Sonntag, den 29. März 1891
18. Jahrgang
Fuldaer Zeitung
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Für dir Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
Druck u. Berlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Dillmann).
Letzte Nummer des ersten
Sch.
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Um den Frühling betrogen.
Einsam Vöglein kauert Im Geäst und trauert Daß kein Frühling blüht. Träumt von Lenz im Hain, Lust und Sonnenschein, Zirpt im Schlaf sein Lied.
Weiche, laue, linde. Falsche Südlandswinde Lockten's schmeichelnd her, — Und es ward betrogen. Da sie weiterzogen, Friert und klaget sehr.
Vöglein darfst schon trauern. Lang kann's ja nicht dauern, Muß doch Frühling sein;
Für Gesang und Freud' Tauscht er dann dein Leid Dir vergessend ein.
Doch dein Lieben, Hoffen, Kalt vom Frost getroffen. Junges Menschenkind, Dein getödtet Glück Bringt kein Lenz zurück! Armes Menschenkind!
Otto Krämer von Großentaft und Flora Gertrude Müller von Engelhelms. 26. Spengler Peter Roos von Anspach, Kreis Obertaunus, und Maria Konstantia Salzmann von hier.
Geburten.
16. März: Rudolph, S. des Bierbrauereibesitzers Anton Kircher. 19. Joseph Moys, S. des Taglöhners Stephan Mahr. 21. Joseph Adalbert, S. des Eisenbahn-Packmeisters Adalbert Völker. 23. Rosa Maria Barbara, T. des Drechslers Benedikt Schachert. 23. Maria Klara, T. des Grubenmeisters am Bahnh. Georg Ignaz Joseph Domprobst. 23. Bertha Augusta, T. des Fabrik-Direktors Hermann Ewald. 24, T. des Eisenbahn- Schaffners Friedrich Karl Striegnitz. 25. Ida Juliane, T. des Anstreichers am Bahnh. Friedrich Vollender.
Sterbefälle.
20. März: Thomas Stein, Schuhmachermeister, Wittwer 78 I. 4 M. 22 T. 23. Louise geb. Neubauer, Wittwe des Apothekers Karl Ulrich, 83 I. 6 M. 28 T. 23. Margaretha geb. Müller, Wittwe des Hüttners Johannes Orf zu Lehnerz, 81 I. 7 M. 8 T. 23. Friedrich Böhm, Dienstknecht, leb. ©t von Poppenhausen, 22 I. 5 M. 23. Raphael Bachmann Schuhmacher, verh., von Weyhers, 58 I. 5 M. 24. Margaretha geb. Heller, Ehefrau des Drechslers Georg Stehling, 51 I. 2 M. 24. Anna Maria geb. Alwinger, Ehefrau des Schäfers Johannes Gaß zu Löschenrod, 65 I. 6 M. 16 T. 25. Johannes Jldephons Kobel, Pfarrer, 73 I. 10 M. 9 T. 25. Valentin Maier, Dienstknecht, leb. St., von Mackenzell, 28 I. 5 M. 8 T. 25. Joseph Karges, Fuhrknecht, Wittwer, von Ebelzell, 43 I. 7 M. 2 T. 25. Konrad Birkenbach, Taglöhner, Wittwer, 59 I- 2 M. 8 T. 26. Richard Anton, S. des Schuhmachers und Kirchenbieners Joh. Joseph Nikolaus Sauer, 1 I. 5 M. 15 T. 26. Maria Martha Agnes, T. des Fabrikarbeiters Johann Friedrich Wilhelm Bienwald, 23 Tage. 26. Johannes Schäfer, Schuhmachermeister und Thurmwächter, verh., 69 I. 11 M. 1
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Literarisches.
-r „Tein Reich komme zu uns!" Konvertitenbilder, den Katholiken zur Erbauung, den redlich suchenden Protestanten alsLeitstern treuherzig erzählt. Bändchen 2: In Sturm und Roth, oder Professor Dr. Ernst Koch und seine Rückkehr zur katholischen Kirche. Verlag von F. W. Cordier, Heiligenstabt (Eichsfelb). 62 S kl. 8* Preis a 15 Pfg.
