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!8. Jahrgang

Freitag. Den 24. April 1891.

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Fuldaer Zeitung

Dr»ck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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Deutsches Keich.

Berlin, 22. April.

* Ueber die Rede, welche der Kaiser am Samstag bei dem Festmahl anläßlich der Fahnenweihe gehalten hat, sind nur unvollkommene, einander zum Theil widersprechende Berichte in die Oeffentlichkeit gelangt. Einzelne Aussprüche, die unter Umständen ein politi­sches Interesse beanspruchen, wie der vom innern Feind und vom Segen der Reformation, haben wir berichtet. Es verlautet aber jetzt in parlamentarischen Kreisen, daß die Rede noch einen weiteren politisch bedeutenden Inhalt gehabt habe, über den Sicheres nicht zu erfahren ist. Es waren nur Militärs bei dem Feste zugegen. Man durste nach früheren Vorgängen erwarten, daß der ,Reichsanz.' den Wortlaut der Rede mittheilen würde, das ist nicht geschehen. Es wäre einigermaßen auffallend, wenn es überhaupt unterbliebe.

* Officiös wird mitgetheilt, die Regierung beab­sichtige eine planmäßige Lösung der Arbeiter-Wohnungs­frage in Berlin. Wie, das wird noch nicht gesagt.

* Wie verschiedene Blätter melden, ist dem ersten Vorsitzenden des Verbands deutscher Post-Assistenten, Post-Assistent Funk, zum 8. Juli von Seiten des Reichs-Postamtes der Dienst gekündigt worden mit der Begründung, daß Funk trotz ernstlicher Verwarnung fortgefahren, für den Verband zu wirken und Flug­schriften zu Gunsten des Verbandes versandt habe. Herr Funk war bereits 13 Jahre im Dienste und ist Fa­milienvater. Vielfach wird der Wunsch wiederholt, daß diese ganze unerquickliche Angelegenheit nochmals gründlich im Reichstag zur Sprache gebracht werde. Die ,Köln. Volksztg.' erinnert daran, daß in der Reichs­tagssitzung vom 16. März bei der dritten Lesung des Post-Etats auch der Abg. Schädler (Centr.) sich warm des gemaßregelten Verbandes angenommen hat.

* Aus Bremen wird berichtet: Der vorjährigen nordwestdeutschen Gewerbeausstellung folgt in diesem Jahre die Wanderausstellung der Deutschen Land- wirthschafts-Gesellschaft, und schon haben sich neben unserm Bürgerpark, dem schönen Schauplatz der vor­jährigen Gewerbeausstellung, eine große Reihe von Bauten auf einem 15 Hektar großen Gelände erhoben. Wie auf den früheren Ausstellungen der Deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft sind diese Bauten einfache Zeltschuppen, unter denen die Thiere während der warmen Jahreszeit am besten aufgehoben sind. Eine Reihe anderer ähnlicher Baulichkeiten bergen die Er- zeugniffe und einen Theil der Maschinen, während der größere Theil der letzteren im Freien Aufstellung findet. Das Ganze macht einen überaus praktischen Eindruck, auch sind die Bauten so weit gefördert, daß

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(23. Fortsetzung.)

„Vielleicht genügt es auch schon, ihm einen ordent­lichen Schrecken einzujagen," fuhr der Squire fort. „Wenn es Nacht wird, wollen wir einmal sehen, was sich mit dem Herrn anfangen läßt. Wann hat er eigentlich seine liebenswürdigen Absichten gegen mich ausgesprochen?"

„Ich glaube, gestern Abend," erwiderte Mr. Am- brose etwas befangen.

„Und wann sah er mich in die Cottage gehen?"

„Vermuthlich gestern Nachmittag." Es war dem Pfarrer, als fiele er durch diese Angaben bereits aus der übernommenen Beschützer-Rolle.

„Er muß also in der Cottage selbst oder im Parke gewesen sein, auf dem Wege hielt sich Niemand auf, das weiß ich gewiß."

„Darüber kann ich nichts sagen," freute sich Mr. Ambrose erwidern zu dürfen.

Die Bereitwilligkeit, mit wacher er jeder näheren Auskunft aus dem Wege ging, war so augenscheinlich, daß sie Mr. Juxon auffallen mußte.

„Sie scheinen Goddard's Gefangennehmung nicht unterstützen zu wollen," bemerfte er etwas scharf.

„Ich möchte, offen gestanden, wenigstens nicht dazu

sie geraume Zeit vor der Eröffnung der Ausstellung, am 4. Juni, fertig sein werden.

