Einzelbild herunterladen
 

18. Jahrgang

Dienstag, den 7. April 1891

u. «erlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Druck

Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel ut Fulda.

Bit .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum Ü Ps., bei Medrrholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer« lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Psennig.

Deutsches Keich.

Berlin. 4. April.

* An dem Hause, welches Dr. Windthorst während der Parlamentssessionen in Berlin bewohnte und in dem er gestorben ist, wird eine Gedenktafel an­gebracht.

* „Wer wird nun Windthorst sein?" In der zu Breslau veranstalteten Trauer-Feier für Windthorst hat der Abg. Porsch am Schlüsse seiner Rede auch diese viel aufgeworfene Frage berührt. Redner sagte, laut der .Schles. Volksztg.' u. a.:

„Darauf antworte ich: N i e m a n d Es gibt kein Amt eines Führers, in welches Jemand aus der Bestimmung des Vor­gängers oder aus der Wahl seiner Genossen succediren könnte. Die andern Parteien unseres Landes haben ja auch keine solche gewissermaßen monarchische Spitze, und die Centrums-Fraktion selbst ist ohne eine solche gegründet worden. Ob jemals wieder ein Centrumsmann zu einer ähnlichen politischen Stellung sich aufschwingt, das läßt sich gar nicht sagen. Denn das hängt nicht ein Mal allein von der Anlage des Einzelnen ab, das hängt mindestens ebenso von den Umständen ab, unter denen die politischen Kämpfe gekämpft werden, von den anderen Per­sonen und den thatsächlichen Verhältnissen. Ich glaube nicht, daß irgend Jemand aus der derzeitigen Centrums-Fraktion das Selbstbewußtsein und den Ehrgeiz hat, auf den Platz Windt- horst's sich zu setzen, und wenn es Jemanden wirklich nach dem mit Dornen durchflochtenen Lorbeer gelüsten sollte, so wird der ihn sicher zu allerletzt erhalten. Wie Windthorst beim Eintreten einer 'Lücke in der Führung des Centrums seine Arbeit ver­doppelte, so werden auch jetzt die Mitglieder des Centrums ihre Arbeit verdoppeln müssen, um zu ersetzen, was wir verloren haben. Freilich, so weit das angeht; die Fülle der Erfahrungen, die durch das Alter gegebene Autorität, die Menge persönlicher Beziehungen durch ganz Deutschland und darüber hinaus «ab manches Andere werden wir nach menschlichem Ermessen wohl nie ersetzt erhalten. Aber es muß auch ohne das gehen, und es wird mit der Hülfe Gottes gehen, wenn unter der Fahne des Centrums Alle immer im Geiste Windthorst's in unab­lässiger Pflichterfüllung selbstlos, alle Einzelwünsche dein Ganzen unterordnend, furchtlos und treu weiter arbeiten. Die parla­mentarische Thätigkeit stellt von Jahr zu Hahr größere An­forderungen an die Abgeordneten, die ja zumeist auch noch andere Pflichten haben und einer gewissen Zeit für die Samm­lung und Erholung ihres Geistes bedürfen. Ich benutze daher diesen ernsten und feierlichen Anlaß, um alle Parteigenossen im Lande dringend zu bitten, daß sie nicht etwa die Hände thaten- los in den Schooß legen und ihre Abgeordneten für alles sorgen lassen wollen, für die Thätigkeit in Berlin, für die Sammlung des Stoffes zur parlamentarischen Arbeit, für die Unterhaltung des Parteilebens im Lande, für die Vorbereitung der Wahlen. Das muß in gerechter Arbeitstheilung zu einem großen, ja zum größten Theil von Denen besorgt werden, welche nicht die viel- monatlichen Mühen eines Abgeordneten-Mandates übernehmen können. Möchten Alle das begreifen und Alle selbstlos danach handeln!"

* Zum Bau einer Ludwigs-Kirche in Berlin wird der .Germania' von kompetenter Seite geschrieben: „Bald nach dem Tode des unvergeßlichen Dr. Windt­horst wurde der Vorschlag gemacht, zur Erinnerung an fein Wirken gerade in Berlin eine katholische Kirche

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(9. Fortsetzung.)

„Habe ich — habe ich Sie recht verstanden? Ihr Mann lebt?" — rang es sich aus seiner Brust.

Mrs. Goddard machte eine Bewegung, als wenn sie etwas sagen wollte.

„Ja," hauchte sie endlich. Der Squire erhob sich und durchmaß aufgeregt das Zimmer.

„Aber wo lebt er?" fragte er, plötzlich in seinem Laufe innehaltend. „Ich habe, glaube ich, ein Recht es zu fragen, Mrs. Goddard — Sie haben seiner nie erwähnt."

Die unglückliche Frau nahm alle Willenskraft zu­sammen, um sich aufzurichten.

Dann sagte die junge Frau, auf die Lehne ihres Sessels gestützt, indem sie den Squire mit unheimlich starrem Blicke ansah: „Sie haben ein Recht, es zu loifsen, er ist wegen Fälschung zu zwölfjähriger Zwangs­arbeit vcrurtheilt. Er ist in Portland."

