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(Sonntag, den 17. Mai 1891.
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ich- seien wir auch demüthjg, denn dir Gnade ist groß und
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erneuern, nach demWuuer ües.HLdenlMLs oen^ruy ling christlichen Denkens und Strebens yervorznrnfen.
Was in der Natur an Blüthe und Frucht uns zu Theil wirb, dafür haben wir der belebenden Kraft der Sonne zu danken, die Gott vom Himmel strahlen läßt. Aber der Spender alles Guten will feine materiellen Gaben nicht dem Müßiggänge in den Schooß werfen, sondern fordert die Mitarbeit des Menschen. Durch Fleiß und Schweiß muß der irdische Segen errungen werden. Und ebenso gebietet sich die eifrige und nachhaltige Anstrengung aller guten Kräfte, die in uns schlummern, um des übernatürlichen Segens theil- haftig zu werden, den der Geist des Herrn über die Welt ausgießt. Der thatkräftige Wille zum Guten macht uns zu Trägern und zu Helfern des göttlichen Geistes, und die Kirche gibt der menschlichen Mitarbeit am göttlichen Werke die rechte Ordnung und Weihe.
Den Geburtstag der Kirche feiern wir am Pfingstfeste — der ringenden, streitenden Kirche. Der
unser Verdienst ist nichts. Wie müßte das Reich Gottes auf Erden schon groß und stark dastehen, wenn die Menschen, an die er den Ruf zur Mitarbeit erließ, sich dieser Auszeichnung auch nur in mäßigem Umfang würdig erwiesen hätten!
Wohlan! Wer noch lebt, kann noch streben. Der Frühling weckt alle natürlichen Kräfte; es soll auch ein sittlicher Frühling in unserer Brust aufgehen, der frische Thatkraft weckt zu allem Guten. Der Mai sei auch für die Seele ein Wonne- und Blüthenmonat. Das Himmelfahrtssest hebt die Herzen empor und zeigt uns den ewigen Lohn des irdischen Ringens. Das Frobnleichnamsfest zeigt uns die stärkende Speise auf der Pilgerfahrt. Das Pfingstfest ruft uns auf, dem Geiste des Heiles das Herz zu öffnen und mit- zuwirken, jeder nach dem Maß seiner Kräfte, als lebendige Glieder der Kirche zu dem Triumph des hl. Geistes auf Erden. Es wird Frühling auch im irdischen Weinberge des Herrn, und wenn die Arbeiter, die er rief, pflichttreu und fleißig ihre Hände regen, dann gibt es einen Herbst voll reichem Segen und großem Glück.
All' dies trug sich vor langer Zeit zu. aber die Bewohner von Billingsfield erzählen sich doch noch heute die Geschichte von dem Landstreicher, welcher Squire Juxon angegriffen und von dessen Bluthund niedergerisfen wurde. Wenn Mr. Gall gut aufgeräumt ist, dann gibt er wohl auch zu verstehen, daß er recht gut wisse, wer der Landstreicher gewesen fei, aber seine angeborene Diskretion verbietet ihm zu reden.. Man darf indessen annehmen, daß feine Schweigsamkeit über diesen Punkt im engen Zusammenhänge mit den Interessen seiner Konftablercarriere steht.
Obwohl die Episode, welche sich in dem stillen Pfarrdorfe zugetragen hatte, nur eine vorübergehende gewesen war, so hatte sie doch den nachhaltigsten Eindruck auf alle dabei Betheiligten gemacht. Jeder war in seiner Weise erschüttert und brauchte lange, ehe er die schrecklichen Erinnerungen überwand, welche sich an Gvddard's Ende knüpfte. Doch die Zeit thut Wunder, und nach Verlauf von nicht allzu vielen Monaten erinnerte man ^ich des Vorgefallenen nur mit dem Gefühle der Er.. uerung. Mary Goddard war allerdings nach dem «iooe ihres Gatten schwer erkrankt, und hätte ihr Mrs. Ambrose nicht als treue Pflegerin zur Seite gestanden, so wäre die Gefahr, daß sie ihm in das Jenseits folgen werde, eine beinahe sichere gewesen. Aber die Freundin verließ sie nicht, bis sie wieder vollkommen hergestellt war. Nach und nach
Geist des Herrn ist nicht in die Welt gekommen, um durch ein Wunder der Allmacht die Erde zum Himmel umzugestalten, sondern um der Menschheit den Weg zum Himmel zu zeigen. Er will uns Lehrer, Tröster,
denn die Antiphon des Feste» sagt uns, daß der Herr seinen Geist aussendet, um das Antlitz der Erde zu
Nb' Die nächste N- . d. Bl. gelangt am Dienstag zur Ausgabe.
Wnylien.
