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Samstag, den 25. April 1891
18. Jahrgang
Fuldaer
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Deutsches Keich.
Berlin, 23. April.
* Der Kaiser ist heute nach Dresden gereist, um den König von Sachsen zu dessen heutigen Geburtstag persönlich zu beglückwünschen. — Der Kaiser trifft heute Abend, von Dresden kommend, in Eisenach ein. Die Kaiserin reist morgen von hier nach Weimar ab. — Anfang Mai findet, wie aus Wiesbaden gemeldet wird, gelegentlich der Reise des Kaisers nach Bonn, eine Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Grvßherzog von Luxemburg statt, der zu jener Zeit auf Seegenhaus weilt und von dort aus mit dem Kaiser zusammentrifft.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht heute amtlich die Bestellung des bisherigen Gouverneurs von Kamerun, Frhrn. von Soden, zum Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, ferner die Ernennung des bisherigen Kommissars für das Togogebiet, Zimmerer, zum Gouverneur von Kamerun, sowie die Stellung des Majors v. Wißmann und des Dr. Peters als Kommissare zur Verfügung des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika.
* Der päpstliche ,Moniteur de Rome' äußert sich über den neuen Kultusminister v. Zedlitz wie folgt: „Der neue Kultusminister hat die Hoffnungen der Polen nicht getäuscht. Durch eine Prüfung autorisirt er die Volksschullehrer, wieder Privatunterricht in der polnischen Sprache zu ertheilen. In den Schulen wird der Religionsunterricht überall, wo die religiösen Interessen diese Maßnahmen rechtfertigen, in polnischer Sprache ertheilt werden. Diese Entscheidung wird von allen Polen und von allen Katholiken mit Befriedigung ausgenommen werden. Herr v. Zedlitz beginnt seine
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(24. Fortsetzung.)
Mr. Juxon erinnerte sich der verschiedenen Fälle in feinem bewegten Leben, wo ihn die Rothwehr gezwungen, seine Kugel zu entsenden. Er hatte Keinen getödtet, aber manchen Angreifer kampfunfähig gemacht — manche Meuterei war durch seine Energie unterdrückt, mancher rohe Geselle war. mit einem Denkzettel versehen worden. Auch heute rief ihn die Pflicht der Selbsterhaltung zu den Waffen, und kein weltliches Gericht hätte die Art feiner Vertheidignng anzugreifen vermocht. Tausend Gründe unterstützten feine Absicht, aber eine Stimme in seinem Innern übertönte sie alle. Es war die Stimme der Ehre, welcher er seither rücksichtslos treu geblieben war. Ja, er wollte ein Edelmann in des Wortes schönster Bedeutung bleiben, er wollte der Versuchung widerstehen, wie trügerisch ihm auch die Vernunft zuredete.
Die ruhige Ueberlegung hatte den Squire im Verlaufe einer Stunde so weit gebracht, daß er die beabsichtigte Verfolgungsweise wie einen Mordgedanken verwarf. Stambul sollte ihn auf allen Gängen begleiten. Griff ihn Jemand an, so würde der Hund seines Amtes walten, von einer eigentlichen Hetzjagd
Amtsführung mit dem Takte und dem Geiste der Gere^tigkeit, welche einen Staatsmann kennzeichnen. Die Zurückziehung deS unglücklichen Schulgesetzes und der gegenwärtige Akt sind eine gute Voraussage für die Zukunft."
* Der Reichstag führte heute die 2.Berathuug des Arbeiterschutzes zu Ende. § 153, welcher dem Mißbrauch des Koalitionsrechts zu begegnen bezweckt und u. A. die Aufforderung zum Kontraktbruch mit Strafe bedroht, wurde mit 142 gegen 78 Stimmen abgelehnt, dafür stimmten Konservative und Nationalliberale, letztere mit wenigen Ausnahmen. In der Debatte plai- birten die Abgg. Müller und Dr. Hammacher (ntl.), sowie Frhr. v. Stumm für § 153, während Abgg. Förster und Stadthagen (Soz.), fowie Stütze! (Ctr.) die Verschärfungen bekämpften. Senator Burchardt wies die Angriffe Förster's auf die Haltung der Hamburger Behörden den Arbeitern gegenüber zurück. Der Rest deS Gesetzes veranlaßte keine bemerkeuswerthe Debatte. Morgen: Kleine Vorlagen.
