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Sonntag, b:n 31. Mai 1891.

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DEik" Hierzu eine Beilage.

* Rumänien.

Wien, Ende Mai 1891.

In Rumänien feiert man, wie bekannt, seit dem 22. Mai das auf mehrere Tage berechnete Fest des 25jährigen Jubiläums der Regierung König Karl I. Für diesen Fürsten war dieser Tag ein dreifacher Ge- dmktag; am 22. Mai 1866 betrat er als erblich ge­wählter Fürst, wie ein Verbannter reisend, zum ersten Male Rumänien; am 22. Mai 1877 wurde die Un­abhängigkeit Rumäniens von der Pforte feierlich ver­kündet und am 22. Mai 1881 setzte sich der Jubilar die Königskrone auf sein Haupt.

Die Wahl des Königs Karl zum Fürsten von Ru­mänien war das Werk Napoleons III., welcher den­selben als Enkel Beauharnais' mütterlicherseits und einer Prinzessin Murat väterlicherseits ungemein schätzte. Gleichwohl vereinte den Fürsten innige Freundschaft auch mit Kaiserin Augusta und dem verstorbenen Kaiser Friedrich. Unter preußischen Fahnen hat er 1864 als Dragoner - Offizier beim Sturm auf die Düppeler Schanzen seine erste Waffenthat gethan und dafür das österreichische Militärverdienstkreuz errungen. Trotzdem mußte er, nachdem er am 20. April 1866 mit 685,969 gegen 224 Stimmen zum erblichen Fürsten von Ru­mänien gewählt worden war, inkognito das Land auf­suchen, das er nunmehr seit 25 Jahren regiert.

Und wie fand er dieses Land, welches seine neue Heimath werden sollte? Im öffentlichen Leben führten in Rumänien damals selbstsüchtige Parteien einen er­bitterten Krieg, die Finanzen waren vollständig zer­rüttet, Eisenbahnen überhaupt nicht vorhanden und die Arniee ein Gegenstand allgemeinen Gespöttes. Dazu lastete auf dem Lande das Mißtrauen fast aller euro- . väischen Mächte und bestand gleichzeitig noch das ddmüthige Vasallenverhältniß zur Pforte, so daß der junge Fürst selbst noch einen Bußgang nach Konstan­tinopel antreten mußte. Oe st erreich-Ungarn brachte dem Lande zuerst einen Schimmer der Hoff­nung auf Erringung der Unabhängigkeit, indem es 1872 mit Umgehung der Pforte zuerst einen Handels­vertrag mit Rumänien abschloß. Voll errungen wurde die Unabhängigkeit aber erst durch die Waffenthat der rumänischen Truppen vor Plewna.

Heute steht Rumänien in einem ganz anderen Ver- hältniß da, indem es gewissermaßen den Mittel­punkt einer wirklichen wirthschaftlichen Entwicklung auj der Balkanhalbinsel bildet. Die Bojaren- Wirthschaft ist eingeschränkt, und wenn die Parteien sich auch noch heftig bekämpfen, so sind die schlimmsten und gröbsten Auswüchse der Parteiherrschaft doch be­seitigt. Eine besondere Sorge des Königs war die Heranbildung eines tüchtigen Heeres und die Herstel­lung eines ausgedehnten und kostspieligen Befestigungs­systems. Ehedem das Gespötte Europas, hat die rumänische Armee heute einen geachteten Namen. Die Finanzen des Landes sind befriedigend. An Eisen­bahnen sind über 4000 Kilometer im Betrieb. Man

Im Kamps ums Dasein.

Erzählung nach Hesba Stretton von H. v. Remagen.

(1. Fortsetzung.)

Wenn sie so weit gekommen war, dann begann die Stimme der alten Frau zu beben, denn nun hatte sie von der bald sich zeigenden Krankheit des geliebten Mannes zu reden, von seinem Tode und von all' ihren Trübsalen, deren eine jetzt der andern folgte. Aber sie schloß ihr Erzählen jedesmal mit einer Aufforderung zum Danke nach oben, daß es ihnen nicht noch schlimmer gehe, als so, nicht so schlimm wie manchen andern Armen, die nicht einmal mehr ein Obdach hätten. Die arme Frau war unwissend; was sie in der Schule ge­lernt hatte, war längst vergessen; auch ihre Kinder hatten niemals auf längere Zeit eine Schule besucht. Sie hatten nichts in ihr geistiges Leben ausgenommen, als was sie auf der Straße und bei den Mitbewohnern ihres Hauses gesehen und gehört halten, und es be­greift sich leicht, daß dieses, wie schon gesagt, öfter schlimmer als guter Natur war. David konnte ein wenig lesen, Elsbeth kannte keinen Buchstaben. In dem Straßengewirre schwärmte es von Kindern, wie die Luft von Mücken an einem warmen Juni-Abend — da war es leicht, dem Schulinspektor bei seinen gelegentlichen Visitationsbesuchen zu entgehen, zumal