Der diesjährige Mai ist in ganz hervorragendem Maße ein Festmonat. Der Mai und der Juni streiten sich mit wechselndem Glücke um die drei hohen Feste: der Himmelfahrt, der Sendung des hl. Geistes und des Frohnleichnams. In der Regel fällt das Himmelfahrtssest dem Mai, das Frohnleichnamsfest dem Juni zu, während das Pfingstfest sich nahe an der Monatsgrenze zu bewegen und nicht viel seltener in den Juni, als in den Mai zu fallen pflegt. So fielen z. B. im vorigen Jahre Himmelfahrt und Pfingsten in den Mai und Frohnleichnam in den Juni, im Jahre 1889 aber bloß Himmelfahrt in den Mai und die beiden anderen Feste in den Juni. Das Jahr 1886 mit seinem spätesten Ostertermin schob alle drei Feste in den Juni. Da nun dieses Jahr Ostern schon im März gefeiert wurde, so gerathen wir in das entgegengesetzte Extrem, zur Vereinigung aller drei Feste im wunderschönen Marienmonat. Das nächste Jahr wird wieder in dieser Hinsicht dem Jahre 1889 gleichen.
Also frühe Pfingsten und doch — allem Anscheine nach — schöne Pfingsten stehen vor der Thür. Sieben mal sieben Tage sind jetzt verstrichen, seit wir den Osterspaziergang über kalte und kahle Fluren machten. Welche Fortschritte hat die Natur in dieser kurzen Frist gemacht! In Feld und Wald ist das Antlitz der Erde erneuert worden. Ein Symbol des PfingstgeheimnisfeS:
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von S chö nburg.
(Schluß.)
Ja, die Tragödie war zu Ende. Der Sträfling war der Hand des Gesetzes in dem Augenblicke entkommen, als sich dieselbe schon zu seiner Ergreifung ausgestreckt hatte. Man begrub den Tobten, unb ein einfaches Steinkreuz bezeichnete bas namenlose Grab. Man sieht es noch im Schatten ber alten Abtei, auf dem Kirchhofe ber Gemeinbe Billingsfield in Essex.
Ksingstnacht.
Kaum rauscht ein Bach in dieser Mondnacht nieder, Kaum klingt ein Glockenton aus fernem Grunde, Kaum geht ein Engel zu so später Stande, Nur Nachtigallenschlag tönt hin und wieder.
O, das ist Psingstnacht, blau, voll Rosensegen, Wo junge Herzen voller Sehnsucht wachen, Wo man mag einsam fahren in dem Nachen ®em lang verlor'nen Paradies entgegen.
O, das ist Psingstnacht, wo in süßen Träumen Der schmerz sich löst, zum Lächeln wird die Thräne, Wo heiß man fragt, um was die Seele sehne!
Ich lausche: ist's der Nachtwind in den Bäumen, Sind's Engelschaaren, siud's verscholl'ne Lieder, Ist's Nachtigallenrufen hin und wieder?
N. e
Helfer, Führer sein; aber wir sollen nicht getragen werden, sondern wir müssen gehen, suchen, streben nach bestem Vermögen. Die Anschauung, von der die sog. Reformation ausging, daß der Mensch ein willenloses Werkzeug der Gnade oder Ungnade von Oben sei, steht auch im Protestantismus nicht mehr im Ansehen. Aber ^och ist man auf protestantischer Seite niemals wieder so klar und erfolgreich zur Erkeuntniß der selbstthätigen und selbst verantwortlichen Mitwirkung des Menschen mit der Kraft Gottes gelangt, wie sie im Katholizismus gelehrt und auch । geübt wird. Die Gegner haben das Scheltwort von der „öden Werkgerechtigkeit" erfunden; sie sollten sagen: fruchtbare Werkfreudigkeit. Denn darauf beruhen die unbestreitbaren Erfolge des Katholizismus auch in vorwiegend protestantischen Ländern, daß alle Glieder der Kirche das Bewußtsein haben, es genüge nicht, „Herr! Herr!" zu sagen oder gar bloß zu denken, sondern jeder Arm müsse sich regen, um den Willen des Vaters zu erfüllen und das Gute zu thun, soweit es menschlichen Kräften möglich ist.
„Praktisches Christenthum" lautet die Parole der sozialreformatorischen Zeitbewegung. Das ist eine katholische Parole und die Thatsachen zeigen ja auch, daß die guten Kräfte auf diesem Gebiete im Katholizismus wurzeln. Das Heil der Z/it liegt in der Rückkehr zum hl Geiste, zum Geiste der Gottesfurcht und Liebe, derWeisheit und der Gerechtigkeit. Und der Wunderbau der katholischen Kirche ist der Hort, von wo der Welt immer aus's Neue die Kraft und das Licht des rechten Geistes zuströmt, wenn sie in ihrer Noth ne ch Hilfe ruft.
Seien wir stolz am Tage der Pfingsten als Glieder der wahren Kirche, die ihren Stammbaum zurückführt bis auf die Predigt unter dm feurigen Zungen. Aber
Deutsches Keich.
Berlin, 15. Mai.
