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Souniaq Den 28. Juni 189 L

18. Jahrgang

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3. Guartal 1891 wolle man schleunigst dem nächsten Postamte zustellen, wenn der regelmäßige Bezug des Blattes vow 1. Juli ab keine Störung erleiden foll.

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Rathgeber

für Landwirthschast, Gartenbau u. Hauswesen

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* Zu den Schienenfälschungen

erhält die ,Franks. Ztg.' (Nr. 174 vom 23. Juni) von einem alten Techniker, der früher im Staatsdienst war, folgende Mittheilung: „Inden 50 er Jahren wurde ich von der badischen Bauverwaltung zur Prüfung und Uebernahme eines größeren Quantums Bahnfchienen und Bandagen u. s. w. als Kommissar auf die Eisen­werke der Gesellschaft „Phönix" bei Esch weil er entsendet. Hinsichtlich der Schienen merkte ich bald, daß die Direktion des Werkes sich meine Unerfahren­heit zu Nutzen zu machen suchte und daß ich gegen unreelle Machination auf der Hut zu sein habe. Ein Stahlstempel mit dem badischen Wappen und Umschrift war mir mitgegeben worden, ebenso führten zwei andere Kommissare, die zur Schienen-Uebernahme für preu­ßische und sächsische Bahnen eintrafen, die von ihren Verwaltungen ihnen gelieferten Stempel. Von einem technischen Direktor des Werkes, einem Franzosen, wurde ich auf das charmanteste empfangen. Einla­dungen zum Frühstück (!) lehnte ich ab. In dem Bureau des Direktors zu ebener Erde sah ich je­doch häufig einen der anderen Kommissare bei Cham­pagner und Austern. (!) Die von ihm übernom­menen Schienen entsprachen dem: sie waren ver­schmiert, jedoch mit Kitt. Den Direktor bekam ich selten zu Gesicht; er hatte mir zur Uebernahme einen Aufseher bestellt, unvorsichtiger Weise einen sol­chen, dem gekündigt war und der mir manche werth­volle Aufschlüsse über das Treiben auf dem Werke er- theilte. Es gab anfangs vielen Ausschuß, der unge­stempelt bei Seite gelegt wurde. Mein Mißtrauen war aber rege geworden, und so ließ ich bald mit einem schweren Setzhammer zwei Kreuze auf jede Ausschuß- Schiene einmeißeln. Diese Schienen verschwanden vom Platz, und als ich danach fragte, ward mir der Bescheid, sie seien zerschlagen. Ich sah aber kein Schienenstück badischen Profils in dein Raum, wo die Packete (für den Ofen) eingebunden wurden, und auf die Mitthei­lungen des Aufsehers, es werde nun auch die Nacht an unfern Schienen durchgearbeitet, beschloß ich, mir die Sache einmal näher anzusehen. Als ich früh Morgens 3 Uhr durch ein Nebenpförtchen in das Werk eintrat, fiel mir ein Raum auf, der mit einer Mauer umgeben, unter Tags verschlossen und stille war, nun aber in Heller Erleuchtung stand und von Hammerschlägen widerhallte. Mehrere Oefen waren in Thätigkeit; man schob Schienen hinein und zog andere heraus. Der Direktor stand dabei. Als ich aus dem Dunkel in die Halle trat, fuhr er zurück und war sichtlich bestürzt. Auf meine Frage, was da mit dem badischen Ausschuß vorgenommcn werde, antwortete er, man richte ihn zu Fabrikgeleisen zu. Das war eine plumpe Lüge. Schienen so starken Profils und Gewichts, also von solchem Werth, verwendet man nicht zu diesem Zwecke, und

