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Mittwoch, Den 17. Ium 18» i.
Markte.
So früh und so dunkel es auch noch war — tn dem Ostende Londons wurde es doch schon lebendig, Überall huschten schon, lautlos gleich Geistern, vor Frost zitternde Menschenkinder über das schlüpferige Pflaster an ihnen vorüber. Elsbeth hatte die Straßen in solch' mitternächtiger Scenerie noch nicht gesehen, und sie hielt sich furchtsam dicht an Euktid's Seite. Der alte Mann sprach kein Wort. Die Begleitung eines anderen war für ihn ungewohnt und deshalb verwirrend. Seit 25 Jahren, seit der Zeit nämlich, da, wie wir wissen, em Unglücksfall ihn zu schwerer Arbeit untauglich machte, war er diesen Weg allein gegangen, Tag um Tag, Sommer und Winter, und nun trippelte das kleine Wesen so dicht neben ihm daher und zog seine Gedan-
versuchen und mit Brunnenkresse haustren zu gehen. Auch Euklid war damit einverstanden; er erbot sich sogar, ihr darin nach Kräften behilflich zu sein; er wolle sie mitnehmen auf den Markt, wo er seinen täglichen Bedarf zum Detailverschleiß en gros emkaufte und ihr auch Anweisung geben, wo sie ihren Absatz im Kleinen suchen solle; seine eigene Kundschaft mit ihr zu theilen, das gehe freilich nicht an, da sein Gewinn dadurch zu sehr geschmälert würde, um noch davon leben zu können. Mit ein paar Groschen Kapital-Anlage wolle er sie in den Geschäftsbetrieb entführen, und wenn das Glück ihr günstig sei, werde sie immerhin so viel verdienen, um davon leben und den Ring bei dem Pfandleiher wiederholen zu können. ^ebenfalls aber müsse die Sache geheim betrieben werden, denn wenn einer von den Beamten der Armen-Kommisston davon erfahre, wäre Letztere im Stande, dre ihrer Mutter bewilligte Ilnterstützung zu schmälern oder gar zu entziehen. Im Juni um 4 Uhr früh auszustehen, um die dicke widrige Luft der engen Behausung mit der thauigen Frische des Morgens im Freien zu vertauschen, das mag recht angenehm sem; anders verhalt sich die Sache im Winter. Elsbeth erraffte sich um die genannte Stunde von ihrem Strohsack, steckte sich im Dunkeln schnell in ihr dünnes, abgetragenes Röckchen, schlüpfte mit den nackten Füßen in die durchaus
Im Kamps ums Dasein.
Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.
(15. Fortsetzung.)
Sie war so oft stolz gewesen auf die schwarzen Augen und das schöne Haar des Mädchens, doppelt stolz darauf in der Erinnerung, daß ihr David Fell, als er um sie freite, dieselben Schönheiten an ihr gepriesen hatte. Wenn nur David wieder zu Hause wäre, um die Schwester gar nicht mehr allein zu lassen, ihr, ohne es zu wissen, zum Schutz gegen unsagbare Gefahren. Wie, wenn sie sterben müßte vor Ablauf der Strafzeit David's? Sterben, ohne den Knaben noch einmal wieder gesehen zu haben und Elsbeth allein, ganz allein und unbehütet zurückzulassen!
H VII.
Trost in Thränen.
Elsbeth hatte es nicht'vergessen, daß sie sich für die Auslösung des Traurings ihrer Mutter aus dem Versatz gewissermaßen verbürgt hatte. Sie versuchte es denn auch auf verschiedenen Wegen, zu einigem Verdienst zu kommen, aber sie besaß zu wenig Kräfte und zu wenig Geschick, um viel aus ihrer Arbeit herauszuschlagen. Als sie dessen inne wurde, pflog sie Raths mit Viktoria, und diese machte ihr den Vorschlag, es einmal mit dem Erwerb ihres Vaters zu
Deutsches Deich.
Berlin, 15. Juni.
* Heute früh 8‘/g Uhr fand im Sterbezimmer weiland Kaiser Friedrich III. im Neuen Palais eine Gedächtnißseier statt, an welcher nur die kaiserliche Familie theilnahm. Um 9 Uhr erschienen der Kaiser und die Kaiserin mit den drei ältesten Prinzen im Mausoleum bei der Friedenskirche und legten daselbst Kränze nieder. Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen spendeten ebenfalls kostbare Kränze, auch vom Offizierkorps der in Potsdam garnisonirenden Regimenter und vielen Privatpersonen trafen im Laufe des Morgens Blumenspenden ein.
