Einzelbild herunterladen
 

II

Für btt

Fulda.

K

den 18.

88

Samstag

Redaction verantwortlich:

in

April 1891.

Druck u. Brrlag bet Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

«« .Kuldaer Zeitung' erscheint täglich, Soun- mtb Feiertage ausgenommen.

Iuserate koste» die einspaltige Zeile ober bereu Raum U Ws-, bei »ieberholungeu entsprechender Rabatt.

18. Jahrgang

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer» ' lohn und Bestellgeld mit der

belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Deutsches Keich.

Berlin, 16. April.

* Das nunmehr aus 81 Wahlbezirken im 19. hanno- ver'schen Wahlkreise vorliegende Resultat ergab für Fürst Bismarck 6481, Adloff 2158, v. Plate 2777 und Schmalfeld 3664 Stimmen. Aus 15 Wahl­bezirken fehlen die Resultate noch. Fürst Bismarck kommt also mit dem Sozialdemokraten Schmalfeld in die Stichwahl und wird voraussichtlich als Sieger aus derselben hervorgehen. — Mit welcher Spannung man im 19. hannoverschen Wahlkreise dem Wahl- ergebniß entgegensieht, bekunden verschiedene Inserate in dortigen Blättern. So zeigt ein Gastwirth „großes Wahlconcert" an, ausgeführt von der Matrosenaitillerie- kapelle. Die Wahlberichte würden dabei sofort nach Eintreffen zur Verlesung kommen. Derselbe Wirth sucht 46 Jungen zum Depeschentragen. Ein anderer Wirth in Geestemünde kündigt an, daß in seiner Wirthschaft die neuesten Nachrichten über die Wahlergebnisse ein­zusehen feien. — Ein Berliner Blatt weiß ferner zu berichten, daß bei Neuhaus a. d. Oste (im 19. Hann. Wahlkreise) Ausschreitungen zwischen Bauern und Sozialdemokraten stattgefunden hätten.

* Die,Nationalztg.' bezeichnet als völlig unrichtig die Vermuthung einzelner Blätter, daß die Broschüre des Generals Boguslawski zu Gunsten der zweijähri­gen Dienstzeit ein von maßgebender Stelle entsandter Versuchsballon sei.

* Der neue deutsch-österreichische Handels-Vertrag ist in allen wesentlichen Punkten festgestellt, so daß nur mehr Forinalien zu erledigen sind. Ueber den Inhalt der Vereinbarungen wird zwar noch Geheimniß bewahrt, es ist aber doch einiges davon in die Oeffentlichkeit durchgesickert, so, daß der deutsche Getreidezoll Oester­reich-Ungarn gegenüber auf 3V27o herabgesetzt wird. An die deutsch-österreichischen Verhandlungen schließen sich Verhandlungen beider Reiche mit anderen euro­päischen Ländern. Die Versuche, von Brasilien dieselben Handels-Vergünstigungen für Deutschland zu erlangen, wie sie den Vereinigten Staaten von Nord­amerika eingeräumt sind, haben bisher keinen Erfolg gehabt. Nachdem die Vereinigten Staaten von Nordamerika neue und diesmal allem Anscheine nach ausreichende Maßregeln getroffen haben, um den Ex­port nur gesunden Schlachtviehes und Fleisches zu sichern, ist Deutschland in der Lage, das Einfuhrverbot für amerikanische Schweine und amerikanisches Schweine­fleisch fallen zu lassen.

* Zum Gerücht von dem bevorstehenden Uebertritt der Kronprinzessin Sophie, Kronprinzessin von Griechen­land, zur griechischen Kirche bemerkt heute die Post, daß man in Hofkreisen an der Richtigkeit der Nach­richt nicht mehr zweifelt. In den Ehepacten der

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(18. Fortsetzung.)

„Sie brauchen sich meinetwegen keine Sorgen zu machen," ermunterte ihn Mrs. Goddard. „Bis morgen wird Alles wieder vorüber sein, so hoffe ich," fügte sie mit einem leichten Schauer hinzu.

„Ich vermag meine Sorge um Sie dennoch nicht zu überwinden," erwiderte der Squire ernst. Mrs. Goddard sah rasch zu ihm auf. Der ängstliche Aus­druck seines Gesichtes konnte ihr nicht entgehen.

„O, bitte, sprechen Sie nicht davon," warf sie in einem Tone ein, der deutlich verrieth, wie unangenehm ihr jede Bemerkung über ihr Befinden sei.

„Ich wollte, ich könnte jede Frage nach ihrem Ge­sundheitszustände umgehen," entschuldigte sich der Squire, „aber ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzutheilen, und da möchte ich nicht ..."

„Etwas Wichtiges!" fiel sie ihm in die Rede.

„Ja, aber eS hat Zeit bis morgen," antwortete er mit einigem Zögern. „Ich fürchte, es würde Sie heute zu sehr ergreifen."

