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18. Jahrgang
Mttwoch, dsn 8. April 1891
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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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waltenden Mächten gefiele, Mr. Walter Goddard in Freiheit zu setzen. Der Himmel konnte wissen, waS dann geschehen würde, aber darüber nachzudenken, war noch eine lange Zeit, dachte der Squire. Mrs. Goddard hatte sich nicht über ihre Entschlüsse im Falle der Rückkehr ihres Gatten geäußert. Vielleicht hatte sie darüber nachzudenken gewagt. Vermuthlich würde sie einen noch sicherem Zufluchtsort als Billingsfield aufsuchen und sich dort für den Rest ihres Lebens verborgen Halles. Doch Frauen sind mitleidsvolle Seelen, überlegte der Squire weiter, und manch' eine Betrogene hatte sich selbst unter schlimmeren Umständen wieder des verstoßenen Gatten erbarmt. Wer weiß, wie weit auch in diesem Falle das Mitleid gehen würde.
An einem Abend gegen Ende Februar waren die Nachbarn wieder bei Mrs. Goddard zum Thee versammelt. Mr. Juxon war im Anfang nicht regelmäßig zu diesen Zusammenkünften eingeladen worden. Vielleicht glaubte man, sie seien unter seiner Würde. Als jedoch die Zeit voranschritt, hatte man Gelegenheit, ihn in seiner ganzen Einfachheit und Anspruchslosigkeit kennen zu lernen. Jeder hatte ihn liebgewonnen, und so vereinigte man sich in dem Wunsche, ihn an den kleinen gesellschaftlichen Freuden Theil nehmen zu lassen. Der Pfarrer und der Squire vertieften sich bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich rasch in ein wissenschaftliches
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Deutsches Keich.
Berlin, 6. April.
* Wie man der .Germania' aus Rom mittheilt, schweben wegen der Besetzung des erzbischöfliche» Stuhles Hon Posen zwischen dem Vatikan und der preußischen Regierung neue Verhandlungen; man hofft, daß mit dem neuen Kultusminister eine Verständigung bald erzielt werden und der neue Erzbischof im nächsten Konsistorium, das erst gegen Ende Mai oder Anfangs Juni gehalten wird, vom Papste präkonisirt werden kann.
* Am 28. und 29. Mai d. I. wird in Berlin ein evangelisch-sozialer Kongreß stattfinden, nachdem ein solcher in der Pfingstwoche des vorigen Jahres zum ersten Male stattgefunden. Auf der Tagesordnung stehen folgende Themata: „Die Erziehung unserer gewerblichen Arbeiter," „Individualismus und Sozialismus," „zur ländlichen Arbeiterfrage," „der Atheismus in der sozialdemokratischen Presse" und — „die ethische Bedeutung der Stolgebührenfrage." Das im vorigen Jahre gewählte Aktionskomitee gedenft, nachdem die vorbereitende Arbeit abgeschlossen ist, fortan energisch an die Oeffentlichkeit zu treten und hofft, schon im nächsten Winter thatkräftig in die soziale Reformbewegung eingreifen zu können.
* Nach dem ,Hann. Sour.' wird das Verlangen nach Einsetzung eines eigenen Uaterrichtsmiaisters im preußischen Abgeordnetenhause entweder in der Form eines selbständigen Antrages oder bei Berathung des Kultusetats zur Sprache kommen. Die Seite, von der diese Anregung kommen wird, ist der deutlichste Beweis dafür, daß eine solche Absonderung des Kultus von dem Unterrichtsressort nur die Bedeutung haben soll, der gänzlichen Entfremdung der Schule von der Kirche zu präjudiziren. Der von vornherein aussichtslose Antrag auf Einsetzung eines besonderen Unter» richtsministers ist also nur als eine Demonstration auszufassen, mit welcher die Nationalliberalen ihrem Aerger über das sichere Scheitern des Volksschulgesetzes Ausdruck geben wollen. Vielleicht überlegen sie sich die Sache noch und begnügen sich damit, dem diskutir- baren Gedanken der Zuweisung der Medizinalangelegenheiten zum Ministerium des Inneren das Wort zu reden.
* Der 7er Ausschuß zur Vorberathung der Reform des höheren Schulwesens nimmt am 14. d. M. unter Vorsitz des Geh. Oberregierungsraths Dr. Hinzpeter seine Berathungen wieder auf. Dieselben sollen sich zunächst auf die Abgrenzung der Lehrpensa erstrecken.
