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Beilage zu Nr. 106 der „Fuldaer Zeitung".

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

* Gme Tortur in Kutgarien.

Der bulgarische Premierminister ist ein rücksichts­loser Mann, und seine Härte ist gegenüber der gewissen­losen russischen Agitation gegen Bulgarien leicht zu erklären uud vielleicht bisweilen auch zu entschuldigen, aber er sollte darauf Acht geben, daß die Energie nicht in Ungerechtigkeit und Brutalität ausartet. Unter den vielen, nach der Ermordung des Finanzministers Belt­schew verhafteten Personen — so erzählt der Wiener ,Times'- Korrespondent — befand sich auch ein ser­bischer Zimmermann, welcher neun Tage lang in einer feuchten, unterirdischen, von Fröschen bewohnten Zelle zubringen mußte, ehe er vor die Un­tersuchungs-Kommission geführt wurde. Da er von der Mordthat nichts zu wissen erklärte, wurde ihm gesagt, daß man ihn zum Sprechen bringen werde. Der Mann wurde in einem eigens für solche Zwecke bestimmten Raume einer Tortur unterworfen; man entkleidete ihn bis zu den Hüften, zog ihn in die Höhe, band ihm Füße und Hände an einen Balken und dann schlug ein Gensdarm mit einem Stocke eine halbe Stunde lang auf ihn los. Da der Mann aber dennoch nichts aussagte, wurde er freigelassen, und sobald er sich fort­schleppen konnte, begab er sich zum Vertreter Serbiens, Herrn Steitsch, um demselben seine Wunden zu zeigen und seine Klage vorzubringen. Als der Mißhandelte das serbische Konsulat verließ, wurde er wieder ver­haftet und erst auf energische Vorstellungen des Herrn Steitsch gegenüber dem Minister des Aeußeren, Grekow, freigegeben. Nun gewährte ihm Herr Steitsch Zuflucht im Konsulat. Letzterer begab sich sodann zu dem ita­lienischen General-Konsul Grafen Sonnanz, als dem ältesten Mitgliede des diplomatischen Korps in Sofia, und forderte ihn auf, sich persönlich von dem schreck­lichen Zustande, in welchem der unglückliche Serbe sich befand, zu überzeugen. Man ist entrüstet im diplo­matischen Korps — mit Recht. Hoffentlich hilft es etwas, denn die Tortur wird im Orient, ein­schließlich Rußlands, noch viel häufiger angewandt, als man im Allgemeinen an­nimmt.

Aus dem Leben des Maiwurmes.

Wer kennt nicht den stahlblauen glänzenden Mai­wurm (Oelwurm) mit seinem dicken Kopfe, den kurzen Flügeldeckeln, die den lang-eiförmigen weichen Leib des Käfers kaum zu einem Drittel beschützen. Rührt ihn ein neugieriger Knabe an, so straft er ihn durch die Absonderung eines gelben öligen Saftes (Cantharidin) welcher ähnlich, wie bei der sogen, „spanischen Fliege" eine Blasen ziehende Kraft hat. Wenige Tage warmen Sonnenscheins im April oder Mai genügen, um den Käfer aus seinem Winterversteck zu locken, während der Schöpfer ihm in den jungen Grashalmen und Blättern des Löwenzahns, der Veilchen rc. eine üppige Tafel bereit hält. Und wie seine Verwandten aus der Vogel­welt alsbald im Frühjahr ein schützendes Heim, ein Nest für die künftige junge Brut Herrichten, so begibt

Sonntag, den 10. Mai 1891.

sich das Weibchen des Maiwurms eiligst an die Für­sorge ihrer Nachkommenschaft: kleine Gruben, meist an der Morgenseite eines Abhanges, werden ausgescharrt, in denen es nach und nach Tausende von walzenförmigen gelben Eiern unterbringt, aus denen die Larven, kleine würmerähuliche Thierchen ausschlüpfen. Hülflos, ohne Nahrung liegen sie dort in dunkler Wiege; überdies sind sie noch rechte Leckermäuler, da sie zur Entwicke­lung durchaus zuerst ein Ei und dann noch den Honig einer Biene verlangen. Wie aber beides beschaffen?

Die Art und Weise, wie diese Thierchen zu solch bestimmter Nahrung gelangen, sagt von Fricken in seiner Naturgeschichte der Käfer, ist so wunderbar, als hätte der Schöpfer so recht den Jrrthum derer zeigen wollen, die da glauben, daß das Thier nach Ueberlegung und Erfahrung handele, und nicht vielmehr unbewußt einer inneren zwingenden Gewalt, dem göttlichen Willen folge, der in der Natur auch das Kleinste weisheitsvoll ordnet.

