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18. Iahrqang

Dienstag, den 12. Mai 1891

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FuldacrWZeitung

nun? Frankreich sucht sich gleich Amerika und Rußland immer mehr abzusperren, und wenn auch die extrem - schutzzöllnerische Richtung jenseits der Vogesen wesentlich eingeschränkt worden ist, so ist doch noch immer mit der Thatsache zu rechnen, daß Frankreich einen Maximal- und Minimal-Tarif plane. Der elftere soll gegen solche Länder angewendet werden, welche sich für die französische Ausfuhr besonders ungünstig stellen, während der Minimal-Tarif denjenigen Nationen gegen­über zur Anwendung kommen foll, welche die franzö- sifche Einfuhr begünstigen. Dazu kommt die immer größere Absperrung Amerikas gegen Europa. Die Be­mühungen der nordamerikanischen Union, beit mittet« und südamerikanischen Markt Europa nach und nach abzujagen, sind in keiner Weise zu unterschätzen.

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(39. Fortsetzung.)

Der Squire schickte einen Stoßseufzer zum Himmel, daß sie Recht behatten möge. Dann verließ er das Zimmer. Er sah ein, daß Niemand in dieser Stunde ein größeres Recht habe, an seinem Bette zu Wachen, als sie. Wenn er doch stürbe! Welch' qualvollen Momenten ging man doch entgegen, wenn es zu einer Rückbringung ins Gefängniß kommen sollte.

Sein Pflichtgefühl sagte ihm, daß es jetzt an der Zeit sei, sich um seine Gäste zu bekümmern und Vor­sorge zu treffen, damit eine etwaige Begegnung mit Mr. Bonley vermieden würde. Zuerst wollte er John sprechen, den er noch erschöpft von der Nachtwache auf seinem Zimmer vermuthete.

Mr. Bonley saß unterdessen noch immer in dem Zimmer, in welchem ihn der Squire vor einer Stunde verlassen hatte. Die uneröffnet auf dem Tische Vor­gefundene Morgenzeitung war ihm ein willkommener Zeitvertreib gewefen. Er hatte sich mit ihr in dem bequemen Sessel am Kamine niedergelassen und schien sehr in seine Lektüre vertieft, als der Squire emttat.

Wie geht es dem Patienten?- fragte er. „Glauben

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* Der Evangelische Bund hat sich auf der Weißen' felfer Berfammlung des sächsischen Provinzial-BereinS ausnahmsweise mit einer protestantischen Angelegenheit befaßt. Nach dem Bericht der Magdeb. Ztg/ „bildete den Höhepunkt des Tages unstreitig die einmüthig an­genommene Resolution betreffs Uebertritts deut­scher Fürstentöchter zur griechisch-katholischen Kirche." Zweigverein Dommitzsch hat durch Oberpfarrer Martins die Annahme dieser Resolution empsohlen. Sie lautet:

Die Hauptversammlung des Evostigelischen Bundes in der Provinz Sachsen gibt dem tiefen Schmerze Ausdruck, mit welchem das deutsche evangelische Volk die Nachricht empfangen hat, daß deutsche evangelische Fürstentöchter zur griechisch-katholischen Kirche übergetreten sind oder übertreten wollen. Niemals weniger, als zu einer Zeit, da jene Kirche innerhalb ihres Machtbereichs das evangelische Bekenntniß gewaltthätig verfolgt, dürfte man der­gleichen von Gliedern deutscher evangelischer Fürstenhäuser er­warten, zu deren besten Erinnerungen ihr Antheil an der Re­formation gehört. Die Hauptversammlung spricht die Hoffnung aus, daß in Zukunft alle Glieder unserer deutschen evangelischen Fürstenhäuser im Baterlande wie in der Fremde am evangelischen Glauben festhalten und durch ihr Vorbild unser evangelisches Volk in unerschütterlicher Glaubenstreue stärken werden.

