Kanonenlage, kurz überall auf, wo nur für einen Fuß Raum war und schwenkten unter frohem Zuruf ihre glänzenden Lackhüte. Elsbeth wandte kein Auge von dem Schiffe, so lange Roger, der natürlich in vorderster Reihe stand, unter seinen Kameraden zu erkennen war. Hätte nur David neben ihm stehen können! Der erste
Halteplatz des Dampfers war an der „London-Brücke". Es dunkelte schon, und die Laternen waren bereits angezündet. Als Elsbeth unwillkürlich die Brücke hinauf zu der Stelle schaute, an welcher sie am Abend vorher mit David zusammengetroffen war, bildete ihre Phantasie sich ein, das verzweifelte Gesicht des Bruders über der Brustwehr zu sehen, den Blick auf sie gerichtet. Sie drückte die Augen zu und sah darauf nochmals hin, aber da war das Bild verschwunden.
(Fortsetzung im Hauptblatt.)
vermischtes.
(Gymnasiasten der guten alten Zeit.) Der französische Philosoph Jules Simon, der von den Arbeiten der internationalen Arbeiterschutzkonferenz her den Berlinern noch im Ge- dächtniß sein dürfte, beschreibt in der „Revue Bleue" in sehr launiger Weise die bitteren Jahre seiner Gymnasiastenzeit. Einem Manne, der schon 1848 einen Ministerposten bekleidete, und der seitdem die höchsten Ehrenstufen, die einem Schriftsteller und Gelehrten zugänglich sind, erklommen hat, muß es eine eigene Befriedigung gewähren, der Mitwelt seine harten Jugendjahre zu erzählen. Jules Simon Suisse — so lautet sein eigentlicher Name — im Jahre 1814 als Sohn armer Bauern der Bretagne geboren, saß im Jahre der Julirevolution ix Unterprima des kleinen Gymnasiums zu Banves, welches zumeist von Bauernjungen der Umgegend, den künftigen Pfarrern der bretonischen Provinz, besucht war. Die Jungen fanden in einem Dachkämmerchen bei einer armen Familie Obdach und karge Kost. Da aber das Kostgeld für einzelne der Studentlein unerschwinglich war, so kamen sie Montags früh mit einem riesengroßen Roggen- brod aus ihrem Heimatsdorfe angewandert. Dies war ihre Nahrung für die ganze Woche; Mittags schnitten sie lange Scheiben aus ihrem Brodlaib, ließen sich von der Hausfrau heißes Wasfer mit Salz und Schmalz zugießen und verzehrten diese armselige Suppe mit jugendlichem Appetit. Abends mußte das trockene Brod genügen, sofern nicht einige Sous hier und da ihnen den Ankauf einer Wurst gestatteten. Jules Simon wohnte bei einer armen Frau Lenormand, welche die Chorknaben von Vanves speiste. Er hatte ein Dachkämmerchen ohne Ofen inne und bekam die Kost zu niedrigstem Preise unter der Bedingung, daß er im Nothsall an Stelle des Abbö die sechs Chorknaben unterrichtete und beaufsichtigte. So bekam Frau Lenormand monatlich 25 Franken für Kost und Wohnung. Da der junge Jules Simon vom Schulgeld befreit war, so belief sich für die zehn Monate des Schuljahres sein gesammtes Budget auf 250 Franken, d. h. auf die Summe, die ein moderner Primaner etwa für Taschengeld ausgibt. Ein Zuschuß für Kleidung hätte unserem armen Primaner wohlgethan; aber bei seinen armseligen Verhältnissen mußte die Wittwe Lenormand mit Aufwand aller Kunstfertigkeit die entgehenden Löcher und Lücken ausflicken. Selbst diese 250 Franken zu erschwingen, war für den Heranwachsenden Scholarchen eine große Schwierigkeit. Baares Geld war bei Landleuten der Bretagne in der voreisen- bahnlichen Zeit noch seltenere Waare als Heuzutage. Zum Glück war es aber schon damals Sitte, den jüngeren Schülern durch Primaner Nachhilfestunden geben zu lassen. „Das brachte den Primanern Geld," sagt Simon, „und kostete die Kleinen nicht viel. Für drei Franken monatlich gab ich täglich eine Lektion, selbst an schulfreien Tagen. Das machte/freilich nur zwei Sous eine Lektion, aber man hatte zuweilen zwei, drei, sogar vier Schüler zusammen. Dem