Einzelbild herunterladen
 

'»yi

AW

V

■ - . -y*

Donnerstag, den 2. April 1891

18. Jahrgang

Fuldaer

gär dir Redaktion verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.

Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).

Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringer­lohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Du .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen.

Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum IS Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Der Oberbürgermeister von Brandenburg, Reuscher, erläßt an die Magistrate sämmtlicher 280 Städte Preußens, in denen sich nur eine höhere Lehranstalt befindet, ein Rundschreiben, um sie unter Hinweis auf die Beschlüsse der Schulfrage-Konferenz vom Dezember v- I- zu einer gemeinschaftlichen Immediateingabe an den Kaiser zu veranlassen.

* Der Prinzregent von Bayern hat heute den bis­herigen preußischen Gesandten Grafen Rantzau,Schwieger­sohn des Fürsten Bismarck in feierlicher Abschieds­audienz empfangen und überreichte demselben das Großkreuz des Verdienst-Ordens vom hl. Michael.

* Aus Nassau schreibt man der ,Köln. Volksztg.': Peinliches Aufsehen macht in der ganzen Diözese Lim­burg eine in der .Frankfurter Zeitung' veröffentlichte

Korrespondenz, in welcher, angeblich in Ueberein- stimmung mit dem Gesammt-Klerus, die heftigsten Vorwürfe gegen unfern Bischof gerichtet werden. Jetzt erheben alle Geistlichen Frankfurts gegen den Artikel Einspruch. Vielleicht wäre es besser gewesen, den offenbar in persönlicher Gereiztheit geschriebenen Artikel zu ignoriren. Nicht bloß die Frankfurter Geistlichkeit verurtheilt den Artikel, auch der Klerus auf dem Lande mißbilligt entschieden Inhalt, Ton und Tendenz. Beinahe der Gesammt-Klerus konnte aller­dings in politischer Beziehung nicht immer die Wege seines Oberhirten gehen; allein er verkennt anderseits keineswegs, daß Bischof Klein in schwerer Zeit mit Selbstlosigkeit und Thatkraft das Bisthum vortrefflich

I empfundenes Einschreiten gegen beliebte Persönlich­keiten erfordert, muß der Verfasser des Artikels in der ,Franks. Ztg.' wissen. Ferner weiß derselbe wohl auf Grund fernes Studiums, daß, wenn der Papst eine

I Entscheidung getroffen hat, es dem Katholiken geziemt, die Gründe zu würdigen, auch wenn dieselben zu Zeitungs-Erörterungen sich nicht eignen. Warum also böswillig auf die Bischofs-Ernennung zurückkommen? Als rücksichtslos vollends muß es bezeichnet werden, daß gegen die Feier des fünfzigjährigen Priester- Jubiläums des Bischofs Stimmung gemacht werden soll. „Auf dem Bauche" vor dem Bischof zu liegen, fallt Niemand ein; aber noch weniger könnm katho­lische Geistliche die Redaktion eines kirchenfeindlichen Blattes als Vertreterin ihrer Interessen betrachten. In gleicher Angelegenheit schreibt man von anderer Seite: „In keinem Bisthum Deutschlands ist in den jüngsten fünf Jahren so viel gegen die geistliche Be­hörde geschrieben worden wie bei uns. Die augen­blickliche Zeitungsfehde ist aber geradezu unerhört. Bedauerlich erscheint die Polemik in erster Linie des­halb, weil Geistliche der Diözese offen oder versteckt an diesem Kampfe sich zu betheiligen scheinen und kirchenfeindliche Blätter dazu benutzen. Wenn man glaubt, begründete Beschwerden zu haben, warum wendet man sich dann nicht an die Höhen, kirchlichen Organe? ES gibt auch für Vermögens- und Verwaltungs- Streitigkeiten geordnete kirchliche Instanzen, die möge man anrufen und der Diözese ein Schauspiel ersparen, an welchem nur die Gegner alles Kirchlichen Gefallen haben können."

Dame verständnißvoll an, als sei er neugierig, was sich die beiden jungen Leute zu sagen hätten.

„Ich hoffte Sie am Morgen sicherer zu treffen," begann Mr. Juxon nach einer Pause. „Hoffentlich habe ich Sie in Nichts gestört?"

„O, durchaus nicht, Nellie hatte gerade ihre Stunde beendigt."

„Ich war eigentlich auf dem Wege, mich etwas mit den Bodenverhältnissen meines neuen Gutes be­kannt zu machen," fuhr der Squire fort, „als ich aber, aus dem Thore tretend, die Cottage so nahe vor mir sah, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, ein­mal anzuklopfen. Daß wir so nahe Nachbarn seien, hatte ich wirklich nicht geahnt."

