rtn rf- zu nd Le en ne n- er K.
in ird 15
ft-
na- nte ein [er- ngt ro- in tng ter >e» >en Ille vn er« ch- ed.
unterzog Es war schwach, weniger
’ Die Trauerfeier für den Geueralfeldmarschall Grafen von Moltke und die Ueberführung der Leiche vom Generalstabsgebände nach dem Lehrter Bahnhofe verlief in imposanter und dabei doch einfacher, dem Wesen des großen Todten angemessener Weise. Es war ein herrlicher Frühlingstag heute. Die Sonne strahlte im vollen Glanze und der Thiergarten, in dessen nordöstlichem Theile sich das ernste Schauspiel vollzog, prangte im jungen Grün der Bäume und Sträucher. Eine gewaltige Menge wogte die Straße „Unter den Linden" hinab durch das Brandenburger Thor zum Königsplatze, in dessen Mitte das Siegesdenkmal, das
„Er wird nur vor Schrecken gelähmt sein," meinte der Squire.
Holmes brachte Cognac und Wasser und verließ wieder das Gemach. Der Squire begann Goddard'S Stint und Nacken mit einem Schwamm zu baden; dabei beobachtete er ihn mißttauisch. Er war beständig darauf gefaßt, ihn einen Fluchtversuch wagen zu sehen.
Nachdem Guiliano Sorel diese wahrhaft drastische Schilderung Crispi's entworfen hat, fährt er also fort: „Wir sind» wie wir es immer waren, Anhänger einer patriotischen, italienischen, ehrlichen Kirchenpolitik, welche die beiden größten Gewalten Schritt für Schritt einander näher bringt. Wir halten dafür, daß dieses der Erfolg der Anstrengungen aller edlen Herzen, aller Intelligenzen, aller reinen italienischen Charaktere sein müsse, wenngleich dazu eine wirklich hohe Geduld erforderlich ist. Aber wir
Was können die Katholiken von dem Ministerium Kudini hoffen?
Mit dem Einttitt des Ministeriums Rudini hatte man gleich von Anfang an gehofft, daß die bisherige an Verrücktheit grenzende Feindschaft des offiziellen Italiens gegen den Vatikan eine Besferung erfahren würde. Ohne irgendwie sanguinische Hoffnungen zu hegen, dürfen die Katholiken immerhin eine etwas erträglichere Gestaltung der Lage erwarten. Man darf sich für berechtigt halten, eine mit Namensunterschrift versehene längere Ausführung über Crispi's Verhältniß -zum Papstthum im ,Corriere di Napoli' als Wegweiser anzusehen, der das Publikum mit den Absichten des Kabinets Rudini auf diesem Gebiete, wenn auch nur indirekt, bekannt machen soll. Guiliano Sorel, ein einflußreicher Abgeordneter, der mit Rudini eng befreundet ist, läßt sich im genannten Blatte folgendermaßen aus:
„Fvanzesco Crispi hat den Vatikan immer pro- vozirt, öffentlich und heimlich, mit gewaltthätigen Mitteln und in schleichender Form. Es kam so Zveit, daß er mit verwerflichen Polizeilichen Handgriffen die diplomatische Chiffre aufspürte, deren sich der Kardinalstaatssekretär für seine Depeschen bediente. Und mit seinem exaltirten Eigensinn, der zuweilen in ihm eine Kraft, aber auch sehr oft eine Schwäche war, arbeitete sich Crispi in die Wuth hinein, weil er begonnen hatte, sich zu ärgern. Im Anfänge fehlte es nicht an einsichtigen und weisen Rathschlügen, welche ihn zu milderen Maßregeln führen und ihm die geistliche Macht jenes greisen Pontifex zeigen wollten, der wie ein weißer Schatten durch seinen verlassenen Palast schwebt und dabei doch Herr über Millionen und aber Millionen von 'Seelen ist. Es besuchte das Haus Crispi ein Prälat von hohen Geistesgaben und lebhaften Charakters, Monsignor Carini, der Sohn der Generals Carini. Und dieser junge Monsignore, mit der stolzen und eleganten Rede, begeistert von einem flammenden Ideale für Italien und den Glauben, versuchte zuweilen den grimmen Haß Crispis gegen den Vatikan zu besiegen. Es gelang ihm nicht. Ich glaube, er entfernte sich, indem er ein stets kleiner, dunkler werdendes Bild dieses sicilianischen Pattioten mit sich fortnahm. In Wahrheit war Crispi kein Feind des Glaubens; vielleicht war er sogar in seiner Jugend ein Sttenggläubiger und sein Herz kann nicht Alles vergessen haben, was sich ihm in der Jugend eingeprägt hatte. Er ist kein Atheist, das ist sicher; er ist abergläubisch, ohne etwas anderes zu sein. Das was er haßte, tief und glühend haßte, war der Papst und seine Macht, war der Papst und seine Lebhaftigkeit im Greisenalter, war der Papst und die fortgesetzte politische
Deutsches Keich.
