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Freitag, den 17. April 1891.
18. Jahrgang
Für btt Rebactwn verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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* Die zweijährige Dienstzeit.
Wir erwähnten vor einigen Tagen eine Schrift des General-Lieutenants v. Boguslawski, welche sich mit der vielumstrittenen Frage der Einführung der zweijährigen Dienstzeit befaßte. U. A. stellt der Verfasser folgende Frage:
„Ist es nun aber möglich, den Rekruten in zwei Jahren zu einem brauchbaren Feldsoldaten zu erziehen?" v. Boguslawski beantwortet diese Frage unter der Voraussetzung der Verstärkung der Kadres, die er im folgenden Abschnitt weiter ausführt, mit einem ganz entschiedenen Ja! Die Ausbildung muß nach Ansicht des Verfassers bei 2jähriger Dienstzeit sich in noch vermehrtem Maße in der durch das jetzige Exerzir-Reglement angegebenen Richtung entwickeln; individuelle Ausbildung neben einem ganz einfachen, aber straffen Exerzitium; außerdem gehört hierzu eine feste Schulung in der Bewegung großer Massen nach praktischen einheitlichen Regeln und eine Form für den Angriff, welche in unserm jetzigen Reglement fehlt, v. Boguslawski geht nun noch weiter in der Ausdehnung der zweijährigen Dienstpflicht: er fordert dieselbe nicht nur für die Infanterie, sondern auch für die Artillerie, die Pioniere und den Train und weist die Möglichkeit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit auch für diese Spezialwaffen nach. Die Dienstzeit der Kavallerie dagegen läßt er, wie bereits erwähnt, unangetastet. Auf's Entschiedenste widerspricht jedoch Boguslawski den oft gehörte» Behauptungen: der deutsche Soldat gebrauche zu seiner Ausbildung längere Zeit, wie der anderer Nationen, z. B. der französische Soldat.
In seinem III. Abschnitte geht v. Boguslawski zur Vermehrung des Heeres bei der zweijährigen Dienstzeit von folgenden Gesichtspunkten aus: „Von den Gestellungspflichtigen des deutschen Reiches wurden von 1890 ab jährlich eingestellt mit Einjährig-Freiwilligen 197,000 Mann. Davon entfallen auf die Kavallerie rund 15,000 Mann. Somit beträgt die Jahreseinstellung bei allen anderen Waffen rund 164,000 Mann. Die jährlich zur Ersatzreserve und zum Landsturm ersten Aufgebots Bestimmten kann man auf rund 200,000 Mann schätzen. Um den Franzosen nun um einige Hunderttausend Mann überlegen zu sein, ist es aber gar nicht nöthig, das Scharn- horst'sche Prinzip bis auf den letzten Mann zu reiten und sämmtliche Brauchbare einzustellen. Die Finanz- krast des Staates und des Volkes muß ja unbedingt so viel wie möglich geschont werden. Es genügt also eine Einstellung von 70,000 Mann der brauchbarsten und abkömmlichsten Ersatzreserven und Landsturmmänner. Dies ergibt eine jährliche Einstellung von 164,000 und 70,000 — 234,000 Mann aller Waffen (ausgenommen die Kavallerie). Zu diesen 234,000
Mann tritt ein Jahrgang der bei der 3jährigen Dienstzeit verharrenden Kavallerie, also 234,000 -f- 15,000 — 249,000 jährliche Einstellung aller Waffen. Die Friedens st ärke setzt sich nunmehr zusammen aus 2 Jahrgängen aller Waffen (ausgenommen Kavallerie) 2 X 234,000 — 468,000 Mann. Hierzu 3 Jahrgänge Kavallerie: also 468,000 -j- 45,000 — 513,000 Mann. Die hier von Boguslawski vorgeschlagene Stärke bleibt um 87,000 Mann hinter der jetzigen und hinter der französischen von 520,548 Mann um 7540 Mann zurück. Aber durch die bei Weitem stärkere jährliche deutsche Einstellung erreicht die deutsche Kriegsstärke, welche sich aus 24 Jahrgängen zu 249,000 Mann zusammensetzt, nach Abrechnung von 25 pCt. Ausfall die Höhe von 4,482,000 Mann und ist also der französischen von 4,125,000 Mann um 357,000 Mann überlegen! Es ist ja sehr wahrscheinlich, daß wir unsere Einstellung noch höher hinauftreiben könnten, ohne an der körperlichen Tüchtigkeit unserer Armee Schaden zu leiden. Es erscheint jedoch billig, die Ausgleichung der nach Angabe des Regierungskommissärs Major Gaede in den Verhandlungen von 1890 vorhandenen Überlegenheit von 600,000 Mann auf Seiten Rußlands und Frankreichs mit rund 200,000 Oesterreich und Italien zu über- lassen.
