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JM 85

Mittwoch, den 15. April 1891.

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18. Jahrgang

Fuldaer Zeitung

Druck u. Verlag der Fuldaer Actienbruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Ausruf

zur Errichtung eines Denkmals in Meppen

für Se. Excellenz den Staatsminister a. D.

Dr. Ludwig Windthorst.

Die Gruft, welche die irdische Hülle des großen Abgeordneten des Wahlkreises Meppen birgt, hat sich geschlossen.

Se. Excellenz der Staatsminister a. D. Dr. Ludwig Windthorst ruht, im Tode von Freund und Feind, von Hoch und Niedrig, von Nah und Fern wie ein - Fürst geehrt, in der Marienkirche zu Hannover, dem erhabensten Denkmal seines Glaubensmuthes und seiner Selbstlosigkeit.

Aber sein Bild, sein Geist, seine Ideen leben unter uns fort und sollen nimmerdar erbleichen.

Zum lebendigen Gedächtniß an sie, zur beredten Mahnung für kommende Geschlechter, zur würdigen Verherrlichung des seltenen Mannes wollen wir in­mitten des Wahlkreises, den der große Todte fast ein Vierteljahrhundert vertreten hat, dessen Namen mit dem seinigen unzertrennlich verbunden ist, in seiner Wahlstammburg Meppen seinem Andenken ein ehernes Standbild errichten.

Wir erachten es für eine Ehrenschuld, ihm, dem muthigen Streiter, dem genialen im Kampfe der parla­mentarischen Wahlstatt ergrauten Feldherrn, der immer­dar seinen Schild blank gehalten, ein gleiches Denkmal seines Ruhmes zu stiften, wie es die dankbare Nach­welt steggekrönten Feldherren auf dem Feldä' der Ehre weiht, — ein Denkmal, würdig der schlichten Größe Windthorst's und des Adels seiner Gesinnung.

Frei von prunkendem Aufwand sei es angemesten dem inneren Werthe und der reinen Güte der „Perle von Meppen."

Wir fordern darum alle, welche in Windthorst den selbstständigen, tapfern, deutschen Geist, den edlen Sohn des Vaterlandes, den großen Volksvertreter, eine Säule der Kirche, den Bannerträger für Wahrheit, Recht und Freiheit verehren, auf, zur Tilgung dieser Ehrenschuld beizutragen.

Es opfere ein Jeder nach seinen Kräften, auf daß sich baldigst in Meppen erhebe das Standbild des größten und edelsten Volksvertreters seiner Zeit, das Standbild

Windthorsts-Meppe«.

Wilh. Achter, Kaufmann, Lathen.

Franz Prinz von Arenberg, Reichs- und Landtags- Abgeordneter.

Nie. Augustin, Bürgermeister, Meppen.

Karl Bachem, Dr. jur.'Rechtsanwalt, Reichs- und Landtags- Abgeordneter, Köln.

Franz Graf Ballestrem, Reichstagsabgeordneter, Plaw- niowitz.

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(15. Fortsetzung.)

Natürlich fehlte es nicht an Augenblicken, wo sich der Squire mit dem Gedanken beschäftigte, ob die Verurtheilung zur Zuchthausstrafe seitens des Mannes nicht ein eventueller Scheidungsgrund für die Frau werden könne. Besprechen ließ sich dieses Thema aber selbstverständlich nicht, ohne Mrs. Goddard's Gefühle zu verletzen, und Mr. Juxon wäre der letzte gewesen, die Wunde von Neuem bluten zu machen.

So waren die Tage verstrichen, ohne daß es zu einer Aussprache gekommen wäre.

Mr. Juxon saß an demselben Morgen, als Walter Goddard in die Gruft geschlüpft war, bei seinem Früh­stück, als ihm Mr. Gall, der Konstabler des Ortes, gemeldet wurde. Er beendete seine Mahlzeit und be­gab sich dann in das der Bibliothek zunächst gelegene Arbeitszimmer.

Der Konstabler war ein behäbiger Mann mit fteundlichen Augen und vergnügtem Gesicht. Natür­liches Wohlwollen und ein gesichertes Auskommen hatten ihm jenen Grad von gemächlicher Lebensauf­fassung verliehen, welche ost in allzu grellem Wider-

A. Bödiker, Landgerichtsrath, Reichs- und Landtagsabgeord­neter, Hildesheim.

Bödiker, Geheimer Regierungsrath, Haselünne.

L. Bödiker, Bürgervorsteher, Meppen.

SorgaS, Gymnasiallehrer, Meppen.

Brandenburg, Amtsgerichtsrath, Landtagsabgeordneter, Ber­senbrück.

Burken, Pastor, Börger.

©laubig, Forst- u. Domaineninspektor, Kreisdeputirter, Meppen.

