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Donnerstag, den 23. April 1891.

18. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

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* Eine Kede des Fürsten Kismarck.

Am Tage vor der Wahl hat Fürst Bismarck eine Rede bei dem Empfang des Vorstandes des Kieler konservativen Vereins gehalten. Die Rede, welche die ,Hamb. Nachrichten' als eine „bedeutsame" bezeichnen, wird kluger Weise aber erst nach dem Wahltage ver­öffentlicht, und zwar durch das .Kieler Tagebl.' und durch die ,Hamb. Nachrichten'. Vor der Wahl wäre diese Rede, welche den konservativen Standpunkt des Fürsten Bismarck betont, nicht gerade geeignet ge­wesen, die Nationalliberalen im 19. hannover­schen Wahlkreis zu begeistern. Der konservative Verein in Kiel ist ja herzlich unbedeutend, doch darauf kommt es nicht an, sondern auf dasjenige, was Fürst Bis­marck gesagt hat. Nach dem Dank für die Glückwünsche zu seinem Geburtstage äußerte sich derselbe wörtlich, wie folgt:

Es freut mich besonders, daß es ein konservativer Verein ist, der mir eine solche Ehre erzeigt, denn auch ich habe stets auf konservativem Boden gestanden. Man fragt oft: Was heißt konservativ? Wörtlich übersetzt heißt's erhaltend, aber dies Erhaltende besteht nicht etwa darin, daß man immer vertritt, was die jedesmalige Regierung will. Denn diese ist etwas Wandelbares, die Grundlagen des Konser­vatismus aber sind beständig. Es ist also nicht nöthig oder auch nur nützlich, daß die konservative Partei unter allen Umständen ministeriell sei, konservativ und ministeriell fällt nicht immer zu­sammen : Ich habe als Minister die Konservativen ja oft genug zu Gegnern gehabt und ihnen das nicht zum Borwurfe ange­rechnet, soweit ihre Angriffe sich nicht auf das persönliche Gebiet erstreckten, wie zu den Zeiten der ,Reichsglocke'. Es gibt ein altes, gutes politisches Sprichwort: Quieta non movere, d. h. was ruhig liegt, nicht stören, und das ist echt konser­vativ; eine Gesetzgebung nicht mitmachen, die beunruhigt, wo das Bedürfniß einer Aenderung nicht vorliezt. Auch in mini­steriellen Kreisen gibt es Leute, die einseitig das Bedürfuiß haben, die Menschheit mit ihren Elaboraten glücklich zu machen. Eine Regierung, welche nnnöthige Neuerungen vertritt, wirkt antikonservativ, indem sie gesetzliche Zustände, die sich als brauch­bar bewährt haben, ändert ohne Anregung durch die Bethei­ligten.

Nachdem Fürst Bismarck alsdann ausgeführt, daß seine Bemühungen um die deutsche Einheit echt konser­vativ gewesen seien, meinte er, daß es nicht noth- wendig sei, einer Fraktion anzugehören, um konservativ zu sein. Deshalb habe er sich auch um das Kartell zwischen den Konservativen und Nationalliberalen Mühe gegeben und bedaure es, wenn das Kartell zerfalle. Die Rede schloß wie folgt:

„Meine Wünsche sind nicht gegen die jetzige Regierung ge­richtet, ich möchte nur, daß sie den erwähnten lateinischen Spruch Quieta non movere beachtete, als einen der obersten staatlichen Grundsätze. Ich sage das nicht aus Oppositionslust, sondern weil ich an dem gedeihlichen Fortgänge der Zustände Interesse nehme, zu deren Bildung ich mitgewirkt habe. Man hat von mir verlangt, ich solle mich um Politik nicht mehr kümmern. Niemals ist mir eine größere Dummheit vorgekommen, als diese unerhörte Forderung. Sachverständige haben bei öffentlicher Be­handlung von Fragen, die in ihr Fach einschlagen, das Recht und unter Umständen die Pflicht, mitzureden, und ich glaube nach

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(22. Fortsetzung.)

„Ich will jetzt gehen," sagte er. „Seien Sie von meiner vollkommenen Theilnahme überzeugt, Mrs. Goddard. Ich werde Alles thun, was ich kann."

Sie dankte ihm durch einen Blick, der mehr sagte, als es Worte zu thun vermochten. Ihr blindes Ver­trauen gab ihr das Gefühl, als habe sie mit dem Bekenntnisse auch zugleich die Verantwortung von sich abgewälzt. Die noch fließenden Thränen waren fast mehr Thränen der Erleichterung als des Schmerzes.

Der Pfarrer begann sich erft auf dem Wege zum Schlosse der ganzen Schwere seines Auftrages bewußt zu werden. Nicht Furcht, aber ein unbewußtes Grauen vor der Entwickelung der Katastrophe lastete auf seinem Gemüthe. Die Gelehrten würden dieses Gefühl in das undurchdringliche Bereich der Ahnungen verwiesen haben. Wer oft einer großen Enffcheidung gegenüber­stehen muß, kennt nur zu wohl den Vorgang in unferm Innern, durch den sich die Warnungsstimme des Schick­sals vernehmen läßt.