kann wirklich sagen, daß Rumänien heute ein Element des Friedens in Europa und der geordnetste Staat der Balkanhalbinsel geworden ist. König Karl hat bei ollen diesen Bestrebungen manche bittere Stunde in Rumänien mit durchleben müssen. Er genoß anfänglich wenig Sympathien und es war so weit, daß er selbst verlauten ließ, „wenn man seiner Regierung müde sei, so solle man es ihm offen sagen, und ihn nicht über­rumpeln wie seiner Zeit den Fürsten Cnsa." Die treffliche Haltung der Armee im Jahre 1877 hat in­dessen die Sympathien für den König, der diese Armee aus der Erde heraus schuf, mächtig vermehrt und ihm große Beliebtheit im Lande gegeben, wenn auch die republikanische Partei und die Bestrebungen einzelner Unzufriedener hier und da in radikalen Blättern Aeuße- rungen Hervorrufen, welche mit unseren Begriffen über die nothwendige Ehrfurcht vor der Majestät des Königs durchaus nicht vereinbart werden können.

Hier in Wien — so schreibt man dem .Münch. Frdbl.' — ist König Karl sehr beliebt. Sein Be­streben war jeder Zeit, zu den Nachbarstaaten und be­sonders zu Oesterreich die besten Beziehungen anzu­bahnen und Vertrauen zu seinem Lande und zu seiner Regierung zu erwecken. Rumänien ist der natürliche Verbündete Oesterreich-Ungarns, und alle die verschie­denen Versuche, dieses Verhältniß zu stören oder zu trüben, haben sich als ohnmächtig erwiesen. Selbst der leidige Zollkrieg, der aus wirthschaftlichem Gebiete noch nicht beseitigt ist, hat die freundschaftlichen Be­ziehungen, die politisch bestehen, nicht gestört. Man kann sich darum aufrichtig über das Fest freuen, das im Nachbarstaat« vom 22. ab durch vier Tage ge­feiert wurde.

Bukarest sah dieser Tage eine große Anzahl Frem­der in seinen Mauern. Schon am 21. Mai trafen die 3000 Bürgermeister des Landes ein, um Abends an dem Fackelzuge theilzunehmen, der dem Herrscher­paare dargebracht ward. Für Freitag Vormittag war ein feierlicher Gottesdienst, Truppenparade und Nach­mittags, wie Samstags Empfang der Glückwünsche der Korporation . angesetzt. Für Samstag und Sonntag ist die Fortsetzung dieser Empfangnahme und die Hal­tung von Volksfesten beabsichtigt.

Deutsches Keich,

Berlin, 29. Mai.

* Bezüglich einer demnächstigen Einberufung des Reichstages in der Getreidezollfrage ist ein Beschluß der preußischen Regierung bisher nicht gefaßt. Die Vorerhebungen über die vorhandenen Getreidevorräthe find noch nicht abgeschloffen. Auch von einer anderen deutschen Regierung ist dem Bundesrathe in dieser Angelegenheit noch kein Antrag zugegangen.

* Die heutige Ausgabe der .Deutschen Medizinischen Wochenschrift' schreibt: „Wie wir zuverlässig erfahren, ist Robert Koch seit seiner Rückkehr hauptsächlich damit beschäftigt, den in dem Tuberkulin enthaltenen wirk­samen Stoff zu isoliren und derart chemisch zu charak- teriftren, daß eine Prüfung seiner Beschaffenheit in da Elsbeth 13, David nahezu 14 Jahre alt war. Seit seinem 12. Jahre etwa hatte David sich täglich einige Pence in den Straßen verdient mit dem Verkauf von Zündhölzchen; dann meinte er sich besser zu stehen, wenn er sich als Botengänger zum „Kommissionen­machen", wie er es nannte, hergebe; das erwies sich aber als ein sehr unsicherer Verdienst — an manchen Tagen hatte er gar nichts. In der Woche Abends und an Sonnt^gnachmittagen, wenn die Mutter sich ein mar Stunden Ruhe gönnte, das war die Freudenzeit )er zwei Kleinen. Ein „gutes" Kleid, das Frau Fell dann hätte anlegen können, besaß sie schon längst nicht mehr, aber einen Schatz nannte sie noch ihr eigen, um sich in den Ruhestunden damit zu schmücken: ihren Trauring.

Den steckte sie an die Hand, wenn des Tages und der Woche Last getragen war, während sie ihn bei der Arbeit ablegte, damit er nicht verschleiße. An Zügen dieser Art merkten David und Elsbeth schon früh, daß ihre Mutter keine Frau war, wie die anderen Frauen in der Straße. Frau Fell trank nicht, sie fluchte nicht, sie zankte nicht. Ohne sich über das Warum bewußte Rechenschaft zu geben, hatten die zwei Kinder vor dem Wesen der Mutter eine geheime Ehr­furcht, und David fühlte neben seiner zärtlichen Liebe zu ihr so etwas, wie ritterlichen Stolz in sich erwachen,

ähnlicher Weiie, wie bei anderen Arzneistoffen ermög­licht wird. Sobald diese Arbesteu zu einem brauch­baren Ergebnisse gelangt sind, was schon für die nächsten Monate zu erwarten steht, wird Koch sowohl darüber wie über die Einzelheiten des Verfahrens zur Herstellung des Heilmittels eine umfassende Veröffent­lichung bewirken, indem alsdann einer solchen Bedenken nickt mehr entgegenstehen."

