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18. Jahrgang

Donnerstag, den 9. April 1891.

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Fuldaer Zeitung

n i. • os i r — Druck «. »erlag her Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Für die Redaktion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda. j -t.

Deutsches Keich.

<8erlitt, 7. April.

* Ein Artikel der Historisch-politischen Blätter: „Windthorst im Centrum" (von I. Bachem) schloß mit folgenden Worten: „Von Freund und Feind hort man jetzt täglich die Frage aufwerfen: „Wer wird Windthorst ersetzen?" und „Was wird aus dem Centrum?" Schwerlich wird das Centrum jemals wieder in seiner Mitte eine Persönlichkeit haben, welche den verstorbenen Führer nach allen Richtungen in seiner ganzen Eigenart zu ersetzen im Stande wäre. Die Fraktion zählt eine Reihe hochbegabter, kenntnißreicher, für die Sache begeisterter Männer — sie kann sich in dieser Beziehung wahrlich mit jeder anderen Gruppe unserer Parlamente messen. Jedoch Parlamentarier von ber Genialität eines Windthorst bringt nicht jedes Jahrhundert hervor. Vielleicht bedürfen für die Zu­kunft die deutschen Katholiken keines so überragenden Führers. Sicher aber bedürfen sie nach wie vor eines Centrums, und darum wird dasselbe auch nach Windt- horsts Tode fortbestehen. In die Arbeit, welche er that, werden sich vorerst wohl mehrere theilen müssen; je vollständiger sie dabei vom Windthorst'schen Geiste sich leiten lassen, nm so besser werden sie ihrer verant­wortungsvollen Aufgabe genügen. Im Uebrigen „wollen wir unfern Verstand zusammenhalten und Alles im Frieden ordnen"." — Man vergleiche, schreibt die ,Schief. Volksztg.', mit diesen Bemerkungen die Aus­führungen des Herrn Abg. Kvnsiftoriattc-th Dr. Porfch in seiner Gedächtnißrede auf den verewigten Centrums­führer (in der ,Fuld. Ztg.' abgedruckt) über das „Was nun?" und man wird finden, daß in den Kreisen des parlamentarischen Centrums die Grundanschauung über diesen Punkt durchaus übereinstimmt.

* Im Reichstage, der seine Verhandlungen nach den Osterferien heute wieder aufnahm, gab zunächst Abg. v. Hülst (ntl.) eine Erklärung gegen die vielbe- fprochenen Aeußerungen des Kriegsministers über ost­friesländische Schullehrer ab mit dem Hinzusügen, daß sich die Lehrer dieserhalb mit einer Immediateingabe an den Kaiser wenden würden. Dann wurde die 2. Berathung des Arbeiterschutzgesetzes bei den Bestim­mungen über die Maßnahmen zum Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter, sowie zur Ausrechterhal­tung der Sitte und des Anstandes in den gewerblichen Betrieben fortgesetzt. Von sozialdemokratischer Seite (Wurm, Bebel) wurde erklärt, daß man in der Vor­lage keine Besserung des bestehenden Zustandes erblicken könne, da ja alles wieder in das Ermessen der Einzel­regierungen gestellt sei. Auf den Hinweis, daß sie ja keine Abänderungsanträge gestellt, erwiderten sie, daß

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(11. Fortsetzung.)

„Und wohin segelte das Schiff, Herzchen?" fragte sie wieder, des Kindes Locken streichelnd, indem sie sich zu einem Lächeln zwang.

O, es war ein ganz neues Schiff, und es war das "herrlichste Wetter von der Welt. Sie segelten ganz weit fort zur Magellansstraße. Ich freute mich, daß ich gleich wußte, wo die Magellansstraße war, und Mr. Juxon war fehr verwundert darüber. Weißt Du, den Morgen hatte ich gerade vom Feuerland gelernt und von den Menschen, die dort erfroren waren — traf sich das nicht gut? Aber, wie unruhig Du bist! Es ist wirklich nur der Wind. Wenn Du doch zu­hören wolltest —"

Ich höre, mein Liebling," sagte Mrs. Goddard, mit "einem neuen Versuche, ihre Aufregung zu be- meistern. „Du warst also in der Magellansstraße an­gekommen", fuhr sie, das Kind näher an sich heran­ziehend fort. _ . . x . . .

