18. Iahramlg
Donnerstag, den 2- Juli 1891,
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58,198 ha mit Sommerweizen 141,422 ha. Diese letzteren Angaben beziehen sich namentlich beim Sommerroggen der Hauptsache nach aus die an Stelle der umgeackerten Wintersaat mit Sommerroggen wiederbestellten Fläche. Der voraussichtliche Ernteertrag d. I. ist zu schätzen beim Winterroggen aus 75^/s, beim Winterwaizen auf 83 M. einer Mittclernte. Die Fröste Anfang Juni haben die Saaten nicht erheblich geschädigt.
Ausland.
• Wien, 30. Juni. Der bosnische Feldzug im Jahre 1878 qegen die aufständisch«, Bosniaken war geschlagen, die'Oesterreicher wurden Herren der Situation. Aber sie machten gleich zwei, wie üblich, große Fehler. Erstens führten sie statt der Militärdiktatur die C,v,l- verwaltung und Gesetzgebung ein, welche mit ihrem den Bosniaken fremden bureaukratischen Apparat und Formelkram die Staatskasse riesig belastete, das Defizit und die Unzufriedenheit vergrößerte. Als diese einen neuen Aufstand herbeizuführen drohte, kehrte man zur Militärdiktatur zurück, welche die Leute bei ihren alten Gewohnheiten ließ, durch die Kulturarbeit des Militärs, welches Eisenbahnen und Straßen baute, Handel und Wandel in das verödete Land brachte, das Defizit verscheuchte, noch Ueberschüsse erzielte und das Volk zufrieden stellte, weil mit der Strenge Gerechtigkeit und Billigkeit gepaart war und an Stelle des tobten Buchstabens und der bureaukratischen Formel der lebendige Geist und die schöpferische Dhatkrast das Ruder führte. Zweitens wurden die bei der Bevölkerung sehr beliebten Franziskaner, welche Jahrhunderte lang allein die Reste der katholischen Kirche erhalten und als Priester, Lehrer, Aerzte u. s. w. segensreich gewirkt hatten, an die Wand gedrückt, die Muhamedaner begünstigt, die Katholiken gedrückt. Auch das scheint jetzt besser zu werden.
* Rom, 28. Juni. In der Kammer kam eS gestern und heute zu stürmischen Austritten. Am Schlüsse der gestrigen Sitzung fragte der Deputrrte Jmbriani, wann seine Interpellation hinsichtlich der von Oesterreich widerrechtlich besetzten Insel Pelagora (gegenüber Ancona) beantwortet werden würde. Der Kammerpräsident erklärte, daß der Ministerpräsident abwesend sei, worauf Jmbriani schrw „Es sind 4 Monate her, daß die Interpellation eingebracht tft: es ist eine Schmach und Schande, daß in einer so wichtigen Angelegenheit nicht eine Minute gefunden wurde, ein mannhaftes Wort zu sprechen; soll nationales Gebiet Oesterreich preisgegeben werden?" Der Kammerpräsident wollte Jmbriani unterbrechen; derselbe schrie aber wie toll: „Ihr seid nur schwarzgelbe Knechte und Feiglinge, welche ihr Land verrathen! Als Jmbriani mit Lärmen und grobeu Schimpfworten noch weiter fortfuhr, schloß der Präsident die Sitzung. — In der heutigen Sitzung brachte Brrn eine Interpellation über die auswärtige Politik ein. Carattoti widersetzte sich der Entwickelung dieser Interpellation. Trotzdem entwickelte Brin dieselbe und erklärte, er billige die auswärtige Politik, was eine lebhaste Unter-
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.
(28. Fortsetzung.)
Viktoria wischte den einzigen Stuhl, der im Zimmer war, mit ihrem Schürzchen ab und bot ihn ihm an. Herr Dudley ließ sich darauf sofort nieder, wie ein altgewohnter Hausfreund, während Euklid sich die alte Seifenkiste zurechtfchob, und die zwei Mädchen auf der Bettkande Platz nahmen. Dudley faßte die beiden ins Auge. „Ich habe euch durch mein Klopfen erschreckt," sagte er. „Ja, ja," fiel Euklid ein, „wir alle leben in Todesangst vor dem Blackett. Er liegt wie ein gereizter Löwe drunten in seiner Höhle, und wir können nicht ein noch aus, ohne an ihm vorüber zu müssen," „Ich fürchte, er wird noch wilder werden", bemerkte Dudley; „denn er wird angehalten werden, wöchentlich fünf Schillinge zum Unterhalt seines Sohnes Roger beizutragen."
