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Beilage zu Nr. 140 der „Fuldaer Zeitung".

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»Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Juli d. I. beginnende

3. Guartal 1891

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem nächsten Postamte zustellen, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zu­sendung ermöglicht wird.

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Rathgeber

für Landwirthfchaft, Gartenbau u. Hauswesen

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Zehn Versicherungsregeln für den Kandmann.

Das ,Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins im Großherzogthum Baden' enthält folgende zehn Ver­sicherungsregeln für den Landmann, die verdienen, von den Landleuten als goldene Hausregeln beachtet zu werden. Erste Regel: Du sollst Hab und Gut, Haus und Hof und alles, was dein ist, gegen Feuerschaden, Blitz und Hagelschlag versichern, denn: „Brauch vor Unglück Kopf und Hand, dazu gab Dir Gott den Ver­stand!" — Zweite Regel: Du sollst nicht mehr versichern, als Du besitzest, denn das Versichern ist kein Geschäft, bei dem verdient wird, sondern nur Deine Pflicht, um alles, was Du erworben, zu erhalten und „Erwerben ist ehrlich, erhalten ist schwerlich!" — Dritte Regel: Du sollst auch nicht weniger ver­sichern, als Du besitzest, denn es wird Dir beim Brandunglück nicht vergütet und „Wer viel verliert, bald Armuth spürt!" — Vierte Regel: Du sollst auch keine leichtfertigen Angaben bei der Versicherung machen, sondern alles, was Dein ist, fein ehrlich und genau aufführen, damit Dir nach dem Unfälle kein Prozeß, noch üble Nachrede entsteht, denn: „Ehrlich währt am längsten!" — Fünfte Regel: Du sollst auch Deinen Nachbar, Freund und Verwandten, ja jeden dem Du wohlgesinnt bist, zur Versicherung an­halten und bereden; auf daß sie nicht in Schaden kommen und, durch Unglück verarmt, Dir zur Last fallen. — Sechste Regel: Du sollst insbesondere auch Deine Ernte gegen Hagelschlag versichern, auf daß Du ruhig in Deinem Kämmerlin schlafen magst, wenn Gott schwere Gewitter über Deine Felder schickt, denn bedenke, daß eine verlorene Ernte Dich zum Bettler machen kann. — Siebente Regel: Du sollstebenso-

Im Kampf ums Dasein.

Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.

(20. Fortsetzung.)

XI.

Verwaist.

Elsbeth war am andern Morgen so zeitig auf, wie gewöhnlich. David würde sie gerne begleitet haben, aber er scheute die Begegnung mit Euklid. Er hätte am liebsten sich vor gar niemand von der Nachbarschaft fehen lassen mögen, bis sein Kopfhaar wieder die ge­wöhnliche Länge gehabt hätte. Er verließ am ganzen Tag das Zimmer nicht, sprach dann und wann ein paar Worte mit der Mutter, saß aber die meiste Zeit schweigsam da, den Kopf sinnend in die Hände gestützt. Eine Stunde schien ihm so lang, wie sonst ein ganzer Tag. Hunger und Kälte hatte er sonst mit Mannes- muth ertragen, und, sie auf's neue zu ertragen, fühlte er sich auch jetzt stark genug; aber das auf ihm lastende Gefühl der Schande drückte ihn zu Boden. Das ein­zige, was die Mutter ihn gelehrt hatte, war der Grund­satz, man müsse sich den guten Namen bewahren; sein guter Name war jetzt verwirkt. Und David hatte das unbestimmte Gefühl, daß er nicht verwirkt sei durch seine eigene Schuld, sondern, daß man ihm denselben geraubt habe. Endlich brach der Abend herein, und Elsbeth

Sonntag, den 21. Juni 1891.

