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Donnerstag, den 28. Mai 1891.

. Jahrgang

Fü lh M W Z kitt n (J

nebst der illustrirten Sonntagsbeilage »Sterne «nd Blumen' und dem »Rathgeber für Land- wirthschaft, Gartenbau und Hauswesen' von allenPostanstalten, Landbriefboten, Zeitungs trägern «nd von der Expedition (Harmonie) zum Preise von W 50 Pfg. l« eb st Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.

Getauften am Frohnleicknamstage fick der betenden Gefolgschaft des höchsten Gutes anschlössen!. Vor diesem mächtigen, allgemeinen Zuge des Heiles wird der Zug des Verderbens, der aus den Schlupfwinkeln der Ver­führung und den Höhlen der Verzweiflung sich ent­wickeln will, alsbald zurückweichen müssen. Doch wir müssen uns schicken in die Verhältnisse, wie sie nach Gottes Fügung oder Duldung sind, und wenn das Oberhaupt der ringenden Kirche von seiner hohen Warte uns das Zeichen zum guten Kampf gibt, so schließen sich die Reihen der Seinen in frischem Muth und starkem Eifer.

Ein Fest der Freude ist der Frohnleichnamstag, und für diejenigen, welche in einem Lande der Kirchenfpal- tung sich dem Segen beugen, soll es ein Fest des Dankes sein, daß ihnen die Verbindung mit der er­habensten Quelle des Heiles gewahrt geblieben ist. Aber der rechte Dank ist frei' von jeder Spur von Ueberhebung, er schärft vielmehr das Gefühl der Ver­antwortlichkeit. Je mehr gegeben ist, desto mebr wird verlangt werden. Wie viel strenger wird der Maßstab des Richters sein bei denen, die des Geheimnisses des katholischen Altars theilhaftig waren. Mit der Gnade steigt die Pflicht, mit der Ehre muß der Eifersteigen.

Ein Wunder der Liebe feiern wir heute, und darum sei Alles fern, was gegen den Geist der Liebe verstößt.

Auch ein B i t t f e st ist der Frohnleichnamstag. Und unsere Bitten dürfen sich auch auf das Gebiet der irdischen Sorgen erstrecken, wie es die vierte Bitte des Vaterunser lehrt. Mancher wird bei der Prozession durch die Fluren einen bangen Blick auf die Saaten werfen, denen bisher der Segen nicht in gewohntem Maße zu Theil geworden ist. Der Seufzer um Hilfe drängt sich auf die Zunge. Aber vergessen wir nicht, daß uns kein Forderungsrecht zusteht gegenüber dem Allmächtigen, und daß wir m't Vertrauen seine Fü­gungen erwarten müsien, deren Plan und Endziel wir nicht kennen. Die Ergebung in die Führung des Höchsten muß sich vereinen mit der thatkräftigen Ent­faltung der eigenen Fähigkeiten nach bestem Wissen und Gewissen. „Mit Gott und für Gott" heißt der Wahlspruch für den Frohnleichnamsgang wie für die ganze irdische Pilgerreise. Der Ausgang und das Ziel aller menschlichen Bewegung ist der Thron des Schöpfers.

Presse auch ehrlich genug gewesen, wiederholt szu be­tonen, daß Fürst Bismarck schließlich den Muth ge­sunden habe, im Kulturkämpfe einzulenken, nachdem er gesehen, daß er auf dem betretenen Wege nicht zum Ziele gelange.

* Betreffs der Nachricht, Oberpräfident v. Bennigsen fei zum Nachfolger des Staatsfekretär v. Bötticher bestimmt, wird berichtet, daß an zuständiger Stelle in Hannover von dergleichen Absichten durchaus nichts bekannt sei. — Herr v. Bennigsen hat, so führt die .Weser-Zeitung' bei dieser Gelegenheit aus, als Ober­präsident von Hannover die an seine Ernennung ge­knüpften Erwartungen nicht erfüllt; er hat die Welfen nicht zu verföhnen oder zu bändigen vermocht; die Parteien befehden sich schärfer denn je; innerhalb der nationalliberalen Partei wächst die Zerfahrenheit, wozu die letzte Reichstagswahl im 19. Wahlbezirk nur bei­getragen hat; auch auf gesellschaftlichem Gebiete ist die Trennung schärfer denn je. Diese unerquickliche Lage ist Herrn v. Bennigsen äußerst peinlich — deshalb muß er Nachfolger des Herrn v. Bötticher als Staats­sekretär werden. Selbst die ,Nat. - Ztg.' findet diesen Artikel „höchst sonderbar" und vermuthet als Einsender einen welfischen oder sonstigen Gegner. In der That, ein solches „Wegloben" des Herrn v. Bennigsen kommt auf den Satz hinaus: Wenn Jemand feinen Beruf verfehlt hat, so muß man ihn zum Minister machen!