Dr. med. Cromme, Meppen.

A. Degen, Hofbesitzer, Bawinkel.

Graf Droste zu Bischering, Erbdroste, Darfeld.

Franz Evers, Pfarrer, Freren.

Evers, Beerbter, Geeste.

Frhr. zu Franckenstein, Ullstadt.

H. H. Freericks, Bürgervorsteher-Wortführer, Papenburg.

Fritzen, Landesrath a. D., Reichs- und Landtagsabgeordneter, Düsseldorf.

B. Prölke, Pfarrer, Lorup.

Frye, Vorsteher, Emmeln.

Wilderich Graf Galen, Beverfundern.

F. Graf Galen, Burg Dinklage.

G a t t m a n n, Pastor, Aschendorf.

A. Geers, Pastor, Gr.-Hesepe.

Graf, Amtsgerichtsrath, Reichs- u.Landtagsabgeordneter, Sig­maringen.

Ad. Graf Grote, Legationsrath a. D., Hannover.

Frhr. von Heereman, Reichs- und Landtagsabgeordneter, Münster.

Dr. Frhr. von Hertling, München.

Heyers, Pastor, Rhede.

Holling, Rechtsanwalt, Meppen.

Graf von Hompesch, Reichstagsabgeordneter, auf Schloß Rurich.

B. Horstmann, Kaufmann, Sögel.

Im Walle, Landgerichtsrath, Landtagsabgeordneter, Verden.

von Jazdzewski, Propst, Reichs- u. Landtagsabgeordneter, Schroda.

A. Käseforth, Hofbesitzer, Andrup.

Franz Reinh. Korte, Aschendorf.

H. Krapp, Meppen.

Dr. Lammers, Pfarrer in Nordhorn.7?

Ignaz Freiherr von Landsberg, Mitglied des Herren­hauses.

Frhr. von Land sberg- Velen, zu Haus Tankern. z Lender, Geistl. Rath, Reichstagsabgeordneter, Sasbach.

Letocha, Amtsgerichtsrath, Reichs- und Landtagsabgeordneter, Steglitz.

Jos. Menne, Meppen.

Meyer, Buchhändler, Meppen.

Möhlenkamp, Vorsteher, Sögel.

Mülder, Pastor, Steinbild.

Münch, Pastor, Lathen.

Niemann, Rechtsanwalt, Lingen.

A. Nieters, Propst, Dechant, Meppen.

H. Nölker, Pfarrer, Wesuwe.

B. Oldiges, Pfarrer, Rütenbrock.

I. Olliges, Kaufmann, Wahn.

Dr. G. Orter er, Professor, Reichstagsabgeordneter, Freising.

Pennemann, Pastor, Bokeloh.

Pohlmann, Domkapitular, Sögel.

Dr. Porsch, Rechtsanwalt und Konsistorialrath, Reichs- und Landtagsabgeordneter, Breslau.

Dr. P. Reichensperger, Reichs- und Landtagsabgeordneter.

F. M. Reinking, Gutsbesitzer, Mtglied des Provinzialland­tags, Düneburg.

Richard, Bürgermeister, Pagenburg.

sprnche mit seinen Berufspflichten stand. Jedes dahin rollende Jahr wurde durch ein neues Loch in seinem Ledergurt bezeichnet, und in demselben Maße, wie sein Herz ruhiger^ wurde auch fein Umfang größer. Er hatte ein stattliches Gewicht — volle 200 Pfund — mit der Uniform.

Der Squire, welcher nicht ohne Sinn für Humor war, konnte nie ohne Lachen an Mr. Gall denken. Er meinte, seine Jovialität würde so weit gehen, einen widerspenstigen Vagabunden durch ein Glas Bier in den Gehorsam des Gesetzes zu zwingen. Gall hatte aber auch eine gute Eigenschaft in der Ausübung seines Amtes. Er war nicht nur sehr stolz auf seinen Beruf, sondern er zeigte in demselben auch eine Vor­sicht, welche dem Muthe seiner Arrestanten alle Ehre machte. Und dabei war er — verschwiegen. Ein Mann, der kein Geheimniß bewahren könne, müsse kein Konstabler werden, meinte er. Er hüllte seine Pfade in ein undurchdringliches Dunkel. In schönen Nächten durchstreifte er die Gegend; war das Wetter aber nicht schön, so entzog sich sein Thun und Lassen ohnedem jeder Beobachtung. Man konnte annehmen, daß er auch bei der schlechtesten Witterung seine Ob- üegenheiten erfüllte; seiner Konstitution schien jedoch das rauhe Handwerk bis jetzt nichts angehabt zu haben. Die Resultate seines nächtlichen Häscherwesens

W. R intelen, Geh. Ober-Justiz-Rath, Reichs- unb Landtags- abgeorimeter, Berlin.

Rogge, Senator, Lingen.