Was kennt auch das Thierchen von der Außenwelt, die es noch nicht einmal gesehen, von der die Mutter ihm nichts erzählt hat? Und dennoch wissen Sie sich zu helfen. Sie lassen sich von den Müttern der Eier, und den Sammlerinnen des Honigs, von den Bienen selber zu ihrer Nahrung hintragen. Aus der Stätte ihrer Geburt klettern sie heraus auf die Blüthen der Windröschen, der Dotterblumen, lauern, in dichten Knäueln zusammengedrängt, auf bienenartige Insekten, welche die Honiglüthen besuchen, und schwingen sich auf deren Rückm, um so in die Eier und Honig enthal­tenden Bienennester zu gelangen. So müssen sie als kühne Reiter auf geflügeltem Roß oft weite Luftreifen unternehmen, sie sitzen fest im Sattel, mit Kiefern und Klauen an die Haare ihres Rosfes geklammert. Es ist eben eine Reise auf Leben und Tod; wenn es nicht gelingt, ein in Honig gebettetes Ei zu erreichen, ist es verloren. Wehe dem, der ein anderes Kerbthier, etwa eine größere Fliege, bestiegen, wehe denen, die auf den Rücken einer Biene gelangen, die ihre Eier schon ab­gelegt und das Nest schon geschlossen haben! Und weil so Hunderte den Gefahren der Luftreise, den Täuschun­gen des Jrrthums zum Opfer fallen, darum hat der Schöpfer die Erhaltung der Art gesichert durch die Aufbietung von tausenden von Eiern bei der Mutter des Oelwurmes. Eben hat etwa die weibliche Pelz­biene (Anthophora pilipes) ihr Nest gefertigt und zum Unterhalt ihrer Brut reichlich verproviantirt: eine Röhre ist in die Erde von ihr gebohrt, in mehrere Kämmer­chen (Zellen) getheilt und jedes mit süßem Honig sorg­sam ausgestattet. Bevor sie aber jede Zelle mit einem Bienen-Ei versieht, möchte sie nach ihrer Arbeit sich erst mit dem Honig der nahen Windröschen (Ansmono) sich stärken. Da gelingt es einer der längst sehnsüchtig lauernden Maiwurmlarven auf dem Rücken der Biene Posto zu fassen. Die Biene fliegt mit ihrem Gaste zu ihrem Neste zurück, bettet in jede Honigzelle ein Ei und verschließt die Röhre des Nestes, wähnend, daß ihre Brut vor Wind und Wetter, vor Hunger und Räubern geborgen sei. Aber die sorgliche Mutter hat ja den Räuber selber ins Haus getragen. Da sie das

erste Ei legte, glitt schon die Oelkäferlarve von ihrem Rücken auf das Ei und nimmt auf demselben, da es ziemlich groß ist, gefahrlos Platz. Sie zerbeißt es und lebt von seinem Inhalt, häutet sich dann und erscheint neugestärkt als engerlingartige Larve, die nun den Honig schlürft, der für die Bienenbrut bestimmt war. So geht nun die Entwickelung weiter durch mehrere Stufen von Larve hindurch zur Puppe, die den Winter überdauert, um dann in den ersten son­nigen Tagen des Lenzes als Maiwurm aufgeputzt ans Tageslicht zu treten.

j. Dr. F.

Vermischtes.

* Ein Wafser-Belociped, dessen Erfinder ein geistlicber Herr aus dem Allgäu ist, hatte Schreiber dieses vor einigen Tagen Gelegenheit in Bregenz am Bodensee in Funktion zu sehen. Dasselbe beruht wie jedes Wasserfahrzeug auf dem Wasferver- drängungs-Prinzip. Im Uebrigen gleicht es viel eher einer zwei­rädrigen Eisenbahn - Tressine, als einem gewöhnlichen Bicycle. Die Stelle der beiden an einer horizontalen Axe sitzenden Räder vertreten zwei Hohlcylinder von etwa 32 Cm. Radius und etwas größerer Breite aus feinem, gutbedichteten elastischem Stahldraht- Geflecht, während sich vorne ein ähnlicher kleinerer Cylinder als Steuer- oder Leitrad befindet. Die Bewegung erfolgt nicht wie beim Velociped mittelst Tretrades, sondern wie bei der Tressine durch die Hand mittelst Kurbel-Uebersetzung. Das Vehikel, bei dessen Konstruktion selbstverständlich auf ein möglichst reduzirtes Gewicht Bedacht zu nehmen war, da dasselbe schwimmen muß — die Cylinder tauchen kaum ein paar Zoll tief — macht durch­aus keinen schwerfälligen Eindruck, und leicht, sicher und schnell auf dem Wasser sich fortbewegend, läßt es auch beim Zuschauen das ängstliche Gefühl möglichen Umkippens nicht aufkommen.

* Ein zehnjäriger Knabe als gewohnheitsmäßiger Trinker! Berliner Zeitungen berichten folgende traurige Thatsache: Der Sohn der in der Pappel-Allee wohnenden Z.schen Eheleute machte im Gegensatz zu früher in den letzten Monaten in der Schule gar keine Fortschritte, so daß die Lehrer von dem blaß und siech aussehenden Knaben annahmen, er sei in Geisteskrankheit ver­fallen. Eine infolge dessen vorgenommene ärztliche Untersuchung war resultatlos, bis vor wenigen Tagen festgestellt wurde, daß der Knabe ein „gewohnheitsmäßiger Alkoholist" sei und täglich seit Monaten schon für 20—25 Pf. Schnaps getrunken habe; das Geld dazu hatte der Junge den Eltern entwendet. An den Genuß des Alkohols war der Knabe durch einen früheren Schlaf­burschen der Z schen Eheleute gewöhnt worden, der den Kleinen täglich nach der Destillation nach Schnaps geschickt und ihn hatte mittrinken lassen. Der Knabe wurde einer Zwangserziehungs­anstalt überwiesen.

