Beilage zu Nr. 112 der „Fuldaer Zeitung".
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (Ä. Dillmann).
Sonntag, den 17. Mai 1891.
Frühlingsfinnen.
Frühlingsjubel! — Lauschen
Muß ich; horch! es rauschen Aus den gold'nen Harmonien Meiner Jugend Melodien, Klingen mir im Busen wieder Wehmuthsvoll die alten Lieder.
Quellensang! — Still!
Was das Herz nur will?
Haben sich aus fernen Tagen Herz und Quell wohl viel zu sagen. Was sie in so mancher Stunde Sich vertraut im Waldesgrunde.
Blüthenpracht! — Ihr süßen Blumen laßt euch grüßen! Euch ihr duftgebor'nen Triebe Holde Boten junger Liebe; Hott' für's Leben euch geworben, Doch was war, ist längst gestorben.
Waldesträumen! — Träumen Will ich unter Bäumen Still des Lebens Mai zurücke, Träumen nur, ist doch vom Glücke, All' dem Wahn und all' dem Lieben Nichts als nur ein Traum geblieben.
Frühlingsnacht! Ferne Ewig treue Sterne, Habt das Herz, bethört, betrogen, Auf zur schön'ren Welt gezogen. Wahr und treu blieb mir allein Himmelstrost und Sternenschein. Sch.
Ueber den Staub in Wohnräumen.
„Staub sollst du essen dein Leben lang."
Vor nicht gar langer Zeit las ich einen mir sehr sympathischen und einleuchtenden Zeitungsartikel über die nicht oft genug vorkommende und doch für Erhaltung der Gesundheit so unbedingt nothwendige Reinigung von Sälen, besonders von Schulsälen, und diese Lektüre bewegt mich besonders auch in Rücksicht auf das in letzter Zeit stets anwachsende Kapitel von Bacillen und ihrer lebensgefährlichen Thätigkeit auf gewisse menschliche Organismen heute ein weiteres Wort über Staubluft und ihre überaus schlimme Wirkung auf den Athmungsprozeß und die Lungenthätigkeit nach meinen selbstgemachten fünfunddreißigjährigen Erfahrungen niederzuschreiben.
Schon vor Jahrzehnten beschäftigten sich Aerzte mit einer Lungenkrankheit, die bei Arbeitern in Kohlengruben daher komme, daß diese Leute den da unten massenhaft aufgewühlten, stagniren- den Staub ein- aber nicht wieder ausathmen. Die Staubsplitter, beständigen trockenen Hustenreiz unterhaltend, nisten sich erst in der Schleimhaut ein, bohren sich dann, etwa wie Trichinen, ins Gewebe, um es schließlich ganz zu durchdringen und schwindsüchtig zu machen.
Weitere Verfolgung dieser Entstehungsursache führte rasch zur Entdeckung einer großen Reihe ähnlicher Lungenschäden z. B. bei Steinhauern, Porzellandrehern, Tabaksarbeitern, Gypsern rc. und zur Aufstellung der allgemeinen Krankheitsgattung der „Staublunge". In der That stellt es sich immer deutlicher heraus, daß nicht bloß jene besonderen Berufsarten, sondern mehr oder weniger fast alle hustenkranken Städter ihr Lungenleiden ganz oder theilweise der gewohnheitsmäßigen Einathmung von Staub verdanken. Für Müller, Tapezirer, Bettfedernhändler, Trödler rc. wird diese Annahme Jedermann einleuchten. Be
trachtet man aber einmal den Auswurf am Morgen nach einer Ballnacht und findet man ihn wie mit schwärzlichen Massen zusammengerieben, so hat man eine Vorstellung von den ersten Anfängen der Staublunge, dem Staubhusten und man wird auf diesen in all den Fällen von „trockenem" Husten Bedacht nehmen, welche in der Regel so leichthin auf die beliebte „Erkältung" geschoben wird.
Um nun den Gegenstand etwas gründlich zu behandeln, stellen wir fest, daß der Staub eine der Land- wie der Stadtluft gemeinschaftliche, in der letzteren jedoch erheblich gesteigerte Plage ist. In der freien Natur wird er vom Pflanzenreiche erzeugt in Form von Blüthen- und Samenstaub und von den Winden überall oft weit, weit hinweggetragen. Im Schnee der Alpen sogar hat man Pflanzenstaub gefunden, der aus dem fernen Afrika Herrühren mußte. Diese Plage steigert sich in dem Maße, als der Menschenverkehr und seine künstlichen Bahnen reibende, stoßende, überhaupt abnutzende Bewegungen unterhält, denn Staub entsteht überall, wo unorganische Körper in solche Art gegenseitiger Berührung gerathen. Man denke nur an einen über eine Chaussee rollenden Wagen. Doch auch die Schuhsohlen, die wir ablaufen, haben sich in Staub aufgelöst, und so ließe sich diese Abnutzung tausendfältig weiter verfolgen.