*' Nach der ,Kreuzztg.' erscheint dem russischen Hofe Prinz Georg von Griechenland als Lebensretter des Zarewitsch. Der Prinz führte einen Hieb gegen den Attentäter, woran dieser des folgenden Tages verstarb. Der Zar forderte den Prinzen auf, den Thronfolger nach Moskau und Petersburg zu begleiten, wo seiner besondere Auszeichnungen warten. Falls der Atten­täter gestorben ist, woran wir noch zweifeln, so dürfte derselbe wohl schwerlich in Folge eines Stockschlages verschieden sein!

* In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses trat dasselbe in die 3. Berathung des Etats. Abg. Rickert (dfr.) beklagt die Verspätung des Einbringens des Etats, wodurch dessen Berathung nicht zur rechten Zeit beendet und eine Verfassungsbestimmung verletzt worden sei. Zugleich verlangt er Aufklärung über die sich bei der Eifenbahnverwaltung zeigenden erheblichen Mindereinnahmen der letzten Monate. Min. Miquel entschuldigt die Verspätung des Etats mit der Aus­arbeitung' der Steuerreform. Die Mindereinnahmen der Eisenbahnverwaltung gibt er zu und schiebt sie den Naturereignissen des vorigen Herbstes unter, wogegen Abg. Rickert (dfr.) sie den erhöhten Ausgaben zu- fchreibt, welche die Steigung der Kohlenpreise und die Wirksamkeit der Schienenkartelle hervorgebracht. In Folge dieser Steigerung entsteht eine längere Debatte über Berechtigung rc. der Kohlenringe rc., an der sich die Abgg. Graf Canitz (konf.), v. Eynern (nL), Ham­merstein (nl.), Schneiding (nL) und die bereits Ge­nannten betheiligten. Nach Schluß Der Generaldebatte wird eine Reihe kleine Etats genehmigt. Beim Etat der „indirekten Steuern" bringt Abg. Rickert (dfr.) die Vorgänge an der österreichischen Grenze zur Be­sprechung. Minister Miquel entgegnet, daß es sich hierbei um eine Schmuggelei gehandelt habe. Beim Etat der „Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung" wird eine Aenderung des Markscheiderwesens, höhere Ansprüche au deren wissenschaftliche Bildung gefordert. Regierungsseitig hat man hiergegen Bedenken. Zugleich wird hierbei die bekannte Kohlenaffaiie des Danziger Beamtenvereins durch den Handelsminister klar gestellt. Beim Etat der „Bauverwaltung" wird eine Besser­stellung der in derselben beschäftigten Vermesfungs- beamten angeregt und regierungsseitig die Erklärung abgegeben, daß mit dem Bau des Dortmund-Ems- Kanals noch in diesem Jahre begonnen werden solle. Zugleich theilt die Regierung mit, daß dem Hause in der gegenwärtigen Saison weitere Vorlagen nicht zu­gehen werden. — Nächste Sitzung: Mittwoch. Tages­ordnung: Fortsetzung und 2. Lesg. der Sek.-Bahn- Voilage. Schluß 3*/2 Uhr.

* Die Verhandlungen des Allgemeinen Lehrertages in Mannheim sind etwas ruhiger verlaufen wie in früheren Jahren, immerhin har sich auch jetzt wieder genugsam gezeigt, welcher Geist auf diesen Versamm­lungen herrscht. Hier einen charakteristischen Zug: Nach der .Neuen Bad. Landesztg.' führt Herr Prediger Georg Schneider - Mannheim als ein Zeichen des in Baden herrschenden freiheitlichen Geistes an, daß er, ob­wohl Prediger einer freireligiösen Gemeinde, doch

Berlin, 26. Mai.

* Ueber die „ultramontane" Presse beklagt sich zur Abwechslung wieder einmal der Altreichskanzler Fürst Bismarck, obwohl sie doch wohl nicht Schuld ist, daß Se. Durchlaucht erst in der Stichwahl über seinen sozialistischen Gegner zu siegen vermochte; die „Ultra- montanen" sind in Geestemünde und Umgegend dünn gesäet. Hilft aber Alles nichts, die Hamburger Nachr.' beklagen sich in einem offenbar aus Friedrichsruh stammenden Artikel über die „aggressive Haltung der ultramontanen Presse Bismarck gegen­über." Und doch habe Bismarck im Kulturkämpfe eine keineswegs extreme Stellung eingenommen und sich auck später nicht als Feind der römischen Kirche er­wiesen. Der Hintermann des Hamburger Blattes kann sich die Sache denn auch nicht anders erklären, als daß er annimmt, „es seien hierbei offenbar jesuitische Einflüsse im Spiele, jener römischen Kreise, denen Bis­marck als Verkörperung des nationalen Einheitsge­dankens, des deutschen Kaiserthums mit protestantischem Herrscherhause, unbequem ist, welche jene Bismarckhetze veranlassen, weil sie in jeder Stärkung des Ansehens Bismarcks eine Gefährdung ihrer Interessen sähen." Was die „aggressive Haltung" der „ultramontanen" Presse anlangt, so besteht diese lediglich darin, die scharfe Aggression des Bismarck'ichen Organs gebührend zurückzuweisen. Daß aber der Fürst sich wieder einmal als der unschuldige Theil im Kulturkampf hinstellen und „jesuitische wie römische Einflüsse" als gegen ihn thätig aufmarschiren läßt, sind so „olle Kamellen," daß es sich kaum lohnt, näher darauf einzugehen. Oder war es, um nur eins hervorzuheben, nicht „extreme Haltung", wenn Fürst Bismarck fein „Seelenheil durch den Papst gefährdet" sah, den Papst als Feind des Evangeliums erklär te ? Die, Hamb. Nachrichten' thäten wahrlich gut daran, alte Geschichten nicht wieder auf» zurühren, denn dann stößt man Schritt für Schritt auf den „Vater des Kulturkampfes", den Fürsten Bis­marck. Dabei ist aber gerade die „ultramontane"