* Eine Illustration zur soziale« Frage liefern folgende Anzeigen. Im ,Berl. Tagbl/ ist zu lesen: „In Beilin oder nächster Umgegend wird für einen außerordentlich werthvollen Neufundländerhund wegen Abreise des Besitzers eine hohen An­forderungen entsprechende Pension gesucht. Sorgsamste, dauernde Aufsicht und kräftiges Futter sind natürlich Hauptbedingungen. Honoraransprüche ganz gleichgiltig. Nur solche Private, Kynolo- gen (Hundekundige), Förster rc., welche bereits gründliche Er­fahrung in der Behandlung von Hunden besitzen, werden gebeten, ihre Offerte unter F. A. 2568 an die Expedition des ,Berl. Tagebl/ sofort einzureichen." Dem gegenüber stelle man nach­stehende Anzeige des ,Hamb. Anz/: „Ein armer Familienvater der mit Frau und Kind seit vierzehn Tagen von Kartoffelschalen lebt, bittet einen Menschenfreund, ihm sein zweijähriges Mädchen einen Tag abzunehmen, damit dasselbe sich einmal satt essen und wärmen kann. Gefällige Zuschriften rc."

* Die beiden Münchhansen. Oberförster: Ja, zur Jagd muß man ein scharfes, sicheres Auge haben, sehen Sie z. B. jene Maus auf dem Kirchthurm dort, die um die Glocke herum­läuft? — Major a. D.: Sehen kann ich sie zwar nicht, aber ich höre sie traben!

Die Kerliner kath. Kirchennoth, dnrch alle katholischen Zeitungen geschildert, auf Provinzial- und allgemeinen Katholiken-Versammlungen besprochen und der Mild- thätigkeit der Glaubensgenossen dringend empfohlen, dauert fort. Auch der Unterzeichnete, dem 22 Tausend Seelen im Nordosten Berlins mit einer, noch dazu baufälligen Kapelle aus Fachwerk anvertraut sind, bittet alle Katholiken Deutschlands um eine milde Gabe für den Bau der „Pinskirche". Die Piusgemeinde ist sehr arm. Katholiken! Habet Erbarmen mit uns!

Pfarrer Frank bei St. Pius _________________________in Berlin, Pallisadenstr. 73.__________ Bad Wolfsanger bei|ca88eL Sanatorium für Nervenleidende u. Reconvaleseenten. Reben individueller Behandlung nach ärztl. anerkannten Kurmethoden Kneipp’sches Heilverfahren — Sommerfrische. Prospekte gratis durch die Badeverwaltung. [1031

Das Rittergut Kleinensee, Stunde von der Eisen­bahnstation Hönebach (an der von Eisenach nach Bebra führenden Bahnstrecke) gelegen, mit einem Flächengehalte von rund 86 Hektar an Garten, Ackerland, Wiesen und Holzung, nebst geräu­migen Wohn- und Wirthschaftsgebäudeu, soll nebst dem gesammten lebenden und tobten Inventar und den vorhandenen Vorräthen unter annehmbaren Bedingungen verkauft werden. Selbstkäufer wollen sich wenden an [1032

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Wir bescheinigen hiermit, daß der neue Kirchenbau zu Eckenheim bei Frankfurt a. M. bei der großen kathol. Gemeinde daselbst und den vielen in den dazu gehörigen Diaspora-Gemeinden zerstreut lebenden Katholiken die dringendste Notwendigkeit ist, die Mittel dazu aber nur durch fremde Wohlthätigkeit beschafft werden können.

(L. s.) Bifchöfl. General-Vikariat.

_______________(gez.) Kalb.

Bezugnehmend auf Obiges bittet nochmals inständigst um eine Gabe zum nothwendigen Bau unserer Herz-Jesu-Kirche 959 Ehr. Knips, Missionspriester.

Znm Weiterbau

einer neuen Kirche der weit über 22,000 Seelen zählenden St. Se­bastians-Gemeinde zu Berlin, die sich jetzt nur auf eine 500 Personen fassende Kapelle angewiesen sieht, bitten, zumal der von der Stadt versprochene Zuschuß von 40,000 Mark abgelehnt worden ist, recht herzlich um gütige Gaben.

Der Mrrer und sein Kaplan.

704] Neuber Kaufmann.

(Die Expedition dieser Zeitung ist zur Entgegennahme Von Gaben bereit.)

Rasiren ein Vergnügen mit meinen feinst hohlgeschlifferren engl. Silberstahl-Rasirmessern; dieselben nehmen den stärksten Bart mit Leichtigkeit. Umtausch gestattet. Preis M. 2,15. Elast

Abzieher M. 2,15 bei Frl. Anna Rensmann, Fnldr.