„Sagen Sie mir es lieber gleich," drängte sie. Ihr Herz begann mächtig zu schlagen.

Kronprinzessin ist, setzt das Blatt hinzu, ihr Verbleib beim evangelischen Bekenntniß gesichert, so daß kein Zwang auf sie ausgeübt werden kann. Dagegen ist der Kronprinzessin der freie Wille des Uebertritts gelassen, und dieser scheint zur That gereift zu sein.

* Eine Versammlung von Interessenten für eine Ausstellung in Berlin beschloß, für ne Weltausstellung in Berlin im Jahre 1895 zu wirken.

* Der Reichstag setzte heute die Berathung des Arbeiterschutzgesetzes bei den Bestimmungen über die Beschäftigung von Kindern und jugendlichen Arbeitern in Fabriken fort. Den Kommissionsvorschlägen ent­sprechend wurde beschlossen, daß Kinder unter 13 Jahren überhaupt nicht, Kinder über 13 Jahre nur dann in Fabriken beschäftigt werden dürfen, wenn sie zum Besuch der Volksschule nicht mehr verpflichtet sind. Die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren soll die Dauer von 6 Stunden, von jungen Leuten zwischen 14 und 16 Jahren die Dauer von 10 Stunden täglich nicht überschreiten dürfen. Die Arbeitsstunden der jugendlichen Arbeiter dürfen nicht vor 5l/2 Uhr Früh beginnen und über 8'/z Uhr Abends dauern. An Sonn- und Festtagen dürfen jugendliche Arbeiter nicht be­schäftigt werden. — Die Sozialdemokraten und Frei­sinnigen traten in der Debatte für ein Verbot der Fabrikarbeit von Kindern unter 14 Jahren und für Ausdehnung der Maximalarbeilszeit von 10 Stunden auf junge Leute bis 18 Jahren ein. Von den Sozial­demokraten wurde ferner die Einfügung eines neuen Paragraphen beantragt, der zunächst einen lOstündigen, vom 1. Januar 1894 einen 9ftünlchzsn und vom 1. Januar 1898 an einen 8stündigen Maximalarbeitstag, sowie eine Maximalschichtzeit in Bergwerken von 8 Stunden einschließlich der Ein- und Ausfahrt verlangt. Nach der Begründung dieses Antrags durch den Abg. Grillenberger wurde die Berathung bis morgen vertagt.

* In der heutigen Sitzung setzte das Abgeordneten­haus die 2. Berathung der Landgemeindeordnung fort und zwar bei § 126, welcher die Bestimmungen über die Zusammenlegung zu Zweckverbänden enthält. Hier­zu hat Abg. v. Huene (Ctr.) den Antrag gestellt, daß dem § ein Absatz hinzuzufügen sei, wonach die Bil­dung von Schulverbänden einer besonderen gesetzlichen Regelung Vorbehalten bleibt. Der Antrag wird jedoch zurückgezogen und bei der Berathung über § 140 wieder eingebracht, wo er als Schlußabsatz angefügt wird an Stelle des Passus, welcher dort von den Schulangelegen­heiten handelt. Die §§ 127 bis 141 wurden mit ge­ringer Aenderung angenommen. Bei der Berathnnq des § 142 stellt Abg. Rickert die Anfrage an den Minister, ob die Regierung Beziehungen zu der ,Nordd. Allg. Ztg.' habe, indem er dabei auf die maßlosen Angriffe hinweist, welche dieses Blatt gegen die Libe­ralen wegen ihrer Stellung zu der Vorlage richtet.

„Sie waren so gütig, mir vor einiger Zeit etwas über Mr. Goddard zu erzählen," begann er, nicht ohne ein leises Beben in seiner Stimme.

„Jawohl," gab sie leise zu. Sie- hatte die Hände fest zusammengepreßt auf dem Schooße liegen. Ihre Augen blickten forschend in das Gesicht des Sprechers. Nur wenn sein Blick ihr zu begegnen drohte, sah sie scheu zur Seite.

„Die Sache betrifft ihn," fuhr Mr. Juxon milde fort. „Aber," unterbrach er sich von Neuem, „es ist gewiß besser, wenn ich Ihnen heute nichts Aufregendes erzähle?"

Mrs. Goddard hatte die Augen geschlossen, wie Jemand, der einen großen Schmerz zu erleiden hat. Sie war auf die Nachricht gefaßt, daß Walter bereits im Dorfe sestgenommen worden sei.

„Mr. Goddard ist entflohen," sagte der Squire mit kühnem Entschluß. Die Leidende löste ihre zittern­den Hände und legte sie, wie um eine Unterstützung zu suchen, auf die Lehne des Sessels. Mr. Juxon schwieg, das Nothwendigste war gesagt.

„Was weiter?" hauchte sie.

„Sonst nichts — es ist natürlich der Befehl ge­geben, ihn überall, wo man ihn antrifft, zu arretiren."

