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Donnerstag, den 16. April 1891

18. Jahrgang

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

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daß er wieder frei, war schon Grund genug zur Be- sorgniß. Wie leicht konnte er die Adresse seiner Fa­milie erfahren, und dann waren die Unannehmlichkeiten und Leiden, welchen sie ausgesetzt sein würde, gar nicht mehr abzusehen. Dieser Gefahr mußte unter allen Um­ständen vorgebeugt werden, und bis der Schurke wieder dingfest gemacht, war dem Thätigkeitstriebe des Squire's ein neues Interesse geboten.

Mr. Juxon hatte den Polizisten mit richtiger Ueber- legung von seiner Fährte abgebracht. Niemand konnte in diesem Falle besser den Detektiv spielen als er selbst. Er kannte Mrs. Goddard genau genug, um zu wissen, daß sie sich in einer so ernsten Angelegenheit direkt an ihn wenden würde, und daß Goddard's etwaiges Er­scheinen in ber Gegend nur im Zusammenhänge mit einem Besuche in der Cottage stehen könne, war eben­falls selbstverständlich.

Rasch entschlossen schrieb er ein paar Worte an Mr. Ambrose, um diesen zu einer Besprechung zu sich zu bitten.

Bald darauf rollte auch der kleine Wagen des Pfar­rers über den Kies im Schloßhof.

„Ich habe Sie rufen lassen, um Sie in einer wich­tigen Angelegenheit um Ihren Rath zu fragen," be­gann Mr. Juxon die Unterhaltung.

Der Pfarrer sah betroffen auf.

Ernstfälle. An der Hand von Beispielen aus dem Jahre 1870 legte er dar, daß es für unsere Kriegs­flotte bei der Vertheidigung der Küste Nothsache sei, dem Feind im Nahekampf gegenüberzutreten. Eine ab­wartende Haltung sei unter den heutigen Verhältniffen unmöglich.

* Der Reichstag berieth heute die Bestimmungen des Arbeiterschutzgesetzes über die Arbeitsordnungen, die in Fabriken, welche mindestens 20 Arbeiter be­schäftigen, erlassen werden müssen. Ein Antrag der Sozialdemokraten, die Verpflichtung zum Erlaß von Arbeitsordnungen auf alle Fabriken ohne Rücksicht auf deren Arbeiterzahl auszudehnen, wurde abgelehnt. Der Inhalt der Arbeitsordnungen, insbesondere die zulässigen Strafbestimmungen, veranlaßten längere Auseinander­setzungen. Die Regierungsvorlage hatte den Maximal­satz der zulässigen Geldstrafe auf den doppelten Betrag des ortsüblichen Tagelohns festgesetzt; die Kommission schlug den einfachen Betrag vor, Abg.Frhr. v. Stumm beantragte dagegen, den Betrag des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes anzunehmen. Für diesen Antrag sprach sich auch Handelsminister Frhr. v. Berlepsch aus. Von den Sozialdemokraten wurde beantragt, daß inner­halb einer Lohnzahlungs-Periode die verhängten Strafen nicht den Betrag des ortsüblichen Tagelohns über­schreiten sollen. Ferner verlangten sie Streichung der Bestimmung über ständige Arbeiterausschüsse, an deren Zustimmung gewisse Vorschriften der Arbeitsordnung gebunden sein sollen. Schließlich wurden alle Unter­anträge abgelehnt und die §§ 134 a, b und c unver­ändert in der Kommissionsfassung angenommen. — Weiterberathung morgen. — Man hofft, die 2. Lesung des Arbeiterschutzgesetzes bis zum 22. d.M. zu beenden.

* In der heutigen Sitzung setzte das Abgeordneten­haus die 2. Berathung der Landgemeinde-Ordnung fort. § 69 bestimmt, daß die Wahl der Gemeindever­tretung eine öffentliche sein soll. Seitens der Frei­sinnigen ist ein Antrag eingebracht worden, der die Einführung geheimer Wahl verlangt. Für diesen traten Centrum und Polen ein und macht ersteres seine Hal­tung bei der Abstimmung über das ganze Gesetz von der Annahme dieses Antrags abhängig. Derselbe wird, auch von der Regierung bekämpft, jedoch mit 182 gegen 91 Stimmen abgelehnt. In § 62 wird der Termin des Antritts der neuen Gemeindevertreter vom 1. Januar k. Jahres, wie die Vorlage will, durch das Haus auf den 1. April vertagt. § 72 behandelt die Verwaltung der Landgemeinden; mit der Debatte über denselben wird die über die §§ 87 und 87a und einen Antrag Avenarius (nl.) verbunden, der eine an- derweite Regelung der Befugnisse der Gemeindevor­stände wie die Vorlage will. Die Hauptdebatte dreht sich um Abs. 5 § 72, der für größere Gemeinden kollegialische Ortsvorstände durch Ortsstatut zuläßt.

