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Samstag, den 9. Mai 1891.
18. Jahrgang
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fpettellen Umständen und Bedingungen, in denen sich die heutige Gesellschaft befindet. Daraus Hgert er daß diese Staats - Intervention Nichts Absolutes und Eintöniges sein darf, sondern eine praktische Maßregel, die sich je nach den Bedürfnissen, dem sozialen Zustande und dem Charakter eines jeden Landes verschieden gestaltet. Als Wirkungskreis dieser Intervention des Staates bezeichnet der hl. Vater die Festsetzung der Arbeitsstunden und des Minimal-LohneS, die Regelung der Kinder- und Frauenarbeit und die Sorge für die gesundheitlichen Verhältnisse in den Fabriken.
Man versichert, der Grund, weshalb der hl. Vater die Veröffentlichung dieser schon längst angekundlgten Encyclika so lange hinausgeschoben habe, sei m Der heiklen Frage der Staats-Intervention gelegen, welche r mit großer Weitläufigkeit und ganz besonderer Genauigkeit habe behandeln wollen. _
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(37. Fortsetzung.)
Der Squire kannte den Betreffenden nur zu wohl. Er hatte sich auch schon gewundert, den Geheimpolizisten nicht früher an Ort und Stelle zu fehen, aber das nahm dem Verkehr mit ihm nichts von seiner Peinlichkeit.
„Gut, Gall," erwiderte Mr. Juxon, „ich bin Euch sehr verbunden, daß Ihr mir Mr. . . ." Er zögerte und sah den Mann in dem einfachen Rocke an.
„Bonley, gnädiger Herr," sagte der Detektiv.
Danke — daß Ihr mir Mr. Bonley hierher bringt. Aber Ihr könnt jetzt wieder umkehren, Gall, wenn wir Euerer Dienste bedürfen, wollen wir zu Euch
„Ich hatte gedacht, ich könnte vielleicht etwas helfen," bemerkte Gall mit enttäuschtem Lächeln. „>?ch meine so in der Ortskunde, gnädigerH^r^
„Ich werde Sie rufen lassen, Mr. Gall, brach der Detektiv die Unterhandlung ungeduldig ab.
Gall zog sich zögernd, aber stolz zuruck.
Würden Sie wohl die Güte haben, mich etwas
* DemMbgeordnetenhause ging ein Gesetzentwurf zu, welcher bestimmt, daß vom nächsten Jahre ab die ui den verschiedenen preußischen LandeStherlen bestehenden »aß- nnb Bettage nicht mehr als allgemeine Feiertage gelten und an ihre Stelle dem Freitag nach )em letzten Trinitaüssonntage als dem künftigen Lan- )esbuß- und Bettage die Geltung eines allgemeinen Feiertags beigelegt wird.
* Der Reichstag führte heute die 3. Berathung des Arbeiterfchutzgefetzes zu Ende, so daß nur noch die Gesammtabsttmmung aussteht. Auf Antrag der Mehrheitsparteien wurden eine Anzahl Abänderungen, die aber meist nur redakttonellen Charatters waren, angenommen. Eine längere Debatte entspann sich über den Antrag, die zulässige Höhe der Disziplinargeldsttafm auf die Hälfte des durchschnittlichen Tagesverdienstes (anstatt auf den ortsüblichen Tagelohn) und nur m bestimmten fchweren Fällen auf den vollen durchschnittlichen Tagelohn festzusetzen. Die Sozialdemokraten erblickten in dieser Aenderung eine Verschlechterung zu Unaunsten der Arbeiter. Der preuß. HandelSmtmster Frhr v Berlepsch erklärte, daß die verbündeten Re- aierunaen aus der Ablehnung deS § 153 - Bestrafung des Zwanges zum Konttaktbruch und der Aufreizung dazu — zwar nicht Anlaß nähmen, auf das Gesetz überhaupt zu verzichten, daß sie aber dem Reichstage später nochmals Gelegenheit geben würden, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, da sie eme bezügliche Sttafbestimmung nach wie vor für unerläßlich hielten und darin durch die Erfahrungen beim letzten Berg- arbeiterstreik bestärkt worden seien. Abgg. Singer und Bebel behauvteten dagegen, daß der Bergarbetterstrelk durch die Unternehmer und Spekulanten tm Interesse hoher Kohlenpreise provozirt worden sei; nur daraus erkläre es sich, daß die sozialdemokratischen Mahnungen zur Zeit vom Streik abzusehen, unbeachtet gebliebm seien Der erwä-nte Antrag wurde angenommen. Der Termin für daS Inkrafttreten der meisten Bestimmungen deS Gesetzes wurde auf den 1. April 1892 verschoben. Die Gesammtabsttmmung über das Gesetz findet am Freitag statt. Aus der Tagesordnung vom Freitag stehen noch: Antisklaverei-Konvention und 3. Äsung der Zuckersteuernovelle. Heute wurde noch das Gesetz, betr das Reichsschuldbuch in 3. Lesung angenommen.
* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die Berathung des KultusetatS fort, wobei zunächst dem Kultusminister Gelegenheit gegeben war, die Volksfchullehrer der größeren Städte gegen die Beschuldigung des Abg. Lohren (frk.), dieselben beförderten die Sozialdemokratte, m Schutz zu nehmen. Es erhob sich fodann eine Diskussion über Wesen und Bedeutung der Schulreform, wobei sich der Kultusminister der Aeußerung bediente, er zweifle daran, daß höhere Bildung die Gesittung befördere. Graf Limburg-Stirum (kons.) nahm Gelegenheit, sich sehr absprechend über die Zusammensetzung der Schulkonferenz zu äußern, die ungleichwerthige Elemente enthalten habe. — DaS Ministergehalt und weitere Posten werden genehmigt. Das Kapitel „EvangelischeGeistliche gibt dem Centrum Gelegenheit, über die Benachtheiligung der katholischen Kirche Klage zu führen, der sich die Polm anschließen, in Folge dessen sich eme lebhafte
Die Encyclika über die soziale Frage.
* Dem Pariser ,Univers' wird aus Rom, den 1. Mai, telegraphirt: ..,,
In wohl unterrichteten geistlichen Kreisen zweifelt man nicht, daß die Veröffentlichung der Encyclika über die soziale Frage unmittelbar bevorstehe Die endgil- tiqe Abfassung dieses wichtigen Schriftstücke- fchemt fett Ostern vollendet gewesen zu fein, aber aus leicht zu errathenden Opportunitäts-Gründen hat der hl. Vater die Veröffentlichung desselben blS nach dem 1. Mai verschoben. Se. Heiligkeit hat gleichzeitig vier Ueberschungen, in französischer, englischer, deutscher und italienischer Sprache unfertigen laffen. Die Encyclika umfaßt drei Theile, einen WorWn, theoretischen und praktischen Theil; der historische Theil ist der kürzeste; der hl. Vater beschränkt sich darauf, die Urfachen und den Ursprung der sozialen ^rrthumer ?U Em"besonderes Augenmerk hat Se. Heiligest den ökonomischen Lehren gewidmet. Von diesem Gesichtspunkte aus wird das päpstliche Schriftstück von allergrößtem Interesse sein, und ganz originelle Bemerkungen enthalten, die den doppelten Zweck verfolgen, die geistige Leitung der sozialen Bewegung in dieHand zu nehmen, und den Spaltungen der katholischen Schulen in dieser wichtigen Frage ein Ende zu machen.
Der hl. Vater kommt in der That auf alle Elemente zu sprechen, aus denen sich der soziale Organismus zusammenscht, und welche das bilden, was man gemeiniglich die wirthschaftliche Frage nennt. Der Papst bestimmt mit großer Schärfe bte Natur, die Beziehungen, die Rechte und die Pflichten des Staates und deS Individuums, des Kapitals und der Arbeit. Er legt überdies mit all' den Einzelheiten, welche dieser so wichttge Stoff in sich begreift, die sowohl dem Kapitale als auch der Arbeit zukommeiiden Vorrechte dar. Diese ganze Auseinandersetzung ist von emn allgemeinen Idee getragen, von der Idee der vertheilenden Gerechtigkeit Qustitia distributiva).
Der hl. Vater spricht sich mit gleicher Scharfe gegen die Ausschreitungen des Kapitals und die übertriebene Anhäufung von Reichthümern, wie gegen die Lehren und ungerechten Forderungen des revolutionären Sozialismus aus. Se. Heiligkeit sieht in der vertheilenden Gerechtigkeit und in der Anerkennung der Rechte und Pflichten aller sozialen Faktoren die billige und den Vorschriften des Evangeliums entsprechende Losung der wirthschastlichen Lage. In diesem ganzen Theile ist der hl. Vater sichtlich bemüht, die sozialen Gegensätze, welche die Parteien und die Gesellschaft trennen, in einer höhereren und synthetischen Lehre zu einigen.
In den Fragen der praktischen Anwendung wellt der hl. Vater mit Vorliebe bei dem heiklen und schwierigen Produkte der sogenannten Staats-Intervention. Der hl. Vater spricht sich nicht zu Gunsten einer bestimmten Schule aus, sondern laßt den absoluten Gesichtspunkt außer Auge und widmet der zufälligen und relativen Seite der Frage eine besondere Behandlung, nämlich die Nothwendigkeit und Opportunität dieser Staats-Intervention, unter den gegebenen
sein; er kann Ihnen das Nähere über den Fall sagen. Den Kranken jetzt mitnehmen, wäre jedenfalls ganz unthunlich. DietIeirf)t warum Sie die Lokal- polizei nicht sogleich in Kcnntniß setzten?" fragte der Detektiv etwas gereizt.
