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Donnerstag, den 9. Juli 1891.
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!8. Jahrgang
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Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Ps., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. ~ Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der bellerristische > Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' und der alle 14 Tage erscheinenden (sraneDttWgl .Rathgeber für Laudwirthschäst. Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Deutsches Keich.
Berlin, 7. Juli.
* Der,Staatsanzeiger' veröffentlicht das neue Einkommensteuergesetz; dasselbe ist vom Kaiser am 24. Juni vollzogen worden.
* Zu der angeblichen Unterredung des Herrn Blowitz mit dem Grafen Münster bemerken heute die »Hamburger Nachrichten: „Durch die Zeitungen läuft ein Bericht über eine Unterredung, die der Pariser Times-Korrespondent mit dem deutschen Botschafter in Paris, dem Grafen Münster, gehabt haben soll. Wir haben von diesen kindischen Lügen keine Notiz genommen. Der Einzige, der unserer Meinung nach Interesse haben kann, sie zu dementiren, ist der Graf M ü n st e r, dem sie in den Mund gelegt werden."
* Auf dem internationalen Sozialistenkongreß in Brüffel wird die Frage nach dem Orte des nächsten internationalen Sozialistenkongresses zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen führen. Die Sozialisten von Chicago haben beschlossen, 1893 einen internationalen Sozialistenkongreß nach ihrer Heimathsstadt einzuberufen. Wegen der ganz bedeutenden Kosten und zum Theil auch wegen der zeitraubenden Reise soll eine größere Betheiligung der festländischen „Genossen" an dem Kongreß in Chicago nicht zu erwarten sein. Die amerikanischen Sozialisten sind natürlich wegen der bevorstehenden Ablehnung ihrer Einladung gerade nicht sehr erbaut. Während vor 10 Jahren die engsten Bande die amerikanischen und festländischen, in erster Linie die deutschen Genossen umschlang, hat sich das Verhältniß jetzt vollkommen geändert; für die zahlreichen Kassen der deutschen Sozialdemokratie hatten die amerikanischen „Genossen" jahrelang erhebliche Summen gespendet; jetzt ist seit vielen Wochen kein Dollar mehr von drüben gekommen und die deutschen Sozialisten sind deswegen auf die amerikanischen recht schlecht zu sprechen.
* Der Deutsche Juristentag findet in diesem Jahre am 10., 11. und 12. September in Köln statt. Begrüßungsabend am Mittwoch, 9. September. Vorsitzender des Ortsausschusses ist Herr Wirkt. Geh. Oberjustizrath und Präsident des Kgl. Oberlandesgerichts Dr. Struckmann, Stellvertreter Herr Senatspräsident Heymer; Vorsitzender des Empfangsausschusses Herr Justizrath Sieger zu Köln, bei welchem auch alle Gesuche um Vermittlung eines Unterkommens spätestens bis zum 20. August anzubringen sind. Auf der Tagesordnung steht u. A.: „Wie ist den Mißbräuchen, welche sich bei den Abzahlungsgeschäften heransgestellt haben, entgegen zu wirken?" Referenten hierüber sind: Justizrath Makower-Berlin und Landrichter Dove-Frankfurt a. M. Ein weiterer Gegenstand der Tagesordnung lautet: „Ist die bedingte Verurtheilung im Strafrecht einzuführen?" Referenten: Reichsgerichtsrath Locbell-Leipzig und Reichsgerichtsrath Dr. Stenglein-Leipziq. Im Uebrigen betrifft die Tagesordnung hauptsächlich das deutsche bürgerliche Gesetzbuch.
* Das Palästina-Blatt, das Organ des Palästina- Vereins der Katholiken Deutschlands, bringt
Im Kamps ums Dasein.
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.
(33. Fortsetzung.)