„Ja, es ist sehr nahe," bestätigte Mrs. Goddard.

Mr. Juxon sah sich im Zimmer unt Er war keineswegs um Worte verlegen, allein Mrs. Goddard schien gar nicht aufgelegt, die Konversation fortzufüh­ren. Bei seiner Umschau im Zimmer entdeckte er, daß die Einrichtung nicht nur Geschmack, sondern auch einen gewissen Luxus verrieth. Die Möbel waren eleganter, als man sie sonst in Landhäusern zu finden pflegt; ihre Proportionen deuteten darauf hin, daß sie nicht für größere Räume bestimmt gewesen seien. Der Teppich war kostbarer, als irgend einer im Schloß; der Schreib­tisch von eingelegter Arbeit, sowie die dazu gehörigen

Deutsches Keich.

Berlin, 31. März.

* Aus Hannover erhält die .Germania' folgende Zuschrift:

„In dem Sterbezimmer von Excellenz WinÄthorst zu Berlin haben sich folgende sorgsam zusammengelegte und mit Aufschrift auch der Geber versehene Geld­pakete für d ie Marienkirche vorgefunden: N. N. in Bürow 14.04 M.; Metz 400 M.; Fulda 308.70 M.; Seligenstadt 50 M.; Berlin 40 M.; Seelscheid 20 M.; Berlin 3 M.; Frankfurt a. M. 99.70 M.; drei Abgeordnete in Berlin 107 M. Wahrscheinlich hat Excellenz die Absicht gehabt, in den Ferien allen den Gebern ein Dankes wort zu senden. Der Tod hat es ihm unmöglich gemacht. Im Namen des lieben, großen Tobten, als der Hüter seines Grabes, bitte ich die genannten edlen Wohl­täter der Marienkirche, den herzlichsten Dank von mir entgegennehmen zu wollen für die reiche Spende und die Freude, die sie Excellenz Windthorst so nahe vor seinem Tode bereitet haben.

Hannover, den 24. März 1891.

A. Gerhardy, Pastor an der Marienkirche."

* Ueber die Rrisepläne des Kaisers wird der ,Post' geschrieben: Bei der Reise nach England ist nur der Besuch in Windsor und London beabsichtigt; daran schließt sich ein Ausflug nach Schottland. Von da soll die Reise nach dem Nordkap unternommen werden. Die Reisen nach Lübeck und Kiel und nach den Rhein­landen (im Mai) werden je 5 Tage beanspruchen. Einer Deputation der Stadt Koblenz, die beim Kaiser war, um ihn zum Besuche einzuladen, konnte für dieses Mal kein zusagender Bescheid gegeben werden.

* Der ,Hamb. Korr.' bezeichnet die Meldung der Pariser ,Autoritö', wonach Kaiser Wilhelm eine Ge­schichte seines Großvaters vollendet habe, als erfunden; auch die Meldung des .Pester Lloyd', wonach der Kaiser im Monat Mai die Königin der Niederlande besuchen werde, sei falsch.

* Eine Aeußerung des Abg. Stöcker über den Kaiser wird von dem Genfer Korrespondenten der ,Münch. I Allg. Ztg.' mitgetheilt. Derselbe schreibt: „Nach Schluß der sehr stürmisch verlaufenen Versammlung hatten wir Gelegenheit, im engeren Kreise Herrn Stöckers Mei­nung über manche schwebende Frage zu vernehmen. Unter anderem wurde Herr Stöcker gefragt, wie der deutsche Kaiser Wilhelm II. gegen die Juden gesinnt sei? Ueber diese etwas brüske Frage verdutzt, ant­wortete Stöcker nicht ohne Humor: Ja, das weiß ich nicht; das müssen Sie den Kaiser selbst fragen; eines nur kann ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen: wenn ich

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(5. Fortsetzung.)

Stambul war in der Tyat ein außergewöhnliches Thier. An Größe den größten Fanghund übertreffend, verband er mit seiner riesenhaften Kraft eine Gewandt­heit und Schönheit der Bewegungen, welche man bei anderen Hunden derselben Größe vergeblich suchte. Durch das seidenweiche, glatte Fell von schiefergrauer Färbung konnte man jede Bewegung der kräftigen Mus­keln verfolgen. Der breite, eckige Kopf verrieth mehr Aehnlichkeit mit der verwegenen Wildheit des Tigers als mit der ruhigen Majestät des Löwen, welche den englischen Mastiffs eigen ist. Die nach russischer Manier kurz gestutzten Ohren gaben dem Kopfe etwas noch Ge­drängteres und ließen die Augen noch mehr zur Gel­tung kommen. Wenn er die letzteren bewegte, so war es, als flammten röthliche Lichter darin auf, und man konnte es dem Fremden nicht verargen, wenn er diesem Blicke mißtrauisch begegnete.