„Ich nicht, Mr. Juxon," korrtgtrtebieSIetne gereizt. „Natürlich, Mr. Juxon, nnd das Schiff war der

„Ja, der „Zephyr", wiederholte Nellie, rafch zu­frieden gestellt. „Er fagte, es fei um Weihnachten ge-

ihre Anträge auf Errichtung von Arbeiterkammern ab­gelehnt worden seien. Die Errichtung von Arbeiter­kammern wurde namentlich auch von dmtschfreistnnlger Seite für ungangbar bezeichnet. Vom Bundeskommissar Geh. Rath Lohmann wurde dargelegt, daß durch die Bestimmungen der Vorlage vielmehr erzielt werde als durch die Errichtung von Ärbeiterkammern. Die fragt Bestimmungen wurden durchweg nach den Kommissions- anträgen angenommen. Weiterberathung morgen.

* Das Abgeordnetenhaus hielt heute feine erste Sitzung nach Ostern. Eingegangen war der Gesetzent­wurf, betr. Abänderung des Rentengüter-Gesetzes. Auf der Tagesordnung standen Petitionen undWahlprüfungen, die ohne bemerkenswerthe Debatten erledigt wurden. Der Antrag Bachem (Mülheim), die Regierung auf- zusordern, für die nächste Session ein Gesetz emzu- bringen, welches die katholischen Pfarrer in dem Theüe der Rheinprovinz, in welchem noch das französische Gesetz gilt, bezüglich des Vorsitzes im Kirchenvorstande mit den Pfarrern in der übrigen Monarchie gleichstellt, wurde mit großer Mehrheit angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag: Landgemeindeordnung.

* Ein offiziöses Telegramm meldet aus New-York: Der Landwirthschafts-Sekretär Rusk erklärte auf eine Anfrage, die Meldung, wonach Deutschland das Ein­fuhrverbot für amerikanische Schweine zurückgenommen habe, sei zwar amtlich noch nicht bestätigt, es sei mdeß nicht zu bezweifeln, daß diese Entscheidung bald ersolge.

* In einem längeren Aufsatze bespricht die ,Nordd. Alla. Rtg.‘ die Abzahlungsgeschäfte und kommt dabei zu dem Schluffe: „Abhilfe kann auf drei Wegen kommen: durch das Zivilrecht, das Strafrecht oder die Gewerbeordnung. Am besten und radikalsten möchte ein durch Strafbestimmungen erzwingbares Verbot aller versteckt-wucherischen Abzahlungsgeschäfte wirken. Doch ist zu bezweifeln, daß sich solches ohne ungerechte Eingriffe in die Freiheit von Handel und Wandel durchführen läßt, dann aber bleibt noch immer die gewerbepolizeiliche Beschränkung, wie sie für den Beginn des Geschäftes eine besondere Genehmigung und für seinen Betrieb eine Ueberwachung einführen könnte, welche geeignet wäre, die häßlichsten Auswüchse zu beschneiden. _ .

* Der freisinnige Abgeordnete Harmenning hatte im Reichstage bei der Berathung über die Petition betr. Zulassung der Frauen zum Univerfitätsstudium erklärt, daß in feinem Wohnort Jena die Profefforen der Universität sich mit der Zulassung der Frauen einverstanden erklärt haben, unter allen Umständen aber mit der Zulassung zum Studium der Medizin. Die Mehrzahl der Professoren stimmt jedoch, wie sie jetzt bekanntgeben, dem Abg. Harmenning nicht zu. Der wesen — aber das ist in den südlichen Ländern ja die warme Jahreszeit," erklärte sie, stolz auf ihre Kenntnisse. „Es war also schönes Wetter und Mr. Juxon ging auf dem Deck auf und ab und rauchte eine Cigarre —"

Aber er raucht doch sonst nie,“ warf Mrs. God­dard" ein, um Nellie von ihrer Aufmerksamkeit zu über­

zeugen.

Damals muß er es jedenfalls gethan haben, denn er erzählte es selbst," entgegnete Nellie, ohne sich aus der Fassung hringen zu lassen. „Und wie er daum- herainq, da sah er plötzlich etwas ganz Merkwürdiges in der Nähe des Schiffes. Das Wunderbarste, waS er je gesehen hatte."

„War es ein Walfisch?" fragte ihre Mutter etwas abwesend. . L

Ein Walfisch, Mama!" wiederholte Nellie ver­ächtlich, „als ob Mr. Juxon nicht Billionen von Wal­fischen gesehen hätte! Nein, es war etwas ganz Sonder­bares, mit grünen und blauen Schuppen und dabei tausendmal so groß, wie das Schiff! — Was war b°8 gZeQie war emporgeschreckt und blickte nach dem Fenster. Mrs. Goddard war todtenbleich und klammerte sich an die Lehne des Sessels.