„Dann wird unseres Bleibens hier nicht lange mehr sein," klagte Euklid, „und wir wohnen schon zehn Jahre hier, ich und Viktoria! Für friedsame Leute, wie wir, ist es recht hart, aus einem liebgewordenen Raum davon flüchten zu müssen. Und die arme Viktoria kann nicht einmal ihre hübschen Schildereien mitnehmen. Sehen Sie da, Herr . . . zehn Jahre sammeln wir
kürzlich ihre Mutter starb, und das ist eine M,tur- sache des Hasses, womit Blackett uns verfolgt; er meint, sie fei bei ihm besser aufgehoben gewesen. Er wolle uns die Hölle heiß machen, hat er mir gesagt, und es scheint wirklich, daß wir ihm weichen müssen ... Euklid schüttelte den grauen Kopf mit Verdruß und schaute nochmals leidvoll auf die Bilder über dem Kamin, die er sollte zurücklassen müssen. Der Fremde merkte die Tiefe dieses Leidwesens. „Nun", sagte er, wenn sich eine Wohnung fände, die besser ist, als diese altgewohnte hier, eine für Blackett unfindbare, und dann jemand dazu, der Euren Mädchen da ein wenig Unterricht beibrächte, würdet Ihr nicht verschmerzen können, Euklid, was Ihr hier zurücklassen müßt?"
Enklid griff nach des Fremden Hand, die dieser ihm entgegenstreckte. „Ich werde jemand finden, der Eure Mädchen unterrichtet, Euklid," fuhr Dudley fort. Und auch für eine bessere Ausbildung Roger's wird gesorgt sein. Er wird aus dem Schulschisi Kleo- patra untergebracht werden, welches da drunten am Themse-Ufer stationirt ist. Dort wird er zum Seemann erzogen und lernt dabei Lesen und Schreiben. Euch diese frohe Nachricht zu bringen, war ich eigentlich gekommen." „O, wenn sie nur auch den David hingeschickt hätten," seufzte Elsbeth sorgenvoll. Herr Dudley ließ sich die Geschichte der Vergehen Davids
Dreibundes bringt die ,Nordd. Allg. Ztg.' an erster Stelle einige anscheinend offiziöse Bemerkungen, die durch das „Wölfische Bureau" weiterverbreitet werden. Das Blatt sagt: „Durch die Erklärung des italienischen Ministerpräsidenten ist kurz und schlicht allen jenen Agitationen, allen jenen parlamentarischen und außerparlamentarischen Machenschaften ein Ziel gesetzt, welche gegen die Verlängerung des Bündnisses des italienischen Königreichs mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn ihre Spitze kehrten. Es ist als ein hochbedeutsames Ereigniß hervorzuheben, daß durch die Erklärung die Thatsache, daß der Dreibund verlängert ist, öffentlich gemacht wird. Der Beifallsruf der Kammer wird seinen Wiederhall finden allenthalben in Europa, die Zuversicht derer kräftigend, welche dem Welttheil das kostbare Gut der Ordnung und des Friedens erhalten sehen wollen, und andererseits eine nicht zu überhörende Warnungsstimme für diejenigen sein, welche Anschläge im Schilde führen sollten, durch welche diese Ordnung, dieser segensreiche Zustand des allgemeinen Friedens gefährdet oder gestört werden könnte." Im Uebngen "assen die Blätter übereinstimmend die Erklärung de Rudinis als eine Publikation der bereits erfolgten Verlängerung des Dreibundes auf und begrüßen mit aufrichtiger Freude die fortdauernden Garantien für die Erhaltung des europäischen Friedens.
* Dem Bundesrathe ging ein Gesetzentwurf betr. die Beschränkung der Baufreiheit zu.
* Der dem Bundesrathe zugegangene Gesetzentwurf, betreffend die Bestrafung des Sklavenhandels wird im .Reichsanzeiger' mitgetheilt. Derselbe bedroht die Theil- nayme an einem Zwecks Sklavenraubs unternommenen Streifzuge den Sklavenhandel und die bei diesem Handel dienende Besörderung von Sklaven mit Zuchthausstrafe. Veranstalter und Anführer von Sklavenjagden werden mit Zuchthaus nicht unter 3 Jahren bestraft, ebenso die Theilnehmer, wenn der Tod einer der Personen, gegen welche der Streifzug unternommen war, durch denselben veranlaßt wurde. In der Begründung wird u. a. ausgeführt, daß die im Strafgesetzbuch vorhandenen Bestimmungen nicht ausreichen, da danach eine Strafversolgung dann nicht eintreten kany, "wenn die strafbaren Handlungen im Auslande und durch die-Gesetze des Ortes mit Strafe nicht bedroht! "Letztes trifft für die Theile Afrikas, in denen SklaveMgden stattfinden, meist zu. Strafbestimmungen gegen den Sklavenhandel als solchen enthält zudem die bestehende Reichsgesetzgebung überhaupt nicht.
* Das nach Chile bestimmt^ deutsche Geschwader ist im Hafen von Callao angekommen.
* Frhr. v. Gravenreuth erhielt vom Reiche den Auftrag, die Expedition in das Hinterland von Kamerun zu übernehmen. Er reist bereits nächster Tage nach Kamerun ab. .