Wohlwollen meines Ordinarius verdankte ich täglich zwei Nachhilfestunden von je vier Schülern: die erste gab ich Morgens von 61/» bis 8, die andere Abends von 6 bis 7. Im Winter durchschritt ich im Morgennebel mit einer kleinen Handlaterne die Straßen des Städtchens und fror entsetzlich in meinem dünnen Baumwolljäckchen. Ich habe später erfahren, daß dies den wackeren Eingeborenen Achtung einslößte, aber ich fand damals nichts Außergewöhnliches dabei. Daß meine acht Stundenschüler zusammen nur 24 Franken eintrugen, war mir ein schwerer Herzenskummer, da ich jeden Monat meiner Wirthin einen Franken schuldig blieb. Nach der Preisvertheilung änderte sich meine ärmliche Lage. Ich trug nämlich sämmtliche ersten Preise davon, — ich war auf griechische und lateinische Exerzitien vortrefflich eingepaukt — und erhielt in Folge dessen ein Stipendium von 200 Franken. Nun war ich ein reicher Mann: ich zahlte meiner Wirthin die rückständigen 10 Franken, kaufte mir neue Schuhe und meinen ersten Tuchrock und konnte mir endlich den Genuß leisten, beim Buchhändler eigene Schulbücher zu kaufen, statt der alten zerlesenen Schmöker der biblio- theca pauperum.“ Diese Schulzeit war übrigens für den künftigen Minister und Acadömicien nicht die allerschwerste des Lebens. Als er nach glänzender Abgangsprüfung von der Ecole normale superieure zum außerordentlichen Professor an der Sorbonne ernannt wurde, bezog er als Stellvertreter Viktor Cousins einen Monatsgehalt von ganzen 83 Franken, so daß er sich nach Vanves zurücksehnte.
Warum der Herr Baron keine Rede hält. Ungarische Blätter veröffentlichen folgendes Capriccio Koloman v. Mikszaths: „Sie kennen sicherlich den Baron Sz., Mitglied des ungarischen Herrenhauses, den schweigsamsten aller Gesetzgeber. Eine kleine gedrungene Gestalt, mit kurzem Halse, das weiße Haar kurz geschoren, auf dem ausrastrten feisten Gesichte strahlt die Gemächlichkeit. Er hatte die schlechte Eigenschaft, während einer jeden Sitzung des Herrenhauses zu erzählen, wie viel er Alles zu sagen hätte, aber er dürfe nicht sprechen, sein Gelübde verbiete es ihm . . . Was? Ein Gelübde? Was für ein Gelübde? . . . Der Baron hat nur auf diese Frage gewartet. Sofort beginnt er die Episode zu erzählen: Beim 1841er Ständetag wohnten wir in Preßburg mit meinen Freunden Georg und Barthel Szemere zusammen. Wir hatten zwei Zimmer und ein gemeinsamer Bursche bediente uns. Wir lebten herrlich für uns. Sowohl Georg als auch Barthel waren vortreffliche Männer und gute Kameraden. Sie spielten Beide eine große Rolle auf dem Ständetag, besonders der Barthel. Eines Tages begann ich, sie um ihre Lorbeeren zu beneiden und sagte zu mir im Selbstgespräch: „Du Baron, wie schön wäre das, wenn du auch eine Rede halten würdest", worauf ich mir selbst zur Antwort gab: „Dazu gehört Verstand, Baron" . . . „Nun", entgegnete ich, „wenn ich keinen habe, werde ich mir welchen vom Barthel ausleihen". (Er pflegt es auch so zu machen, wenn er kein Geld hat.) . . Ich rufe auch sogleich Barthel Szemere bei Seite: „Mein lieber Barthel, geh', mach' mir eine Rede!" — „Recht gerne mein Lieber. Worüber!" — „Das ist mir egal, nur schön soll sie sein . . . wunderbar schön!" — „Wie nur dein Ohr und Mund begehrt." — So geschah es auch. Tags darauf giebt er mir sie ganz fertig her, ich ochse sie ein und sage sie am dritten Tage her. Ach! Diesen Enthusiasmus
