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.Zayrgang

Druck u. Verlag der Fuldaer Bctiendruckerei (A. Dillmann).

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Gin Attentat auf Stambulow.

Auf den bulgarischen Ministerpräsidenten Stambulow und den Finanzminister Beltschew wurde am Char- freitag Abend, als Beide nach ihren Wohnungen gingen, ein Attentat verübt. Sie begegneten einer kleinen Ge­sellschaft von 4 Personen, aus welcher heraus plötzlich 3 Revolverschüsse abgegeben wurden. Finanzminister Beltschew sank an der Seite Stambulow's tödt- lich getroffen nieder, während die Verschwörer, offenbar hat man es mit solchen zu thun, entwichen. Verschwörungen sind in Bulgarien an der Tages­ordnung. Dieselben haben stets einen hochpolitischen Beigeschmack, wird doch vermuthet, daß Rußland seine Hand dabei im Spiele habe. Daß diese Vermuthung nicht unbegründet ist, beweisen Thatsachen, die in nicht allzu ferner Vergangenheit liegen. Es sei hier nur an die Entführung des früheren Fürsten Alexander er- inüert, die einen romanhaften Charakter trug. Bulgarien war nach der Neuordnung der Dinge auf der Balkan­halbinsel gewissermaßen unter russisches Protektorat gestellt. Russen hatten alle hohen Staatsämter in Bul­garien inne und Russen standen vor Allem an der Spitze der Armee. Bulgarien mußte für Rußland als der Ausgangspunkt zu der einstigen Verfolgung seiner Aspirationen auf der Bälkanhalbinsel erscheinen. Indem Bulgarien die russische Autorität abschüttelte, machte es Rußland einen Strich durch die Rechnung. Den Bulgaren kann man es schließlich nicht verdenken, wenn sie Herren im eigenen Hause sein und ihre Unab­hängigkeit begründen wollten. Aber Rußland hätte seine ganzen Traditionen vergessen müssen, wenn es dazu vergnügte Miene gemacht hätte. Auf gewaltsamem Wege konnte es aber nicht wohl vorgehen, wenn es nicht einen europäischen Krieg entzünden wollte. Dazu hielt man bisher und hält noch in Rußland den Moment nicht für gekommen. Man wird in Rußland nicht, um das kleine Bulgarien Mores zu lehren, die Jahr­hunderte lang gehegten Hoffnungen, über Konstantinopel den russischen Adler schweben zu sehen, aufs Spiel setzen. Wozu man also nicht den Weg der Gewalt be­schreiten mochte, das suchte man auf dem der Jntrigue zu erreichen. Es ist von russischer Seite alles mögliche ausgeboten worden, um in Bulgarien innere Wirren herbeizuführen. Es ist nur erstaunlich, daß diese Be­mühungen nicht erheblich mehr Erfolg gehabt haben,

Verfolgt.

Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.

(4. Fortsetzung.)

„Sie scheinen aber Ihre Fundgrube noch nicht erschöpft zu haben," meinte Mrs. Goddard, welche den Pastor im Ganzen und seine Predigten im Beson­deren bewunderte.

„Wie lange genießen Sie schon den Vorzug, den Herrn Pastor predigen zu hören?" wandte sich der Squire jetzt an sie.

„Fast zwei Jahre lang," antwortete sie mit einem traurigen Augenaufschlag, der Mr. Juxon das Herz bewegte.

Als er schließlich das Pfarrhaus verließ, war es jedenfalls das Antlitz der jungen Wittwe, welches den nachhaltigsten Eindruck auf seine Phantasie übte. Jenes bestimmte Etwas, welches eine so wunderbare An­ziehungskraft auf John Short geübt und in Mrs. Ambrose ein nun längst vergessenes Mißtrauen geweckt hatte, zog auch den Squire in seine Zauberschlingen.

Ehe er das Haus verließ, lud er die Versammelten ein, am nächsten Samstag bei ihm zu diniren. Ein kleines Einzugsfest müsse doch sein, meinte er, um ihm über den trostlosen Eindruck hinweg zu helfen. Natür­lich müsse man entschuldigen, wenn im Schlosse noch nicht Alles in der gehörigen Ordnung sei. Ihm käme