Als diese Worte gesprochen waren, sank sie in ihren Stuhl zurück, aber sie verbarg diesmal nicht ihr Gesicht. Die schönen, ernsten Züge waren starr und leblos, und die Hände lagen bleiern, mit der Fläche nach außen gekehrt, auf ihrem Schooß.

zu Ehren des hl. Ludwig, des Namenspatrons weiland Seiner Excellenz Dr. Ludwig Windthorst, zu erbauen, zumal Berlin nicht bloß der Ort seines segensreichen Wirkens, sondern auch seines frommen Todes war. Heute können wir mittheilen, daß der Bau der neuen Ludwigs-Kirche, wenn nicht in diesem, so doch gewiß im nächsten Jahre begonnen werden wird. Sobald die Platzfrage, über welche gegenwärtig mit gutem Er­folg verhandelt wird, erledigt ist, wird der Aufruf erscheinen. Alle Freunde und Verehrer des seligen Windthorst werden jetzt schon gebeten, ihr Interesse für diese Sache recht rege zu bethätigen."

* Der .Reichsanzeiaer' spricht die Hoffnung aus, daß die Berathung des Arbeiterjchutzkesetzes im Reichs­tage nach dessen Wiederzusammentritt einen etwas rascheren Fortgang, als bisher, nehmen werde. Sonst würde auch der 1. Januar 1892 als Zeitpunkt für das Inkrafttreten des Gesetzes nicht festgehalten werden können, da vor dem Inkrafttreten des Gesetzes noch eine Reihe wichtiger Bestimmungen vom Bundesrathe erlassen werden müssen, zu denen die Vorarbeiten erst erledigt werden können, wenn das Gesetz verabschiedet sein wird, und da verschiedene Bestimmungen des Ge­setzes erst durch kaiserliche Verordnungen in Kraft ge­setzt werden sollen, nachdem die zu ihrer Ausführung erforderlichen Bestimmungen des Bundesraths erlassen sein werden.

* Heute Mittag hat die feierliche Grundsteinlegung zum Langenbeckhause in Gegenwart der Minister Grafen Zedlitz, Dr. Miquel und v. Wedell, sowie der Mit- alieder der deutschen Gesellschaft für Chirurgie stattge- unden. Die Ansprache bei Niederlegung der Grund- tein-Urkunde hielt Professor Dr. Thiersch in Leipzig.

* Die sozialdemokratische Presse in Deutschland umfaßt zur Zeit 128 Organe. Davon sind 74 poli­tische und 54 gewerkschaftliche Organe. Von den ersteren erscheinen 27 Zeitungen täglich, 23 dreimal wöchent­lich, 7 zweimal wöchentlich, 12 einmal wöchentlich, 3 vierzehntägig, 1 monatlich und 1 alle 6 Wochen. Von den gewerkschaftlichen Organen erscheint 1 wöchentlich dreimal, 23 wöchentlich einmal, 3 monat­lich dreimal, 23 monatlich zweimal und 4 monatlich einmal.

• Von zuständiger Seite wird mitgetheilt, daß die Einfuhr lebenden Rindviehs aus Amerika nach Ham­burg stark zunimmt. Im Monat Januar brachte ein Dampfer 144 Stück, im Februar kamen in zwei Dampfern 421 Stück und im März in vier Dampfern 811 Stück, im Ganzen also 1379 Stück Vieh. In den letzten Tagen ist eine größere Probesendung des Fleisches von diesen in Hamburg geschlachteten Rindern zum Verkauf nach Berlin gekommen.

* Die Kanoniere der fahrenden Batterie» sollen

Charles James Juxon war nicht leicht aus der Fassung zu bringen, aber die entsetzliche Wahrheit, welche er eben gehört, hatte ihn dennoch überwältigt. Er blieb eine Weile, wie angewurzelt, auf seinem Platze stehen, dann machte er seiner Beklommenheit in einem Ausrufe Luft, der nicht wie ein Fluch klang, aber in dem er den Himmel zum Zeugen über so viel Elend anrief. Sein Blick ruhte einen Augenblick auf dem farblosen Gesichte der jungen Frau, dann wendete er sich dem Fenster zu. Lange stand er dort regungslos und starrte in die fallenden Schneeflocken hinaus. Es fiel ihm nicht ein, die junge Frau aus ihrer Ohnmacht zu wecken, die Bewußtlosigkeit schien in einem solchen Momente eine besondere Gnade zu sein. Sie bedurfte auch nicht feiner Hülfe, denn nach einigen Minuten öffnete sie langsam die Augen, schloß sie wieder und richtete sie dann auf die das Fenster verdunkelnde Gestalt.

„Mr. Juxon, bitte, kommen Sie näher, sagte sie schwach.

Der Squire fuhr auf und drehte sich um, dann i begab er sich auf den verlassenen Platz neben ihr zu- ! rück. Er blickte ernst und schweigend vor sich hm.