wenn auch, so war es dann nicht nöthig, die Aus­schuß - Kreuze mit besonderen Kosten zu verhämmern. Es war offenbar, die Ausschuß-Schienen waren dazu bestimmt, mit den übernommenen Schienen abgesendet zu werden, und dazu mußten sie mit einem nachge­machten Stempel versehen werden. Der mit wenig Kenntniß der Fabrikation von Seiten der Oberbehörde abgeschlossene Vertrag gab kein Mittel zum Einschreiten in die Hand, mit einer gerichtlichen Klage war nicht durchzukommen, und da der Direktor, in die Enge ge­trieben, sich zu einer Reihe werthvoller Zugeständnisse hinsichtlich der Fabrikation und dazu verstand, sämmt- liche Ausschuß - Schienen zusammenzuführen und bis nach vollendeter Uebernahme zu jederzeitiger Prüfung der Zahl nach liegen zu lasten, was auch Alles befolgt wurde, ließ ich die Sache beruhen. Wie raffinirt übrigens der Betrug auf manchen Werken betrieben worden ist, darüber erhielt ich von dem Aufseher folgende Mittheilung: Die Fabrik entfernt durch Glühen und Zuhämmern das Zeichen der Aus- fchuß-Schienen, stempelt sie mit dem nachgemachten Stempel und sendet sie ab. In gleicher Zahl nimmt sie von den als gut übernommenen Schienen zurück, feilt das richtige Stempelzeichen weg und versieht diese gutenSchienen mit demAus- schußzeichen. Diese Schienen läßt sie dann liegen und wendet sich, wenn das ganze Geschäft abgewickelt ist, an die Regierung oder Gesellschaft, der so die Aus­schuß - Schienen angehängt wurden, mit dem Antrag, der Kommissar habe sich in übertriebenem Diensteifer mit der Fabrik überworfen und in feiner Leidenschaft­lichkeit auch tadellose Schienen ausgeschlossen, die sie nun zu etwas billigerem Preise abgeben wolle, man möge einen andern Kommissar schicken, oder sie wolle die Schienen senden und man könne sie am Bestim­mungsorte prüfen, wobei sie die Kosten der Rückfracht etwaigen Ausschusses übernähme. So habe, wurde mir gesagt, ein Werk alle feine Ausschuß-Schienen ohne wesentlichen Schaden angebracht. Welchen Gefahren unter Umständen das reisende Publikum dadurch aus­gesetzt sein kann, das kümmert diese Leute nicht."

Wir müssen der .Franks. Ztg.' die Verantwortung für ihre Mittheilung überlasten. Wie man sieht, stimmt das Verfahren, mit welchem jene Hütte den Eisenbahn­verwaltungen mangelhafte und geflickte Schienen auf­hängt und das reisendePublikum in die größte Lebensgefahr bringt, mit dem überein, das nach Fusangel bei Baare in Bochum angewendet wird. Das deutsche Volk ist aber nicht gesonnen, diesen Herren durch den Schutzzoll riesige Verdienste zuzuwenden, wofür sie uns gewissenlos schlechte Waare liefern. Treue und Glaube, Ehrlichkeit und Red­lichkeit scheint in weiten kapitalistischen Kreisen verloren zu sein. Angesichts der schweren Anklagen, welche gegen Herrn B a a r e erhoben werden, ist von mehreren Seiten der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß derselbe nicht in Untersuchungs­haft genommen worden sei. Es will uns nun freilich auch so vorkommen, als ob mancher arme Schelm auf weit geringere Vei dachtsgründe hin in Haft genommen worden ist, damit eine Verdunkelung des Thatbestandes verhindert werde. Jedenfalls sind gute Freunde des Herrn Baare von Anfang eifrig bemüht gewesen, die Sache zu vertuschen, und der öffentlichen Meinung eine bestimmte Richtung zu geben. Seitdem ist nun schon wiederholt die Meldung in der Presse gebracht worden, gegen Baare habe sich nichts ergeben, oder es habe sich ergeben, daß Herr Baare an der ganzen Stempel-Fäl­schung unbetheiligt fei; ja, es wurde sogar „von zu­verlässiger Seite" gemeldet, das ganze Verfahren sei eingestellt. Die Meldung, die Untersuchung habe keiner­lei Anhaltspunkte ergeben und die Erhebung einer An­klage gegen Baare sei deshalb ausgeschlossen, soll ledig­lich zu Börfenzwecken erfolgt sein. In oer öffent­lichen Meinung, — darüber sind selbst diejenigen, welche mit ihrem Urtheile möglichst zurückhalten, also auch wir, vollkommen einig — hat Herr Baare seine Sache schon jetzt mindestens halb verloren. Schon das fatale Wort Baares: Daß geflickte Schienen mit unterlaufen (also absichtlicher Betrug geübt wird), kommt allenthalben vor, hat einen schlechten Eindruck gemacht. Das Unglück will nun, daß von der ,Rordd. Allg. Ztg.' das Verfahren bei den Stempelfälschungen auf dem Osnabrücker Stahlwerk wörtlich genau so geschildert wird, wie Herr Fusangel das Verfahren in Bochum schildert. Diese Uebereinstimmung der Geschäftspraxis ist sehr

auffällig. Daß die Ingenieure und Arbeiter aus reinem Muthwillen ihren Kopf in die Schlingen legen sollen, will uns nicht einleuchten.

Deutsches Keich.

Berlin, 26. Juni.