Dr. Ruhe, Gymnasialoberlehrer, Meppen.

H. Russell, Bürgermeister, Haselünne. r

Sanbkühler, Pastor, Haren a. b. Ems.

von Schalscha, Reichs- unb Lanbtagsabgeorbneter, Frohnau.

Schlömer. Bollbeerbter, Schwefingen.

Schniers, Pastor, Haselünne.

Schöningh, Hauptmann a. D., Kreisbeputirter, Meppen. *V Dr. Frhr. von Schorlemer-Alst.

Sch rüber, Pastor zu Emsbüren.

Stahljans, Hofbesitzer, Apelborn. '

Thiele, Regierungs-Baumeister, Meppen.

Karl Többe, Meppen.

B. T ö b b e n, Kaufmann, Herzlake.

M. B a g e b e s, Rentner, Aschenborf.

C. Walther, Kaufmann, Erfurt.

I. Waterloh, Lanbwirth unb Kreisbeputirter, Düthe.

Weckenborg, Hofbesitzer auf Weckenborg.

Wegener, Rebakteur, Meppen.

Frhr. von Wenbt, Reichstagsabgeorbneter, Gevelinghausen.

Matthias Wiese, Tuchfabrikant, Werben a. b. Ruhr.

W. Woesthaus, Mitglich bes Provinziallanbtags, Walbhöve.

Etwaige Beiträge wolle man senben an benmitunter­zeichneten Herrn Bürgervorsteher Bödiker» Meppen.

Deutsches Keich.

Berlin, 13. April.

* Die .Germania' versichert in einem Artikel, der über Windthorst's Nachfolge handelt, daß im Centrum keine Verzagtheit nnd kein banges Ausschaum nach neuen Führern zu beobachten sei, denn einen Führer, wie Windthorst es int Laufe der Jahre geworden, hat eben keine Part«, und mit den verschiedenen Führern der anderen Parteien könnten die Ueberlebenden des Centrums es sehr gut aufnehmen. — Wie dasselbe Blatt meldet, werden für die durch Windthorst's Tod erledigten Mandate die Herren Graf Ballestrem und Freiherr v. Hertling als Kandidaten aufgestellt. Ersterer für das Abgeordnetenhaus, Letzterer für den Reichstag. — Von anderer Seite wird gemeldet, daß dem berühmten Jesuitenpater v. Hammer st ein das Reichstagsmandat angetragen werden soll.

* Das Einkommensteuergesetz hat durch den Be­schluß der Herrenhaus-Kommission, welcher den Steuer­satz von 4 pCt. für die Einkommen über 100,000 M. beseitigt, eine sehr bedauerliche Berschlechterung erfahren. Vor kurzem sind in der .Kölnischen Volks­zeitung' Stimmen aus den verschiedensten Parteilagern verzeichnet worden, welche gegen eine solche Aenderung namentlich aus sozial-politischen Gründen sich aussprachen. Die Herrenhaus-Kommission scheint für diese Erwägungen kein Verständniß gehabt zu haben. Personen, welche 100,000 M. und mehr Einkommen beziehen, sollen nach ihrem Beschluß gleich denen mit 9500 M. Einkommen nur dem dreiprocentigen Steuer­satz unterworfen werden. Weshalb werden gerade die

wurden aber nie Jemandem bekannt — wahrscheinlich berichtete er darüber nur an seine Vorgesetzten.

Als Gall heute das Zimmer betrat, bemerkte der Squire zu seiner nicht geringen Verwunderung, daß er ausnehmend ernst aussah. Es war dies eine so un­gewohnte Erscheinung, daß er sofort daraus schloß, es müsse diesmal etwas Wichtiges vorgefallen sein.

„Guten Morgen, gnädiger Herr," verneigte sich Mr. Gall.

„Guten Morgen, Gall, es ist doch nichts passirt?"

„Noch nicht, gnädiger Herr; so darf man wenig­stens aunehmen, möchte Sie gerne in einer Sache zu Rathe ziehen, Mr. Juxon."

„So", sagte der Squire, welcher an die Umschweife des Konstablers gewohnt war. „Nun, was giebts?"

Gall schob den Daumen unter seinen Gürtel, als wolle er die Spannung desselben versuchen, dann räusperte er sich und begann: „Es ist eine Ordre herumgeschickt worden, daß die Polizei aufpassen soll — und da dachte ich, es sei am besten, wenn ich Sie um Ihre Meinung bäte ..."

„Meine Meinung ist die," sagte der Squire ernst, „daß Sie unter allen Umständen das thun füllen, was man Ihnen befiehlt. Worauf soll denn aufgepaßt werden?"

Der Polizist antwortete mit gedämpfter Stimme: