>u n.
er.) ttli,
Neu! ler. Laufs. «fall4) Heater eführt. Zettel. >-Vor- öflichst [1701 mn.
ili
>n
prima
tb »eit, solidem.
lene«,
n Bett- lenem, e Tüll- n, rein» DessinS. »echtem
illencm
;ur
j\e 156
Samstag, den 11. Juli 1891.
18. Jahrgang
tttllllg
»WM
Erscheint täglich. Sonn, und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten dre einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen /nttzrechender R-^tt. ----
vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage 'Sterne und Blume nund der alle 14 Tage erscheinenden ÄratlttMWW ,Rachgeber für Landwirthfchaft, Gartenbau und Hauswesen4 in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
* Herr v. Kollmar, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete für München II hielt am Montag Abend eine Rede im „Verein für volksthümliche Wahlen", aus der wir einem vor- liegenden Berichte folgende Stellen entnehmen:
Schließlich kommt er auf seine Eldoradorede vom 1. Juni zu sprechen, die er Wort für Wort aufrecht erhält, trotz der Angriffe, die ihm hierfür geworden. Er meint, es genüge nicht, bloß schöne Phrasen zu drechseln, man wolle auch Positives seheu. Ohne die Endziele aus dem Auge zu lassen, komme es darauf an, praktische Erfolge zu erzielen. Wenn man bloß sage, da spiele ich nicht mit, wie Werner, dann sei dies keine Politik von Männern, sondern Kinderpolitik. Er habe weiter nichts gethan, als die alten Forderungen der Partei systematisch zusammengestellt. An der Hand von Beispielen beweist er sodann, daß Bebel, Liebknecht und Auer im Reichstage und anderswo bezüglich der auswärtigen Politik das Gleiche sagten, wie er. Er spricht sich wiederholt für den Dreibund, als zur Zeit eine wesentliche Friedensbürgschaft aus. Er bittet schließlich, daß man ihm Vertrauen schenke und sich durch die Angriffe auf ihn nicht abschrecken lasse. Bei der Debatte möge man doch ja nicht in den Berliner Radauton verfallen. Wenn man ihm nur theilweise ein Vertrauensvotum gäbe, so müßten die Wähler sich einen andern Abgeordneten suchen. Wenn sie aber Vertrauen zu ihm haben, dann gehöre ‘er mit Leib und Seele zu ihnen, wie bisher.
Alfo Herr v. Vollmar. Er läßt gar Manches durchblicken,wasEingeweihtere sehr wohl verstehen werden. Es ist ja auch ganz selbstverständlich, sagt das .Münch. Frdbl.4 daß der Plan, mit welchem die Sozialdemokratie seither, angetrieben und begünstigt durch die Fehler der Bismarck'schen inneren Politik, vorging, sich nicht erhalten läßt, indem man Phrase an Phrase reiht und dann wohlgefällig von diesem anwachsenden Berg auf das irdische Gewühl niederblickt. Die vielen „Mitläufer" der Sozialdemokratie, welche nicht überzeugte Sozialdemokraten sind, verlangen praktische Politik, sie wollen in der Gesetzgebung eine Förderung ihrer Interessen durch die Sozialdemokratie erreichen, von der sie wegtreten, sobald sie sich enttäuscht fühlen. Herr v. Vollmar ist sich dieser «Situation durchaus bewußt, andere Vertreter der Sozialdemokratie sind es ebenfalls. Aber wenn man fragt, welche praktischen Erfolge und positiven Ziele sie erstreben wollen, wie sie ihr Ziel erreichen werden, da sind sie mit ihrem Latein zu Ende. Ein Jeder denkt sich etwas Anderes aus, ein Jeder mißbilligt die Mittel des Anderen. Das liegt aber nicht etwa bei den Personen, sondern ist in der Sache begründet. Eine revolutionäre Partei, welche die Sozialdemokratie durch und durch ist, kann sich eben nicht darauf einlassen, mit dem heutigen Staat und den von diesen vertretenen Gesellschasts- formen irgendwie in Verhandlungen zu treten. Die Sozialdemokratie ist die strengste Verneinung des heutigen Staatswesens, sie muß sie zu ze rstöre n suchen — ob durch die friedlichen einer fortgesetzten Propaganda oder mit gewaltsamen Mitteln, kommt dabei gar nicht einmal in Betracht. Der geringste Versuch,
Im Kampf ums Dasein.