* Die Kommission für die 2. Lesung des Entwurfs eines bürgerliche» GesetzbnchS hat sich dahin ausgesprochen, daß Bestimmungen über das internationale Privatrecht in den Entwurf ausgenommen werden, so-
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hin sollten verhindert werden. Von einem General- strike sei in Paris keine Rede gewesen.
Ausland.
* Wien, 5. April. Der Entwurf der Thronrede für die in dieser Woche beginnende Reichsrathssitzungen ist fertig gestellt. Dieselbe bewegte sich genau im Rahmen des offiziösen Kommentars zu der s. z. Auflösung des Reichsrathes. — Die liberalen Judenblätter sind über den für sie ungünstigen Ausfall der Gemeindewahlen ganz aus dem Häuschen gekommen. Die Börse hat ihrer Wuth durch einen Kurssturz Ausdruck gegebm.
* In Prag wird am 15. Mai eine böhmische Landesausstellung eröffnet. Unter den 3000 ausstellenden Firmen befinden sich auch 680 Deutsche.
* Paris, 5. April. Im weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung des Bergarbeiterkongresses wurde ein Antrag der Belgier berathen, wonach die Bergarbeiter erklären sollen, daß sie mit allen Mitteln die belgischen Bergarbeiter in Voraussicht des nächsten allgemeinen Ausstandes in Belgien unterstützen toürben. Der belgische Delegirte Desuiffeanx bat den Kongreß, für den Antrag zu stimmen und so den internationalen Bund der Arbeiter zu begründen. Der deutsche Abgesandte Bunte erklärte, die deutschen Bergarbeiter würden die Belgier mit allen Mitteln unterstützen. Der Delegirte der Bergarbeiter von Iorkshire Parrot versicherte, die Belgier könnten auf eine ausgiebige Beihilfe Seitens Englands rechnen. Der Anttag wurde einstimmig angenommen unter den Rufen: Es lebe Belgien. Die Berathung des Entwurfes über die Satzungen der allgemeinen Vereinigung wurde darauf ausgenommen, der Entwurf jedoch durch folgenden von den Engländern vorgeschlagenen Antrag ersetzt: Der Kongreß ernennt neuerdings den Ausschuß, welcher im September 1890 in Brüssel tagte, und räumt demselben die Vollmacht ein, einen Entwurf zur Errichtung einer internationalen Vereinigung der Bergarbeiter« vorzubereiten und diesen Entwurf an die verschiedenen Nationalitäten zu senden, die denselben in Erwägung ziehen. Der Entwurf soll alsdann von dem nächsten Kongresse, welcher von. dem Ausschuß einberufen wird, berathen werden. Die Arbeiten des Kongresses waren damit beendigt. Die Sitzung wurde alsdann unter lebhaften Zurufen geschlossen.
* Rom, 5. April. Der Papst empfing heute Mittag die Kardinäle und andere Kirchenfürsten und unterhielt sich mit denselben vertraulich. — Der Papst wird int Konsistorium in der ersten Hälfte des Mai Scilla zum Kardinal ernennen. Außerdem steht die Ernennung des Erzbischofs Gruscha und des Nuntius Ro-
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(10. Fortsetzung.)
Mrs. Goddard's Schicksal war vollständig abgeschlossen und die Folgen desselben unabänderlich. Ihr Mann war nicht länger in der Gefangenschaft zurück- zuhalten, und ebenso wenig konnte man ihn an der Wiedervereinigung mit seiner Familie nach geschehener Freilassung verhindern. Und wie viele Komplikationen würden daraus folgen! Natürlich mußte Mrs. Goddard dann Billingsfield verlassen; denn wie hätte, sie ihren Nachbarn zumuthen können, mit einem entlassenen Sträfling zu verkehren. Mr. Juxon dachte daran,, ob sein eigenes Leben noch den Zeitraum von neun Jahren überdauern werde — wenn dieses der Fall sein sollte, dann war es besser, das alte Seemannsleben wieder zu beginnen, als Zeuge solchen Elendes zu werden. Wie Alles möglicher Weise eine ganz andere Wendung nehmen konnte, das vermochte weder er, noch irgend ein Anderer in diesem Falle vorauszusehen.
Es wäre Mr. Juxon eine Erleichterung gewesen, Mrs. Goddards Geschichte mit dem Pfarrer durchzusprechen, aber er fürchtete andererseits, eine Indiskretion zu begehen, indem er seine Bekanntschaft mit ihrem Schicksale verriethe.
wie, daß die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit durch ein Reichsgesetz soweit einheitlich zu ordnen seien, als zur einheitlichen Durchführung des bürgerlichen Gesetzbuchs erforderlich sei.
* Dem Landtage soll demnächst ein neues Reittea- gütergesetz unterbreitet werden.
* Ein offiziöses Telegramm aus London bestätigt jetzt, daß die Trauung der Prinzessin Luise von Schles- wig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg mit dem Prinzen Aribert von Anhalt am 6. Juli in der St. Georgs- kapelle in Windsor stattfindet. — Aus Cannes wird die Vermählung des Großfürsten Michaelovich von Rußland mit der ältesten Tochter des Prinzen Nikolaus von Nassau, Gräfin Sophie Merenberg gemeldet.
* Der Sultan hat für die Ueberschwcmmte» im Saalethal für sich, seine Gemahlin und 2 seiner Kinder 13,000 Mark durch die deutsche Botschaft in Konstantinopel dem Reichskanzler zugehen lasten, die zu gleichen Theilen unter die geschädigten Bewohner des preußischen, weimarischeu und altenburgischen Saalethals ver- theilt werden sollen.
* Die kaiserliche Kabinetsordre, betreffend die Kommandantur in Helgoland bestimmt, daß dieselbe vom 1. April ab einzurichten ist und von der Marine ressortirt. Der Kommandant untersteht dem Kommando der Marinestation der Nordsee; er hat die allgemeinen Befugnisse der Festungs-Kommandanten, aber keine Gerichtsbarkeit.
* Die .Voß'sche Zeitung' läßt sich aus London telegraphiren, es verlaute dort, der Reichskanzler v. Caprivi habe eine Depesche an Lord Salisbury gerichtet, in welcher es heißt, die deutsche Kolonie in Südwestafrika werde aufgegeben werden, falls es dem englisch-deutschen Syndikate nicht gelinge, das nöthige Kapital aufzubringen. Die Depesche schildert das Gebiet als eine unfruchtbare Sandwüste.
* Der Gouverneur für Deutsch-Ostafrika, Baron Soden, wird, wie man aus Zanzibar meldet, am heutigen Montag mit dem deutschen Reichspostdampfer „Reichstag" in Tanga, dem nördlichsten Hafen Deutsch- Ostafrika's, eintreffen und nach feierlichem Empfang daselbst sich sofort an Bord des Kreuzers „Schwalbe" begeben und nach Dar-es-Salaam, dem Sitz des Gouvernements, weiter fahren, um dort die Regierungsgeschäfte zu übernehmen.
* Aachen, 6. April. Die von dem Pariser Bergarbeiter- Kongresse zurück gekehrten Delegirten Otten, Schrtzder und Markgraf hoben in der gestrigen, von etwa 700 Bergarbeitern besuchten Versammlung zu Röttgen die herzliche Aufnahme in Paris hervor. Schröder forderte auf, dem Verbände beizutreten. Markgraf theilte mit, der Strike in Belgien werde in den nächsten Tagen beginnen. Die Kohlensenduugen dort-
Nach zweitägigem Warten betrat er wieder die Cottage. Mrs. Goddard empfing ihn so ruhig und ohne jedes Zeichen von Aufregung, daß er fast bedauerte, so lange ausgeblieben zu sein. Sie hatte ihn ebenfalls vermißt. Es war ihr, trotz der ersten schmerzlichen Erregung, weniger schwer, gerade ihn zum Mitwisser ihres Geheimnisses zu machen, als es ihm geworden war, dasselbe anzuhören. Sie hatte so oft daran gedacht, es ihm mitzntheilen, daß sie es jetzt fast wie eine Erleichterung empfand, den schweren Moment überstanden zu haben. Das Verkehrte ihrer Stellung ihm gegenüber war gehoben, jeder Heiraths- gedanke war ausgeschlossen, und da er großmüthig darein gewilligt, konnte ihre Freundschaft unbehindert fortbestehen. Sie hatte noch einmal ihren Stolz überwinden müssen, sie wußte, daß sie nur eine Verlassene sei, die für sich und ihr Kind um eine Freistatt bitte; aber sie fühlte auch, daß sie nicht in die Hände der Pharisäer, sondern in die warmherziger Samaritaner gefallen sei.
So waren auf neuer Basis bald die alten Beziehungen wieder hergcstellt, und da jedes Mißverständ- niß ausgeschlossen, so war der neue Bund fester und befriedigender wie vorher. Weder Mrs. Goddard noch der Squire spielten jemals auf die Erlebnisse des stürmischen Winter-Nachmittags an, und es schien, als könne nichts mehr ihren Frieden stören, ehe es den