* In der heutigen Sitzung setzte das Abgeordnetenhaus die 3. Lesung der Landgemeinde-Ordnung bei § 109 fort, welcher die Oeffentlichkeit der Sitzungen der Gemeindevertretungen bestimmt. Die Freisinnigen fordern Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Die Konservativen, welche in der Kommission für die Oeffentlichkeit gestimmt haben, beantragen durch den Abg. Boltz Ausschluß der Oeffentlichkeit, das Centrum mit einem Antrag Huene die Zulassung der großjährigen Gemeindeglieder. Die Konservativen begründen ihren Antrag mit der Unfähigkeit vieler Dorfschulzen, stürmisch verlaufende öffentliche Versammlungen zu leiten. Unter Ablehnung aller übrigen Anträge wird der Antrag Huene und mit ihm § 109 angenommen. § 146 enthält die Ausführungs- und Uebergangsbestimmungen und wird nach Beschluß der 2. Lesung bei demselben § 14 nochmals erörtert, welcher bestimmt, daß die bisherigen Maßstäbe der Steuern aufrecht erhalten werden können. § 146 und dessen Schlußpassus (früherer § 14) werden in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Folgt Bericht über den Beschluß der Geschäftsordnung, daß über den Wahlgesetz-Entwurf eine nochmalige Abstimmung binnen 21 Tagen nothig sei, da derselbe eine Verfassungsänderung enthalte. Das Haus tritt dem Beschluß bei. Nächste Sitzung Freitag. Tagesordnung: Schlußabstimmung über die Landgemeindeordnung, kleine Vorlagen, Novelle zum Nenten- gütergesetz. Schluß 4 Uhr.
* Das Herrenhaus nahm heute die Novelle zum Gesetz, betreffend die Bildung von Wassergenossenschaften für das Wuppergebiet, die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken, die Grenzregulirung mit Sachsen-Meiningen und den Entwurf, betreffend Heranziehung der
aber sollte dabei in keiner Weise die Rede sein. Der Squire setzte sich mit dem Bewußtsein, eine edle Entscheidung getroffen zu haben, an den Frühstückstisch. Allein der Appetit wollte sich nicht einstellen, und er erhob sich bald wieder, um den gewohnten Besuch in der Cottage anzutreten. In Rücksicht der gestern her- vorgerufenen Aufregungen war es natürlich, daß er sich nach Mrs. Gobdard's Befinden erkundigen mußte.
In der Halle trat ihm der verhängnißvolle Hund entgegen und hob die blutunterlaufenen Augen fragend zu ihm auf. Der Squire zauderte einen Augenblick, dann rief er entschlossen:
„Komm mit, Stambul!"
Der Hund legte seine großen Tatzen auf die Schultern seines Herrn und versuchte, in der Freude dessen Gesicht zu lecken. Er warf den starken Mann fast dabei um. Beim Zurückspringen glitt er auf dem glatten Flur ans, schnellte wieder empor und setzte dann mit riesigem Sprunge in den Park hinaus. Mr. Juxon rief ihn zurück, und Stambul folgte während des Weitergehens bedächtigen Schrittes seiner Spur. Die innere Unruhe, welche den Squire beherrschte, war diesem etwas vollständig Neues. Er erwariete nicht von Goddard, bei hellem Tageslicht angegriffen zu werden, aber er blickte doch unwillkürlich um sich und hielt den dicken Hagedornstock fest in der Hand.
Als er die Cottage erreicht und harrend vor der
Fabriken u. s. w. mit Vorausleistungen für den Wegebau in der Provinz Schleswig-Holstein an. Morgm Berathung des Einkommensteuergesetzes.
* Superintendent Faber, Prediger an der Johan- neskirche in Magdeburg, welcher einen Ruf als Hof- und Dom-Prediger nach Berlin angenommen hat, tritt, laut der ,Kreuzzeitung', in die dritte Dompredigerstelle, welche bisher Schrader inne hatte, wird also nicht der Nachfolger Stöckers, der die zweite Stelle hatte. Eine Bestimmung des Kaisers über die weitere Amtsthätig- keit Schraders am Dom ist noch nicht erfolgt. Die ,Magd. Ztg.' schreibt über Faber: „Der evangelische Oberkirchenrath hatte dem Kaiser diese Wahl einhellig zum Vorschlag gebracht. Der neue Hofprediger gehört der evangelischen Mittelpartei an und ist ein treuer Vorkämpfer des Evangelischen Bundes."