hättet Ihr sehen sollen, der Saal dröhnte nur so von dem Beifallklatschen und wie ein Donner erscholl es: „Vivat! Vivat!" Der Palatin selbst konnte nicht genug Beifall winken und rufen: „Valde bene bravissimo!“ . . . Damals kostete ich zum ersten Male den Ruhm. Ich kann sagen, ein süßes Gift. Meine Augen glänzten, mein Herz pochte laut. Und in diesem erhabenen Augenblicke läutet der Präsident und fragt: „Wer hat etwas dagegen zu bemerken?" Ich blickte hochmüthig umher. Die Deputitten saßen still auf ihren Plätzen und unbeweglich wie die Mehren in der Windstille. Doch schau, was sehe ich? Wer steht auf? Bartholomäus Szemere. — Was kann denn der Barthel haben wollen? Was muß ich hören. Ist es Wahrheit ober bin ich von Sinnen? — er beginnt: „Verehrte Stände! Was der Voredner sprach, ist von A bis Z unrichtig und grundlos" — und damit geht er darauf los, zergliedert und wiederlegt meine Rede gründlich. Darauf bin ich auch in Wuth gerathen, mein Kopf brannte. „Glauben Sie ihm nicht, verehrte Stände!" — rief ich dazwischen — „er selbst hat ja meine Rede gemacht!" Da gab es nun ein Hohngelächter, alle zweiundfünfzig Comitat- mitglieder wälzten sich vor Lachen, selbst seine Hoheit der Palatin lachte, und ich that das Gelübde, nie mehr eine Rede zu halten.
* Die Anwendung der Schreibmaschine ist sehr verschieden. In Amerika ist die häufigste Art der Verwendung in Geschäften die, daß dem die Maschine Bedienenden, der immer gleichzeitig Stenograph ist, die Briese schnell diktiert werden. Er schreibt das Diktat stenographisch nach und überträgt dasselbe dann mit der Schreibmaschine, wobei er beim Diktieren unterlaufene Fehler zu verbessern hat. Der „Typist", wie wir den auf der Schreibmaschine Arbeitenden der Kürze halber nennen wollen, wird sehr bald mit den vorkommenden Materien, die sich ja oft wiederholen werden, vertraut werden und es wird dann genügen, wenn dem Typist eine kurze Inhaltsangabe gemacht wird, von welcher er sich gewissermaßen die Stichworte notiert und wonach er dann die Briefe mit der Maschine schreiben kann. In den größeren Geschäften, welche mehrere Maschinen verwenden, findet man meist die Einrichtung, daß ein Stenograph sämmtliche Diktate aufnimmt, der dann seine stenographischen Aufzeichnungen an die Typisten zur Ueberttagung vettheilt, so daß die Maschinen in ununterbrochener Thätigkeit bleiben können. Schon bei diesen Einrichtungen ist der Einwand nicht zutreffend, der gegen die Einführung der Schreibmaschinen in Deutschland meist erhoben wird, daß die Korrespondenz in mehreren Händen ruhe und daher nicht mit der Maschine erledigt werden könne, da die Maschine nicht gut von verschiedenen benutzt werden könne Wer etwas zu diktieren hat, geht zu dem Typisten, um demselben seine Angaben zu machen, bezw. bestellt denselben zur stenographischen Aufnahme der Angaben zu sich. Es gibt eine noch vortheilhaftere Verwendung der Maschine, welche jedoch zur Voraussetzung hat, daß diejenigen, welche die Korrespondenz besorgen, selbst der Stenographie mächtig sind. Die Briefe werden dann nur stenographisch konzipiert und dem Typisten die Konzepte zum Uebertragen übergeben. Der Umstand, daß die Maschine bei den vorhin bezeichneten Arten der Verwendung fast nur zum Abschreiben von stenographischen Konzepten dient, hat vielfach e» der Meinung geführt, daß die Maschine überhaupt nur MWflbschreiben geeignet sei, nicht aber direkt zum KorresspondiMklk^ oder zum Niederschreiben eigener Gedanken. Dies ist aber keineswegs der Fall. Eine Enquete, welche die „Phonograpic World" in Amerika veranstaltet hat, indem sie an sämmtliche bekannteren'Schriftsteller Amerikas Anfragen mit bezahlter Antwort richtete, hat ergeben, daß ein sehr großer Theil der amerikanischen Schriftsteller ihre geistigen Produkte direkt mit der Maschine niederschreiben. Allerdings ist das Schreiben mit der Maschine mit geistiger Thätigkeit verbnnden, da man das Wort in die aufeinander folgenden Buchstaben zerlegen und dieselbe nacheinander auf der Klaviatur aufsuchen muß und das zerstört das Nerversystem.
