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Freitag, den 22. Mai 1891.
18. Jahrgang
FuIdaerWZkitiing
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* Wider das Spekulantenthum.
11 Durch die Börsen Europas geht wieder einmal ein Sturm und auf die ungesunde Agiotage fremder Werthe ist ein erheblicher Kursrückgang gefolgt als neue Warnung für das Publikum vor exotischen Papieren, wenn sie auch noch so lockend angepriesen werden, sich möglichst zu hüten und nicht gutes Geld für schlechte Papiere einzutauschen. Allein leider finden sich in Deutschland ungeachtet des vielen Lehrgeldes, das schon nach dieser Richtung gerade von kleinen Kapitalisten gezahlt wurde, immer wieder Leute, die sich von den scheinbar höheren Zinsen locken lassen und zweifelhafte Papiere kaufen. Kommt dann eine Erschütterung der Kurse, wie sie eben jetzt die Börsen des Kontinentes heimgesucht hat, dann gehen auch große Vermögen verloren. Man sollte es gar nicht für möglich halten und doch ist es der Fall, daß bei dem jüngsten Rückgänge der portugiesischen Papiere auch deutsche Kapitalistenkreise erheblich betheiligt sind, geradeso wie einige Wochen zuvor bei dem Krache der argentinischen Rente. Allerdings sind Engländer und Franzosen an der portugiesischen Finanzkrise weit erheblicher in Mitleidenschaft gezogen und herrschte infolge dessen in der vorigen Woche an den Börsen von Paris und London eine förmliche Panik; aber nach Lage der Dinge iff eine Kotirung der Portugiesenpapiere in der französischen Hauptstadt wert zweifelhafter als in Berlin oder Frankfurt. Allein die leider bei uns in Deutschland grassirende Ausländersucht bringt es mit sich, daß auch die allerfernliegendsten Aktien und Papiere Käufer finden und den lockenden Prospekten Glauben geschenkt wird. Freilich bleiben dann die Nachwehen nicht aus und wenn die Männer der Börse die zweifelhaften Maaren abgefchüttelt haben, zahlt das Privatpublikum die Zeche.
Nimmt das Börsentreiben schon bei den Papieren oft eine sehr ungesunde Form an und erweist sich als schädigend für gar viele Kreise, so ist dies in noch erhöhterem Grade dort der Fall, wo die Früchte des Feldes oder Produkte der menschlichen Arbeit zum Gegenstände des Hazardspieles der Börse gemacht werden. Eben jetzt, wo einerseits die Frage der Getreidezölle die Gemüther lebhaft beschäftigt und die Aussichten der Ernte ungewiß sind, sehen wir wieder, wie das internationale Jobber- und Spekulantenthum sich bemüht, Preistreibereien zu veranstalten und durch eine wilde Spekulation große Gewinne auf Kosten der Gesammtheit einzuheimsen. Es ist sehr zu beklagen, daß sich in unseren Gesetzen kein Paragraph findet, der eine Agiotage mit Lebensmitteln kurzweg verbietet. Wäre dies der Fall, dann könnte auch den Termingeschäften und dem Differenzspiele der Getreidespekulanten wirksam gesteuert werden. In den letzten Wochen wurde der Getreidepreis künstlich bedeutend hinaufgetrieben, der Landwirth hatte von dieser Preissteigerung keinen Nutzen, sondern derselbe fiel ausschließlich dem Großkapital und dem Zwischenhandel zu, der damit zweierlei erreichte, erstens einen ansehnlichen Gewinn auf Kosten des Publikums durch Ver-
± Ein Dild aus deutscher Vorzeit.
(Fortsetzung.)
Gab es denn keinen Ausweg, um sie vor diesem schmachvollen Schicksal zu bewahren? — Vielleicht, wenn ste ihn, den verhaßten Geschorenen, anflehte, von seiner Forderung abzustehen? Würde er es thun und Gos- bert wieder umstimmen? Aber nein, diese Christen, diese Bekenner des Gekreuzigten, die in härenen Gewändern einherschritten, zeigten sich so furchtbar hart und streng gegen sich selber, daß sie gewiß für jede weiche Regung unzugänglich waren.
In düstere Gedanken versunken stierte Geila in den Mainstrom, der unten langsam seine Wogen vorbeiwälzte und glänzende Sonnenblicke zurückspiegelte. Da plötzlich leuchtete ein dämonischer Blitz in ihren Augen auf und ihre Lippen flüsterten zischend: „Das wäre der einzige Ausweg. Sterben sollen sie, diese verhaßten Mönche, die mir das Herz des geliebten Mannes abgewendet. Ich aber bleibe auf meinem Platze."