* Nach den im landwirthschaftlichen Minister,um vorliegenden Saatenstandsberichten sind die ErnteauK- sichten in Preußen gegenüber den Befürchtungen im April z. Z. bessere. In Folge der Winterschäden sind umgeackert Winterroggen: 421,734 ha, Winterwaizen: 184,740 ha. Es find bestellt mit Sommerroggen: schon daran, und wenn wir wegziehen, müssen wir sie zurücklassen." Die Kunstschätze, von denen Euklid hier sprach, bestanden in einer ziemlichen Anzahl kleiner, roher Holzschnitte, die aus wohlfeilen illustrirten Zeitschriften herrührten, vor und nach, fowie sie in Vcktoria's Besitz kamen, auf die weiße Tünche der über dem Feuerherde vorspringenden Kaminwand, dicht nebeneinander aufgeklebt worden und allerdings ohne die gründlichste Beschädigung nicht mehr von dort abzulösen waren. Euklid begleitete seinen Hinweis aus diese Sammlung mit einem Blick, der gleichseitig feinen Stolz auf die selbstgesammelte Bildergalerie und sein Bedauern über ihren demnächstigen Verlust und voraussichtlichen Untergang aussprach. , , . ,
Wenn Ihr solche Freude an Bildern habt, so habt Ihr" wohl auch Freude am Lesen," fragte Dudky. „Lesen kann keiner von uns," versetzte Eukl,d Me Viktoria ist von Kindesbeinen an ein schwächliches, gebrechliches Ding gewesen, so daß ich's nicht wagen konnte, sie unter der Rotte roher Buben und wilder Mädchen in die Schule zu schicken. Und auch die Elsbeth da weiß nichts von dem, was man in der Schule lernt; sie verdient sich ihren Unterhalt, wie ich mit dem Verkauf von Brunnengresse. Elsbeth ist das Kind eines langjährigen Miteinwohners, Herr, nicht mein eigenes. Wir haben sie zu uns genommen, als
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Mn Vorschlag ;ur Versöhnung Deutschlands mit Frankreich.
* Der Pariser,Figaro' läßt in Form einer angeblichen Zuschrift eines hervorragenden Diplomaten einen bemerkenswerthenVersuchsballon aufsteigen. „Frankreich", so führt der Artikel aus, „istmEuropa vollkommen vereinsamt, auf Rußland ist kein Verlaß; es wird sich von Frankreich helfen lassen, seine ehrgeizigen Pläne im Morgenlande zu verwirklichen, aber selbst keinen Finger rühren, um Frankreich zu Helsen. Das Elsaß ist Rußland höchst gleichgilt,g; das hat schon Gortschakoff 1875 einem Franzosen gesagt; Deutschland ist entschlossen, an die Vertheidigung des Elsaß den letzten Mann und den letzten Thaler zu setzen Anders liegen die Dinge mit Lothringen; dieses Land ist unzweifelhaft französisch; es ist zur Sicherheit Deutschlands nicht so nothwendig wie das Elsaß; es ist nicht der Schlüssel zum Hause Deutschlands, sondern zu dem Frankreichs. Bismarck war 1871 gegen seine Aneignung. Lothringen könnte Fr/rnkre,ch vielleicht zurückerlangen, wenn es dafür Deutschland einige Kolonien, wie Nossibe, Pondichery, Tah,t, u. s. w. abträte und einwilligte, daß die Festung Luxemburg wieder ausgebaut werde und Luxemburg dem Deutschen Reiche beitrete. Dann würde nichts mehr Deutschland und Frankreich trennen, der Dreibund hätte keinen Zweck mehr; beide Länder könnten vortheilhafte Handels-Bündnisse schließen, das Wettrüsten würde aufhören und der Friede wäre für unabsehbare Zeit gesichert." Die Chauvinisten sind über diesen Vorschlag natürlich wüthend. Die.Kokarde' meint dazu, jedes französische Herz empöre sich über eine solche Beleidigung, die sich in einem sranzöstichen Blatte breit mache. Die Deutschen müßten Elsaß- Lothringen ohne Entschädigung zurückgeben; sie sollten mit den Milliarden Kriegsentschädigung und den Pendulen zufrieden sein u. f. w. Die.Nation' fragt ironisch, ob man nicht Deutschland außer den erwähnten Kolonien noch einige Milliarden schenken solle. Das Ganze sei ein ballon de’ssai von Seiten Deutschlands; die Deutschen brauchten noch 4 Jahre, um ihre Rüstungen zu vervollständigen und wollten so lange Ruhe haben rc. Der Artikel des,Figaro' beweist aber doch, daß es in Frankreich Leute genug gibt, die vernünstig und friedlich gesinnt sind. Aber wann werden sie endlich einmal den Muth haben, den Chauvinisten den Meister zu zeigen? __________________________________
Deutsches Keich.
Berlin, 30. Juni.
• Ueber die Erklärung des italienischen Ministerpräsidenten de Rudini, betr. die Verlängerung des