* Der Reichstag hielt heute seine letzte Sitzung vor der großen Vertagung ab. Die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abg. Kunert (Soz.) wurde, wie üblich, versagt. In 3. Berathung wurden angenommen: der Nachtragsetat, die Novelle zum In« validitäts- und Altersversicherungsgesetz, die General­akte der Brüsseler Antiskaverei-Konferenz und die Novelle zum Branntweinsteuergesetz. Endlich fand in der Gesammtabstimmung die Zuckersteuernovelle mit 159 gegen 126 Stimmen Annahme. Beim Nachtrags­etat entspann sich eine längere Debatte über die Aus­schmückung der Borhalle des neuen Reichstagsgebäudes. Einem Anttage auf Verwendung echten Materials (die Baukommission hatte sich für Stuck entschieden) widersprachen Staatssekretair v. Bötticher, sowie Mit­glieder aller Parteien namentlich, weil die Ausführung in echtem Material, abgesehen von der Kostenfrage, die Fertigstellung des neuen Gebäudes verzögern würde. Präsident v. Levetzow erklärte den Vorsitz in der Reichstagsbaukommission niederlegen zu wollen, wenn der Antrag auf Verwendung echten Materials ange­nommen würde, weil diefer ein Mißbilligungsvotum gegen die Reichstagsbaukommission enthalten würde. Der Antrag wurde abgelehut. Bei der Branntwein­steuernovelle wurde die in der 2. Berathung aufge­nommene Bestimmung gestrichen, wonach der sog. Haustrunk aus nichtmehligen Stoffen bis zu 20 Litern reinen Alkohols jährlich nur mit 25 Pf. pro Liter besteuert werden sollte. Staatssekretair v. Maltzahn hatte erklärt, daß an der Aufrechterhaltung dieser Be­stimmung das ganze Gesetz scheitern würde. Nach Erledigung der Tagesordnung verlas Staatssekretair v. Bötticher eine Kaiser!. Kabinetsordre d. d. K arlsruhe, den 8. Mai, durch welche der Reichstag vom 9. Mai bis zum 10. Novem­ber d. I. vertagt wird. Nachdem Dr. Reichens­perger als ältestes Mitglied des Hauses dem Präsi« deuten v. Levetzow für seine gerechte, unparteiische und Detektive trocken zurück. „Allein wenn Sie so besorgt für den Mann sind, dann führen Sie mich einmal zu ihm Ich besitze ausreichende Erfahrung genug, um Ihnen gleich sagen zu können, ob er unterwegs sterben wird oder nicht."

,Sie sollen ihn sehen, sobald der Doktor kommt," erwiderte der Squire, welchen die schonungslose Härte des Mannes empörte.

„Wenn er aber wirklich bewußtlos ist, so kann es unmöglich schaden, wenn ich vorher hineingehe," warf der Detekttve ein.

„Er könnte während Ihrer Anwesenheit einen lichten Moment habm und dann wäre die Angst vor ihrer Gegenwart schon allein im Stande, ihn zu tobten."

„Auf die Weife wäre die Frage wegen des Trans­portes ja am schnellsten entschieden," erklärte Bonley. Dabei legte er die Zeitung und die Brille aus der Hand und stand auf. „Es fcheint offenbar ein besonderer Grund vorzuliegen, Mr. Juxon, warum Sie mich von dem Besuche des Kranken abhalten wollen. Ich will denselben auch nicht erzwingen, aber ich gebe Ihnen zu bedenken, Mr. Juxon, daß meine Amtsgewalt mir doch ein Recht dazu gibt."