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(16. Fortsetzung.)

„Nun, also; ich kann Euch nur rathen, genau auf­zupassen. Ihr habt doch ein Signalement bekommen?"

„Allerdings, gnädiger Herr. Aber, wissen Sie, es ist oft recht schwer, die Leute darnach zu erkennen. Diesmal heißt es z. B., er sei ein blonder Mensch "

„Ist das Alles?"

„Er soll weder groß, noch klein, weder besonders dick, noch besonders mager sein — im Ganzen ein blonder Mensch. Nun, glatt rasirt und kurz geschoren ist er ja so wieso schon, wenn er aus dem Zuchthause kommt."

„Ich hoffe, es wird Euch nach diesen Angaben nicht schwer fallen, seiner habhaft zu werden," sagte der Squire, indem er sich ernst zu bleiben zwang, „ich muß gestehen, es würde mir einige Schwierigkeiten be-

„ Jedenfalls geht aus Allem hervor, daß er ein blonder Mensch ist," bemerkte der Konstabler wichtig.

„Wenn er aber sein Gesicht schwärzte und sich als Schornsteinfeger ausgäbe?" wars der Squire ein.

Der Gedanke war niederschlagend für Gall.

Aufruf.

Alsbald nach dem Ableben •

Sr. Excellenz des Staatsministers a. D.

Reichs- und Landtagsabgeordneten

Dr. Ludwig Wmdthorst

ist in den Kreisen seiner parlamentarischen Mitstreiter der ebenso berechtigte wie dringende Wunsch empsunden und demnächst uns vielseitig aus weiteren und weitesten Kreisen ausgesprochen worden: der Erinnerung an diesen unvergeßlichen Vorkämpfer der Katholiken Deutschlands und Preußens auch dauernd einen entsprechenden äußeren Ausdruck zu geben.

Heber dessen Form konnten wir keinen Augenblick im Zweifel sein. Von dem brennenden Verlangen beseelt, dem dringendsten kirchlichen Bedürfnisse seiner heimathlichen Diözese durch Errichtung einer zweiten Pfarrkirche in seinem Wohnort Hannover abzuhelfen, wandte der Verewigte in uneigennütziger Bescheidenheit alle Gaben, welche die Liebe seiner Gesinnungsge­nossen ihm darbringen wollte, diesem Zwecke zu. Die herrliche

Marienkirche in Hannover,

diese Verkörperung seines gläubigen selbstlosen Sinnes, ist nun auch seine letzte Ruhestätte geworden.

Für die Vollendung der Kirche, einschließlich der I Pfarrhauskosten und der Schuld für die demnächstige Errichtung der Pfarrei, fehlt aber noch eine Summe von 190,000 Mark.

Diese Restsumme zu decken, wird allen Katholiken Deutschlands eine liebe Pflicht sein.

Der Hochwürdigste Herr Bischof von Hildesheim hat zu diesem Zweck für seine Diözese eine Kollekte ausgeschrieben und die Hochwürdigsten Herren Bischöfe um gleiche Veranstaltungen ersucht.

Aus vollem, dankerfülltem Herzen seiner Bitte uns anschließend, können auch wir alle Verehrer des Verewigten, alle Freunde unserer Sache in unserem Vaterlande und dar über hinaus nur bitten:

als kleines Zeichen einer unerschöpflichen Dank­barkeit nach dem Maße ihrer Kräfte für die Marienkirche in Hannover etwas beizu­tragen und Andere dazu anzuregen.

Der Reichs- und Landtagsabgeordnete Amtsge­richtsrath ii. D. Kochann in Berlin'VV.,Kur­fürstenstraße 147 wird der Schatzmeister für die zu unseren Händen bestimmten Beiträge sein.

Sollte die Sammlung einen Heberschuß ergeben, so werden wir uns für berechtigt halten, denselben zu einem ähnlichen frommen, dem Andenken des verewigten Führers geweihten Zwecke zu verwenden.

Berlin, 13. April 1891.

„Ja, in dem Falle könnte ich ihn allerdings nicht mit Sicherheit erkennen," antwortete er.

