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Dienstag, den 14. April 1891.

18. Jahrgang

Druck u. «erlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dilkuann).

vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage»Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Fuldaer

8ir die vedactio» verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

.Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen.

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* Eine Verwaltungsrathssitzung der deutsch-ost­afrikanischen Gesellschaft ist auf den 5. Mai angesetzt worden, um für die Bildung einer Gesellschaft und sofortige Inangriffnahme einer Eisenbahn von Tangar nach Korrogwe behufs Auffchließung des Usambara- gebietes die nöthigen Vollmachten zu ertheilen. Die Reichsaufsicht über den Bahnbau wird voraussichtlich Dr. Peters übertragen. Derselbe ist mit dem Eintritt in den Reichsdienst aus dem Verwaltungsrath der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft ausgeschieden.

* Dem Reichstage wird ein Rachtragsetat zugehen, > uynt» yc^uuuycu ivtiuc» lumucn, luyen zu urj]en. wonach die zur besseren Aufschließung des Kamerun- Der Hinweis auf den böhmischen Ausgleich ist gebietes erforderliche Summe von Million Mark ' ■— - *• -

aus der Reichskasse hergegeben und aus den Zoll­erträgen von Kamerun zurückerstattet werden sollen.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht die Ernennung des bisherigen preußischen Gesandten in Stuttgart, Grafen zu Eulenburg zum Gesandten am bayrischen Hofe.

* In der heutigen Sitzung setzte das preuß. Ab­geordnetenhaus die 2. Berathung der Landgemeinde­ordnung fort bei § 72, welche von dem Gemeinderecht handelt. Unter Ablehnung aller Gegenanträge wird § 42 in der Kommissionsfassung angenommen. Zu den § 47 und 473 wird ein Antrag v. Schalscha (Ct.) angenommen, wonach stimmberechtigte Frauen ihr Stimmrecht durch einen Stellvertreter ausüben lasten müßten. Zu eingehender Debatte gab § 48 Anlaß, welcher das Stimmrecht regelt. Nach einem konser­vativen Antrag, von dessen Annahme die Stellung dieser Partei zum Gesetz nach Erklärung des Abg. v. Rauchhaupt (kons.) abhängen soll, soll die Regelung des Stimmrechts der Gemeinde überlassen bleiben,

von Walter Goddard's früherer Geschmacksrichtung als Vagabund das Land durchziehen werde, war gar nicht anzunehmen.

Die Enttäuschung, welche ihm durch die Festigkeit seiner Gattin bereitet worden war, hatte seine Kalt­blütigkeit in keiner Weise zu erschüttern vermocht; was ihm aber zu denken gab, war die Erwähnung von Mr. Juxon, in dessen Haus seine Frau wohnte. Es scheint beinahe ünglaublich, daß ein für jedes Gefühl von Ehre abgestumpfter Mann in Walter Goddard's Lage noch Eifersucht empfinden konnte, als er den Namen dieses Mwthsherrn erfuhr. Aber, wie alle niedrigen Naturen, war er argwöhnisch, und sein Arg­wohn traf immer diejenigen am meisten, welchen er ein Unrecht abzübitten hatte. Mit dem Mißtrauen ver­band sich iu diesem Falle auch der Wunsch zu erfahren, ob die Frau, die ihn fo wegwerfend behandelt, wirk­lich die Reinheit besitze, welche einen solchen Stolz rechtfertige.

Er beschloß, sich in der Frühe des andern Morgens aus dem Schober herauszustehlen und einen Unter­schlupf aufzusuchen, von dem er leichter das Treiben in und um die Cottage herum beobachten könnte. Der Plan schien gut. Bis zum Empfang des Geldes war es noch eine lange Zeit und dieselbe konnte auf diese Art nützlich angewendet »erben. Es werde zwar langx

zu machen. Geschickt findet die Thronrede im Anschluß an die Auflösungsordre einen Ausweg für die vor­handene überschüssige Spannung der Parteiverhältnisfe in der Betonung der wir thschaftlich en Fragen. Eine vorurtheilsfreie Behandlung der sozialpolitischen