Außerdem trägt die Bewegung, rühre sie nun von Winden oder von Wagenrädern oder Fußtritten und bergt, her, durch Aufwirbelung der von Haus aus leichten Masse zur Vermehrung der Plage wesentlich bei Ein Mittel, sie schwer zu machen, also am Boden festzuhalten, bietet die Vermengung mit Wasser, die, wenn sie in der Form des Regens von der Natur geboten wird, die in der Luft schwebenden Massen darniederreißt und die Luft „auswäscht". Denn auch bei scheinbarer Windstille bleibt die Atmosphäre stets mehr oder weniger mit Staub verunreinigt. Das „Stechen" der Sonne kurz vor hereinbrechendem Gewitter rührt daher, daß Wasserdampf bereits den Staub mit sich nach unten gedrängt, die Luft klar und durchgängig für die Sonnenstrahlen gemacht hat. Nach alledem bedarf es wohl keines Hinweises auf die Nothwendigkeit einer regelmäßigen Straßen - Besprengung
In den Städten häuft sich die Staublage zunächst relativ in dem Maße, als sie wasserarm sind, denn stehende oder fließende Gewässer wirken durch ihre Ausdünstung von Wasserdampf staubmildernd. Sodann thut sie es absolut in dem Maße, als Industrie- und Fabrikwesen die Quellen des Abfalls steigern, obenan den des Kohlenstaubes sowohl der rohen als der verbrannten Kohle. _ Bei bloßem Regen fließt aus den Dachrinnen - Röhren eine tuschartige Masse ab und stehende Wasserflächen sieht man das ganze Jahr über von Ruß wie besäet. Wie ferner die Abfälle der speziell verarbeiteten Stoffe sich dazugesellen, lehren die Erfahrungen eines Engländers, welcher, den Staub aus Regen- waffer gewinnend, für jede der großen Fabrikstädte, wie Manchester, Leeds u. s. tu. ein spezifisches Präparat gewann, daß er aus diesem den Ort des Ursprungs hätte bestimmen können.
Die praktisch wichtigste Frage, wie wir uns dieser Plage zu erwehren hätten, läßt sich leider mit direkten Vorschlägen nicht beantworten; vielyrehr müssen wir uns unter den Bann des oben angegebenen alttestamentarischen Fluches beugen. Im Uebrigen erinnern wir daran, daß die gütigst vorsorgende Mutter Natur uns mit einem dicht vor dem Eingang der Luftwege angebrachten Filtrirungs-Apparat, mit einer Nase, versehen hat. Mit diesem natürlichen Respirator kommen wir auch trefflich aus, wenn wir ihn nur richtig gebrauchen und dabei ein zweites nicht vernachlässigen wollen, nämlich regelmäßige und volle Ventilation der Lungen, besonders der Spitzen, welche die dennoch eingedrungenen Staubtheilchen sogleich wieder herausfegt. Erst wenn diese unterlassen wird/ finden letztere Zeit, sich einzunisten, daher zur Entstehung der Staublunge außer der Staubeinathmung noch Vernachlässigung des Schulterathmens beiträgt. Die rüstigen
Tänzer unten im Saale ertragen die Schädlichkeiten, die sie einsaugen, vortrefflich, weil sie starke Bewegung übend die Massen sogleich wieder hinausathmen oder ausräuspern, der Musikus athmet sich in demselben Dunstkreise schwindsüchtig, weil er still darin aushalten muß. Die Beduinen in der Sahara reiten tagelang durch den Staubregen, ohne Schaden zu nehmen, nur daß sie sich durch ein vorgebundenes Tuch schützen, und in ähnlicher Weise sollte unter ähnlichen Umständen auch bei uns der natürliche durch einen künstlichen Respirator geregelt werden.