als dies in Wirklichkeit der Fall war. Es ist übrigens nicht anzunehmen, daß bei all' den Putschen und Ver­schwörungen, welche im Laufe der Jahre in Bulgarien im russischen Interesse inscenirt wurden, die Regierung des Zaren die Hand im Spiele gehabt hat Russische Beamte und Privatpersonen, sowie russophile bulgarische Streber haben da auf eigene Faust gearbeitet, in der Erwartung, daß, wenn ihnen erst der Erfolg zufiele, die russische Regierung ihnen ihre Franktireurdienste reichlich lohnen werde. So hat es sich allem Anschein nach auch bei dem neuesten Komplott verhalten, dem Finanz­minister Beltschew zum Opfer gefallen ist. Daß nicht diesem, sondern Stambulow das Attentat in erster Linie galt, kann keinem Zweifel unterliegen. Stambulow ist von jeher der Träger der bulgarischen Unabhängig­keitstendenzen gewesen; nicht Fürst Ferdinand, sondern er vor Allem steht den Bemühungen, die russische Autorität wieder in früherem Umfange in Bulgarien zu begründen, im Wege.

Deutsches Keich.

Berlin, 28. März.

* Die Wiener Ankündigung, wonach man bereits am Donnerstag die Unterzeichnung des deutsch - öster­reichischen Handelsvertrages zu erwarten haben sollte, hat sich als falsch erwiesen. Die Verhandlungen sind noch keineswegs zum Abschluß gelangt, und allem An­schein nach hat man auch keinen Anlaß, schon heute über die glückliche Lösung aller Schwierigkeiten sich zu freuen.

* Der Bericht der Reichstagskommisston für die Kr<lilkc»kasskNNü,vrlle siegt vor. Die Kommission bean­tragt u. A. folgende Resolution: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die geeigneten Maßregeln zu ergreifen, daß in sämmtlichen Bundesstaaten die Fest­stellung der ortsüblichen Tagelöhne nach thunlichst gleichen Grundsätzen und den thatsächlicheu Tagelohn­sätzen gewöhnlicher Tagearbeiter entsprechend erfolge.

* Die diesjährige Hauptversammlung des Zuristen- tagcs findet vom 10. bis 12. September in Köln statt.

* Die deutsche landwirthschastliche Ausstellung zu Breme», welche in den Tagen vom 4. bis 8. Juni d. I. stattfindet, wird sich den bisher eingelaufenen Anmeldungen nach in würdiger Weise den früheren in Bremen abgehaltenen landwirthschaftlichen und indu­striellen Ausstellungen anschließen. Es werden mehr als 300 Pferde, 900 Rinder, 700 Schafe und 500 Schweine dort erscheinen, auch wird die Geflügel-, Fisch- und Bienen-Abtheilung recht wohl beschickt sein. Die Thiere gehören zu einem sehr großen Theile Olden­burg und Hannover an, jedoch betheiligen sich auch

es nur darauf an, von vorneherein freundliche Be­ziehungen mit dem Pfarrer und seiner liebenswürdigen Mietherin anzuknüpfen. Dann fügte er, sich direkt an Letztere tvendend, hinzu, er werde an einem der nächsten Tage, vielleicht schon morgen, einmal kommen, um sich zu überzeugen, daß Alles in der Wohnung in gutem Stande sei. Er bitte sie, ihn dann aus Alles, was einer Verbesserung bedürftig sei, aufmerksam zu machen. Dem Pastor versprach er, ihn sogleich von dem Ein­treffen der Bücher in Kenntniß zu setzen, damit er kommen und das Wünschenswerthe auswählen könne.

Als der Squire endlich schied, hinterließ er den Eindruck eines sehr gutmüthigen, angenehmen Menschen. Selbst Mrs. Ambrose äußerte freundliche Gesinnungen, und das wollte nach einem ersten Besuche schon viel heißen.

Mrs. Goddard blieb sehr nachdenklich. Der neue Zuwachs der Billingsfielder Gesellschaft mißfiel ihr, obwohl sie gegen die Person des Squires selbst nichts einzuwenden hatte. Er hatte ihr seinen Besuch für den folgenden Tag angekündigt, und sie konnte nicht umhin, ihn anzunehmen. Bei ihrer Jugend und der Weltabgefchlossenheit, zu welcher sie sich selbst seit zwei Jahren verurtheilt, war ihr die Aussicht auf einen neuen Umgang an und für sich nicht unangenehm, allein der Gedanke eines ständigen Verkehrs mit den Schloßbewohnern erschreckte sie. Ihre Freundschaft mit dem Pastor basirte auf dessen genauer Kenntniß