Sie erhob sich und schritt in ihr Gemach, wo sie einem Diener befahl, ihr zwei Dienstmannen, die, wie sie bestimmt wußte, noch den alten Göttern anhingen, herbei zu rufen. Tiefe Beiden hatten an dem Heerzuge nicht theilgenommen, sondern waren zur Bewachung der Burg zurück geblieben.
theuerung des Mehles, zweitens wieder ein Argument gegen die Getreidezölle, wenn dasselbe fteilich auch wenig stichhaltig ist. Der ungünstige Stand der Wintersaaten wurde sofort von der Spekulantengilde zu einer Preiserhöhung ausgiebig ausgenützt und Leute, die nicht einen Fuß Ackerland besitzen, sondern nur auf Termin „handeln", haben sich durch diesen ungünstigen Saatenstand Tausende mühelos im Handumdrehen verdient. Der Bauersmann, der mit harter Arbeit dem Boden mühsam die Ernte abgewinnt, sieht mit Sorge auf den niederen Stand der Feldfrüchte; er weiß, daß eine Mißernte ihn fehr hart treffen und geradezu an den Rand des Verderbens bringen würde. Der Spekulant aber zieht auch daraus Vortheil, er spekulirt ä la Baisse und streicht seinen Gewinn dann ein: Auch eine Mißernte bringt ihm Vortheil, ohne daß er auch nur den Finger zu rühren braucht.
Jetzt erhofft sich die Spekulanten-Gilde wieder neue Anregung zum Börsenspiele mit Getreide durch den in Sicht stehenden deutsch-österreichischen Handelsvertrag. In den Blättern wird erzählt, daß sich ein Getreide- „Ring" gebildet hätte, der riesige Getreidemengen aufgehäuft hätte, um für den Fall, daß eine Ermäßigung des Zolles eintreten würde, dieselben sofort nach Deutschland zu werfen und dort dem einheimischen Getreide eine empfindliche Konkurrenz zu bereiten. Derartige Dinge lassen sich nun freilich nicht verbieten, aber sie machen einen sehr ungünstigen Eindruck auf die ländlichen Kreise, denn der mit Steuern belastete, mühsam um seine Existenz ringende Landmann erwartet Schutz gegen die Konkurrenz des Auslandes und wenigstens so viel patriotischen Sinn, daß man nicht die einheimische Produktion gegen die fremde zurücksetzt. Den Spekulanten der Börse ist der Ursprungsort der Waare gleichgiltig, ebenso auch, ob damit der einheimische Bauer geschädigt wird oder nicht. National-ökonomisch sind aber derlei Schädigungen durchaus nicht, denn sie haben auch schlimme Konsequenzen für Handel und Industrie im Gefolge. Wir brauchen zunächst einen kaufkräftigen Bauernstand und der wird nur erreicht bei guten Getreidepreisen, wenn der Landmann in der Lage ist, seine Ernte zu Preisen absetzen zu können, bei denen er bestehen kann. Die letzten 30 Jahre her ist der Bauernstand bei uns fortgesetzt im Rückgänge und nicht zum kleinsten rührt dieser Rückgang von den Schwankungen in den Getreidezöllen her, welche zwar sehr günstig für Spekulanten, aber höchst ungünstig für die Produzenten sind. Der staatlichen Gesetzgebung bleibt die Aufgabe, hiergegen einen Riegel vorzuschieben und die Agiotage auf Lebensmittel und somit auch auf Getreide strengstens zu untersagen.
Deutsches Keich.
Berlin, 20. Mai.
* Zum päpstlichen Rundschreiben über die soziale Frage meldet das ,W. T. B/ von Rom, 18. Mai: „In der heute erschienenen Encyklika nimmt die sehr lebhaft geführte Widerlegung der fozialistischen Lehren 15 Seiten ein. Das Eigentumsrecht und das Erb-
„Kann ich mich auf euere Treue fest verlassen?" fragte sie mit einem lauernden Blick, als die Beiden, wahre Hünen von Gestalt, ehrerbietig eingetreten waren.
„Gebiete, Herrin, und was Du verlangst, werden wir thun," versetzten Beide.
„Wohlan, so verlange ich eine That von euch, für die ich euch reichen Lohn geben will, aber schwöret mir, daß sie ewig ein Geheimniß bleiben soll. Oeffnet ihr je den Mund zum Verrath, so ist es euer sicherer Tod. Schwöret bei den alten Göttern, nicht bei dem Christengott, der uns doch nur unhold gesinnt ist."
Mit heiteren Mienen schwuren die beiden Heiden bei Wodan und Donar. Dann theilte ihnen die Herzogin leise mit, daß sie nichts Anderes verlange, als die Ermordung jener Mönche, die Herzog Gosbert mit so zauberischem Einflüsse umgarnt und den fremden Glauben ins Land gebracht hätten.
„Heute Nacht noch sollen sie sterben," gelobten die Krieger, an ihre Schwerter fassend.