Berlin, 28. April.
Juxon zündete noch mehrere Lichter an und den Verwundeten einer genaueren Prüfung, kein Zweifel mehr, daß er lebte. Er athmete aber regelmäßig, — der Pulsschlag war rasch, doch etwas kräftiger wie vorher. DaS Gesicht war todtenbleich und eingefallen. Die halbgeöffneten Augen starrten zwar bewußtlos nach oben, allein es war nicht der gläserne Ausdruck des Todes, welcher aus ihnen sprach.
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(29. Fortsetzung.)
Mr. Juxon begab sich an die Stelle zurück, wo Walter Goddard lag. Er kniete nieder, um die Verletzungen des Mannes zu untersuchen. So viel er entdecken konnte, war die ärgste Wunde an der Kehle, auch die Hand war schwer verletzt. Der Blutverlust war gering. Er öffnete den Kittel und das Hemd und legte sein Ohr an das Herz. Ja — Walter Goddard lebte noch! Leise — kaum merklich und doch dem Ohre des Squire noch hörbar klopfte es unter seiner Brust. Ja — er lebte für wie lange Jahre noch — wer konnte es wissen? Aber er lebte! Es wäre schwer, von den Gedanken Rechenschaft zu geben, welche in diesem Augenblicke Mr. Juxon's Gemüth bewegten. Wer wollte leugnen, daß ihm der Tod des Verbrechers unter den obwaltenden Umständen zur Beftiedigung gereicht haben würde? Das Mitleid über das jämmerliche Ende würde diese Empfindung allerdings gedämpft haben, allein vorhanden wäre sie doch gewesen. Es hätte viel Gerechtigkeit in der Art seines Todes gelegen. Aber er lebte noch! Ein kleiner Dmck an der
„Sehr wohl, gnädiger Herr," murmelte Holmes, indem er das Zimmer verließ.
Mr. * “ ' " "
fühlen, daß Crispi diese Lösung auf viele Jahre hinausgeschoben hat und daß er die Effüllung dieses Wunsches seinen politischen Nachfolgern in Behandlung der kirchlichen Angelegenheiten in der ungeheuerlichsten Weise erschwerte. Jene dürfen diesen Zweikampf nicht fortsetzen, weil er der italienischen Zukunft schadet, weil er ihren politischen Anschauungen widerspricht, weil er den Grundsätzen der breiten Masse des Volkes zuwider ist. Es handelt sich um eine lange und mühevolle Arbeit, wenn man die innere Politik mit Würde auf den Weg der Milde, des Friedens, der Brüderlichkeit gegen jenen greisen Hohepriester leiten will, der auch der Vater aller ( Menden, aller Betrübten ist, wenn man den Klerus versöhnen will, der auch aus Italienern, aus Brüdern sich zusammensetzt. Harte, rauhe Arbeit! ®in Werk, das vielleicht mißlingen kann, das zuweilen den Anschein gewinnm mag, mißlungen zu sein, das aber niemals für Jrrthum gehalten werden wird, weil alles das, was ein Land und die Menschen auf eine geistige Höhe führt, ein Ideal, eine Wahrheit ist!
Wollen wir nun zusehen, wie sich die Kirchenpolitik Italiens in Zukunft gestalten wird und vor
läufig das Beste hoffen! Immerhin bleibt zu beachten, daß die italienischen Politiker vielleicht glauben werden, das Papstthum mit der Revolution ausgesöhnt zu haben, wenn sie einen leidlichen, von groben Exzessen freien modus vivendi werden hergestellt haben. Was die katholische Kirche unter einem Friedensschluß mit einem kulturkämpferischen Staate versteht, der nicht einmal mit Waffengewalt das Patrimonium Petri dem heiligen Vater geraubt, hat Preußen in seinem harten Gange nach Kanossa erfahren müssen. Um wie viel mehr muß Italien Sühne thun für den sakrilegischen Raub, der am Kirchenstaate und jüngst am Pattimo-
verwundeten Kehle, ein unachtsames Liegenlassen auf dem kalten Erdboden würde genügt haben, den schwachen Lebensfaden abzuschneiden — doch zu seiner Ehre sei es gesagt, solche Gedanken kamen nicht in Charles James Juxon's Sinn. Er öffnete seinen langen Mantel, breitete ihn um den gefühllosen Körper des Berwun- detm, umfaßte dann mit starkem Arm dessen Leib und erhob sich, nicht ohne Schwierigkeit, auf die Füße. Sobald er einmal auf war, wurde es ihm nicht schwer, seine Last durch die Bäume und dann durch die Allee hinauf bis vor die Schloßpforte zu tragen.