Deutsches Keich.
Berlin, 15. April.
* Bezüglich des Balksschul-Gesetzes hat nunmehr der Kultusminister dem Vorsitzenden der Volksschulgesetz-Kommissionerklärt, er wünsche nicht dieWeiter- berathung des Gesetzes. Bei der Etatslesung werde die offizielle Erklärung folgen. Wenn die Berliner Polit. Nachr. weiter melden, die Regierung werde die Vorlage in der nächsten Session wieder aufnehmen, und zwar unter Benutzung der Koinmissionsbeschlüsse, so bleibt die Bestätigung dieser Mittheilung abzuwarten. Bekanntlich sind die Kommissionsbeschlüsse nicht derart, um diese Vorlage für die Katholiken annehmbar zu machen.
* Gestern sind freisinnige Abgeordnete, die sich in den letzten Tagen der Agitation im 19. hannöver'schen Wahlkreise gewidmet haben, hierher zurückgekehrt. Nach ihren Beobachtungen sind die Aussichten für den freisinnigen Kandidaten nicht ungünstig, lieber den schließlichen Ausfall der Wahl, die heute (Mittwoch) stattfindet, läßt sich begreiflicherweise mit Sicherheit nicht urtheilen. Es wird Alles davon abhängen, ob die zu keiner Partei gehörigen Wählermengen, die sich sonst an der Wahl nicht betheiligt haben, diesmal für den früheren Reichskanzler eintreten. In der Gegend der Elbe ist die Stimmung für Bismarck
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(17. Fortsetzung.)
Mr. Ambrose bedachte sich noch eine Weile, dann sagte er: „Wenn die Möglichkeit vorliegt, daß der Kerl sie auffindet, so bin ich der Meinung, sie darauf vorzubereiten. Wenn diese Möglichkeit aber ganz aus- geschlossm ist, so bin ich dasür, ruhig zu warten, bis er wieder eingefangen ist."
„Das ist auch meine.Ansicht," stimmte der Squire zu. „Wie kann man aber sagen, ob er sich herfinden wird oder nicht? Wenn Jemand weiß, wo er steckt, so ist er schon so gut wir gefangen, weiß es Niemand, so können wir auch nichts erzählen."
Dies war ein unbestreitbares Argument. Es entstand wieder eine lange Pause, während welcher der Pfarrer in sichtlicher Aufregung das Zimmer durchmaß.
„Himmel, Himmel! Was für eine fatale Geschichte! wiederholte er immer wieder, und dann, plötzlich stehen bleibend, fragte er: „Glauben Sie denn wirklich, daß wir gezwungen sind, etwas zu unternehmen?"
„Die Pflicht, Mrs. Goddard vor jeder Belästigung zu beschützen, zwingt uns dazu," entgegnete der Squire.
„Wenn der Elende den Weg zu ihr findet, wird er es natürlich nicht an Erpreffungsversuchen fehlen lassen!"
„Halten Sie das wirklich für möglich?"
„Nicht nur für möglich, sondern sogar für sehr wahrscheinlich," versetzte Mr. Juxon. „Es wird immerhin am besten sein, sie darauf gefaßt zu machen."
„Aber man muß auch die Angst bedenken, in der die arme Frau bis zu seiner Verhaftung schweben wird," warf der Pfarrer lebhaft ein. „Sie wird ihn Tag und Nacht erwarten. Vielleicht wäre es genügend, wenn man das Haus einfach bewachen ließe."
„Das geht nicht an," gab der Squire mit Be- timmtheit zurück. „Man darf weder Gall noch andere Ortsangehörige mit in das Geheimniß ziehen. Sie wisfen, wie solche Leute sind. Mrs. Goddard würde ihnen gegenüber in eine ganz falsche Position gerathen. Das Zartgefühl, mit welchem wir Beide ihre mißliche Lage aufgefaßt haben, ist von dem ungebildeten Volke nicht zu verlangen."
„Darin mögen Sie Recht haben," gab der Pfarrer zu. „Ich habe selbst lange Zeit gebraucht, ehe ich mich an den Gedanken gewöhnen konnte."
„Sehen Sie; wie kann man dann bei dem Volke aufBorurtheilslosigkeit rechnen! Ich glaube, wir lassen es bei einer einfachen Aufklärung der Thatsache. Sind Sie nicht auch meiner Meinung?"
günstiger, an der Weser für die Opposition. Vor Donnerstag Nachmittag ist auf Nachrichten über den Ausfall der Wahl, die einigermaßen einen Rückschluß auf bereit Endresultat gestatten, nicht zu rechnen.