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.
(35. Fortsetzung.)
XVIII. Festtag im Kalender.
Auch Herr John Dudley, der sonst auch so manchen Abend des schönen Sonnenuntergangs wegen über dem Flusse auf der „London-Brücke" sich erging, bedauerte es als einen bösen Zufall, daß er bei der Begegnung der Elsbeth mit David nicht in deren Nähe gekommen war, gerade an diesem Tage unter so vielen hatte er geglaubt, dringlicher Obliegenheiten halber sich die gewohnte Erholungsstunde nicht gönnen zu dürfen. So war das so lang, seit er David's Geschichte kannte, ihm vor der Seele schwebende Ziel, des Knaben habhaft zu werden, leider unerreicht geblieben. Aber neue Hoffnung schöpfte er aus der Erzählung der Elsbeth doch. Es erschien ihm leichter, den schon seit langen Jahren übel berüchtigten Blackett ausfindig zu machen, als den David, der die von der Polizei überwachten Wege der öffentlichen Verfündigungen erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit betreten hatte.
Der folgende Tag wurde ein Tag, welchen Viktoria und Elsbeth als einen der denkwürdigsten ihres Lebens in ihrem Kalender roth anstreichen durften. Schon seit Wochen hatten sie ihm mit gespannter Er-
auf dem Boden dieses Staatswesens Psositives zu erstreben und aufzubauen, ist vom sozialdemokratischen Standpunkt aus eine Verleugnung des Wesens der Sozialdemokratie. Und schließlich zieht ein Schritt den anderen nach sich, und häuft Konsequenz auf Konsequenzen, welche allmählich die Sozialdemokratie zu einer radikalen bürgerlichen Partei umgestalten, die sich auf ihre Art mit den herrschenden Verhältnissen abfindet. Darum verlangte Marx, nach dessen Ideen jetzt das sozialdemokratische Programm umgebildet werden soll, und dessen Autorität in der Sozialdemo- krati erheblich schwerer wiegt, als jene der gejammten sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, selbst als Ueber- gang von den heutigen Zuständen in den sozialdemokratischen Staat die „revolutionäre Diktatur des Pr ol e tar iats."
Das ist logisch und selbstverständlich, was aber Herr v. Vollmar nnd andere mit ihm versuchen, ist weiter nichts, als was allenfalls die demokratische Volkspartei erstreben würde, wenn sie endlich einmal vom Kapitalismus sich losreißen möchte.
Unter solchen Umständen darf man darauf gespannt sein, wie sich die Dinge in der Sozialdemokratie weiter entwickeln werden. Herr von Vollmar hält an seinen Auffassungen fest, die von der Parteileitung der Sozialdemokratie, wie vom sozialdemokratischen Agitationsverein verworfen worden sind. Der rednerische Vertreter der sozialdemokratischen Viermänner-Herrschaft Singer-Auer-Bebel-Liebknecht, Herr Bebel nämlich, hat ja auch schon erklärt, daß Herr von Vollmar von dem am 10. Oktober in Erfurt stattfindenden sozialdemokratischen Parteitage zur Rechenschaft gezogen werden würde.