„Mylord Euklid ist mit seiner Prinzessin Viktoria ebenfalls weg," fuhr Blackett spöttisch fort. „Der Sonnenschein war ihnen für ihre Abreise zu ordinär, da sind sie beim Mondlicht abgesegelt. Ihre Adresse haben sie nicht zurückgelassen — das ist nicht so vornehmer Leute Art. Und damit sie vor Dieben gesichert seien, haben sie all' ihre Kostbarkeiten selber unter den Arm genommen und sind dann still fort damit."
David schwieg noch immer, er blickte dem Blackett mit einer so verzweifelt hoffnungslosen Miene ins Gesicht, daß es selbst diesem hartgesonnenen Sünder weich ums Herz zu werden begann.
„Mußt aber nicht verdrießlich werden, Junge!" mahnte er. „Der Kopf muß oben bleiben! Und Courage! Hier trink'" — er reichte ihm sein Glas mit Branntwein — „Das gibt Muth. Trink' besser; thu' einen gehörigen Schluck, sonst hilst's nicht. Ah, nach dem Roger hast Du gar nicht gefragt — der hat mehr Glück als Du. Er stibitzte der Viktoria ein Päckchen mit Geld unter dem Kopfkissen weg, und da zeigte Mylvrd Euklid ihn der Polizei an. Ich halt' immer
in seiner letzten Nummer die unsere Leser gewiß interessirende folgende Notiz: Der diesjährige Pilger- zng nach dem heiligen Lande, welcher durch Herrn Canonicus Geiger zu München in bekannter umsichtiger Weise vorbereitet war, zählte 25 Theilnehmer, darunter 11 Priester. Der größere Theil machte die Reise bis Alexandria über Triest, Patras und Athen, die übrigen reisten über Rom und Brindisi. Die Abfahrt von München erfolgte am 8. April. Von Alexandria aus ging die Reise gemeinschaftlich zunächst nach Kairo und sodann über Port Said mit einem Dampfer des Oester- reichischen Lloyd nach Taipha am Karmel, wo die Karawane am 29. April eintraf. Von dort aus reisten die Pilger über Nazareth und Taipha, nachdem sie hier die Ansiedelung des Palästina-Vereins besichtigt und einen Abstecher nach dem Berge Tabor gemacht hatten, weiter nach Sichem und Bethel und kamen am 5. Mai nach Jerusalem, wo sie in dem deutschen Vereinshospiz Wohnung nahmen und bis zum 14. Mai verblieben. Von Jerusalem aus erfolgten Ausflüge nach Bethlehem und nach den Jordangegenden. Am 15. Mai schiffte man sich in Jaffa ein und fuhr nach Beirut, von wo ein dreitägiger Abstecher nach Damascus gemacht wurde. Die Rückreise erfolgte nach kurzem Besuche von Smyrna über Konstantinopel und Wien. Auf der ganzen Pilgerfahrt, welche 57 Tage in Anspruch nahm und am 3. Juni in Salzburg abschloß, ist gottlob kein Unfall von irgend welcher Erheblichkeit vorgekommen.
* Köln, 7. Juli. Der Vorstand des Palästina- Vereins, welch' letzterer den Zweck verfolgt, die kirchlichen und sozialen Interessen der deutschen Katholiken im heiligen Lande wahrzunehmen, tagte verflossene Woche Hierselbst. Durch kaiserlichen Erlaß sind dem Verein vor Kurzem die Korporationsrechte verliehen worden. Zuerst gelangte die anderweitige Organisation auf der hierdurch geschaffenen neuen rechtlichen Grundlage zur Berathung. Auch andere Angelegenheiten, welche mit dem Wirken des an Einfluß und Bedeutung im Orient immer mehr zunehmenden Vereins in Zusammenhang stehen, kamen zur Erörterung. Namentlich galt es, in Rücksicht auf den dem hl. Lande angekündigten Judenzuzug und zur Lösung der durch die Vorgänge in Bethlehem neuerdings geweckten Schutzstage, die von Seiten des Vereins in Aussicht zu nehmenden Schritte zu überlegen. An den Verhandlungen bethei- ligte sich Freiherr v. Schorlemer-Alst mit einer Freudigkeit und Frische, die der Versammlung bewies, daß auch nicht mehr die leiseste Spur von der Krankheit bei ihm vorhanden sei, welche denselben im vergangenen Jahre zur Niederlegung seines Abgeordneten-Mandates nöthigte. Außer ihm nahmen an den Berathungen Theil der Vereins-Vorsitzende Herr Landrath Janssen, Herr Oberbürgermeister Kaufmann, Subregens Dr. Pingsmann, Herr Oberpfarrer Dr. Schmitz u. s. w. Die diesjährige Haupt - Versammlung des Palästina- Vereins wird in der ersten Hälfte des Oktober in Aachen stattfinden.