* Ein kleiner Berräther. „Was willst Du werden, Fritzchen, wenn Du mal groß bist ?" „Husaren-Lieutenant!" — „Warum denn gerade das?" — „Weil ich's bann bei Tante Emmy so sehr gut haben würbe."
Literarisches.
Der Sklavenjäger von Sansibar. Poetische Erzählung aus Afrika. Von Mich. Schuler. Frankfurt a. M. Verlag von Pet. Weber & Scholze (Paul Scholze) 1891. Brosch. M. 1.50. Elegant gebunden Mk. 2.50.
„Ein gutes Buch zur rechten Zeit ist stets eine sehr angenehme Erscheinung auf bem Büchermarkt. Schuler's „Sklavenjäger" kann aber mit vollem Rechte sowohl auf bie Güte des Inhalts als auf Zeitgemäßheit seines Erscheinens Anspruch machen. Das ganze zivilisirte Europa hallt z. Z. roieber von Entrüstungsrufen über bas afrikanische Sklavenunwesen unb trifft mit aller Energie Anstalten, demselben zu steuern. Schuler trug nun geschickten Geistes dieser Stimmung Rechnung, indem er ein lyrisch-episches Dichtungswerk schuf, das in jenem Sklavenlande sich abspielt, unb in bie Schilderung der Geschicke seiner anziehenden und chochinteressanten Charaktere die Beschreibung aller Gräuel des Sklavenhandels einfließen läßt. Neben diesen inhaltlichen Vorzügen weist die Dichtung auch hohe Vollendung und Schönheit der Form und einen Adel der Empfindung auf, der unwillkürlich hinreißt. Sehr poetisch und lieblichzart sind auch die Naturschilderungen des Merkchens. Dasselbe kann somit nicht allein allen Gegnern des Sklavenhandels in Afrika, sondern überhaupt jedem ans's wärmste empfohlen werden, dem der Sinn für schöne Poesie noch nicht abhanden gekommen ist.
Für alle Biertrinker. Im Verlag von F. E. Fehsenfeld in Freiburg i. B. ist soeben ein Büchlein erschienen: „Medizinische Winke und hygienische Regeln für Biertrinker" von Dr. Otto Gotthilf. Preis 60 Pf. Der Inhalt ist ein sehr genußreicher, handelt er doch von unserm beliebtesten Genußmittel: dem Biere. In gemeinverständlicher Form und doch auf wisfenschastlicher Basis werden des Biertrinkens Freuden und Leiden geschildert und Mittel und Wege angegeben, jene zu vermehren und diese zu vermeiden. Das Konservieren des Bieres in Faß, Flasche und Glas bis zum Munde des Tttnkers, das sichere Erkennen eines guten Stoffes oder auch des Letzten vom Faß", der Werth des Bieres als Nahrungsmittel, Nervenerreger und Sorgenbrecher — Alles ist hier gründlich und klar dargestellt. Auch gegen all das Leid und den Jammer der Bierkater und -Katzen finden wir hier sehr prak- tische Mittel und Rathschläge. Mit Recht sei daher dies Büchlein Allen, die nicht des Gambrinns herrliche Gabe verschmähen, empfohlen als ein treuer Rathgeber in bierfidelen und auch jammervollen Stunden.