Die Nacht war angebrochen. Kilian und seine beiden Genossen Koloman und Totnan schliefen ruhig den Schlaf der Gerechten in dem niederen Gelaß, daß sie, in der Nähe des Flusses, beherbergte. Wohl ahnten sie, daß die Herzogin Böses gegen sie sinne und daß sie, da Gosbert sie jetzt nicht schützen könne, in die Hand des furchtbar gereizten Weibes gegeben seien.
recht werden als natürliche göttliche Rechte vertheidigt. Als Grundlage des Eigenthums stellt die Encyklika die Arbeit auf und gelangt zum Schluffe, daß der Kollektivismus des Eigenthums gerade denjenigen schaden würde, um bereit Unterstützung es sich handle. Durch Bestreiten der natürlichen Rechte jedes Einzelnen werde die Thätigkeit der Gesellschaft und die öffentliche Ruhe gestört. Von Seite 15 bis 28 gibt die Encyklika eine Darlegung der Mitwirkung der Kirche an der Lösung der sozialen Frage. Auf den darauf folgenden dreizehn Seiten werden die Pflichten des Staates definirt und die allgemeinen Pflichten desselben gegenüber den Arbeitern, wie folgt, dargelegt: Der Staat habe darauf zu fehen, daß in den Werkstätten die Religion beobachtet werde, daß in denselben Reinheit der Sitten herrsche, und gegenseitige Gerechtigkeit obwalte. Der Staat habe darauf zu sehen, ob die Verwendung der Arbeiter beiderlei Geschlechts die Moralität beeinträchtige, ob die Arbeiter über ihre Kräfte angestrengt würden, und ob die Arbeit der Gesundheit schädlich oder dem Geschlecht und Alter des Arbeiters angepaßt sei. Hinsichtlich all dieser Punkte solle durch die Behörden und Gesetze innerhalb gewisser Grenzen vorgesorgt werden. Die Encyklika weist ferner auf die Nachtheile hin, die aus den Ausständen hervorgehen, und ruft die Intervention des Gesetzes an, damit die Ursache der Ausstände beseitigt und verhindert werde, daß dieselben sich ausbreiten und Konflikte zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern Hervorrufen. Im weiteren Verlaufe empfiehlt die Encyklika die Beobachtung der Sonntagsruhe. Die Lohnfrage anlangend, so ist der Papst dafür, daß die Differenzen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern durch gemischte Kollegien gelöst werden. Sodann empfiehlt die Encyklika den Arbeitern Sparsamkeit, deren große Vortheile für die Letzteren ausejnandergesetzt werden. Auf den Seiten 41 bis 51 behandelt die Encyklika die Frage der Arbeitervereine, Arbeiter - Versicherungen, Arbeitersyndikate u. s. w. und gelangt zu dem Schluffe, es müsse mit größter Beschleunigung vorgesorgt werden, damit nicht die soziale Frage zu einem unheilbaren Nebel werde. Die Regierungen sollen zu diesem Ende die Gesetze und die bestehenden Einrichtungen handhaben, die Reichen und Patronate sollen ihrer Pflichten eingedenk sein, und die Arbeiter sollen auf die Stimme der Vernunft hören. Da die Religion allein das Uebel gründlich zu heilen im Stande sei, sollen Alle, namentlich aber die Bischöfe und der Klerus, ihren wohl- thätigen Einfluß geltend machen und die Nächstenliebe als Grundlage aller Tugenden lehren und in größtem Umfange üben." (Die einzig authentische deutsche Ueber- setzung des Rundschreibens über die Arbeiterfrage liegt bereits in der soeben eintreffenden Nr. 112 der ,Germania' vor. Wir werden morgen mit dem Abdruck derselben in unserem Blatte beginnen. D. R.)
* Der Rückgang der Altkatholiken wird durch neuerlich bekannt gewordene Zahlen recht hübsch illu- strirt. Der altkatholische Volkskalender für 1891 gibt die Zahl der deutschen Altkatholiken auf 24,893 an, Schulte hat 1887 noch 53,640 gezählt, das wäre eine
Diese Ahnung ward zur Gewißheit, als Kilian im Traum ein Mann von leuchtender Gestalt und herrlicher Gewandung erschien und die Worte sprach: „Freund Kilian, stehe auf! Ich will nicht, daß du länger dich abmühest. Nur noch einen Kampf und du wirst zu mir als Sieger einziehen."
Nach diesem bedeutungsvollen Traumbilde sprang der Glaubensbote vom Lager auf und rief auch feine beiden Gefährten, um ihnen zu offenbaren, was er gesehen.
Sie warfen sich auf die Kniee und erhoben ihre Stimmen, um laut singend und betend Gott zu loben. Da ging die Pforte auf und als Kilian zwei wild aussehende Bewaffnete eindringen sah, rief er seinen Genossen zu: „Sehet, meine geistigen Söhne, schon ist der längst ersehnte Tag gekommen! Bestehet denn mit mir den Kampf ohne Beben und Zittern, eingedenk der Mahnung des Herrn: Fürchtet nicht jene, die wohl den Leib tobten, aber bie Seele nicht tobten können." Unb mit heldenhafter Ruhe boten die Wehrlosen ihre heiligen Häupter den Todesstreichen dar. Dieses geschah am 8. Juli des Jahres 689.
Die Mörder, denen ihre fluchwürdige That so leicht gemacht worden, verscharrten sogleich die Leichname, wie auch alle Bücher Gewänder und kirchlichen Gefäße der Ermordeten, um damit jede Spur zu ver-