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Mittwoch, den 29. April 1891

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_________________________________________ r, 18. Jahrgang

Fuldaer Zeitung.

® KLjE? , ■«. ®t»i n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

entgegen. Ein offenbar auf seinen Kopf gezielter Schlag strelfte seinen Hut und fiel dann auf die durch den dicken Mantel geschützte Schulter nieder. Die tiefe Finsterniß hatte das Attentat vereitelt, wenigstens war der harte Gegenstand, mit welchem dasselbe aus- geführt wurde, wohl geeignet, einem Menschen das Leben zu kosten. Mr. Juxon taumelte zur Seite, da traf em zweiter Schlag seine Schulter und streckte ihn zur Seite des Weges nieder.

Stambul war bereits nach dem ersten Streiche auf den Angreifer zugesprungen. Die plötzliche Wendung, mit welcher derselbe zum zweiten Schlage ausholte, ließ ihn icdoch sein Ziel verfehlen, und ehe er sich aufge- mfft und zum neuen Ansprunge bereitet hatte, war Goddard in das Waldesdunkel zurückgeflohen. Allein das Verderben folgte ihm auf den Fersen. Der Blut- i Hund hatte, noch ehe sich der Squire von seinem Falle erhoben, die Spur des Fliehendm entdeckt und ver­folgte ihn mit lautschallendem Wuthgeheul.

Mr. Juxon versuchte, ihm nachzueilen — ihn zurück­zurufen — aber vergeblich. Als er vierzig Schritte weiter vorgedrungen, hörte er einen schweren Fall und gleich darauf unterbrach ein kurzer Schrei die nächtliche Sülle. Das Geheul des Hundes hatte aufgehört.

Kaum eine Minute fpäter stand Mr. Juxon vor dem hingestrecktm Körper Walter Goddard's.

ES gelang ihm nur mit Mühe, Stambul von

Nur mehr vier Monate trennen uns von der 38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, die in diesem Jahre in der alten See- und Hansastadt Danzig am herrlichen Ostseestrande tagen wird. Voraussichtlich wird dieselbe, wie bisher üblich, Ende August statt­finden. Schon sind — wie wir zu unserer Freude mttthetlen können — der Vorstand des Danziger Lokal- Eomlto's und die verschiedenen Kommissionen fortgesetzt thättg, um die Arbeiten des in diesem Jahre nach dem Ableben unseres hochverdienten, unvergeßlichen Cen- trumsführers Sr. Exeellenz Dr. Windthorst doppelt wichtigen Katholikentages vorzubereiten und die diesjährige Tagung auch äußerlich möglichst glänzend und den Theilnehmern interessant und angenehm zu gestalten Es find bereits die nöthigen Schritte für Beschaffung und Ausschmückung der Festlokale, soweit nöthig und möglich, geschehen; schon beginnen die Unterhandlungen mit hervorragenden Rednern; für die kirchlichen und weltlichen Festlichkeiten sind die Pläne und die Vor­bereitungen in die Wege geleitet u. s. w. Es liegt nunmehr an unseren Gesinnungsgenossen, an den Katho­liken, katholischen Vereinen, namentlich an der katho­lischen Presse in ganz Deutschland, aber auch inOester- reich, Luxemburg, der Schweiz u. s. »., die Katho­liken für die 38. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Danzig zu in» ^esslren , damit dieselbe an Zahl der Theilnehmer nicht hinter ihren Vorgängerinnen zurückbleibe und an fruchtteicher Arbeit dieselben wo möglich noch übertreffe Der herrliche Ostseestrand, mit seinen reizenden Bädern Zoppot, Neufahrwasser, Westerplatte, per Bahn und Dampfboot in kürzester Zeit zu erreichen, die wundervolle landschaftliche Umgebung der Stadt selbst mit den reizenden, beliebten Ausflugsorten in nächster Nähe (Kloster und Ort Oliva, Jäschkmthal u. s. w.), die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der alt­ehrwürdigen Ordensritter- und Hansastadt Danzig selbst nut ihren eigenartigen Bauten, herrlichen Kirchen, zahl­reichen Erinnerungen einer vielbewegten Vorzeit, die Nähe des berühmten deutschen Ordensritter - Schlosses Marienburg, endlich die Gelegenheit, auf der Reise nach Danzig B e r l i n als Haltestation wählen und die Reichs­hauptstadt besuchen zu können — das Alles sind Momente, um recht v iele B e su cher der 38. General­versammlung der Katholiken Deutschlands nach Dan­zig zu locken, ganz abgesehen von der hohen Be­deutung gerade der diesjährigen Tagung, in welcher die für uns Katholiken allerwichtigsten Fragen im Vordergrund der Besprechung und Berathung stehen werden. Möge also schon von heute ab im ganzen