Herr v. Vollmar bringt in der .Manch. Post4 bereits eine Zusammenstellung früherer Aeußerungen Auers, Bebels, Liebknechts, die aber sich nicht mit den seinigen decken und sehr interessante Dinge auslassen, abgesehen davon, daß die innerpolitischen Ansichten gar nicht berührt werden. Die Angelegenheit gewinnt daher neben der prinzipiellen und taktischen Seite auch noch einen rein persönlichen Anstrich, es machen sich die persönlichen Gegensätze bemerkbar, welche Jeder kennt, der die Vorgänge im sozialdemokratischen Lager aufmerksam verfolgte. _____
Deutsches Keich.
Berlin, 9. Juli.
• Der.Reichsanzeiger4 veröffentlicht die Ernennung des preußischen Ministers für öffentliche Arbeiten, Thielen, zum Chef des Reichsamts für die Verwaltung der Reichseisenbahnen. Minister Thielen ist also auch in diesem Amte Nachfolger des Herrn von Maybach.
• Der kommandirende General des 2. Armeekorps, General v. d.Burg, hat fein Abschiedsgesuch eingereicht.
* Fürst Bismarck wird, nach der Münch. Allg. Ztg.4 am 20. Juli in Kissingen eintreffen.
* Die Entwickelung der Berufsgenossenschaften läßt den Charakter derselben als Selbstverwaltungskörper Wartung entgegen gesehen. John Dudley hatte ihnen nämlich versprochen, sie an dem Tage abzuholen und auf das Lehrschiff „Kleopatra" zu geleiten, auf welchem Roger seine Ausbildung als Matrose erhielt. Man hatte anfangs seine liebe Roth mit dem Jungen gehabt; er war unaufrichtig und träge gewesen, obgleich ein guter Kern in seinem Wesen nicht zu verkennen war. Dieser gute Kern war gleichsam in seiner Keimfähigkeit erhalten worden durch das, was Roger bei David's Mutter gehört und gesehen hatte: was diese Frau von der Ehrlichkeit und dem Fleiße ihres Gatten zu rühmen nicht müde geworden war, das war bei Roger zwar zwischen Steine gefallen, schließlich aber doch aufgegangen.
Die Offiziere des Schiffes verstanden es, diese Keime mit Sorgfalt, Freundlichkeit und theilnehmender Behandlung zu pflegen. Die schlimmen Elemente in dem Wesen des Knaben: die Neigung zur Verschlagenheit und zum Müssiggänge, wurden glücklich überwunden. Dieses erfreuliche Erziehungsresultat würde freilich sofort wieder in Frage gestellt worden sein, wenn man den Knaben vor erfolgter Festigung seines Charakters wieder von dem Schulschiff auf's Land entlassen haben würde. In der Umgebung, die ihm in London offen gestanden hätte, würde auch er, wie David Fell, auf die abschüsstge Bahn gerachen und
mit unbesoldeten Ehrenämtern immer mehr zurück- treten. Immer größer wird die Zahl der festangestellten bezahlten „Verwaltungsdirektoren", welche die that- sächliche Leitung der Genossenschaftsverwaltung führen, während der erwählte Vorsitzende sich mit dem Vollziehen der nöthigen Unterschriften begnügt. Es soll damit kein Vorwurf nach irgend einer Richtung hin ausgesprochen sein; die Geschäfte sind einmal so umfangreich, daß sie nicht noch so nebenbei im Ehrenamte versehen werden können. Jetzt wird ein weiterer Schritt zum Wege der bureaukratischen Ausgestaltung hin nothwendig, nämlich die Verleihung der Pensionsfähigkeit an die Genossenschaftsbeamten. Wir haben den dringenden Wunsch, daß diese Beamten, namentlich die unteren, besser gestellt werden, als sie es jetzt vielfach sind. Während die Verwaltungsdirektoren 5 bis 10,000 Mark an Gehalt beziehen, erhält mancher der ein selbstständiges Ressort bearbeitenden Unterbeamten, von denen doch eine ganz bedeutende Vorbildung verlangt wird, noch nicht 100 Mark monatlich. Ihnen gönnen wir die Sicherstellung ihrer Existenz von ganzem Herzen. Hoffentlich wird aber auch die Pensionsfähigkeit soweit nach unten hin erstreckt und nicht etwa auf die Verwaltungsdirektoren beschränkt.