„Holmes," rief er seinen Kammerdiener an, „helft mir diesen Menschen hinaustragen. Er ist schwer verwundet, aber er lebt."
Wenn der Squire einen Befehl ertheilte, so lag in einer Stimme immer etwas, was keinen Widerspruch und keinen Wunsch zur Verzögerung aufkommen ließ. Der würdige Holmes ergriff die Füße des Verwun- )eten, der Squire faßte ihn unter den Schultern und so trugen sie ihn die Treppe hinauf in eins der Fremdenzimmer. Holmes zündete mit großer Feierlichkeit eine Kerze an.
„Soll ich um ärztliche Hülfe schicken, gnädiger Herr?" fragte er.
„Ja, lassen Sie sofort anspannen und den Doktor j
Thätigkeit des fast neunzigjährigen Hohenpriesters. Er haßte ihn mit einem geheimen Gefühle des Neides, mit einem Zorne, der blind ist gegen die Gewalt dieser Macht und gegen diese Wachsamkeit, mit einer sich jede Viertelstunde wiederholenden Pein, die noch durch die heiße sicilianische Phantasie verstärtt wurde. Er nannte ihn den Feind. Ja, es stimmt. Leo war wirklich für ihn der Feind; Leo, der greise Bischof der Bischöfe, er, der die Schlüssel zu allen Herzen der Gläubigen hat, er, das Haupt der ganzen Christenheit, er, der Priester aller Derjenigen, die leiden, weinen und beten, war jenes Phantasma, das ohne Heer, ohne Flotte, ohne Kanonen, ohne Waffen seine Stimme ertönen ließ, seinen Rath und seinen Segen über die Berge sandte nnd über die Meere, und der redend, rathend, segnend die Herzen aller Gläubigen erschauern machte. Crispi duldete keine Gleichgestellten; und die Erkenntniß, auch im Geheimniß des Gewissens, daß dort einer war, dessen Wort weiter reichte und tiefer eindrang, als das seine, die Erkenntniß, daß es einen Many gab, der auf hoher, sehr hoher Stelle, der Nächste zu Gott, steht, der sich nicht vor ihm fürchtete, die Erkenntniß, daß er gegen diese mystische Macht nichts vermochte, brachte ihn zur Verzweiflung. Mit welcher Freude würde Franzesco Crispi den Papst als Papst fortgejagt haben, wenn er es nur gekonnt hätte. Eine gewisse Gleichheit zwischen sich und Bismarck ließ er schon i gelten, ohne dabei zu bedenken, daß Bismarck Deutschland wirklich gemacht hatte, während er, Crispi, nicht einmal einer der Wenigen gewesen, die Italien gemacht haben; aber schließlich gestattete er Bismarck doch die Ebenbürtigkeit. Wo er ihn als unter sich stehend betrachtete, das war in der Ver- ,
ehrung für den Papst! Demgemäß leitete sich die nium der Armen, an den frommen (Stiftungen, ge< ganze Politik der Crispischen Aufhetzerei aus einem schehm ist. persönlichen Gefühle her: Es war Crispi gegen Pecci, der starke Mann und Anbeter der eigenen Kraft gegen den stärksten Mann. Ah, er schlief in der Nacht nicht, wenn er an den Papst dachte. Er glaubte dabei über dm Feind des Vaterlandes zu wachen; und er bemerkte dabei nicht, daß er es war, der ihn so nannte, der ihn so wollte, mit der fixen Idee aller Exaltirten."
.eherne Zeugniß der Thaten des Verstorbenen, sich erhebt. Der weite Königsplatz war ringsum abgesperrt;
holen. Wenn der hiesige Arzt nicht kann, so soll man weiter fahren und sich nach einem anderen erkundigen. Frägt Jemand, so sagen Sie, der Mensch sei ein Land- stteicher, welcher mich angefallen und von Stambul niedergeriffen worden sei. So, und jetzt bringm Sie mir etwas Cognac und sorgen Sie dafür, daß das Feuer angezündet wird."
J\s 98
Donnerstag, den 30. April 1891
18. Jahrgang
Fuldaer Zeituna
Für die Rebadton verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage /Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Di« .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, San»- und Feiertag« ausgenommen.
Inserate koste» di« einspaltige Zeil« oder deren Raum
II Ps., bei Wiederholung«» entsprechender Rabatt.