„Mama, Jemand hat ans Fenster geklopft, sagte Nellie athemlos, „und dann rief es ganz deutlich; „Mary!" O, Mama, wer mag das sein?"

akademische Senat, welchem sämmtliche ordentliche Pro­fessoren angehören, hat sich, so oft Fragen dieser Art an ihn herantraten, beinahe einstimmig oder gar ein­stimmig ablehnend verhalten.

* Das gesammte Kreuzergeschwader, das sich gegen­wärtig in den chinesischen Gewässern befindet hat, wie offiziös gemeldet wird, Befehl erhalten, sich sofort nach der chilenischen Küste zu begeben. .

* Metz, 6. April. Sechsunddreißig und em halb Prozent Gyps, nicht mehr, aber auch nicht weniger, wurden in einer Mehlprobe gefunden, welche von der zuständigen Behörde eines der dahier garmfomeren= den Dragoner-Regimenter einem Apotheker im Lause der letzten Tage zur Untersuchung übergeben worden war. In dem betreffenden Regimente war der eigen« thümliche Geschmack und das Knirschen des Brodes beim Zerkauen ausgefallen, was bei dem hohen Pro­zentsatz (über ein Drittel!) des nach dem Ergebniß der Untersuchung beigemengten Gipses allerdings nicht Wunder nehmen kann. Wie das Gyps m das Mehl gekommen ist, und wie groß die Quantitäten find, welche in dieser Weise gemischt wurden, wird die Unter­suchung klarstellen, welche gegen einen in Metz wohnen­den Militärlieferanten eingeleitet ist.

Ausland.

* Wien, 6. April. Kath. Blätter treten für die Führerschaft des Prinzen Karl v. Schwarzenberg in der kath. konservativen Partei ein. Er soll der Windt­horst Oesterreichs »erben. Wenn der große Hvhen- wartklub nicht zu Stande kommt, soll wenigstens em kleiner unter Schwarzenbergs Leitung gebildet werben.

* Brüssel, 5. April. Der sozialistische Arbeiter­kongreß nahm einstimmig den Anttag Volders an, laut dessen der Generalstrike selbstredend am 20. Mai aus­bricht, wenn bis zum 15. Mai der Centtalausschuß der Kammer den Revisions - Anttag verworsen hätte. Anseele forderte die Ritter der Arbeit auf, sich den Bergarbeitern anzuschließen. Die heftigen Debatten dauerten acht Stunden.

* Paris, 6. April. In einer Versammlung der Bergarbeiter zu Clichy wurde offen die Revolution ge­predigt, welche die Vereinigung der Staaten Europas herbeiführen würde. Der deutsche Delegirte Schröder, welcher der Versammlung beiwohnte, beglückwünschte die französischen Arbeiter, welche überall Proselyten machten; für die deutschen Socialisten gebe es keine Grenzen, ihr Vaterland fei, wo man große Freiheiten genießen könne! Die Socialisten müßten arbeiten, um den Krieg aus der Welt zu schaffen.

* Aus Petersburg wird gemeldet, daß eme Ver-

Mary ?" wiederholte Mrs. Goddard wie im Traume.

"Ja, Mama, es rief ganz laut. Vielleicht war es Mary ihr Bräutigam, er besucht ste manchmal des 5lbcnb§ u

„Mary ihr Bräutigam, Kind?" Mrs. Goddard athmete etwas erleichtert auf. Ihre Köchin hatte den­selben Vornamen wie sie; so lag der Gedanke sehr nahe.

Ja, Mama, Du weißt doch, der Postmann nut dem "scheckigen Pferd." Die Erklärung war nöthig, da Mrs. Goddard fo selten Briefe erhielt, daß sie den Postboten kaum von Angesicht kannte.

„Zu so spätzr Stunde!" rief Mrs. Goddard. „Das ist doch zu arg. Mary ist überhaupt schon zu Bett."

„Er hat gewiß gedacht, wir wären im Pfarrhause und Mary säße hier im Zimmer, um auf uns zu warten," erklärte Nellie sehr vernünftig. „Aber nicht wahr, er kann doch jetzt nicht hereinkammen?"

„Gewiß nicht," entgegnete ihre Mutter. „Aber Du thätest bester, jetzt zu Bett zu gehen, es ist schon halb zehn Uhr." Sie sprach undeutlich, beinahe mit schwerer Zunge. Nellie aber schenkte ihrer Aufforderung kerne Beachtung.

„O, noch nicht," widersprach sie. „Die Geschichte von der Seeschlange ist noch nicht halb zu Ende. Höre nur zu, Mama, so etwas Schönes hast Du noch nie gehört. Sie war also ganz mit blauen und grünen Schuppen bedeckt und bann rollte — rollte rollte sie immer näher, bis sie schließlich an das schiff an-