* Die Parlamente sind verödet und in der Politik wird's allmählich stiller. Mit den Pfingstseiertagrn treten wir in die Sommersaison ein, wenn auch noch nicht in die sogenannte saiaon morte. Eine solche hat es in den letzten Jahren überhaupt nicht gegeben, eS passirte immer etwas und die Zeitungen hatten Mühe, in der Würdigung der laufenden Ereignisse mitzukommen. Bon einer bchaglichm Rückschau auf Vergangenes mußte abgesehen werden und die Seeschlange wurde schon gar nicht mehr aus ihrer Grabesruhe, in welcher sie sich nunmehr seit länger als einem Dezennium befindet, gestört. Bei dieser Sachlage kann ein Ruhepunkt, wie ihn die Feiertage gewähren, nur erwünscht sein.
* Als Nachfolger des Ministers von Maybach kommt bis jetzt, schreibt die Nationalztg., nur der Präsident der Eisenbahndirektion in Hannover, T hie- len, in Betracht.
* Der Bundesrath genehmigte gestern die Zuckersteuernovelle und den Nachtragsetat in der vom Reichstage beschlossenen Fassung. Nach dem Anträge des Reichskanzlers wurde den Mitgliedern deutscher Seglervereine die Führung von Segellustfahrzeugen von weniger als 200 Kubikmeter Brutto Raumgehalt innerhalb der räumlichen Grenzen der Küstenfahrt ohne Be- fähigungszeugniß gestattet. .
* Der Kolonialrath tritt Anfang Ium zusammen. Demselben werden u. A. als Mitglieder angehören: Der Fürst Hohenlohe-Langenburg als erster Vorsitzender des Kolonialvereins, Banquier C. von der Heydt- Elberfeld, Geheimer Kommerzienrath E. Langen-Köln, der Direktor der Ostafrikanischen Gesellschaft Assessor Lucas, die Herren Woermann, Thormaehlen und HernS- heim aus Hamburg, der frühere Direktor der Witu- Gesellschaft, Vizekonsul Weber-Genthin, der frühere Direktor der ostafrikanischm Gesellschaft Konsul Vohsen, ferner Professor Dr. Schweinfurth, Graf Joachim Pfeil, der bekannte Reisende, Geheimer Oberpostrath Kraetke, gewesener Landeshauptmann von Neu-Guinea, und speziell für die Missionsangeleaenheiten der frühere Staatssekretär Dr. Jacobi und Kanonikus Hespers in Köln. m
* Zu ständigen Mitgliedern des Retchs-Bcrfiche- rungsamts wurden ernannt die Regierungsräthe Rudolf Stolzmann, Walter Spielhagen, Wolfgang Greif, Heino von Bischofshausen, der Staatsanwalt Paul Duzend, der Regierungsassessor Dr. Max Gerstel, der Landrichter Ferdinand Friedensburg und der Großherzoglich sächsische Regierungsrath Franz Oheim.
* Nachdem die deutsch - österreichische» Handelsvertragsverhandlungen zu einem Abschluß geführt, schweben gegenwärtig Verhandlungen mit der Schweiz. Mit Rumänien sind zur Zeit Verhandlungen noch nicht möglich, da Rumänien erst für einige Zeit mit einem autonomen Zolltarif experimentiren will. Von Handelsvertragsverhandlungen zwischen Deutschland und Rußland war in der letzten Zeit mehrfach die Rede; eine heilten auch die Wunden, an welchen Mary Gvddard's Herz geblutet hatte, und mit den schwindenden Sorgen entfaltete sich auch ihr Wesen zu neuer, frischer Jugend-
kam es, daß Charles Juxon sie zwei Jahre später abermals fragte, ob sie sein Weib werden wolle. Sie zögerte lange mit der Antwort, — dem Squire dünkte es mindestens eine halbe Stunde — dann streckte sie ihre schmale Hand ans und legte sie mit innigem Danke gegen Gott, der ihr einen so treuen Beschützer geschenkt, in seine Rechte. Charles James Juxon glättete mit der anderen Hand ihr Haar, und seine blauen Augen wurden etwas feuchr.
„(Sott segne Sie, Mary!" sprach er. Das war Alles.
Der ehrwürdige Augustin Ambrose traute das Paar kurz nach Weihnachten in der St. Mary-Kirche. Die Hochzeitsgesellschaft bestand aus Mrs. Ambrose, Elenor Goddard und John Short, Dr. phil.
Und wieder vergingen Jahre. Nellie wuchs immer mehr zur Schönheit und John zu einem Koryphäen in den wissenschaftlichen Kreisen heran. Nellie hatte Brüder und Schwestern, wie sie eS sich gewünscht hatte, und deren Vater war für sie wie ein eigener. So lebten die Bewohner des Schlosses zu Billingsfield in ungestörtem Einvernehmen mit Allen, welche ihrem Kreise näher traten. John wer ein häufiger und gern ze-