* Trier, 6. Juli. In unübersehbarem Leichenzuge wurde gestern Vormittag gegen elf Uhr der hochw. Herr Seminarprofessor und Landtagsabgeordnete Dr.
gehofft, seiner einmal auf fo eine Art ledig zu werden, aber den Teufel auch: — ich muß jetzt noch gar seinen Unterhalt bezahlen, ohne von dem Bengel etwas #1 profitiren. Der alte Euklid setzt sich's in den Kopf, der Junge dürfe partout nicht ins Gefängniß und spricht dafür vor dem Gericht, — man sollt's nicht für möglich halten, daß es so verrückte Richter gibt — anstatt ins Gefängniß, schicken sie ihn in die Schule! In die Schule, David! Es wird ein junges Herrchen aus ihm gemacht!"
Jetzt brach David plötzlich in einen lauten Schrei aus, der fast wie ein Fluch klang. Warum hatten sie nicht auch ihn in die Schule geschickt, anstatt in's Gefängniß? Und er war frei von jeder unehrlichen That, wie Roger sie doch begangen hatte! Er in's Gefängniß und jener in die Schule! Heiße Thränen stürzten ihm bei diesem Vergleiche zwischen Schuld und Strafe bei ihm und bei Roger aus den Augen. Mit den Zähnen knirschend, barg er sein Antlitz in die Hände. Blackett sah, daß es ihm gelungen war, den Jungen in die gewünschte Stimmung zu bringen.
„Ich soll," fuhr er nach kurzer Pause fort, „wöchentlich fünf Schillinge für den kleinen Halunken bezahlen, und sechs Wochen hab' ich sie auch wirklich bezahlt; aber ich bin's jetzt müde — keinen Pfennig bekommen
Mosler zur letzten Ruhe bestattet. Demselben wohnten u. A. bei das ganze Priesterseminar mit seinen 105 Zöglingen. Domprobst Dr. Scheuffgen, Generalvikar Dr. Henke, Domdechant Dr. de Lorenzi, die Pfarrgeistlichkeit, der ganze Vorstand der hiesigen Centrumspartei, Lehrer höherer und niederer Schulen und die ersten Bürger der Stadt. Das Traueramt, welches Herr Regens Grach in der Jesuitenkirche hielt, war auch von sehr vielen Damen besucht. Neben dem Altäre kniete unser hochw. Herr Bischof Michael Felix, welcher zum Schluffe in vollem bischöflichen Ornate die-Leiche einsegnete. Ergreifende Trauergesänge trug ein aus Alumnen des Seminars gebildeier Chor uuter Leitung des Domkapellmeisters Herrn Lenz vor. Von den vielen Kranzspenden seien erwähnt, die mit der Inschrift „Dem hochgeschätzten Mitgliede: die Centrumsfraktion des Abgeordnetenhauses" und „In unauslöschlicher Dankbarkeit: der Wahlkreis Trier." Beigesetzt wurde die Leiche auf dem Friedhöfe zu St. Paulin.