„Wollen Sie sich nicht setzen?" fragte Mrs. God­dard, und als der Squire Platz genommen, legte sich auch Stambul. Er schaute, dicht an seinen Herrn ge­drängt, bald diesen, bald die ihm gegenübersitzende

die Juden in Ruhe gelassen hätte, so wäre ich noch heute Hofprediger."

* Die Kommission für die zweite Lesung des Ent­wurfs eines bürgerlichen Gesetzbuchs beginnt am Mitt­woch ihre Berathungen im Reichsjustizamt. — Im Reichsjustizamt sind im Laufe des letzten Vierteljahres regelmäßige Sitzungen behufs Vorberathung der für die 2. Lesung des Entwurfs zu stellenden Anträge ab­gehalten worden. Die Ergebnisse dieser Vorarbeiten liegen den Mitgliedern der Gesammtkomwission jetzt vor. Auch von Mitgliedern der Kommission sind be­reits verschiedene Anträge eingegangen.

* Ueber die Verwaltung des Welfenfonds, welcher

in den letzten Tagen so häufig.genannt worden ist, vua ^aiyuui UULUC||UUJ

Zeitung: „Die Verwaltung unter- verwaltete. Daß die kirchliche Vermögensverwaltung fielst ausschließlich der Verantwortlichkeit des preußischen mitunter ein von der Behörde selbst schmerstick Finanzm,Nisters und unter ihm der königlichen Ver- 1 * 3 * - - -5-™

waltungskommission in Hannover, deren Vorsitzender der jeweilige Oberpräsident der Provinz Hannover und deren Mitglieder der Oberjägermeister und General­lieutenant z. D. Gebhard von Kotze, sowie der Ober­regierungsrath Hüger in Hannover bilden. Sobald alle Kosten der Verwaltung und Beschlagnahme gedeckt sind, überweist der Finanzminister den ganzen Rest der Gesammteinkünfte dem preußischen Ministerpräsidenten, dem allein die Bestimmung der Verwendung der Ein­künfte zufällt und der auch allein die Verantwortung für die richtige, der Beschlagnahmeordnung entsprechende Verwendung zu übernehmen und zu tragen hat. All­jährlich legt er persönlich dem Könige Rechnung über diese Verwendung der Einkünfte, und alljährlich erbittet er sich vom Könige eine Allerhöchste Kabinets- ordre, welche die nachgewiesene Verwendung gut­heißt. Sobald diese Ordre ergangen ist, werden so­fort alle Belege der Rechnungs legung ver­brannt, nur diese Ordre wird zu den Akten ge­nommen, und so allein ist es möglich, daß die einzelnen Aufwendungen nach Ziel und Herkommen durchaus ge­heim bleiben können."

* München, 31. März. Dr. Armin Kausen legte die Chefredaktion des,Fremdenblattes' nieder, nachdem der Aufsichtsrath ihm gestern gekündigt hatte. Dr. Kausen hatte, wie der ,Köln. Volksztg.' gemeldet wird, | das Angebot freiwilligen Rücktritts unter Verständi­gung über die Rücktrittserklärung gegen eine hohe Ab­findungssumme abgelehnt und die vertragsmäßige Kün-

Sachen waren von jener werthvollen Art, wie man sie nur in reichen Häusern anzutreffen pflegt. Auf dem Kamin stand eine Uhr, welche offenbar aus der besten Zeit des Rococostiles stammte. Die Gemälde an der Wand mußten nach Mr. Juxon's Urtheil werthvolle Stücke alter Meister fein; ebenso lagen aus einem kleinen Tischchen am Kamin allerlei chinesische und japanische Kunstwerke neben einer Chatelaine aus ge­triebenem Silber, welche mittelalterlichen Kunstfleiß verrieth.

Der Squire konnte nicht umhin, darüber nachzu­denken, warum die Besitzerin so vieler hübscher Sachen sich gerade das entlegene Dorf zum Wohnsitze erwählt habe, und da ihn die hübsche Mietherin mehr und mehr zu interessiren begann, so machte er einen neuen An­lauf, die Konversation in Gang zu bringen.

3. Kapitel.

„Sie haben jedenfalls mehr für die Verschönerung der Cottage gethan, als mir möglich gewesen wäre," begann Mr. Juxon abermals, indem er sich in seinen Stuhl zurücklehnte und die Hand auf Stambul's Kopf legte.

„DasHaus war an und für sich schon sehr hübsch," antwortete Mrs. Goddard, „und es war gut, daß es nicht größer war, sonst würden meine Möbel sich darin verlieren."