wenig vergessen, sowohl Lebens- als Unfallversicherungen abzufchließen, denn so gewiß der Herr Dich jede Stunde von dieser Welt abberufen kann, fei es nun in Folge einer Krankheit oder eines Unfalles, so da beim Gehen, Reiten und Fahren vorkommen, so gewiß ist Dein Leben noch ein köstlicheres Gut als Haus, Hof und Ernte; dieses kostbarste Gut geht aber für Deine weinende Frau und Kinder verloren, so Du nicht weis­lich gesorgt hast, daß dasselbe, soweit nur immer mög­lich, durch Auszahlung der Lebens- und Unfallver­sicherungssumme ersetzt werde. — Achte Regel: Du sollst keine Ausflüchte gebrauchen, um Dich nicht zu versichern, und auch anderen keine Hindernisse bereiten, die sich versichern wollen, oder ihnen gar hiervon ab- rathen; denn jene, die so leichtsinnig sind und nicht versichern, trifft regelmäßig das Unglück am ersten und kein Mensch hat Mitleid mit ihnen. — Neunte Regel: Du sollst Dir keinen Vorwurf oder irgend eine Ausrede ob der Ausgabe für die Versicherung machen, denn solche ist ja nach Deinen Verhältnissen gering — lege stets nur soviel zurück als Du Schöpp- lein zu Deiner Stärkung trinkest, so hast Du genug, für alle Versicherung und „Pünktlich Pflicht erfüllt, heißt auch den Durst gestillt." — Zehnte Regel: Du sollst die Ausgabe für Versicherung betrachten, wie jene für Essen und Trinken, und so gewiß Du letzteres nicht aufschiebest, weil Du Hunger und Durst hast, so schiebe auch keine Versicherung auf, denn sie verschafft Dir Ruhe und Sicherheit, Trost und Hilfe.

vermischtes.

(Berliner Gerichtssitzung.) „So wie Sie mir hier uf die Anklagebank sehen, stehe ick vollständig un mit sämmtliche Kom- petenzien uf den Boden der Jerechtigkeit," meinte der Droschken­kutscher B., als er sich wegen Sachbeschädigung uud Bedrohung vor dem Schöffengerichte zu verantworten hatte. — Bors.: Sie sollen einen armen Taubstummen, den Schneider Gr., mit Tod­schlag bedroht und ihm eine Hose zerrissen haben. Angekl.: Det der Mann taubstumm is. dhut mir leid, ober da kann ick den hohen Jerichtshof Siegel un Brief drus jeden, det ick lieber mit en widerfpenstiget Ferd zu thun haben will, wie mit en Taub­stummen. Mit die Sorte is man sehr schlechtes Umjehen. Bors.: Das will ich zugeben. Sie hatten mit ihm eine gemeinsame Schlafstelle inne! Angek!.: Ick for meinen Deel kann det eene Schlafstelle nich nennen, indem mein Schlafkolleje immer solchen Lärm vollführte, det ick keen Ooge zubehalten konnte. Bors.: Unsinn! wie wird ein Taubstummer Lärm machen? Angekl.: Oh! det kann er janz prächtig; meiner schnarchte nämlich, det sich die Balken bogen, vor- un rückwärts un immerzu, un wenn ick dachte, er hätte ufjehört, denn hatte er sich blos en Happen ausjeruht un legte los mit 'n neien Vers. Schön war et nich. Bors.: Vor allen Dingen mäßigen Sie sich in Ihren Ausdrücken, Sie sind hier nicht auf dem Droschken-Halteplatz. Angekl.: Er hat aber janz unmenschlich geschnarcht, eijentlich müßte det be­straft wern. Bors.: Wie sind Sie denn mit ihm injStreit ge- rathen? Angekl.: Eben wejen det dreimal distillirte Schnarchen. Ick konnte mir zuletzt nich anders helfen: als ick mir eenes nachts een paar Stunden lang uff meine schlummerlosen Kissen jewälzt hatte, stand ick uff und hab ihm jerathen, det er sich mal mit Wasser jurgeln sollte, indem er von det Schnarchen doch sehre trocken in'n Schlund jeworden sin mußte. Bors.: Das ist wieder eine nette Umschreibung. Sie sollen ihm einen halben Waschnapf voll Wasser in den geöffneten Mund gegossen haben, daß der arme Mensch bald erstickt wäre. War das Wasser rein? Angekl.: R in wie die Sonne. Wat dhut man nich in de Nothwehr, wenn man um sein bisken Schlaf kommt? Bors.: Von diesem Streit her datirt wohl die Feindschaft? Angekl.: Ja woll; er nahm et mir sehre ibel un wollte in't Hemde uff mir losjehen. Er beruhigte sich denn aber un legte sich wieder hin. Am andern Morjen stand ick uff, als er noch schlummerte, wobei ick sein Schnarchen wieder bis uf de zweete Treppe hören konnte. Als ick abends um fechse wieder nach Hause komme, sitzt er uff'n Disch un näht mit 'ne Wuth, det der Faden man so Pfeift. Ick nicke ihn zu, wat in de Taubstummensprache so ville wie „Scheen guten Abend" bedeutet, er nickt aber nich wieder, sondern springt mit so'n extemporären Aus­druck von'n Disch herunter, zieht en Brief aus der Schub-