* Bom Rhein wird der,Germania' berichtet: Die Versetzungen der Lehrer von und nach den polnischen Provinzen der Monarchie, welche unter Bismarck und Goßler im Jahre 1886 anfingen, sind in letzter Zeit immer mehr eingestellt worden. Man hat, wie die »Preußische Lehrerzeitung' meldet, bereits einigen dieser Lehrerfamilien, welche sich durchaus in die neuen Ver­hältnisse nicht finden konnten, die Rückkehr in die Heimath gestattet. Bier Lehrer, welche im Rhein­land bezw. Elsaß-Lothringen Stellungen erhalten hatten, sind zurückversetzt worden, und über mehrere weitere derartige Fälle wird noch verhandelt. Andern in der Rheinprovinz angestellten Volksschullehrern ist auf ihr Gesuch, nach dem Osten wieder zurückgehen zu können, amtlich eröffnet worden, daß es ihnen freistehe, sich um ihnen zusagende Stellen in den Provinzen Posen und Westpreußen zu bewerben, und daß ihrer Anstellung daselbst keine Schwierigkeiten entgegenstehen würden. Zur Zeit sind, nachdem noch drei im Westen stationirte polnische Lehrer wegen Krankheit bezw. Dienstuntaug­lichkeit pensionirt wurden, und ein vierter, weil ihm die neuen Verhältnisse nicht zusagten, sich freiwillig ohne Pension aus dem Lehrerstande zurückgezogen hat, in der Rheinprovinz noch gegen 50 Volksschullehrer polnischer Nationalität, in Westfalen 3, in Hessen-Nassau 7. An Gymnasial- und Seminarlehrern gibt es im Westen des Staates und in den sonstigen reindeutschen Provinzen desselben 40—50 Polen.

* Die Dreibundsverträge laufen zu Anfang nächsten Antrag, sowie alle übrigen zu § 48 gestellten abgelehnt, wahres ab; ihre Erneuerung auf die Zeit von 5 1 —, " *■ Ä *■ "

Jahren soll aber bereits erfolgt sein. Dieselben haben keinerlei offensiven Charakter; sie garantiren dm be- theiligten Mächten nur ihren europäischen Besitz, während die kolonialen Besitzungen ausdrücklich aus­geschlossen sind.

bungen über Oie in dm Wahlprotesten behaupteten Unregelmäßigkeiten stattfinden sollen. — Montag: Interpellation betr. Amßerungen des Kriegsministers über die ostfriesischen Landwehrlmte; Arbeiterschutz­gesetz.

ein verständlicher Wink für die Jungtschechen, sich nicht allzusehr mit nationalen Treibereien bemerkbar

als Versuch der Regelung der Materie durch Will­kür, aber nicht durch Gesetz bezeichnet und scharf bekämpft. Nach längerer Debatte wird der konservative

führer und erklärte die Wahlen der Abgg. Gerlach, v. d. Osten, Günther und Hosang für gültig, während bezüglich der Wahlen der Abgg. v. Meyer-Arnswalde,

zugleich aber der Abs. 2 desselben, welcher die Ueber- tragung mehrerer Stimme«' auf T Gemeindeglied gestattet. Nächste Sitzung: Montag. Tagesordnung: Fortsetzung. Schluß 4 Uhr.

* Das Herrenhaus tritt am 24. d. M. wieder zusammen.

Deutsches Keich.

Berlin, 11. April.

* Der deutsch - österreichische Handelsvertrag soll, wie von gut unterrichteter Seite gemeldet wird, spätestens Ende der nächsten Woche unterzeichnet werden. Der Handelsvertrag wurde auf 12 Jahre abgeschlossen.

* Einen Beitrag zum Geschäftssozialismus liefert eine Anzeige in der, in Halberstadt erscheinenden, sozialdemokratischen Sonntagszeitung. Dieselbe empfiehlt Hüte und zwar Faxon Demokraten-Hut, Kongreß. Auf zur Wahl und Expatriirung. Unterzeichnet ist dieselbe „Ang. Heine, Hutsabrik" und eine fett gedruckte Notiz fügt hinzu, daß „sämmtliche Hüte mit Ärbeiter- Kontrol-Marken versehen sind." Der Besitzer dieser Fabrik ist ber Reichstagsabgeordnete August Heine.

* Der Reichstag nahm heute die Strafgesetznovelle betr. Post- und Telegraphen-Delikte in dritter und das Abkommen mit Dänemark auf Aufhebung der Abgabe, die bei Vermögensübergang aus dem Reich nach Däne­mark oder umgekehrt zu entrichten ist, in zweiter Lesung an, wählte Dr. Krause (fts.) zum Schrift-

AusLand.

Wien, 11. April. Die Thronrede' entspricht in jeder Beziehung der durch die Neuwahlen geschaffenen Lage; sie ist in gewisser Hinsicht so farblos, wie die Liberalen es befürchtet hatten: nicht die leiseste An­deutung einer Absicht, in liberalem Sinne zu regieren. Andererseits aber zeigt die Thronrede durch das, was sie nicht enthält, deutlich und klar, daß zunächst für eine Förderung wichtiger positiv-christlicher Angelegen­heiten, zum Beispiel der Schulfrage, in diesem Parlamente kein Raum sein wird. Der Wunsch der Regierung, die Volksvertreter möchten Staat und Volk über ihre Parteien stellen und in ihrer Sorge um das Ganze sich nicht durch Parteibestrebungen beirren lassen, drückt unverkennbar die Absicht aus, prinzipielle Fragen, durch welche die Parteien gegen einander zu agiren gezwungen werden könnten, ruhen zu lassen.