* Der Leibjournalist des Herrn Baare, der Herausgeber der ,Berl. Pol. Nacku.' erzählt jetzt, daß die holländischen Staatsbahnen bei Lieferungs- Verträgen die kostenfreie Anfertigung von Abnahme­stempeln sich von den Werken ausbedungen hätten. Das Bochumer Werk habe in Folge dessen den hol­ländischen Beamten 29 Stempel anfertigen müssen. — Warum werden wir denn immer mit dem Leicht­sinn der Mynheers unterhalten? Es wird behauptet, auch für andere Bahnen seien Stempel angefertigt worden; Baare sagt, auch das sei auf Verlangen der Beamten geschehen; die ,Nordd. Allg. Ztg.' hat dies für die preußischen Staatsbahnen bestritten. Warum nennt Herr Baare außer den Holländern Nie­mand, der sich Stempel von den Bochumer Werken hat machen lassen?

* Die Angelegenheit der Stempelfülschung in Bochum beschäftigt die Regierung sehr lebhaft. Die Eisen­bahnverwaltung würde auch bereits mit einer offiziellen Erklärung hervorgetreten sein, wenn sie nicht Bedenken trüge, dadurch in den Lauf der gerichtlichen Unter­suchung einzugreifen. Sie glaubt übrigens, daß die preußischen Eisenbahnen seit langen Jahren vom Bo­chumer Verein kein fehlerhaftes Material geliefert be­kommen haben. Einigermaßen auffallend ist, daß die „Vereinigung der Schienenwerke" noch nicht Veran­lassung genommen hat, sich über geflickte Schienen und Stempelfälschungen zu äußern.

* Vom letzten Sonnabend an war das 1. Garde- Ulanen-Regiment zu Potsdam versuchsweise in Kriegs- brreitschaft gesetzt worden, um innerhalb drei Tagen mit dem ganzen Wagenpark und allem zur Kriegsbereit­schaft Röthigen auszumarschiren. Die Kompletirungs- mannschaften werden aus den drei Potsdamer Kavallerie- Regimentern genommen, ebenso lieferten diese die 160 nöthigen Pferde. Nicht richtig ist es, was ein fort­schrittliches Blatt sagte, daß dieses der erste Versuch einer derartigen Uebung sei — an den Grenzen der Monarchie haben deren schon öfters stattgefunden.

* Der Siebenerausschuß der zur Berathung einer Reform des höheren Unterrichtswesens berufenen Kommission hat seine Sommerreisen zum Besuche von höheren Unterrichtsanstalten beendet. Wie man be­richtet, wurden von ihm hintereinander besucht: die Franke'schen Stiftungen in Halle, die Anstalt in Schulpforta, sowie gymnasiale und reale Anstalten und Seminare zur Ausbildung von Lehrern für höhere Schulen in Leipzig, Nürnberg, Ulm, Blaubeuren, Stuttgart, Heidelberg und Gießen. An diesen Besuchen betheiligte sich die Mehrzahl der Mitglieder des Sie­benerausschusses und Räthe des preußischen Kultus­ministeriums. Mehrere von den besuchten Anstalten wurden nicht von diesen sämmtlichen Herren, sondem gruppenweise in Augenschein genommen. Gegen das Ende der Reise hin waren alle Theilnehmer vereinigt. Voraussichtlich wird der Siebenerausschuß über die Wahrnehmungen der Reise einen Bericht abzufassen haben. Im Herbste d. I. wird der Siebenerausschuß seine Thätigkeit wieder aufnehmen und dann voraus- sichrlich auch zu Ende führen.

* Der Afrikareisende Krause forderte in einem Schreiben an die ,Kreuzztg.', daß die deutsche Regie­rung bald dem im Togogebiete herrschenden Unfug des „Gifttrinkens" ein Ende mache. Der Unfug beruht auf dem Aberglauben, daß der Tod eines Menschen durch die Schuld eines anderen eintrete. Um den Schuldigen zu ermitteln, wird die Leiche herumgetragen, die angeblich > vor der Hütte des Schuldigen ein Zeichen gibt, worauf der Bewohner Per Hütte gezwungen wird, Gift zu trinken.

* Die Direktion der Neu-Guinea-Company erläßt eine Erklärung gegen Berichte über schlechten Gesund­heitszustand und mangelhafte Verpflegung im Schutz­gebiet, sowie über den wirthschaftlichen Stand desselben. Die falschen Angaben gehen von einem Beamten der Gesellschaft aus, der nach viermonatlicher Dienstzeit unter Vertragsbruch heimlich seinen Posten verließ.

• Die s. Zt. durch die Engländer der deutschen Emin Pascha-Expedition konfiszirten Waffen sind an Dr. Peters ausgeliefert worden, der sie für die in