* Allseitig wird bestätigt, daß die Aufhebung des Einfuhrverbots zunächst gegen amerikanische Schweine, später gegen amerikanisches Schweinefleisch bevorsteht.
* Der Ueberttitt der griechischen Kronprinzessin, der Prinzessin Sophie, zur griechisch-orthodoxen Kirche wird in einer Meldung der ,Köln. Ztg.' aus Athen als sicher hingestellt. Die Prinzessin, bekanntlich eine Schwester unseres Kaisers, werde vom Metropolitan bereits katechisirt, und der Uebertritt werde am 2. Mai erfolgen. Nach der ,Schles. Ztg.' hatte der Kaiser bei der Verlobung den Ausschluß jeder Verpflichtung seiner Schwester, den Glauben zu wechseln, ausbedungen.
* Der hiesige Hof legt anläßlich des Ablebens der Großfürstin Olga, Tante des Kaisers, eine 14tägige Trauer an. Im Auftrage des Kaisers begibt sich Prinz Albert zu Sachsen-Altenburg zu den Beisetzungsfeier- lichkeiten nach St. Petersburg.
* Der Reichstag setzte heute die 2. Berathung des Arbeiterschutzgesetzes bei den Bestimmungen über die Arbeitsordnung fort. Es wurde beschlossen, daß vor Erlaß der Arbeitsordnung die großjährigen Arbeiter des betreffenden Betriebes darüber gehört werden müssen. Wo ein ständiger Arbeiterausschuß besteht, soll die Anhörung dieses genügen. Gegen Letzteres wandten sich die Sozialdemokraten mit der Motivirung, daß die Ausschüsse zu abhängig von den Arbeitgebern seien. Von anderer Seite wurden dagegen gerade auf die Ar- beiterausschüfse für Herbeiführung guter Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern große Erwartungen gesetzt. Ferner beantragten die Sozialdemokraten, daß die Arbeitsordnung der Genehmigung des gewerblichen Aufsichtsbeamten unterliegen und daß gegen dessen Entscheidung Beschwerde an die höhere Verwaltungs-Behörde zulässig sein soll. Zu dem Kommissions-Antrage, wonach die Arbeitsordnung binnen 3 Tagen nach dem Erlaß der unteren Verwaltungs - Behörde einzureichen ist, lag noch ein Amendement des Abg. Dr. Schädler (Centr.) vor, wonach der Behörde gleichzeitig die seitens der Arbeiter geäußerten Bedenken mitzutheilen sind. Der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt. Bei der Abstimmung über den Antrag Schädler stellte sich Beschlußunfähigkeit heraus. Der Präsident beraumte darauf für eine halbe Stunde später eine neue Sitzung an. In dieser wurde zunächst der Schädler'sche Antrag angenommen und mit diesem der Rest der Bestimmungen über die Arbeitsordnung. Endlich wurden noch die Bestimmungen über die Organisation der Arbeiterausschüsse erledigt, wobei die Sozialdemokraten wiederholt die Arbeiterausschüsse verwarfen und Arbeiterkammern verlangten. — Weiterberathung morgen.
Der Pfarrer zögerte noch einen Augenblick und wiegte sich auf den Absätzen, wie es seine Art war, wenn er nachdachte. Endlich sagte er:
„Ich glaube auch, daß Sie das Rechte getroffen haben. Aber wer soll es übernehmen, Sie oder ich?"
„Ich möchte es lieber Ihnen überlassen," sagte der Squire, „Sie kennen sie länger und besser als ich." „Wenn ich ihr jedoch mittheilen muß, wo ich es erfahren, so wird Ihr Name doch genannt, und da wäre es vielleicht besser . . . ." U
„Ach so, ich verstehe — dann will ich es thun," sagte der Squire, und so geschah es auch.
8. Kapitel.
Es war bereits spät am Nachmittage, als Mr. Juxon, vom Pfarrer begleitet, den Weg zur Cottage antrat. Man hatte sich, nachdem die erste Sorge um Mrs. Goddard überwunden und ein fester Entschluß gefaßt war, wieder dem schwarzen Briefe des Paracelsus und andern Geisteswerken zugewandt und darüber war die Zeit unmerklich verstrichen. Eile schien auch nicht geboten, denn wenn der Entsprungene wirklich den Weg nach Billingsfield finden sollte, so war dies nicht zwischen heute und morgen zu erwarten.
Das Wetter hatte plötzlich einen anderen Charakter angenommen. Im Osten war der Himmel vollständig klar und im Westen, wo eben die Sonne in feurigem