❖ Das Frohnleichnamsfest.

Der Himmel und die Erde haben sich einander ge­nähert. Der Thron Gottes ruht auf dem Häuflein Staub, das die Menschen bewohnen, und der allmäch­tige Schöpfer hat sich niedergelasfen unter den arm­seligen Geschöpfen. Den Grundstein des neuen Testamentes zeigt uns Johannes in dem Satze: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns ge­wohnt." Die Krönung des neuen Bundes finden wir in dem Geheimuiß des Altares. Und das Wort hat die Gestalt des Brodes angenommen und wohnet immerdar unter uns!

„Herr, bleib' bei uns," baten die Jünger von Emaus. Und er reichte ihnen das geheimnißvolle Brod, unter dessen Form er bei der Menschheit bleiben wollte. Wenn ein Wolkenschleier das blendende Antlitz der Sonne verhüllt — sie ist doch da und spendet Licht und Leben, wo immer ein Auge sich zu ihr aufthut und ein Keim auf sie wartet. Die Gestalt des Brodes -ist nur ein Schleier für den groben Sinn des Körpers; durch ihn strahlt in die Seele die Sonne des Heiles, hell und warm, klärend und belebend.

Die Frohnleichnams - Prozession ist ein Bild des christlichen Erdenwallens. „Bereitet die Wege dem Herrn — folget mir nach!" Für Gott und mit Gott pilgert der Christ durch das Thal der Verbannung. An den Wohnungen und Werkstätten, an den Läden und Fabriken, an den Stätten der Erholung und an den Saaten des Landmanns vorbei bewegt sich das Heiligthum und die betende Begleitung, für alles irdische Leben und Treiben gilt der Segen nach den vier Him­melsrichtungen, denn überall soll der Geist dessen walten, der Alles geschaffen hat und erhält, und in seinem Namen sollen geheiligt sein Arbeft und Ruhe, Leid und Freude, Streben und Entsagen, Denken und Fühlen — der ganze Mensch und die ganze Welt, die ganze Wanderschaft vom verlorenen Paradiese bis zur ewigen Seligkeit.

Aus dem Tempel, den die Menschenhand in kleinen Maßen gebaut hat, tritt der Gottesdienst hinaus in jenen gewaltigen Tempel, dessen Kuppel das Himmels­gewölbe bildet und dessen Grundmauern sich dehnen vom Aufgang und vom Niedergang Übei die Pole der Schöpfung. Von der heimlichen Feier in der dumpfen Krypta der Katakomben bis zur prächtigen Frohnleich­nams-Prozefsiou durch die Straßen und Fluren hat sich das Christeuthum entwickelt in dem zähen Streben, die Welt für die Wahrheit und die Tugend, für Gott zu­rückzuerobern. Wenn hier ober dort Irr- unb Unglaube den öffentlichen Triumphzug des Heiligthums hindern, es wird ihnen doch nicht gelingen, Religion und Kirche hinter Thüren und Mauern zu verweisen. Glaube und Gottesfurcht, der neue Sauerteig, den Paulus verkün­det, muß das öffentliche Leben durchdringen, wenn nicht die Erde zur Hölle werden soll.

In seinem Pfingstrundschreiben hat der hl. Vater hingewiesen auf die schwere Gefahr, welche dem geisti­gen und dem leiblichen Wohle der Menschheit aus der sozialen Krisis der Neuzeit droht. Zum Rettungswerke ruft er nicht bloß feine Mitarbeiter im kirchlichen Weinberge auf, sondern alle Kräfte des öffentlichen Lebens, die staatlichen, genossenschaftlichen unb einzel- persönlichen. Alles, was die Fähigkeit hat, Gutes zu thun, soll sich sammeln im Geiste der christlichen Ge­rechtigkeit, Weisheit und Liede, zur Entfaltung des „praktischen Christenthums" im rechten Sinne des Wortes. Wie viel leichter und schneller würde diese große Aufgabe sich lösen lassen, wenn die Einheit des Glaubens und des Altars gewahrt wäre, wenn alle

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Bterttiiay ,Rathgeber für Laudwtrthschast, Gartenbau und Hauswesen m Fulda und auswärts I Mark W -Pfennig.

Wege« des hl. Frohnleickmams- festes wird die nächste Nr. d. Bl. erst am Freitag ausgegebe* *.

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