Die Geduld des Squires vermochte kaum den innerit Aerger zu überwinden, aber er war klug genug,

* Der deutsch-österreichische Handelsvertrag ist festgestellt. Er ist ein Ausbau des Bündnißver- trages vom Oktober 1879, soll dem zwölfjährigen wirth- schaftlichen Krieg zwischen beiden Reichen ein Ende machen und der politischen Rückendeckung beider Reiche die wirthschaftliche hinzufügen. Die Bestimmungen des neuen Vertrages sollen geheim bleiben, bis die Verhandlungen mit Italien, der Schweiz und den Ländern an der unteren Donau beendet sind. Sollen sich doch an die Zolleinigung Deutschlands und Oesterreich-Ungarns die Schweiz, dann Italien und die kleineren Staaten anschließen. Vor­läufig erfährt mau nur, daß der neue Vertrag am 15. Februar 1892 in Kraft treten soll und für eine zwölfjährige Dauer vereinbart ist. Die Wahl des 15. Februar nächsten Jahres erklärt sich daraus, daß die Meistbegünstigungs-Verträge an diesem Tage ab­laufen, und daß die Zwischenzeit auch für die Durch­führung des gemeinsam festgestellten Actionsprogramms hinsichtlich der Verhandlungen mit andern Staaten, insbesondere der Schweiz und Italien, nothwendig ist. Weiter erfährt man noch, daß das Uebereinkommen außer dem eigentlichen Tarifverttag eine vollständige Seuchen-Konvention und außerdem Bestimmungen ent« hält, welche im Verkehr auf den Eisenbahnen beider Reiche eine gleiche Behandlung in der Ein-, Aus- und Durchfuhr verbürgen. Außerdem darf angenommen werden, daß die Zölle für Getreide, Thiere, thierische Produkte und Holz einerseits und für zahlreiche In« dustrieartikel anderseits — man spricht von etwa 300 Artikeln — herabgesetzt und gebunden worden sind. Es ist leicht möglich, daß uns das Jahr 1892, welches man das handelspolittsche Kometenjahr genannt hat, weil in demselben die meisten der gegenwärtig in Europa und außerhalb Europas geltenden Handelsverträge ablaufen, die Rückkehr zum System der Handels­verträge bringt. Unverkennbar ist die deutsch- österreichische Abmachung überaus schwierig gewesen, weil es sich dabei um Aussöhnung gegenüberstehender Interessen handelt. Oesterreich - Ungarn hat ein In­teresse an der Herabsetzung der deutschen Getreidezölle, Deutschland hat ein Interesse an der Herabsetzung der österreichischen Industrie-Zölle. Und diese Schwierig­keiten werden noch dadurch erhöht, daß innerhalb der beiden vertragschließenden Reiche sich wiederum entgegen­gesetzte Strömungen vorfinden, welche gegen einander abzuwägen außerordentlich schwer ist. Die Wirkung auf unsere wirthschaftlichen Beziehungen zu Rußland, das uns hauptsächlich mit Roggen versorgt, mag dabei vor­läufig unerörtert bleiben. Es ist dies auch ein schwie­riges Kapitel, namentliich für unsere Mühlen-Jndustrie und den Getreidehandel der Ostseestädte. Es erscheint aber als eine unbestreitbare Nothwendigkeit, daß unsere Industrie sich wieder mehr dem Export widmen muß. Die großen Kriegsrüstungen der letzten Zeit in Folge der durch die neue Waffentechnik hervorgerufenen Ver­änderungen im Armee-Bedarf und die Erledigung großer Staatsaufträge, namentlich auf dem Gebiete des Eisen­bahnwesens, haben unserer Industrie reiche Beschäftigung

Deutsches Keich.

Berlin, 9. Mai.