Es schien nichts einfacher, als dem Squst: zu sagen: „Nimm Dich vor einem Manne in A^t, der

meiner langen Amtsführung nicht ganz ohne Sachkenntniß zu sein. Meine Mitwirkung kann sich jetzt nur mehr nach der negativen Seite hin äußern, aber einer Maßregel gegen­über, die ich für schädlich halte, mein fachmäßiges Unheil aus­zusprechen, werde ich mir von Niemandem verbieten lassen. Dies ist auch konservativ, glaube ich, konservativ: nicht ministe­riell, sondern erhaltend. So begrüße ich Sie als meine poli­tischen Freunde und hoffe, daß Sie Alle, die hier im Zimmer sind, in diesem Sinne sich konservativ nennen. Ich werde nicht lange mehr Ihr Mitarbeiter sein. Möchten diese politischen Grundsätze nicht mit mir aussterben, sondern unsere politische Arbeit in der Bahn weitergeführt werden, die unser hoch­seliger Herr vorgezeichnet hat."

Schade, daß Fürst Bismarck nicht schon als Mini­ster solche schönen parlamentarischen Grundsätze gehabt hat. Damals aber warf er anderen Leuten es bestän­dig vor, wenn sie nicht ministeriell sich verhielten, son­dern „nach der negativen Seite" hin sich äußerten gegen Maßregeln, die sie für schädlich erachteten. Unter den „vom hochseligen Herrn" vorgezeichneten Maß­nahmen versteht eigentlich Fürst Bismarck nur seine eigene innere Politik. Niemand hat von dem Fürsten Bismarck verlangt, daß er sich der Aeußerung von An­sichten enthalten solle; im Gegentheil. Aber die Ab­fassung anonymer Zeitungsartikel stellt doch nicht gerade die für seine Person angemessene Form der Meinungs­äußerung dar. Die ganze Rede athmet übrigens nur Opposition gegen seinen Nachfolger und die jetzige Re- gierung. ______

Deutsches Deich.

Berlin, 21. April.

* Aus dem jetzt vorliegenden Bericht der Sperr- gelderkommission des preuß. Abgeordnetenhauses sind die Ausführungen des Finanzministers von Interesse, Derselbe erklärte nach diesem Bericht, daß seitens der Finanzverwaltung die diesjährige Vorlage der vor­jährigen entschieden vorgezogen werde, da sie durch erstere der dauernden Verwaltung des Fonds und der für jetzige Verhältnisse immerhin hohen Verzinsung desselben überhoben werde. Die Regierung halte eine völlige Herstellung des Friedens zwischen dem Staate und den beiden Konfessionen des Landes dringend ge­boten. Die Regierungsvorlage erscheine als ein hierzu geeignetes Mittel, da sie den Wünschen der katholischen Bevölkerung thunlichst entspreche und auch für die An­gehörigen der evangelischen Konfession und die Staats­regierung nichts Unannehmbares enthalte. Ein Rechts­anspruch auf Rückgabe der gesperrten Summe an irgend Jemand, sei es an die Gesperrten, sei es an die katho­lische Kirche als solche, werde nach wie vor nicht an­erkannt. Es sei aber doch geboten, daß die Gelder, welche während des Kriegszustandes nicht konfiscirt, sondern nur einbehalten seien, und welche auch heute Niemand konfisziren wolle, nach Aufhören des Kriegs­zustandes wieder herausgegeben würden. In Betreff

einen Kittel trägt. Es ist der Fälscher Goddard, und der geht mit der Absicht um, Dich zu ermorden."

Das war sehr einfach, aber es war schon schwieriger, den richtigen Mann im Kittel herauszufinden. Der Pfarrer hätte auf hundert Schritte jedes fremde Ge­sicht heraus zu finden vermocht — die Personen- kenntniß des Squires war jedoch sehr, beschränkt. Mr. Ambrose sagte sich, daß er jedenfalls am besten thun würde, ganz zu Hause zu bleiben und Gall mit.der Verhaftung jedes verdächtigen Subjektes zu betrauen. Wo mochte sich der Flüchtling versteckt haben? Es war keine Kleinigkeit, in Billingsfield, wo Jeder seinen Nachbar kannte, unbemerkt zu bleiben. Jeder Hausirer oder Landstreicher wurde mißtrauisch beobachtet. Selbst in der Cottage wäre es des Gesindes wegen unmöglich gewesen, ihn zu verstecken. Der Pfarrer schritt rasch vorwärts. Hier und da blickte er scheu um sich. Wer weiß, ob Goddard nicht hinter irgend einer Eiche lauerte und ihn im Eifer mit dem Squire verwechselte. Der hohe Hut und das geistliche Gewand boten zwar einige Garantie, aber von einem Verrückten kann man Alles erwarten. Er erreichte glücklich das Schloß; aber ehe er eintrat, wendete er sich noch einmal um und ließ den Blick zwischen den entblätterten Bäumen des Parkes hindurchschweifen.

der Verwendung der nach Entschädigung derjenigen welche Einbuße erlitten hätten , etwa übrigbleibenden Beträge schenke die Staatsregierung den katholischen Bischöfen ausreichendes Vertrauen, daß sie diese in der That nur zu den von ihnen angegebenen unver­fänglichen Zwecken verwenden würden. Auch habe es die Regierung vermöge ihres Aufsichtsrechtes in der Hand, die Verwendung in der von denselben ange­gebenen Art durchzusetzen.