* Königswinter, 6. Juli. Der „Verein akademisch gebildeter Lehrer der Rheinprovinz" veranstaltete gestern im „Düsseldorfer Hof" Hierselbst eine General - Versammlung zurBerathung über „dieGleichstellung sämmtlicher akademisch gebildeter Lehrer höherer Unterrichts-Anstalten. Die Berathungen faßte der Vorsitzende zum Schluffe in folgende Worte zusammen, welche von Seiten der Versammelten vollste Zustimmung erfuhren: „Die heutige allgemeine Versammlung des Rheinischen Provinzial- Vereins akademisch gebildeter Lehrer spricht die Hoffnung aus, daß es der Königl. Staatsregierung, welche ihr Wohlwollen bereits in den Vorarbeiten für die Verbesserung der Lage der Elementarlehrer gezeigt, nunmehr auch gelingen werde, das Loos der akademisch gebildeten Lehrer würdiger zu gestalten, ohne dabei eine Unterscheidung zwischen Voll- oder Nichtvollanstalten, noch auch zwischen Staats- oder städtischen Anstalten zu machen. Auch glaubt die Versammlung darauf Hinweisen zu dürfen, daß der höhere Lehrerstand, der noch immer einer besseren Zukunft entgegensieht, trotz seiner ungünstigen Verhältnisse stets die hohen Ziele der Erziehung und Bildung mit freudigem Eifer und treuer Arbeit für Kaiser und Reich in edlem Wettstreit mit allen Vaterlandsfreunden verfolgt und gepflegt hat."
* Koblenz, 6. Juli. Das Neueste unter der Sonne ist eine Volksversammlung mit fr eiern Äaf f ee und Kuchen; sie hat gestern Nachmittag 3 Uhr in der Tonhalle (Klein's Etablissement) stattgefunden. Es war diese Freigebigkeit natürlich nur der Lockvogel eines fektirerischen Proselytenmachers, welcher, wie aus der betr. Einladung hervorging, die „Offenbarung der hl. Schrift, Wiederkunft unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, darnach das Ende der Welt" als Thema seiner Schwärmereien angegeben hatte. Als wir aus Neugierde zur Tonhalle wanderten, schreibt die ,Kobl. Vztg.', fanden wir dortselbst alle Tische gedeckt und Taffe an Tasse gereiht. Nicht weniger wie für 600 Perfonen war Kaffee zubereitet, wofür der „Einberufer" 300 Mark in Baar hinterlegt hatte. Die sie mehr! Ich mach' heut' Abend hinüber nach Surrey; wenn Du mitgehen willst, geb’ ich Dich für meinen Sohn aus und bezahl's Nachtquartier für Dich. Ich bring's nicht über's Herz, daß der Junge von einer langjährigen Nachbarin in der Straße kampiren soll. Komm mit David! Hier hast Du ja doch keinen Freund mehr, und daß ich Dich zum Stehlen treiben werde, brauchst Du nicht zu fürchten. Du sollst Dein Brod ehrlich verdienen, wenn es sich irgend machen läßt. Wenn Du ein so nichtsnutziger Tagedieb wärest, wie der Roger, würd' ich Dich Deinem Schicksal überlassen. Aher wenn sich Arbeit für Dich findet, kann's Dir am Käs' zu Deinem Brod gar nicht fehlen. Komm wir gehen in die nächste Kneipe etwas zu Nacht essen und dann brechen wir auf die andere Seite auf."
„Ich geh' mit," versetz'.e David entschlossen; vor der Aussicht auf Speise wichen alle seine Bedenken zurück. Jetzt erst fühlte er, wie hungrig er war. Und dabei die Erinnerung, daß er keinen Pfennig Geld im Besitz hatte! Blackett war mit dem Manne, der feine Wohnung nach ihm beziehen sollte, über den Preis für die Hausgeräthe, welche er darin zurückließ, bereits Handelseins; er gab David einen Pack Kleider unter den Arm, nahm selbst seinen Glaserkasten auf den Rücken und so machten sich beide auf die Wanderung