* Das glänzende Urtheil des ReichskommissarS von Wißmann über die Wirksamkeit der katholischen Missionäre in Afrika ist noch in Aller Erinnerung. Die Gehässigkeit, mit welcher dieses ebenso gerechte, als glänzende Zeugniß des Herrn Reichskommissars von gewisser Seite ausgenommen wurde, hat den kühnen Führer der deutschen Emin-Pascha-Expedition, Herrn Dr. Karl Peters (wie Wißmann ebenfalls Prote­stant), nicht abzuhalten vermocht, auch seinerseits die hervorragenden Leistungen der katholischen Missionen im dunklen Erdtheile warm und rückhaltlos anzuer­kennen. In seinem kürzlich erschienenen hochinteressanten Buche „Die deutsche Emin-Pascha-Expedition" kommt er wiederholt auf die katholischen Missionen zu sprechen. Wörtlich cittren wir:

„Ich habe die Schöpfungen dieser katholischen Missionen um den ganzen See herum, in Uganda, auf den Sasseinseln und in Usukuma kennen gelernt, und ich muß meine aufrichtige Be­wunderung über die Leistungen dieser Männer aussprechen. Gerade weil sie das Gelübde der Armuth, des Gehorsams und der Keuschheit ablegen, weil sie weder eigenen Besitz ansammeln können, noch jemals dauernd in die Heimath zurückkehren, haben sie ein doppeltes Interesse, ihre Stationen möglichst bequem ein­zurichten, und da sie von Europa aus wenig Unterstützung finden, sind sie gezwungen, die natürlichen Hilssquellcn des Landes nach Kräften zu entwickeln. Da die protestantischen Missionare am Viktoriasee dort eigentlich immer nur vorüber­gehend arbeiten gegen Bezahlung, da sie das Verlangen haben, früher oder später nach England zurückzukehren, um dann auch ein kleines Vermögen in London vorzufinden, stecken sie weniger in die Missionsanlage hinein, sie verwachsen nicht so mit dem Lande und können dem Lande in Folge dessen auch weniger nützen. Was ich von englischen (Misstons.)Anlagen gesehen habe, steht hinter den französischen auch in jeder Beziehung zurück. Die katholischen Missionare entwickeln, wie ihnen das ihre Ordensregel vorschreibt, in Heranziehung ihrer schwarzen Zög­linge zur Arbeit die möglichste Sorgfalt. So bildet sich durch die katholische Mission eine Niederlassung von fleißigen und ge­schickten Arbeitern, und auf diese Weise wirkt dieselbe segensreich für die weitere Umgebung auf das ganze Land."

So ber gut protestantische Afrikaforscher Dr. Karl Peters über katholische Missionen. Wie schwer werben diesem weitblickenben unb gerechten Manne bie Herren Thümmel unb Stöcker ein so aufrichtiges unb schönes Urtheil über katholische Ordensmänner verzeihen!

Sie, baß man ihn heute Nachmittag tranSportiren kann?"

„Heute Nachmittag?" wieberholte ber Squire er­staunt. „Aber ber Mensch ist schwer krank. Es wirb Wochen in Anspruch nehmen, bis er so weit ist."

„So lange kann ich unmöglich warten. Spätestens morgen muß er mit."

„Aber, ich bitte Sie, das ist gerabezu unmöglich, warf ber Squire ein. „Der Doktor kann ein Attest ausstellen."

„In folchen Fällen sind wir felbst ber Doktor,' entgegnete Mr. Bonley mit großer Bestimmtheit. „Jebenfalls kann er einstweilen bis zum Bezirksge- fängniß gebracht werben."

„Aber ich gebe Ihnen mein Wort bar auf, es würbe Mord sein, überhaupt an einen Transport zu denken. Der Mensch ist im höchsten Stadium einer Gehirnentzünbung unb dazu eine Fahrt auf. unseren holperigen Wegen! Das ist geradezu unmöglich.

Mr. Bonley's Mund verzog sich zum ersten Male zu einem freundlichen Lächeln.

„Ich bitte Sie, nicht zu vergeßen, Mr. Juxon, baß "meine Zeit sehr kostbar ist," bemerkte er.

„Daran zweifle ich auch gar nicht, Mr. Bonley, aber das Leben des Mannes ist auch sehr kostbar."

„Nun — das möchte ich nicht behaupten," gab ber