* Der Reichstag setzte die Berathung des Arbeiter­schutzgesetzes bei dem von der Kommission abgelehnten § 153, welcher den Mißbrauch des Koalitionsrechts verhindern will, fort. Abg. Dr. Schädler erklärte Namens des Centrums, daß dasselbe gegen den Para­graphen stimme, weil derselbe zu dehnbar sei und andrerseits den Arbeitern die Anwendung des Koali­tionsrechts erschwere, während Unternehmer-Kartelle und Ringe gegen die Arbeiter nicht beschränkt würden. Abg. Liebknecht (Soz.) führte aus, daß lediglich das unbeschränkte Koalitionsrecht einen friedlichen Üebergang ermögliche, wie ein Blick auf England beweist und be­gründete dann ein Antrag seiner Fraktion auf Bestra­fung derjenigen Arbeitgeber, welche ihre Arbeiter von der Betheiligung an Strike-Koalitionen zu verhindern suchen. Handelsminister Frhr. v. Berlepsch legte dar, daß die Regierungsvorlage keine Beschränkung des Koalitionsrechts, sondern nur einen Schutz der arbeits­willigen Arbeiter gegen Vergewaltigung durch strikende Genossen bezwecke. Abg. Dr. Gutfleisch erklärte, daß die Freisinnigen die Ablehnung des Paragraphen zur conditio sine qua non ihrer Zustimmung zum ganzen Gesetz machten. Abg. Dr. Hartmann erklärte, daß die Konservativen auf dem Boden der Reg.-Vorlage ständen, da es nothwendig sei, dem bei Strikes geübten Terro­rismus wirksam zu begegnen. Abg. v. Kardorff (Rp.) machte die Annahme des § 153 in der von der Re­gierung vorgeschlagenen Fassung seinerseits zur conditio sine qua non seiner Zustimmung zu dem Gesetze über­haupt. Den sozialdemokratischen Standpunkt vertraten ferner noch die Abgg. Bebel und Singer, welche sich über das Vorgehen des Verbandes der Metall-Indu­striellen und der sächsischen und Hamburger Behörden gegenüber den Arbeitern verbreiteten. Ihnen antwor­teten der sächsische Generalstaatsanwalt Held und der hamburgische Senator Burchardt, welche den Vorwurf einseitiger Vertretung der Unternehmerinteressen zurück- wiesen. Hierauf wurde die Weiterberathung vertagt. Donnerstag kleine Vorlagen.

* Das Abgeordnetenhaus setzte heute die 3. Bera­thung der Landgemeinde-Ordnung fort. Die meisten §§ werden in der Fassung der 2. Lesung angenommen. Nur wird § 29 dahin abgeändert, daß die Streitig­keiten im Ablösungsverfahren dem Verwaltungsgericht überwiesen werden. § 45 erhält den Zusatz, daß das

10. Kapitel.

Mr. Juxon empfing den Pfarrer wieder in seiner Bibliothek. Er setzte voraus, daß derselbe gekommen sei, um sich nach dem Resultate seines gestrigen Besuches in der Cottage zu erkundigen. Er selbst war gerade wieder im Begriffe gewesen, dorthin zu gehen, und bedauerte, daß der gute Mann nicht eine Stunde früher oder später gekommen sei. Mr. Ambrose kündigte sogleich an, daß er eine Botschaft — eine sehr wichtige Botschaft zu überbringen habe.

„Wirklich?" fragte der Squire, indem er fein sorgenvolles Gesicht betrachtete.

„Ja, ich will es lieber gleich heraussagen. Mrs. Goddard ließ mich heute Morgen rufen. Sie hat ihren Gatten, der sich hier in der Nähe versteckt hält, wirklich schofi gesehen. Er kam in der gestrigen und in der vorgestrigen Nacht an das Fenster ihres Wohn­zimmers!"

„Um Gottes Willen, das ist ja unglaublich!" rief Mr. Juxon aus.

„Aber es ist noch nicht das Schlimmste von der Sache," fuhr der Pfarrer düster fort und heftete die Augen auf des Squires Gesicht. „Der niederträchtige Kerl hat gedroht, Sie ums Leben zu bringen, Mr. Juxon."

Der Squire starrte den Pfarrer einen Augenblick