ging zum zweitenmale, den Ring vom Pfandleiher zurückzufordern. David vergaß für einen Augenblick all' sein Leid in der gespannten Erwartung, das un­schätzbare Kleinod nun in der nächsten Viertelstunde wieder an der Hand der Mutter funkeln zu sehen. Es war ihm, als sei die Hand dann nicht mehr so zu­sammengeschrumpft, wenn sie das Zierstück und Sym­bol ihrer jungen Tage wieder an sich trage. Es war ein nagelneuer Ring gewesen, als David Fell ihn kaufte — anders würde der stolze junge Handwerker es nicht gethan haben — ein dicker massiver Ring von 18karätigem Gold, die feinste Dame hätte sich seiner nicht zu schämen brauchen. „Da hab' ich ihn", rief Elsbeth, schon als sie, außer Athem gelaufen, in der offenen Thüre erschien, das kleine kostbare Packetchen zwischen den Fingern hochhaltend. David zündete die Talgkerze an und hielt sie der Mutter nahe, deren magere, zitternde Finger sich schon hasteten, das Papier zu entfalten. Aber was ist das? . . . ein dünner, zerdrückter Reif kommt zum Vorschein, abgeschliffen zur Dicke eines Drahtes! Ein Schrei der Enttäuschung und Angst entfuhr der armen Frau. „O, David!" stöhnte sie dann zurücksinkend, „das ist mein Ring nicht, das ist mein Ring nicht!" Zwei Minuten später stand David kopflos, athemlos, fast außer sich vor Aufregung schon auf dem Pflaster vor dem Haufe des Pfand-

lade un jippt ihn mir. Hier is er. Bors, (nachdem er gelesen)' Nun ja, er schreibt Ihnen, daß er nach dem Vorfälle in der Nacht nicht mehr mit Ihnen zusammenwohnen wolle, er wolle vielmehr am folgenden Sonnabend ausziehen. Die Sachen, die er für Sie ausbessern sollte, habe er fertig gewacht, und Sie könnten dieselben bei dem Wirthe gegen Zahlung von 3 Mark 40 Pf. in Empfang nehmen. Wahrscheinlich hat er befürchtet, daß Sie sich weigern würden, zu zahlen. Das ist doch ein ganz vernünftiger Brief. Angekl.: Nach den Parajrafen so wie so muß ick det als 'ne Art Erpressung ansehen, det bisken Flickerei kann unmöglich drei Mark vierzig Fennje machen. Bors.: Da­rüber habe ich kein Urtheil. Sie sollen nun aber aus Rache ihm eine seiner Hosen von oben bis unten zerrissen haben. An­gekl.: Det habe ick gedahn, aber bloß, indem ick ihr jewisser- maßen bei die Taubstummensprache benutzen wollte. Hck wurde natürlich falsch über die unverschämte Forderung un wollte ihm det klar machen, det die Hose, die er mir jeflickt hat, jar keene 3 Mark 40 Fennje mehr werth war, un um ihm det recht so bejreiflich zu machen, nehme ick eeng von seine Hosen, die uf 'n Stuhl lagen, un fasse sie so an un nehme sie so auseinander un mache so, um die Mürbigkeit anzudeuten, denn wie soll man mit en Taubstummen weiter sprechen, un ohne det ick mir det versehe jetzt sie auseinander. Sone olle taubstumme Schneider­hose kann ooch man sehre wenig Derbragen. Bors.: Hören Sie mal, die Geschichte wird Ihnen keiner glauben, der Zeuge wird uns den Sachverhalt ganz anders vortragen. Wie war es denn nun mit der Bedrohung? Angekl.: Det war man Mumpitz von mir. Als ick den andern Morjen früh wegjing un er noch in't Bette lag, da schrieb ick det hinten uf die Rechnung un legte sie uf'n Disch. Bors.: Es steht in klaren dürren Worten darauf, daß Sie ihn kalt machen wollen, wenn er noch eine Nacht in der Wohnung bliebe. Angekl.: Det steht babruf, aber bet braucht ja nich immer mit Schießen, Hauen ober Stechen zu finb, ick konnte ihn ja ooch mit Wasser kalt machen, wie ick bet in bie vorigte Nacht jebhan hatte. Un so hatte ick bet ooch jentent; wenn er nämlich wieder bet Schnarchen kriejen sollte. — Bors.: Ihre Ausreden sind wirklich bewundernswerth, werden Ihnen aber mehr schaden wie nützen. Durch die Beweisaufnahme wird jeder Zweifel an der Schuld des Angeklagten gehoben; er soll 20 Mark Geldstrafe zahlen.