„Wahrscheinlich nicht — wahrscheinlich nicht, mein Bester, und nach dem Signalement, welches man Euch geschickt hat, nimmt es mich nicht Wunder."

„Man könnte mir jedenfalls nicht vorwerfen, ich hätte verabsäumt, höhere Instruktionen auszuführen," bemerkte Gall mit Würde. „Ich habe Sie doch recht verstanden, gnädiger Herr, Sie meinen, ich soll scharf aufpassen."

„Natürlich," stimmte ihm der Squire zu. „Recht gut aufpassen und diskret sein, wie die Vorschrift lautet."

„Darauf können Sie sich verlassen, gnädiger Herr. Erlauben Sie, daß ich mich verabschiede?" Er wollte gehen.

„Schön guten Morgen, Gall, guten Morgen! Der Diener wird Euch das Bier geben."

Mr. Gall schob abermals den Daumen zwischen den Gürtel, als wolle er durch diesen Druck seinem Magen bereits ein Vorgefühl des zu erwartenden Quantums geben, dann verbeugte er sich mit militäri­schem Gruße und verschwand.

Sobald der Konstabler das Zimmer verlassen hatte, ließ Mr. Juxon seiner Aufregung freien Lauf. Er dachte nicht im Entferntesten daran, daß der entsprun­gene Sträfling den Aufenthalt seiner Frau kenne. Allein,

Deutsches Keich.

Berlin, 14. April.

* Major v. Wißmann ist, wie halbamtlich mit- getheilt wird, durch Allerhöchste Ordre unter dem Aus­druck besonderer Zufriedenheit von seinem Kommissarium als Reichskommissar von Ost-Afrika in Gnaden ent­bunden worden. Das ihm Seitens des Reichskanzlers gemachte Anerbieten, weiterhin als Kommissar zur Verfügung des Gouverneurs von Ostafrika dem Reiche Dienste zu leisten, hat Major v. Wißmann ange- genommen, gleichzeitig aber einen 3monatlichen Urlaub für Europa erbeten und erhalten.

* Die Angelegenheit der Beschlagnahme des Ham­burger Dampfers „Romulus" im chilenischen Hafen von Coronel hat, wie der .Reichsanzeiger' mittheilt, ihre Erledigung dadurch gefunden, daß auf die Be­schwerde des kaiserl. Gesandten tu Santiago von der dortigen Regierung für die gegen den Führer des Schiffs und dieses selbst verhängten Zwangsmaßregeln bereitwillig Genugthuung gewährt worden, und dem Dampfer die Fortsetzung seiner Fahrt gestattet worden ist. Die Frage der Entschädigung sieht ihrer dem- nächstigen Regelung entgegen. — Das deutsche Kohlen­schiff „Rajah" ist am 11. d. M. in Jquique ange­kommen.

* Gegen die Beunruhigung, welche über die allge­meine Situation weitere Kreise ergriffen zu haben scheint, kämpfen fortgesetzt die angesehensten Organe der Presse mit guten Gründen. Zu diesen Beunruhigungen zählt die gestrige Meldung einzelner Blätter nach einem kleinen Posener ÄreiS6Iatte, daß aus Krstosch in zwei Bataillone in voller Kriegsrüstung nach der russischen Grenze aufgebrochen seien, weil man dort deutsche Grenzbeamte erschossen habe. Es hat, unglaub­lich aber wahr, wirklich Leute gegeben, die sich durch diese Sensationsmeldung beunruhigen ließen. Inzwischen stellt sich natürlich heraus, daß es sich lediglich um eine militärische Hebung, wahrscheinlich um eine der jetzt beliebten Alarmirungen gehandelt hat.

* Bei seinem letzten Besuch in Kiel hielt der Kaiser einen Vortrag über die Aufgaben unserer Marine im

Die Vorstände

der Centrumsfraktionen im deutschen Reichs­tage «nd prcntzischen Abgeordnetenhause.

Graf von Ballestrem. Dr. Freiherr v. Heereman.

Biesenbach. Frhr. v. Buol. Dieben. Dr. Franz. Fritzen- Düsseldorf. v. Gliszczynski-Pleß. Groeber.

Frhr. v. Huene. v. Kehler. Kochann. Dr. Lieber.

Graf Matuschka. Dr. Mosler. Dr. Orterer.

Dr. Reichensperger. Reindl. Dr. Weber-Höxter.

,Die katholischen Zeitungen ersuchen wir um Ver­breitung dieses Aufrufes und Vermittelung von Gaben.