* Geestemünde, 21. April. Ueber die Anstrengungen der Sozialdemokratie im 19. hannoverschen Wahl­kreis berichtet der ,Hamb. Korr.': „Eine Woche hin­durch unterhielten sie 30 Agitatoren im Wahlkreis; am Sonntag, wo sie in vielen Tausenden von Exem­plaren ein Flugblatt verbreiteten, hatten sie von Ham­burg aus einen Succurs von mehreren hundert Mann bekommen." Und trotzdem einen so starken Rückgang der Stimmen gegen den Februar 1890.

* Zoppot, 22. April. Der Oberpräsident von West­preußen, Herr von Leipziger, ist heute Nachmittag ge­storben.

* Metz, 20. April. Einige reichsländische Blätter find angelegentlich bemüht, den Paderborner Bischofsstuhl zu besetzen. Zunächst versicherte die Metzer Post', Herr Seminar-Direktor N i g e t i e t Hierselbst sei dafür „in Aussicht genommen", und heute weiß die ,Straßb. Post' zu berichten, es liege da „eine Ver­wechselung" mit dem frühern Gymnasial-Direktor zu Montigny, jetzigem Dompropst in Trier, Dr. Scheuff­gen, vor. Diese Meldungen sind völlig aus der Luft gegriffen. In Preußen pflegt die Besetzung der Bischofs­stühle in anderer Weise zu erfolgen, als in Elsaß- Lothringen. Dort haben die Domkapitel bekanntlich das W a h l r e ch t und reichen eine Lifte mit den Namen mehrerer Kandidaten der Staatsregierung ein; es wird also nicht, wie im Reichslande, ein einzelner Kandidat „zum Bischof ausersehen".

* Limburg, 21. April. Ueber die Audienz des Herrn Abg. Cahensly beim hl. Vater ging dem ,Nass. Boten' aus Rom folgender, vom 17. April datirter Bericht zu: Der Generalsekretär des deutschen St. Raphael-Vereins, der Abgeordnete Cahensly wurde als Vertreter des im Dezember 1890 in Luzern abgehaltenen internationalen Kongresses der Auswan­derer-Schutzvereine gestern Nachmittags 1 Uhr vom hl. Vater in Privat-Audienz empfangen. Der Maestro di Camera Monsgr. Della Volpe geleitete Herrn Ca­hensly durch die Vorzimmer zu den Privatgemächern des hl. Vaters und stellte denselben dem hl. Vater vor. Der Papst reichte sogleich Herrn Cahensly die Hand und den Ring zum Kusse dar und Herr Ca­hensly hatte die hohe Ehre, Leo XIII. in den Thron­saal bis zu seinem Throne geleiten zu dürfen. Es war nun Herrn Cahensly zu den Füßen des hl. Vaters knieend die erwünschte Gelegenheit gegeben, mit dem hl. Vater sprechen zu können. Nachdem Herr Cahensly die Hauptpunkte des in Luzern beschlossenen und von den Vorständen der Auswanderer-Schutz­vereine, resp. Raphaels-Vereine von Deutschland, mitwirken — aber, nicht wahr, die Wahrscheinlichkeit liegt auch nicht vor?"

„Darum kümmere ich mich nicht. Ich will nur sehen, daß ich ihn zu fassen bekomme. Wenn es ohne Aufsehen und Blutvergießen abgehen kann, so" —

„Aber, Mr. Juxon, Sie werden ihn doch nicht umbringen wollen!" unterbrach ihn der Pfarrer.

„Ich gewiß nicht, aber mein Hund vielleicht. Sie wiffen, Mr. Ambrose, diese Thiere sind sehr schlimm. Sie finden jede Fährte, ■ die man sucht. In Rußland benutzt man sie, um die aus Sibirien entkommenen Sträflinge aufzufinden."

Mr. Ambrofe schauderte. Der brave Squire er­schien ihm fast ebenso blutdürstig wie Goddard selbst. Der Gedanke, Menschen mit Bluthunden zu verfolgen, lag seinen englischen Anschauungen allzu ferne, und es war ihm unfaßlich, wie sich fein biederer Landsmann zu einer solchen Grausamkeit herbeilassen könne. Er vergaß, daß die Jagd auf Papisten, Dissidenters und politische Rebellen noch vor wenigen Generationen ein Hauptsport im freien England gewesen war.