* Vom Verband deutscher Pastasfistenteu schreibt man der ,Köl. Bztg.': Wiederum müssen wir über fortgesetzte Maßregelungen berichten. Der Zahlmeister des Bezirksvereins Köln, ein Ober-Telegraphen-Assistent, welcher bereits zwanzig Jahre beim dortigen Tele- graphen-Amt beschäftigt war, ist urplötzlich nach Bonn versetzt worden. Es ist bereits die vierzehnte Versetzung von Vorstandsmitgliedern, welche im „Interesse des Dienstes" allein in Köln voraekommen ist. Wir erachten es als Pflicht der Presse, solche Dinge stets wieder an die Oeffentlichkeit zu ziehen, und die feste Erwartung auszusprechen, der Reichstag möge nochmals ein deutliches Wort in der Sache reden. Entweder kann der Verband verboten werden oder nicht; so lange ersteres nicht der Fall ist, soll man seine Mitglieder in Ruhe lassen, anstatt dem Verein auf Umwegen durch Maßregelungen zu Leibe zu gehen.
* Msgr. Seb. Schäffer in Köln feierte gestern sein fünfundzwanzigstes Jubiläum als Generalpräses der katholischen Gesellenvereine. Wir entnehmen der Festrede, die gelegentlich dieses Jubiläums am letzten Sonntage im Lokalverein Speyer gehalten wurde, nachstehende Notizen: Generalpräses Schäffer wurde am 16. April 1822 in Koblenz geboren und wurde 1852 zum Priester geweiht. Seit seiner Priesterweihe hat er sich stets der Sache des Handwerks angenommen. Er war Gründer und 13 Jahre lang Präses des Trierer Gesellenvereins, bis er nach Kolpings, des Gesellenvaters, Tod berufen ward, das große Werk Kolpings fortzuführen. Schäffer besitzt die Eigenschaften zu einem zweiten Kolping, und die 800 Vereine mit ihren nach hunderttausend zählenden Gesellen blühen sichtlich unter seiner umsichtigen Leitung. Es bedarf zu diesem Berufe eines gelehrten und noch mehr eines opferwilligen Mannes und beides vereinigt Schäffer in sich in seltenem Maße. Nomen et omen dürfte man von ihm sagen, denn „Schäffer"
Thür stand, schnupperte Stambul am Boden, warf den Kopf auf, roch wieder auf der Erde herum und trabte dann langsam zu dem links vor der Thüre gelegenen Fenster. Dort legte er sich nieder und blickte seinen Herrn an. Martha ließ lange auf sich warten.
„Such, Stambul!" sagte der Squire beinahe unbewußt, indem er ihn beobachtete. Der Hund spürte mit der Nase nach unten langsam herum. Zu gleicher Zeit öffnete sich die Thür.
„Ach, Sie sind es, gnädiger Herr," empfing ihn Martha. „Mrs. Goddard hat mir gesagt, gnädiger Herr, ich sollte Ihnen sagen, daß sie sich heute sehr schlecht befinde."
„Sie wird doch nicht ernstlich krank sein?" forschte Mr. Juxon beängstigt.
„Sie' ist freilich aufgestanden, gnädiger Herr, aber ihr Kopf that ihr so weh, daß sie wieder in ihr Schlafzimmer zurückgegangen ist. Aber sehen Sie doch einmal Ihren Hund, gnädiger Herr, der läuft ja nach Hause zurück!"
Sie hatte es kaum gesagt, da klang ein Laut an ihr Ohr, welcher sie erbeben machte. Es war ein wilder, bald leise, bald laut anklingender Schall, deffen schauerliche Tone im Walde wiederhallten — das Gebell eines Bluthundes auf der Menschenspur. Wer dm markerschütternden Ton einmal gehört, dem wird er ewig unvergeßlich bleiben.