* Der Reichstag nahm heute das neue Zucker­steuergesetz in 2. Lesung bis zu den enffcheideuden lieber» gangsbestimmungen an. In der Debatte, die sich zu § 1 entspann, und den Charakter einer Generaldebatte annahm, entwickelte zunächst Staatssekretär v. Maltzahn nochmals die Gründe, aus denen die Regierung zu dieser Vorlage gelangt sei. Fürst Hatzfeld (Rp.) for­derte feste Prämien, Dr. Witte (frs.) völliges Aufgeben des Prämiensystems, v. Bennigsen (ntl.) verlangte ! em weiteres Entgegenkommen in Bezug auf den lieber» gang zu einer Konsumsteuer. Ebenso machte Graf Stolberg-Wernigerode (kons.) seine definitive Zustim­mung zu der Vorlage von einer Verständigung über die Uebergangsbestimmungen abhängig. Reichskanzler v. Caprivi widersprach der Auffassung, daß die Regie­rung die Interessen der Landwirthschaft nicht aus­reichend berücksichtige, sei es hier, sei es beim Handels­verträge mit Oesterreich. Einer festen Prämie könne die Regierung nicht zustimmen. Wird heute eine Ver­ständigung nicht erreicht, so werde die Vorlage in der nächsten Session dem Reichstage wieder zugehen. Abgg. Ulrich und Heine (Soz.) griffen die Zuckerbarone an, die sich Prämien schenken ließen und ihre Arbeiter schlecht bezahlten. Abg. v. Kardorff (Rp.) legte die Nothwendigkeit des andauernden Schutzes der land- wirthschaftlichen Interessen dar. Abg. Dr. Barth ver­trat demgegenüber den freihändlerischen Standpuntt.

lockern Sandboden, wo die Kälte und Nässe nicht so schädlich wirken konnten. Erst in einigen Wochen wird man sich ein klares Bild davon machen können, wie viel der ungewöhnliche Winter verdorben hat. Zu den schlechten Ernte-Aussichten I kommen nun die fortwährenden Beunruhigungen der I n d u st r i e durch die immer neu ausbrechenden Ausstände. In hiesigen sehr maßgebenden Kreisen herrscht eine wahre Erbitterung gegen die Strikenden im Ruhrkohlengebiet; es läßt sich nicht ver­kennen daß die Stimmung für die Bergarbeiterbewegung eine stetig ungünstigere wird. Biele Bergleute, so kann man hören betrachteten und betrieben den Ausstand als einen förmlichen Sport. Es wird eben auf beiden Seiten gesündigt. Manche ! Grubenbesitzer sind und bleiben auch den berechtigten Forderungen der Bergarbeiter gegenüber unzugänglich, und die Arbeitermaffen werden dem Einflüsse gewissenloser Hetzer und Schürer leider immer zugänglicher. Wassollwerden? Nur mit größter Besorgmß kann man an die Zukunft denken. Zur Bervollstän- dlgung dieses Bildes muß hinzugefügt werden, daß die Ansichten bezüglich der auswärtigen Lage auch keineswegs so sorglose sind, als es nach manchen Auslassungen der Presse scheinen könnte. Die viel erörterte Ansprache des Kaisers bei dem Feste der Fahnenweihe klingt in der vom Wiener Fremdenblatt ver­breiteten Lesart gewiß nicht gerade beruhigend, und gleichzeitig wird die öffentliche Meinung erregt durch die Broschüre über „den Untergang Oesterreichs", welche man namentlich in Ungarn mrekt auf den Fürsten Bismarck zurückführt, oder doch von ihm emgeblasen glaubt. So viel ist gewiß: wohin man schaut, überall Ungewißheit, Besorgmß, Unruhe und Verwirrung. Es ist, mit dem Dichter von Dreizehnlinden zu reden, eine Zeit -*lm mit Ergrimmen Chamisso's Canon anzustimmen", und das alte Kirchengebet: Gott möge fern halten betrübte, armselige Zeiten, hat seine tzanz besondere Berechtigung.

katholischen Deutschland der Ruf unablässig erschallen: „Aus zum Katholikentage in Danzig!"

Anfragen in Sachen der 38. Generalversamm­lung sind einstweilen an den Vorsitzenden des Lokal- Comitä's, Herrn Kaufmann Joseph Fuchs in Danzig, zu richten.

K. V. D. XXXVIII. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

Deutsches Keich.

Berlin, 27. April.

* Die Nationalliberalen machen große Anstrengungen, das Sperrgeldergesetz zu stürzen. Neuerdings fordert die ,Nationalztg.' auf, dagegen zu stimmen. Man dürfe nicht die ungehorsame kathol. Kirche der reichs­treuen protestantischen vorziehen. Das Centrum treibe außerdem Obstruktionspolitik und müsse dafür gezüch­tigt »erben.

seiner Beute fortzuzerren. Der Mond war wieder hinter den Wolken hervorgekommen und beleuchtete die grauen­hafte Scene. Mr. Juxon rang mit seinem Hunde. Er wußte, daß das wüthende Thier, wenn er los ließe, sein Opfer zerreißen würde.

Allein er hatte kräftige Hände, und so sehr Stambul auch zerrte und röchelte, so gelang es ihm doch nicht, sich frei zu machen. Der Squire betrachtete den vom Mondlichte beschienenen Körper des Gefallenen. Er lag scheinbar leblos da; von einer Wunde war nirgends etwas zu erblicken.