„Mr. Juxon," redete sie ihn mit gedämpfter Stimme, aber mit mehr Selbstbeherrschung, als er erwartet hatte, ; an; „Sie haben ein Recht, mein Schicksal zu erfahren. ; Sie sind mir freundlich begegnet, Sie haben mir einen

laut Kabinetsordre des Kaisers, nach Maßgabe de verfügbaren Mittel mit dem Revolver 83 bewaffne werden.

* Die überseeische Auswanderung aus dem deut­schen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam betrug in den Monaten Januar und Februar d. I. 7648 Personen, wovon aus der Provinz Posen 1818, Westpreußen 879, Bayern rechts deS Rheins 640, Hannover 498, Brandenburg mit Berlin 395, Rheinland 339, Württemberg 294, Königreich Sachsen 284, Schleswig-Holstein 260, Pommern 235, Pfalz 228 und aus Baden 205 kamen. Der Rest von 1569 entfällt auf die übrigen Gebietstheile des Reichs.

* Zum Erzbischof von Posen-Gnesen soll Weih­bischof Dr. Likowski in Polen auserfehen sein.

* Hamburg, 4. April. Die Polizei entdeckte eine große Diebesbande, welche seit etwa zwei Jahren Tabak­diebstähle ausführte und im Freihafen einen eigenen Speicher hatte, in dem das gestohlene Gut lagerte. Die Untersuchung nimmt einen großen Umfang an. Zahlreiche Kommis, Markthelfer und Ewerführer sind verhaftet worden.

* München, 3. April. Die Nachricht, daß der Prinzregent der Marienkirche in Hannover 10,000 Mk. zugewendet habe, ist nicht ohne politische Bedeutung. Ein katholisch sein wollendes Skandalblatt höhnte neu­lich darüber, daß Centrumsblätter aus dem Kranze, den der Prinzregent auf der Bahre Windthorst's nieder­legen ließ, so viel Wesens machten, und meinte, der Regent habe nicht wohl umhin gekonnt, der vom jungen Kaiser beim Tode Franckenstein's eingeführten Uebung zu folgen. Heute wird wohl Niemand mehr bestreiten, daß die außergewöhnliche Gabe eine durch keinerlei Uebung beeinflußte Ehrung des großen Tobten ist. Die Absage an den alten kulturkämpferischen Geist der Lutz- Periode tritt immer deutlicher hervor. Die Zeiten, als man durch „Hinschießen" gegen die Centrumspartei in Bayern zu operiren suchte, sind vorüber. Graf Kon­rad v. Prey sing, welcher mit der Uebermittelung der Gabe beauftragt ist, war bekanntlich seit langer Zeit, besonders im letzten Jahre, der unzertrennliche Freund und Begleiter Windthorst's. Er genießt bei Hofe unausgesetzt das größte Vertrauen. Am 1. April waren Graf und Gräfin Preysing die Einzigen, welche neben den höchsten Staatswürdenträgern zu dem Ab­schieds-Diner des Regenten für den preußischen Gesandten Grafen Rantzau eingeladen waren. (Köln. Vztg.)

Ausland.

* Wien, 3. April. Gestern begannen die Wahlen zum ersten Gemeinderathe von Groß-Wien. Die Ver­einigten Christen haben, wie zu erwarten stand, einen glänzenden Sieg erfochten. Die Jüdisch-Liberalen und

ehrenvollen Antrag gemacht, und sie wollten mir ein Freund sein. Ich weiß, ich hätte mich früher aus­sprechen sollen und ich hätte es auch gethan, was es mir auch kostete, wenn ich Ihre Absicht rechtzeitig er­kannt hätte." .

Mr. Juxon hielt noch immer in tiefem Ernste das Haupt gesenkt. Er war bei aller Güte auch ein strenger Mann, und er fühlte sich berechtigt, Offenheit zu ver­langen. _ ,, ,

„Ja. ich will offen sein," fuhr Mrs. Goddard fort:" „Mein,Mann," ihre Stimme zitterte ein wenig, „war der Chef einer angesehenen Londoner Firma. Ich war das einzige Kind seines Associo's. Kurz nach seinem Tode heirathete ich Mr. Goddard. Er war ein extravaganter Mann mit einer ausgesprochenen Neigung für jede Art von Luxus. Mein Vater hatte mir ein eigenes, kleines Vermögen hinterlassen, welches unabhängig vom Geschäftskapital war. Als ich mün­dig wurde, ein Jahr nach meiner Heirath riethen mir die Vormünder, und unter ihnen mein Gatte, ich solle dieses Vermögen dem Geschäftskapitale einverleiben. Mein Mann war leichtsinnig. Ich lernte dieses aber erst viel später einsehen. Er spielte an der Börse mit den seiner Hand anvertrauten Fonds. Ich theilte in vollständiger Unwissenheit den ganzen Luxus seiner Le­bensweise. Da, etwa zehn Jahre nach unserer Heirath, fallirte das Geschäft, und das Haus wurde des betrü-