„Er ist also noch nicht gefangen?" fragte Mrs. Goddard, etwas beruhigter.

Der Minister versichert, keinerlei Beziehungen zu dem Blatte zu haben. Schließlich wird noch eine Reso­lution der Kommission angenommen, wonach die Re­gierung um Vorlage eines das sog. Auenrecht regelnden Gesetzes ersucht wird, damit ist die 2. Lesung der Vor­lage erledigt. Der Beginn der 3. Lesung derselben wird auf Montag festgesetzt. Schluß 23/< Uhr.

* Der hochw. Herr Armeebischof Dr. Aßmann hat vor Kurzem die erste diesjährige Bisitations- und Firmungsreise in folgende Garnisonstädte unternommen: Braunschweig, Hannover, Hildesheim, Minden, Osna­brück, Münster, Wesel, Düsseldorf, Aachen, Köln, Bonn, Koblenz, Trier, Saarlouis, Saarbrücken, Mainz, Wies­baden, Frankfurt a. M., Gießen, Marburg, Fritzlar und Kassel. Am 19. Mai wird die Visitationsreise beendet sein.

* Reichsgerichtspräsident v. Oehlschläger wurde zum Präsidenten des Disziplinargerichtshofes ernannt.

* Im Etatsjahre 1890/91 betrug die Einnahme an Wechselstempelsteuer im deutschen Reiche 7,816,558 Mk., 324,296 M. mehr als im Etatsjahre 1889/90.

* Dortmund, 15. April. In den letzten Tagen tauchten in der Presse Zweifel auf, ob der von dem Delegirten Schröder (Dortmund) auf dem Friedhöfe Pere Lachaise in Paris an dem Grabe der wegen ihrer Frevelthaten erschossenen Kommunarden nieder­gelegte Kranz „Namens der deutschen Delegirten" oder nur „Namens einzelner deutscher Delegirten" ge­spendet worden sei, d. h. also, ob die sämmtlichen deutschen Bergarbeiterdelegirten damit einverstanden gewesen, oder ob nur ein Theil derselben seine Zu- timmung gegeben habe. Der Mitdelegirte Bunte Dortmund) hat in einer kürzlich hier stattgehabten ozial-demokratischen Bergarbeiter-Versammlung allem Zweifel die Spitze abgebrochen und vollständig klaren Wein eingeschenkt. Der Kranz sei, so erklärte er, im Namen sämmtlicher und nicht im Namen einiger deutscher Delegirten niedergelegt worden. Auch seien alle deutschen Delegirten bis auf zwei, die aber auch einverstanden, zugegen gewesen. Im Uebrigen, so be­merkt Bunte weiter, gehe das „Niemanden etwas an", die Delegirten seien „keine Rechenschaft schuldig, son­dern hätten machen können, was sie wollten." Man weiß also nun deutlich und bestimmt genug, was man von den „deutschen" Delegirten auf dem Pariser Kon­greß zu halten hat. Wer die infamen Meuchelmörder der Pariser Kommune offen durch einen Akt, durch eine Kranzspende feiert, beweist damit nur, daß er voll und ganz deren Gesinnungsgenosfe ist, daß er mit Friedrich Engels gegebenen Falles „die Diktatur des Proletariats" auch durch Blut und Greuel, durch Mocd, Brandstiftung und Zerstörung durchzuführen veranlagt und gewillt ist. Mit welchen Subjekten man es in der Sozialdemokratie zu thun hat, das hat, wenn je

„Nein, noch nicht, aber ich zweifle kaum, daß es sehr bald geschehen wird," erklärte Mr. Juxon.

„Durch wen haben Sie es erfahren?"

„Durch den Konstabler Gall. — Ferner bedauere ich, Ihnen sagen zu müssen ..."

„Was meinen Sie damit?" unterbrach ihn die junge Frau neuerdings erschreckt.

Der Squire fuhr fort: „Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich es in Ihrem Interesse für besser be­funden habe, die'Sache mit dem Pfarrer zu besprechen. Sie werden meine Freiheit entschuldigen."

Mrs. Goddard seufzte abermals erleichtert auf.

„Und was meinte der Pfarrer?"

„Er theilte ganz meine Ansicht, insofern es besser sei, Sie auf die Möglichkeit seines Erscheinens vorzu­bereiten."

Mrs. Goddard hätte auflachen können. Es lag eine bittere Ironie in der schonenden Art, ihr das Schreck­liche mitzutheilen, und in der liebenswürdigen Bereit­willigkeit, die Eröffnung zu verschieben. Wie viel Sorg­falt war verschwendet worden, um sie vor dem bereits Ueberstandenen zu schützen! Was würde Mr. Juxon gesagt haben, hätte er gewußt, daß sie den Geächteten bereits gesehen und nun auf sein Wiederkommen harre. — Sie lehnte sich, ohne etwas auf seine letzten Worte zu erwidern, in ihren Sessel zurück und faltete die