Weil dies ganz nutzlos war. Wenn er nach dem Angriffe auf mich entflohen wäre, fo würde ich ihn natürlich angezeigt haben. Da ich ihn aber tm Gegen- theile in vollständig bewußtlosem und schwer krankem Zustande auffand, so sah ich mich selbst zu seiner Aufnahme veranlaßt. Mrs. Goddard ist mit mir und dem Pfarrer, welcher ihre Geschichte ebenfalls kennt, befreundet. Die öffentliche Verbreitung der Thatsachen würde sie zu sehr komprornittirt haben. Mrs. Arnbrose, die Frau des Pfarrers, hat die Pflege des Kranken übernommen. Ich hoffe, daß Ihnen mein Ehrenwort, ich bin Marine-Offizier a. D., und das Versprechen des Pfarrers genügende Garantien bieten werden.
„Von Garantien ist gar nicht die Rede, warf Mr. Bonley ein. „Ich kann Sie versichern, Dtr.^uxon, daß ich nicht den geringsten Zweifel an der Richtigkeit Ihrer Handlungsweife hege. Können Sie mir sagen, wie lange sich Goddard schon tn der Gegend aufgehalten hat?"
Deutsches Keich.
Berlin, 7. Mai.
* Die Rheinreise des Kaisers ist glänzend verlaufen. Ueberall, wo der Monarch erfchien, mDüsseldorf, der Künstlerstadt, im alten Köln und m der Universitätsstadt Bonn, wurde er von der Bevölkerung reubiq begrüßt. Die Städte wetteiferten nut einander tm festlichen Schmuck und impofanten Ehrbezeugungen. Beim Fest der Provinzialstände tn Düsseldorf hielt )er Kaiser eine bedeutsame Rede: „Ich wollte nur , sagte er u. a., „der europäische Friede läge in meiner Hand. Ich würde jedenfalls dafür forgen, daß er nie mehr gestört werde. Wie dem aber auch sei, ich werde jedenfalls nichts unversucht lassen, und was an Mw liegt, dafür sorgen, daß er nicht gestört werde. Diese Worte sind hinausgeklungen m alle Lande und der lebhafte Beifall, den sie in Düffeldorf gefunden, hat sich fortgesetzt durch alle friedensfreundlichen Elemente der Völker. Und weiter gab der Kaiser die Versicherung, daß keine Mühe zu groß und keine Arbeit zu mühselig sein werde, um dafür zu forgen, daß nach beiden Seiten der Industrie, dem Arbeitgeber unb bem Arbeitnehmer in jeder Beziehung Gerechtigkeit geschehen soll Auch im Gürzenich zu Köln dankte der Kaffer tn längerer Ansprache für den ihm bereitettn herzlichen Empfang. Diese Ansprache berührte mdeß die wettere Politik nicht; sie trug mehr ein lokales Kolorit iMm sie die geschichtliche, kommerzielle und industrielle Bedeutung Kölns behandelte. „Hoffentlich , sagte er, unter dem lebhaften Beifall der Honoratioren der alten Domstadt, „hoffentlich werden wir bald Englands Schiffe, wie in alter Zeit, vor dem Kölnischen Thore liegen sehen." In Bonn wurde dem Kaiser am Abend nach seiner Ankunft ein studentischer Fackelzug und eme von 400 Sängern ausgeführte Serenade gebracht Von Bonn begibt sich der Kaiser zu einem kurzen Besuch des badischen Hofes nach Karlsruhe und von da über Darmstadt nach Schlitz.
* Am hiesigen Hofe wurde heute der Geburtstag des Kronprinzen Friedrich Wilhelm begangen. Zu Ehren des Tages fand im Neuen Palms bet Potsdam eine Kinderfest'lichkeit statt. _ __
näher mit dem Zwecke Ihrer Sendung bekannt zu machen," forderte Mr. Juxon seinen Begleiter auf.
„Ich habe doch die Ehre, Mr. Juxon vor mir zu sehen?" fragte Bonley zögernd.
Der Squire nickte.
Nun wohl - Mr. Juxon," fuhr der Beamte fort', „ich bin beauftragt, einen Menschen Namens Walter Goddard hier zu suchen. Wissen Sie vielleicht etwas darüber? Seine Frau, Mary Goddard, lebt tn
“ie?a@qu?re antwortete ruhig: „Matter Goddard weilt augenblicklich in meinem Hause. Ich weiß Alles über ihn. Er lauerte mir gestern Abend tn dieser Allee hier auf und griff mich an, mein Hund aber ritz
Der Detektiv konnte sein Staunen über bie getaffene Art, mit welcher ihm die überraschende Nachricht nut« getheilt wurde, nicht ganz verhehlen.
9 „So, nun das ist ja erfreulich zu Hörern Dann steht seiner Verhaftung also nichts tm Wege?
Dock, ich halte sie für unmöglich," entgegnete der Squire. ' „Der Mensch hat das Gehtrnfteber und delirirt Wenn Sie aber so lange m meutern Hause bleiben wollen, bis er wieder besser ist, so wird mir das sehr angenehm sein. Der Doktor wird gleich hier
-- Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommeru- taÄ $t" ub ItumeÄÖ” ÄÄS Vierteljährlicher Abonne-nentspre, s Lan^vkthsSf?Garte^auund H^swesen' in Fulda nnd auswärts 1 Mark 50 Ps-umg. -----------------