Haus- und Landwirthfchaft.

Erprobtes Mittel gegen die Blattläuse. Au der königl. Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu Geisenheim am Rhein wurden im Laufe der letzten Jahre Versuche mit den vielfachen Mitteln angestellt, welche man in den verschiedenen Fachschriften zur Vertilgung der Blattläuse angezeigt findet. Diese Versuche haben ergeben, daß ein Theil der Mittel wohl die Blattläuse töbtet, aber auch bie Triebe, namentlich die der Apfelbäume, be­schädigt und brännt, während der andere Theil die Triebe nicht angreift, aber auch auf die Blattläuse nicht ober nur unvoll­kommen einwirkt. Zufriedenstellende Erfolge werben nur mit einem Mittel erzielt, welches Hofrath Dr. Neßler in Karlsruhe erfunben unb auch zur Bekämpfung bes Sauerwurms empfohlen hat. Die Flüssigkeit füllt man in einen sogen. Nähmaschinen- Oeler unb betropft damit, ohne das ebenso zeitraubende als un­angenehme Abwaschen der oftmals gekräuselten Blätter und der Triebe vornehmen zu müssen, alle befallenen Theile. In vielen Fällen dürfte leichter unb noch sicherer die Flüssigkeit ans einem gewöhnlichen Blurnen-Sprühkännchen zu übersprühen sein. Die Läuse sterben sofort ab und werden sämmtlich getöbtet, ba sich bie Flüssigkeit ähnlich rote Petroleum ausdehnt und vertheilt; Blätter und Triebe bleiben, ohne daß ein nachfolgendes Be­spritzen mit Wasser nöthig wäre, gesund und bräunen sich nicht. Das Mittel thut auch gegen die so gefährliche Blutlaus und die schneckenartige Larve der Kirschblattwespe gute Dienste. Das Rezept lautet nach dem .Badischen Landwirthschaftlichen Wochen­blatte' folgendermaßen : „Man nimmt 40 Gramm Tabak-Extrakt, 50 Gramm Fuselöl und 2 Deeiliter Weingeist; das Ganze wird mit Regen- ober Flußwasser auf 1 Liter verdünnt. Die Ge­brauchsanwendung ist einfach folgende: Schmierseife wird an die Wand eines Glafes gestrichen, dieses letztere mit Wasser gefüllt und stehen gelassen. Die Seife löst sich sehr leicht, weil die ge­lösten Theile sich immer nach unten senken. Diese Lösung wird dann mit den anderen Stoffen gemischt und mit Wasser aus ein Liter verdünnt." Wie aus Vorstehendem ersichtlich, kann Jeder­mann das Mittel selbst anfertigen oder es durch den Apotheker Herstellen lassen. Die Kosten belaufen sich auf ca. 50 Pfennige für das Liter, und mit einem Liter reicht man bei Anwendung des sparsamen Nähmaschinen-Oelers sehr weit. Man versäume nicht, bie Flüssigkeit vor bem Gebrauch gut umzuschütteln. Persisch Insektenpulver ist zwar ein sicheres, aber auch etwas theures Mittel.

leihers. Der Besitzer, Herr Quirk, sparte ihm die Mühe, einzutreten, denn er befand sich vor der Thüre, auf- und abgehend, um die Vorübergehenden einzu­laden, sich feine „wunderschönen Sächelchen" einmal anzusehen; er sei ganz gewiß, daß sie etwas darunter fänden, was ihnen gefalle, und alles wunderbillig, fast geschenkt!

Es war ein kleiner, untersetzter Mann, der den Stempel des Schelmen für den Kenner schon auf dem Gesichte trug. David trat ihm in den Weg; sein Ge­sicht war kreidebleich, seine Nasenflügel bebten vor Auf­regung. Er hielt ihm den Ring hin. „Das ist nicht der Mutter ihr Ring. Sie haben der Schwester einen verkehrten gegeben. Geben Sie mir den richtigen." Jetzt erst gönnte er sich einen ausgiebigen Athemzug. „Das ist der Ring der Marie Fell," sagte der Alte mit grinsendem Spott und jedes feiner Worte in die Breite ziehend. Dabei blieb er so ruhig, als sei er auf die Szene vorbereitet gewesen. „Das ist der Ring, den sie mir vor zwei Monaten in Versatz gegeben hat. Das ist ihr Ring." „Gib mir den richtigen Ring meiner Mutter, Du diebischer Schwindler!" schrie nun David, mit aller Kraft und Entschiedenheit, die in ihm saß.

(Fortsetzung im Hauptblatt.)