* Zu der Katholikenhetze, welche neuerdings der .Evangelische Bund4 in Kreuznach veranstaltet hat, schreibt die ,Kobl. Volksztg.4 u. A.: „Der ganze innere Mensch knirscht, wenn man solche bodenlos erbärmlichen Aufhetzungen und Beschimpfungen unserer Geistlichen, die es an Patriotismus und Opferwilligkeit mit jedem der mund- und schimpffertigen „Evangelischen Bundesbrüder" aufnehmen, liest. Sind unsere Kirche, Papst und Klerus schutzlos?, so fragt man sich, daß sie sich solche öffentliche Beschimpfungen im paritätischen Preußen ruhig gefallen lassen müssen? Es ist in der That unendlich traurig, daß es „Prediger des Wortes Gottes" sind, welche solchen wahnwitzigen Haß gegen unsere Kirche aussäen, anstatt sich mit der elenden Lage ihrer eigenen Kirche zu beschäftigen. Daß die Zeiten vor dem dreißigjährigen Krieg sich nicht wiederholen, das dürfte vielleicht der gesunde Sinn unserer protestantischen Mitbürger verhindern — die Prediger und Hetzer des „Evangelischen Bundes" — gewiß nicht."
* Anläßlich der Schienenstempel-Fälschungen sind, wie ein Berliner Lokal-Berichterstatter meldet, in diesen Tagen Nach-Revisionen von Schienen, Achsen, Rädern u. s. w. durch technische Beamte der zuständigen Betriebsämter im Bereich der König!. Eisenbahn-Direktionen Berlin, Erfurt und Bromberg vorgenommen worden. Bei diesen Untersuchungen habe sich auf der Anhalter Bahn in Berlin herausgestellt, daß Schienen in größererZahl mit nachgemachtem Stempel vorgefunden wurden. Die Stempel-Type der echten und gefälschten Stempel war nicht zu unterscheiden, nur die Ausführung der Stempelungen war verschieden: während die echten Staatsstempel unter Anwendung von Oel in die glühenden Schienen eingewalzt sind, und eine bläuliche, stahlähnliche und sehr flache — höchstens 3 Millimeter tiefe — Narbe hinterließen, haben die nachgemachten Stempel fast fämmtlich schließlich im Arbeitshaus oder im Gesängniß angelangt sein. .
Der Sonnenaufgang war so schön, wie der Untergang am Abend vorher. Euklid rief, als er zum Markte ausbrach, seiner Viktoria noch von der Sttaße in’« Haus zurück, daß es der prächtigste Morgen sei, den man bisheran im Jahre noch gehabt habe. Schon lange vor der zur Abfahrt festgesetzten Zeit, standen Viktoria und Elsbeth am Kopse der „London-Brücke", um ihren Begleiter, Herrn John Dudley, zu erwarten.
Als er kam, zeigte Elsbeth ihm genau die Stelle oben auf der Brücke, wo sie am vorhergegangenen Abend die Begegnung mit ihrem Bruder gehabt hatte. Eine Wolke der Bekümmerniß legte sich dabei für einige Minuten über ihr leuchtendes Antlitz. Als aber das Schiff, das sie bestiegen hatten, abdampfle, und sie die Brücke allmählich aus dem Gesichte verlor, kehrte ihre unbefangene Heiterkeit nach und nach wieder zurück. Eine große Anzahl der Passagiere des Dampfers hatte die „Kleopatra" zum Ziel, denn auf dem Lehr- fchiff wurde heute der jährliche Festtag gefeiert. Man konnte das in der breiten Themse-Mündung fest vor Anker liegende Schiff von weitem sehen, weil es sich von dem sommerlichen tiefblauen Himmel klar abhob mit feinen Flaggen, Wimpeln und Bannern, welche