„Mr. Juxon," warf er erregt ein, „ich glaube wirklich, Sie thäten besser, sich mit den Mitteln zu schützen, welche Ihnen das Gesetz an die Hand gibt. Im Interesse der Menschlichkeit." —

„Die Menschheit hört auf, wenn ein Mann das Leben eines anderen bedroht. Sie geben selbst zu, Mr. Ambrose, daß mein Leben nicht sicher ist, so lange sich

Oesterreich, Belgien, Schweiz und Canada unterzeich­neten Eingabe vorgelesen und Se. Heiligkeit um den Schutz, besonders in religiöser Beziehung der nach Amerika so zahlreich (300—400,000 jährlich) aus- wandernden Katholiken ersucht hatte, geruhte Se. Heiligkeit, das Schriftstück entgegenzunehmen mit dem Bemerken, daß er dasselbe einer aufmerksamen Prüfung unterziehen würde. Der Papst nahm nunmehr die ihm von Herrn Cahensly gemachten Mittheilungen über den verstorbenen Centtumsführer Dr. Windt- horst mit großem Jnteresie entgegen, indem er sein Bedauern über dessen Hinscheiden aussprach. Der hl. Vater dokumentirte für das Centrum und dessen Führer das wärmste Interesse und acceptirte gern die ihm von Herrn Cahensly präsentirte Photographie der beiden verstorbenen Centrumsführer, des Freiherrn v. Francken- stein und Dr. Windthorst. Der Papst sah vortrefflich aus und bewegte sich elastischen Schrittes durch seine Gemächer. Es ist bewundernswerth, daß Se. Heilig­keit die großen Anstrengungen der zahlreichen Audienzen so gut erträgt. Er empfing noch einige Personen in Privataudienz und sodann in den beiden anschließenden Sälen die deutschen Jerusalemspilger und zahlreiche andere Personen, die zum Fußkusse zugelassen wurden. Unmittelbar nach der Audienz beim Papste wurde Herr Cahensly von Sr. Eminenz dem Herrn Kardinal­staatssekretär Rampolla empfangen.

* Essen a. d. R., 22. April. Der Strike gewinnt größere Ausdehnung. Es sind 11 Zechen schon theil- toeife ausständig. Die Lage wird als ernst angesehen. Am Freitag findet hier eine Delegirten - Versammlung statt. Die Versammlung am nächsten Sonntag in Bochum wird ausschlaggebend sein. (Frkf. Ztg.)

* Aus München schreibt man dem ,Fränkischen Volksbl.': Die bekannte literarische „ G e s e l l s ch a f t f ü r m od ern es Leb en", die schon zn wiederholten Malen die öffentliche Aufmerksamkeit in sehr unrühmlicher Weise auf sich zog, hat neuerdings durch einen Aufsatz in ihrem Vereinsorgan vor aller Welt dargethan, was für ein Geist dort waltet. Der nie zu entschuldigende Selbstmord wird nämlich hier von einem gewissen Dr. Panizza geradezu als etwas unter Umständen Noth- wendiges und Heldenmüthiges dargestellt und dem großen Publikum der Weg gezeigt, wie es unter An­wendung einiger sophistischer Schlüsse sich leicht aus einer unangenehmen Situation befreien köüne. Ange­sichts solcher Lektüre wird man sich über die Sitten­zustände, die Verbrecher- und Selbstmordchronik der bat)er. Hauptstadt nicht mehr wundern und man be­greift es dann auch, daß gerade in jüngster Zeit öfter der traurige Fall vorkommen konnte, daß junge Burschen im Alter von 16 Jahren und darunter zum Revolver

Goddard hier umhertreibt. Wenn Sie sich dennoch meiner Weise, ihn zu sangen, widersetzen, so ist das nicht logisch."

Die Richtigkeit dieser Behauptung leuchtete dem guten Mann zwar ein, allein er dachte in diesem Falle vor Allem daran, den Squire von seinem barbarischen Vorhaben abzubringen.

„Ich meine," begann er von Neuem, „daß man mit Hülfe von Gall und vielleicht auch von einem Ge­heimpolizisten" —

„Gall ist überhaupt ein altes Weib, Mr. Ambrose, und was den Geheimpolizisten betrifft, so braucht man mindestens 24 Stunden, um einen solchen zu requiriren. In 24 Stunden aber kann der Strolch Alles ausge- ührt haben, was er vorhatte."

„Den Weg in Ihr Haus, Mr. Juxon, kann er sich doch nicht erzwingen."

„Ich würde also genöthigt sein, ihm zu Ehren zu Hause zu bleiben? Nein, das fällt mir nicht ein. Viel­eicht hat er auch während deffen seinen Entschluß ge­ändert und ist weitergegangen. Die Folge davon würde fein, daß Mrs. Goddard bis zu ihrem Lebensende keine ruhige Stunde mehr hätte."

„Er würde gewiß niemals wieder zurückkommen," wandte der Pfarrer ein.

„Warum denn nicht? Sie wird ihm natürlich, so oft er kommt, Geld geben — und je mehr Geld sie