* Das sozialdemokratische Central - Organ .Vorwärts' bringt eine Artikelreihe über das päpstliche Rundschreiben. Der erste Artikel ist lediglich einer parteitaktischen Ausnutzung der Kritik gewidmet, welche der hl. Vater der modernen Gesellschaft hat angedeihen lassen. Diese Ausnutzung war zu erwarten; aber wir werden sehen, wie das sozialdemokratische Blatt sich mit dem übrigen Inhalt des Rundschreibens abzufinden suchen wird. Vorläufig stellt der.Vorwärts' nach einigen höhnischen Bemerkungen über die Niederlage Bismarck's im Kulturkämpfe den Satz auf: Der Papst habe die soziale Frage gelöst, „genau so weit, als sie die heute bestehenden Gewalten überhaupt zu lösen vermögen." Dann fährt der.Vorwärts' fort: „Es ist ein seltsames Geschick für den Kaiser, der die Initiative ergriffen hat zur Anbahnung internationaler Maßregeln im Interesse der Arbeiter einerseits und im Sinne der Regierenden andererseits. Es ist ein Verhängniß für alle Sozial- Reformer und ein Hohn für den Liberalismus der Bourgeoisie, Saß der Papst, das Haupt der kathol. Christenheit, dessen Herrschaft sie längst abgeschüttelt zu haben glaubten — daß er es ist, der offen und scharf die Grenzlinie bezeichnet, bis zu welcher sie gehen dürfen, wenn sie von den Forderungen der Ar­beiter anscheinend möglichst viel erfüllen, aber von der überlegenen Position der herrschenden Gewalten und Klassen mit ihrem so vortrefflichen „historischen" Recht nichts, aber auch rein gar nichts preisgeben wollen." Es wird dann weiter gehöhnt und die Situation dahin charakterisirt: „Da schwarz, hie roth," Alles, was der Nacht der Vergangenheit angehöre, die Nacht der Knechtschaft und Ausbeutung erhalten wissen wolle, möge sich unter das entrollte „pechschwarze Banner des Unfehlbaren" sammeln; die Völker aber, ihre ungeheuren Mehrheiten, würden wissen, wo ihre Fahnen wehen. Nach dieser echt sozialdemokratischen Kraftleistung — von dem „pechrabenschwarzen" Banner verspricht sich der Artikekschreiber anscheinend einen großen Effekt — geht es an die Ausnutzung der päpstlichen Krittk der mobernen Gesellschaft, worauf der Artikel mit der Ver­sicherung, daß die Sozialdemokratie der päpstlichen Kundgebung gegenüber die Rolle des „tertius gaudens“ spiele, plötzlich ab schließt. Angekündigt wird nur noch, daß man Rom nichts schenken werde.

Die .Krenzztg.' betont: die jüngste Encyclika sei die hervorragendste von allen, welche der Papst erlassen habe. Die Encyclika sei ein weltgeschichtliches Ereigniß und ein Markstein der kathol. Kirche. Der rothe Faden des Aktenstückes sei: die Zeit sei vorüber, wo die Kirche allein, und zwar durch die Charitas, der bedrückten Menschheit helfen konnte. Durch die Forderung, daß der Staat mithelfen solle, sei die vom

daß es seine Sache sei, dieser guten, fleißigen, kranken Frau als Schützer und Helfer zur Seite zu stehen. Ja, sie war sehr krank, und als David endlicherfuhr: es sei ein fatales, schmerzliches Magenkrebsleiden, welches an dem Leben der Mutter nage, da meinte er jedesmal, das Herz wolle ihm zerspringen, wenn er sie an dem Waschtrog stehen und so heldenmüthig und geduldig den Schmerzen und den Schwächen Trotz bieten sah. Schließlich mußte sie doch bei dem Kirch- spielS-Armenpfleger um Unterstützung nachsuchen. Der Viertelsmeister kam Einsicht nehmen in die Lage der Dinge und empfahl bann eine Unterstützung in ihrer Wohnung. Er erkannte, wohin die Sache hinauslaufe, und daß das Ende nicht mehr weit sein könne. Das Richtige wäre freilich gewesen, die Kranke ins Hospital, das Mädchen, in ein Waisenhaus zu nehmen, wenn man denn auch den Knaben sich selbst überlassen hätte, damit er sich, so gut es ging, durchschlage. Aber die Armenverwaltung kalkulirte so: schon allein dasjenige, was der Arzt für die Kranke als durchaus nothwendig verordne, werde mehr kosten, als wenn man ihr eine wöchentliche Unterstützung von vier oder fünf Schilling gewähre. Nach genauer Berechnung des Nothwendigeu wurden der Frau Fell vier Schilling und acht Pence wöchentlich zugesprochen.

Der kranken Frau war cs freilich lieb, daß die