Das bisher unter dem Namen Respirator geläufige Mu nd- Bandage-Jnstrument rühmt sich, die Luft erwärmt ein- zuführen, eine Absicht, die von vornherein verfehlt zu sein scheint, was wohl dadurch erklärlich ist, daß es von einem Nichtarzte, einem Bandagisten, eingeführt wurde. Seitdem sich die Wissenschaft dieser Frage angenommen, hat man erkannt, daß es nur darauf abgesehen sein kann, die Luft rein, d. h. von Staub befreit oder, chemisch gesprochen, filtrirt einzulassen, und daß dies überall da angezeigt ist, wo man dauernd mit größeren Staubmassen in Verbindung bleiben muß, als sie unser natürliches Staubwehr, die Nase, vom Eindringen abzuhalten vermag. Im Prinzip ist also der Respirator ein Staubfiltrum und wieder die Engländer haben es verstanden, solche herzustellen, mit denen z. B. die Feuerwehr viertelstundenlang im ärgsten Rauch und Staub aushält. Schon früher brauchten diese Leute den Kunstgriff, sich vor Mund und Nase einen angefeuchteten Schwamm zu binden; der englische Naturforscher Tyndall aber hat als bestes Staubfiltrum Watte, mit Glyzerin getränkt, bezeichnet. Wer nur vorübergehend von ärgerem Staube belästigt wird, mag sich mit Vorhalten des Taschentuches begnügen, wer aber gewohnheitsmäßig in einem staubgefüllten Dunstkreise verharrt, sollte nicht unterlassen, sich mit einem solchen Staubfiltrum zu schützen. Bor allem kann man als Radikal-Schutzmittel nicht genug eine allgemeine Reinlichkeit in allen Räumen empfehlen, welche immer der Fuß eines Menschen betreten mag.
An erster Stelle müssen dabei jene Räume ins Auge gefaßt werden, wo täglich viel Menschen verkehren und theils Staubmassen ansammeln, theils dieselben in Bewegung setzen. Wenn es daher schon sehr nachtheilig ist, bei anhaltender Trockenheit Straßen und öffentliche Plätze zu fegen, ohne sie vorher besprengt zu haben, wie man das bei mangelnder Aufsicht an nachlässigen und faulen Dienstboten wohl einmal wahrnimmt, geschweige von der sogen, amerikanischen Maschinenfegerei, die meist nur den Staub einmal einen sehr unnöthigen Lustspaziergang antreten läßt, von dem scheinbar ermüdet er sich allmählich wieder an der vorigen Stelle niederläßt —, so ist es entschieden zu tadeln, wenn größere Wohnräume, besonders Schulsäle erstens einmal selten und zweitens trocken gefegt werden. Gerade in der Zeit der Entwickelung des jugendlichen Körpers ist dabei die größte Vorsicht und eine streng gebotene, systematisch geleitete Reinigung noth- wendig. Schulkinder dazu zu gebrauchen ist auch schon bedenklich in pädagogischer Hinsicht. Die Ferienzeit bloß dazu ins Auge zu fassen, ist ebenfalls unstatthaft. Eine gründliche Reinigung mit nassen Tüchern sollte an jedem Samstage vorgenommen werden, alle Tage aber die Entfernung des Staubes.
Schließlich sei hiermit ernstlich den Männern ins Gewissen geredet, daß sie nun auch nicht die geringste böse Miene machen, wenn der Schrubber oder Scheuerlappen alle Tage von oben bis unten nach holländischer Weise und in niederländischer Reinlichkeitsmethode durch Wohnräume über Gänge und Treppen fährt. So ein Verfahren hält vielfach den Arzt und die Arznei aus dem Hause. Eine fürsorgende Hausfrau indessen, keine pensionsgebildete Nippdame, wird dabei rücksichtsvoll möglichst immer die Zeit nehmen, wann ihr gestrenger Herr und Gebieter nicht daheim ist oder nicht zu sehr belästigt werden kann.
(Kobl. Vztg.)
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20 Pf. extra) beizufügen.
5000 - a » 5 - 25 000 -
ir bescheinigen hiermit, daß der neue Kirchenbau zu IrH Eckenheim bei Frankfurt a. M. bei der großen kathol.
Gemeinde daselbst und den vielen in den hazu gehörigen Diaspora-Gemeinden zerstreut lebenden Katholiken die
dringendste Nothwendigkeit
ist, die Mittel dazu aber nur durch fremde Wohlthätigkeit beschafft werdcn konnm.
(L s.) Bischöfl. General-Vikariat.
(gez.) Kalb.
Bezugnehmend auf Obiges bittet nochmals inständigst um eine Gabe zum nothwendigen Bau unserer Herz-Jesu-Kirche 959 Ehr. Knips, Missionspriester.
- Korairoi empfiehlt Ww. Wohl geraut h, 844] Bahnhofstraße.
H. Kramer, Fulda,