Mr. Juxon befand sich in einer furchtbaren Lage.

war ebenso unmöglich, den Mann seinem unsicheren Schicksale zy überlassen, als sich ihm in Begleitung beS Hundes zu nähern. Er dachte gerade daran, ob es nicht am besten sei, Stambul erst abzuliefern und dann auf den Schauplatz des Unglücks zurückzukehren, — da klangen John's Rufe an sein Ohr.

„Hier!" meldete sich der Squire. John's rasche Schritte hallten auf dem Wege. Der Squire rief aber­mals und gleich darauf stand der junge Mann vor ihm und starrte entsetzt auf das schauerliche Bild, welches sich seinen Blicken bot.

„Kommm Sie dem Hunde nicht nahe!" rief ihm Mr. Juxon entgegen und dann fuhr er ruhiger fort: »Wie Sie sehen, ist hier ein Unglück geschehen. Sehen Sie einmal nach, ob der Mensch noch lebt."

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(28. Fortsetzung.)

„Mr. Short," stammelte Mrs. Goddard, sobald sie wieder zu sprechen fähig war, „ich glaube sicher, es ist etwas Entsetzliches geschehen — gehen Sie — gehen Sie, Mr. Short, und sehen Sie" —

Die Angst, welche in den abgebrochenen Worten lag, begann sich auch John mitzutheilen. Er befahl Reynolds kurz, bei den Damen zu bleiben, rannte dann über dm Fahrweg, setzte über das Parkthor und lief, fo schnell ihn seine Füße tragen konnten, die dunkle Allee entlang.

Mr. Juxon war, wie schon gemeldet, kurz vorher durch das Partthor getreten. Er schritt raschen Schrittes voran; Stambul folgte geräuschlos seiner Spur. Unge­fähr hundert Schritte vom Eingänge mtfernt, machte die Allee eine scharfe Biegung nach rechts und folgte dann dem Rande eines dichtbepflanzten Walles. Der Squire hatte den Wind im Rücken und dies verhinderte auch Stambrll, die Nähe einer Gefahr zu wittern. In dem Augenblicke, wo sein Herr dm Wmdepnnkt der Allee betrat, zog sich der Mond wieder hinter eine dichte Wolkenschicht zurück. Stetige Schritte weiter sprang ihm plötzlich eine Gestalt aus dem Dickicht '

Die Centrums-Fraktio« hat in diesem Winter nicht nur ben Abg. Windthorst burch ben Tob ver­loren, sonbern ist auch fortwährenb burch Krankheiten besonbers heimgesucht. Augenblicklich liegt ber Abg. Szmula an ber Lungenentzündung, der Abg. Metzner an einem Blntsturz danieder. Die Abgg. Dr. Lingens und Greiß haben längere Zeit an Lungenentzündung bezw. Rippenfellentzündung gelitten. Der Abg. Kochann war wochenlang durch einen Armbruch an's Haus qe= fesselt. Der Abg. Mosler befindet sich schon währmd der ganzen Session wegen eines Herzleidens im St Hebungs-Hospital. Der Abg. v. Monschaw wird seit Monaten durch Krankheit in der Heimath zurückgehalten. Eine Reihe von Mitgliedern ist kürzere Zeit durch Krankheit den Sitzungen entzogen gewesen.

I . * Das Centrum legte von allen Fraktionm zuerst j einen Kranz an Moltke's Sarg nieder. — GrafMoltke hat gerade am Tage seines Todes eine größere Arbeit über die Befestigung Helgolands beendet.

. * Man schreibt der .Kölnischen Volksztq.':

, „Betrübte, armselige Zeiten" stehen uns nach der Meinung Bieler bevor. Namentlich in den Kreisen der Landwirth­schaft ist die Stimmung eine ungemein gedrückte. Ein konser- vatives Mitglied des Abgeordnetenhauses, und zwar eines der ehrenfestesten und zuverlässigsten, schilderte mir heute die Sage der Gutsbesitzer m den östlichen Provinzen in den düstersten Farben. Er selbst denke daran, sein Gut zu verkaufen da er es nicht lange mehr halten könne. Es wäre thöricht, derartige Klagen durchaus vertrauenswürdiger und mit den Verhältnissen genau bekannter Männer als der Begründung vollständig ent­behrend zu betrachten. Nach Beendigung der dritten Berathung der Landgemeinde-Ordnung sind die meisten Gutsbesitzer des Hauses m die Heimath gereist, um nach ihren Aeckern zu sehen. Dieselben bieten in fast allen Landestheilen in Folge des langen und harten Winters einen wahrhaft trostlosen Anblick. In den letzten vierzehn Tagen habe ich zwei Mal den Weg zwischen Berlin und dem Rhein auf verschiedenen Strecken zurückgelegt I Man sah kaum ein schönes grünes Feld mit Winterfrucht, viele kahle Strecken und fast alles von grauer Farbe. Am besten stehen anscheinend noch die Saaten in der Mark mit ihrem