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(14. Fortsetzung.)

Mrs. Goddard vermochte während der ganzen Nacht kaum die Augen zu schließen. Es war ihr, als könne sie nie wieder schlafen. Sie dachte an den elenden Störer ihres Friedens; ob er Unterkunft für die Nacht gefunden, ob er noch frei oder ob er bereits in die Hände seiner Verfolger gefallen sei. Sie wußte, daß es ihr nicht möglich gewesen wäre, ihn im Hause zu bergen, und daß sie Alles, was in ihrer Macht ge­standen , für ihn gethan hatte, aber wenn der Regen gegen die Läden klatschte und der Wind durch den Schornstein heulte, dann fuhr sie dennoch geängstigt auf.

Derjenige, welcher all' diese Sorge hervorgerufen, hatte unterdessen ein sicheres und für seine Verhältnisse glänzendes Unterkommen gefunden. Er lag in dem Heuschober des WirthshauseS. Die Frage, wo er sein Nachtquartier aufschlagen könne, war schon vor seinem Besuch in der Cottage erledigt gewesen. Der Wirth des besagten Gasthauses hatte feiner Angabe, daß er aus Iorkshire gebürtig und auf der Wanderung von London zurück begriffen sei, gerne geglaubt und ihm

für eine Tagesarbeit das Nachtlager überlaffen. Der Flüchtling schlief einen gesunden Schlaf. Er war darüber hinaus, sich durch nagenbe Reuegedanken die Nachtruhe stören zu lassen, außerdem war er erschöpft von dem bereits zurückgelegten Wege, und die Aussicht auf Geld hatte einen nicht minder beruhigenden Ein­fluß. Er durste sicher hoffen, wenn er einmal außer Landes sei, der Verfolgung zu entgehen. Vielseitige Bildung und ein ungewöhnliches Sprachentalent boten sichere Bürgschaft für sein Fortkommen. Die Flucht selbst gedachte er in einem Fischerboote zu unternehmen. Dann wollte er sich in Frankreich in die Fremden­legion aufnehmen lassen. Er wußte, daß es ein Kampf auf Leben und Tod sein würde, aber er mußte gewagt werden. Wenn es ihm in London nicht an Geld und Kleidungsstücken gefehlt hätte, so würde er den Weg per Eisenbahn vorgezogen haben; so aber war ihm nichts übrig geblieben, als fein Ziel durch Land­streicherei zu erreichen. Sein Bart wuchs so rasch, daß er ihn bald unkenntlich machen würde, und die Harm­losigkeit ländlicher Polizeibeamten war leicht zu täuschen. War es ihm durch bie Einfachheit seiner Mittel ja sogar gelungen, bie Londoner Detectives irre zu führen. Die Augen Beamten bort warm an Schwindler ge­wöhnt, welche in Schnellzügen reiften ober mit eleganten Dampfschiffen nach Amerika segelten. Daß ein Mann j

Di« Centrumsmitglieder des preußischen Abgeord- Lucius, Oechelhäuser, Poll und Möller noch Erhe- netenhaufes hatten sich auf Einladung des FraktionS- ' ‘ "

Vorsitzenden v. Heereman am ersten Tage nach den Parlamentsferien versammelt, um die parlamentarische Lage zu besprechen. Eingeleitet wurde die Erörterung durch eine mit allgemeiner Zustimmung begleitete Dar­legung des Vorsitzenden, welcher unter Hinweis auf Windthorst's Ableben die nunmehr jedem Mitgliede der Centrumsfraktion obliegende größere Verantwort­lichkeit betonte. Der daran sich schließende Austausch war von dem tiefsten Ernste und dem erhebendsten Ge­fühle der Gemeinsamkeit getragen. Zahlreiche Trauer­kundgebungen, welche der Fraktion von nah und fern zugegangen sind, kamen noch zur Erwähnung, theil- weise zur Verlesung. Darunter ist eine von den Dele­gaten und Mitgliedern deS „Deutsch-römisch-katholischen CentralvereinS" von Louisiana, welche auch der Erz­bischof JanffenS von Neuorleans unterzeichnet hat. Die­selbe war bent Abg. Dr. Lieber behufs Uebermittelung an die Fraktion zugestellt worden. Bezüglich der dem _ wlvuutu,

??dbstEen Wmdthorsts zu widmenden Ehrungen wird während die Vorlage darüber bindende Bestimmungen sich das Gentrum zunächst dem Aufruf anschließen, aufftellt. Seitens der Regierung wird dieser Antraa welcher bie Tilgung der auf der Marienkirche noch '■ m" 1 " ' ‘ ' ----

lastenden Restschuld, sowie die Dotirung dieser Kirche bezweckt.