* Die Handwerkerkonferenz ist heute im Reichstagsgebäude in Berlin zusammengetreten. Den Vorsitz führt Unterstaatssekretär Dr. von Rottenburg. Die Verhandlungen werden vorläufig geheim gehalten.
* Das Herrenhaus nahm heute mit großer Mehrheit das Sperrgeldergesetz unverändert in der Fassung des Abgeordnetenhauses an. Fürstbischof Dr. Kopp hatte als Berichterstatter eine Erweiterung der Verwendungszwecke beantragt, zog aber diesen Antrag im Interesse des Zustandekommens der Vorlage und mit Rücksicht auf die Geschäftslage später zurück. Frhr. v. Durant verlangte, daß nun auch, den Bedürfnissen der evangelischen Kirche entsprochen werde. Geheimrath, Prosessor Hinschius sprach gegen die Vorlage, die nur neue Forderungen der römischen Kurie nach sich ziehen werde, bis schließlich der Kampf von Neuem und ärger als vorher entbrennen würde. Kultus
minister Graf ” ZevUtz-Trützscyter erwiderte daß mit i der Vorlage nur eine gegebene Zusage erfüllt werde und daß ein Preisgeben staatlicher Rechte fettens der Regierung nicht zu befürchten sei. Der Gesetzentwurf über die außerordentliche Armenlast wurde im Wesentlichen in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen, eine dazu vom Grafen zu L-tolberg-Wermge- rode und Genossen gestellte Resolution betr. Abänderung des Unterstützungswohnsitzgesetzes dagegen nach längerer Debatte zurückgezogen. Morgen: Rentengütergesetz. .
* In der heutigen Sitzung nahm das Avgeoro- netenhaus die Vorlage über die Gewerbegerichte in der Rheinprovinz in 3. Lesung endgültig an. Sodann wird die Beraihung über die vom Herrenhause in ab- qeänderter Fassung zurückgelangte Vorlage betr. den Wildschadenersatz fortgesetzt. § 4a (Antrag Branden- burg-freik.) stellt Wildschadenersatz fest, insofern dieser nicht durch Wild des verpflichteten Bezirks verursacht wird. Er wird mit Majorität angenommen. Die §§ 8 bis 14 handeln von der Anmeldeftist und dem Streitverfahren in Klagen auf Wildschadenersatz. § 8 wird mit der Aenderung des Antrags Rintelen angenommen, wonach die Entscheidungen der Kreis- und Bezirksausschüsse nicht endgültig, sondern nur vorläufig vollstreckbar sind. § 14, von der Schonzeit handelnd, wird in Fassung des Compromißantrags angenommen, weitergehende Anträge abgelehnt. Nächste Sitzung Dienstag. Tagesordnung: Verordnung für Sachsen rc. Schluß 5 Uhr.
• Zu der Aeußerung des Herrn Baare, datz „geflickte Schienen" überall hin und wieder mit geliefert würden, erhält die Voss. Ztg. von einem Regie- I rungsbauführer eine Zuschrift, in der es heißt: Daß j auf jedem Walzwerk fehlerhafte Schienen vorkommen werden, ist sehr natürlich; diese fehlerhaften, mit Rissen oder Sprüngen versehenen Schienen gehören zurück nach den Puddel- und Schmelzöfen, nicht aber in die Reparaturwerkstatt. Wozu werden solche Schienen noch ausgeflickt, wenn keine Aussicht vorhanden wäre, dieselben an den Mann , zu bringen? Ein tüchtiger Revisor, und das dürften unsere die Schienenabnahme besorgenden Staatsbeamten durchweg sein — wird geflickte Schienen nicht ab- nehmen, eben so wenig die Revisoren auswärtiger Eisenbahn-Verwaltungen; wo sollen diese geflickten Schienen also hinkommen, wenn die Eisenbahnverwaltungen dieselben nicht nehmen? Die Fabriken, welche Anschlußgeleise an bestehende Bahnen errichten oder Nebengeleise auf ihrem Boden ausführen, kaufen solche geflickte Schienen auch nicht; sie kommen viel billiger zum Zweck, wenn sie alte ausrangirte Schienen von der nächsten Hauptbahn entnehmen. Auch die Baumeister, welche vielfach Schienen zu Gewölbeträgern, Balkonträgern u. s. w. verwenden, können geflickte Schienen nicht gebrauchen. Wo bleiben dieselben also, wenn keine Abnehmer dafür da sind? Und dennoch müssen Abnehmer für geflickte Schienen vorhanden sein, sonst würde man die, doch nicht unerheblichen, Kosten für das Nieten und Flicken der Schienen nicht
auf die .Fuldaer Zeitung^ für das am 1. Juli d. I. beginnende
3. Guartat 1891
wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, sondern möglichst bald dem nächsten Postamte zustelle«, damit uns dieselben rechtzeitig übermittelt werden können und prompte Zusendung ermöglicht wird.
Der Post-Abonnementspreis auf die , Fulda er Zeitung' mit der illustrirte« Sonntagsbeilage
" Sterne und Minnen
«nd dem
Rathgeber
aufwenden, sondern dieselben ungeflickt nach den Oefen zurücksckicken.
Hebet denselben Gegenstand schreibt das Organ Fusangels, die ,Wests. Volksztg.': In der ,Köln. Ztg.' veröffentlicht Herr Baare eine Erklärung, laut welcher auf dem „Bochumer Verein" wohl Stempel nachgeahmt worden seien, aber nur im Auftrage der Revisoren. Das ist unrichtig. Es sind zum Zwecke der Fälschung Stempel angefertigt und gebraucht worden. Die gegen Herrn Baare eingeteitete. Unter« suchunq wird dies unwiderleglich darthun. Wir werden, sobald uns der Abschluß unseres Prozesses Zeit übrig läßt, ein Verzeichniß der gefälschten Stempelabdrücke, welches sich in unseren Händen befindet, veröffentlichen und dadurch den geschädigten Eisenbahndirektionen Gelegenheit geben, gegen die Insinuation zu protestireu, als ob ihre Revisoren so pflichtvergessen gewesen seien, Stempel 6et einem WsAe anfertigen zu lasten, welche zur Konttole der Fabrikate desselben dienen sollten. Außerdem stehen einwandsreie Zeugen, welche über Falschstempelungen und gleichwerthige Betrügereien bis in die neueste Zeit Aussagen machen können, dutzendweise zur Verfügung.
Das Urtheil wird bekanntlich am nächsten Freitag verkündigt. Wie es ausfallen wird, läßt sich nicht vorausfagen. Aber außer dem Gerichtshöfe in Esten hat die öffentliche Meinung zu Gericht gefesfen, nicht allein in Bochum, sondern aller Orten, und die er Gerichtshof hat bereits sein Urtheil gefallt. Bei dtefer Gelegenheit wollen wir nicht verschweigen, daß auch nationalliberale Blätter und sogar die halb-offiMe .Leipziger Ztg.' sich dem Urtheile der öffentlichen Meinung anschließen.
I Ausland.
* In Frankreich hat die „Enthüllung" über ein Bündniß" Englands mit Italien großes Aufsehen erregt. Indessen kommt wohl hierbei ein förmliches Bündniß nicht in Frage, sondern nur ein gegenseitiges Einverständniß darüber, daß im Falle eines Krieges zwischen Frankreich und Italien die Interessen Englands im mittelländischen Meere es erheischen, siir die Aufrechterhaltung der italienischen Macht im Mittelmeere einzutreten. Aber auch ein solches Ueberem- kommeu ist ein verständlicher Wink für die Franzosen und ihre Kriegsgelüste. Im Uebrigen würde ja das Sensationsbedürfniß der Franzosen Befriedigung erfahren durch den „Melinit-Prozeß" gegen Turpm und Triponn«, — wenn biefer Lanbesverrathsprozeß nicht eben hinter verschlostenen Thüren sich absptelte.
* In der italienischen Deputirtenkammer ist wieder einmal der Ministerpräsident von Rudini über den Dreibund interpellirt worden mit einer Reihe von Anfragen über einige unbedeutende österreichifch-ita- lienische Zwifchenfälle, darunter die Anbringung einer Ehrentafel für einen „gewissen And reas Hofer , wie der Interpellant Barzilai sich ausdrückte. Der Ministerpräsident gab darauf die verdiente Antwort und versicherte, die Freundschaft Italiens mit Oesterreich-Ungarn sei eine solche, daß ein Uebelwollen seitens
nicht mehr wasserdichten alten Schuhe der Mutter und schlich, nachdem sie Letztere, die bis zu ihrer Rückkehr allein auf ihrem Schmerzenslager ausharren mußte zum Lebewohl geküßt hatte, hinaus vor die Thur auf das mit halb gefrorenem Kothe überdeckte Straßenpflaster wo Euklid mit seinem Körbchen auf sie war- r—n iyt । tete. Dann ging's weiter durch Schmutz und Frost,
da sein Gewinn Elsbeth trug em altes verbeuttesTheebrettunterbem ' - 1 Arme, welches ihr einer ber Nachbarn, bett Eukltb m
bas Geheitnniß einzuweihen sich getraute, geliehen hatte. Sie hatte eine gute halbe Stunde Weges bis zu dem
Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage au^enommem- J^^t-B l'unieund ^der alle 14 Tage erscheinenden Är-titbeil-W
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