Schleswig-Holstein, Mecklenburg, das Land Bremen die Provinz Sachsen, Bayern und andere deutsche Länder bis nach Ostpreußen. Der tobte Theil der Aus­stellung besteht aus landwirthschaftlichen Erzeugnissen und Maschinen. Unter den ersteren wird ein vollstän­diges Bild der deutschen Moorkultur dargestellt werden; ferner sind landwirthschastliche Samen und vor allem die große Abtheilung der Dauerwaaren, welche eine Prüfungsreise in die Tropen gemacht haben, sowie landwirthschastliche Hilfsmittel, namentlich Düngekalk und Handelsfuttermittel, reichlich vertreten. Die Aus­stellung der landwirthschaftlichen Maschinen wird eine sehr bedeutende sein und den Um'gng der bisherigen Ausstellungen der Deutschen Landwirthschafts-Gesell- schaft überschreiten. Unter den landwirthschaftlichen Maschinen sind besonders Handmilchschleudern, Getreide- und Kleereinigungsmaschinen, Getreidemäher mit Garben­bindern, Pflüge und die in den letzten beiden Jahren neuerfundenen Geräthe hervorzuheben.

* In der Zeit vorn 1. August 1890 bis Ende Februar 1891 sind in den Rübenzucker-Fabriken, Zucker- rassinerien und Melasie-Entzuckerungsanstalten des deut­schen Zollgebietes 106,147,574 Kilogramm Ruben ver­arbeitet worden. Hieraus wurden 2,097,288 Kilogr. verarbeitete Melasse und 4,665,209 Kilogr. verarbei­teter Zucker gewonnen, woraus 11,855,090 Kilogramm Zucker produzirt worden ist.

* Die durch die Volkszählung am 1. Dezember 1890 ermittelte Bevölkerungsziffer des deutschen Reiches stellt sich nach vorläufiger Ermittelung auf 49,422,928 Seelen, während dieselbe 1885 auf 46,855,704 Seelen definitiv ermittelt wurde. Abgesehen von den 2086 Seelen, mit denen Helgoland in der Bevölkerungsziffer von 1890 vertreten ist, betrug also der Bevölkerungs­zuwachs von 1885 auf 1890 2,565,138 Scelen oder 5,48 o/g. Eine Abnahme der Bevölkerung ergab sich nur für Mecklenburg-Strelitz.

* Das Ministerium für Elsaß-Lothringeu erläßt eine Verordnung, die bereits vom 18. d. M. datirt und mittelst welcher die Einfuhr von Rindvieh ein­schließlich der Kälber aus den Niederlanden, Belgien und Luxemburg in Elsaß-Lothringen bis auf Weiteres verboten wird.

* Gegen die Auswanderung nach Brasilien hat der belgische Minister des Auswärtigen, Fürst v. Chimay, eine offizielle Warnung erlassen. In dem diesbezüg­lichen, an die Gouverneure der verschiedenen Provinzen gerichteten Rundschreiben wird ausgesührt, daß alle südamerikanischen Staaten, Argentinien, Uruguay, Paraguay, Chile, Brasilien u. s. w., den europäischen Auswanderern in keiner Weise mehr eine Existenz bieten können; speziell in den La Plata-Staaten all' ihrer Lebensschicksale. Ohne ihre spezielle Erlaubniß würde er dieselben dem neuen Nachbarn nicht mit­theilen. War sie selbst verpflichtet, Mr. Juxon ihre Verhältnisse klar zu legen?

Sie war eine sehr feinfühlende Frau, und ihre allen Eindrücken offene Natur hatte durch das, was sie erlitten, einen Stoß erhalten, den sie noch nicht überwinden konnte. Es haftete ihr eine beinahe krank­hafte Furcht an, Andere über sich selbst zu täuschen. Wenn auch schon über dreißig Jahre alt, so wußte sie doch, daß sie noch immer leidlich hübsch sei. Tie wenigen weißen Fäden in dem braunlockigen Haar konnte Niemayd entdecken, und sie bemühte sich auch nicht, sie zu entfernen. Wenn Mr. Juxon nun — der Gedanke lag nicht allzu fern — an seiner Mietherin und nächsten Nachbarin Wohlgefallen fände, was dann? Er war ein ehrlicher Mann in reiferen Jahren, sie war eine gewissenhafte Frau. Wie war da an eine Verheimlichung der ganzen Sachlage zu denken? Mrs. Goddard überlief ein Schauder bei dem Gedanken. Und dennoch hatte ihr der neue Ankömmling gut gefallen, und sie fühlte mit weiblichem Instinkt vor­aus, daß sie ihn oft bei sich sehen würde. Es war keine Eitelkeit, die sie sogleich annehmen ließ, der Squire könne sein Herz an sie verlieren, aber sie hatte Erfahrungen hinter sich, welche ihr bewiesen, daß ihre persönliche Anziehungskraft fehr mächtig sein müffe. Die Furcht vor dieser unsteiwilligen Macht war es