Schon vor Weihnachten konnten wir auf bas verbienstliche zeitgemäße Unternehmen ber Berlagshanblung Corbier zu Heiligenstabt Hinweisen, als wir bas I. Heftchen ber Konvertiten- bilber „Dein Reich komme zu uns!" an bieser Stelle be- prachen. Heute liegt uns bas II. Heftchen mit obigem Titel vor Auch Dr. Koch ist gleich Pastor Bl ackert ein hessicher Lanbs- mann. Nur ist bas Leben Koch's neben ben inneren Kämpfen ungleich reicher an äußeren Stürmen unb Nöthen. Ein Sohn bes protestantischen Friebensrichters Karl Georg Koch zu Oberaula absolvirte Ernst Koch glänzenb Gymnasial- wie llniversi- täts-Stubicn, stieg unter Minister Hassenflug rasch zum Referenten im Ministerium bes Innern auf unb pflückte zugleich durch seinen romantischen „Prinz - Rosa - Stramin" seine ersten poetischen Lorbeeren. Dann aber burch bie politischen wie Familienverhältnisse gebrängt, verließ er halb barauf anno 1834 heimlich Kassel unb lenkte seine Schritte dem „Lande der Frecheit" — Frankreich zu. Aller Existenzmittel baar mußte er sich ber „Frembenlegion" einreihen lassen, stanb bie schrecklichsten Strapazen unter der Gluthitze Algeriens und in den blutigen Bürgerkämpfen Spaniens zwei lange Jahre aus, bis ihn im Lazarethe zu Pamplona die Gnade Gottes in bie wahre Heimath bet kathol Kirche und bald nachher auch nach Hessen zurückführte. Im Jahre 1856 starb er als Professor bei deutschen Sprache am Whenäum zu Luxemburg. — Das ist in Kürze der Lebensgang Dr. Ernst Koch's. Das recht anziehend, wie auch erbaulich geschriebene Büchlein wird sich bald viele Leser und Freunde erwerben und empfehlen wir auch diesmal das Unternehmen der Konvertitenbilder auf das Angelegentlichste dem Klerus tote der Lehrerschaft.
Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(3. Fortsetzung.)
„Die Aussicht, Sie hier zu sehen, hat schon große Freude hervorgerufen," begann Mr. Ambrose, nachdem der Neuangekommene den Damen vorgestellt war. „Wenn die Leute den Tag Ihrer Ankunft gewußt hätten, wären sie Ihnen gewiß zur Station entgegen» gegangen."
„Ich bin sehr froh, solchen Demonstrationen aus- gewichen zu sein," bemerkte der Squire lächelnd, „es ist nichts angenehmer, als seinen Einzug in aller Stille zu halten."
„Und für die Leute jedenfalls das Beste," fiel die Pfarrerin eifrig ein; „ein Fest besteht für die Leute doch immer nur in Biertrinken und Wirthshauslaufen."
„Das wäre noch nicht das Schlimmste," entgegnete Mr. Juxon heiter. „Uebrigens kenne ich die hiesige Einwohnerschaft gar nicht. Der frühere Administrator wollte herüberkommen, um mir Land und Leute vorzustellen, allein ich zog es vor, meine Erfahrungen allein zu machen."
„Die Bekanntschaft der Billingsfielder Gesellschaft haben Sie rasch gemacht," entgegnete Mr. Ambrose, „denn Sie finden hier Alles versammelt, was umgangsfähig ist, sogar eine Ihrer Pächterinnen mit einbegriffen," fügte er lächelnd hinzu.
„Sollten Sie meine Pächterin sein?" fragte Mr. Juxon, indem er Mrs. Goddard vergnügt ansah.
„Allerdings", antwortete sie, „ich habe die Cottage gemiethet."
„Die Cottage? Entschuldigen Sie meine Unwissenheit, wo habe ich die Cottage zu suchen?"
„Die Cottage ist das hübsche Landhaus, welches gerade Ihrem Parkthore gegenüber liegt. Sie müssen es gesehen haben, als Sie hierher kamen."
„O, das ist es? Jawohl, ich dachte noch, als ich es liegen sah, wie viel angenehmer es zu bewohnen sein müßte als das Schloß. Es sieht so sreundlich und gemüthlich aus, das Schloß ist ein wahres Gefängniß dagegen."
In Mrs. Goddard stieg der unangenehme Gedanke auf, daß es dem neuen Miethsherrn möglicher Weise in den Sinn kommen könnte, ihren Kontrakt zu kün-
Freu't euch! Glorreich auferstanben Ist ber Herr aus Grab unb Banben! Er, ber schien bes Tobes Beute, Ist erwacht Durch eig'ne Macht Zu ber ew'gen Siegesfreube!
Hörst Du biesen Ruf erschallen In ben heil'gen Tempelhallen? Hörest Du bie hellen Glocken Nah unb fern Heut' mit bem Herrn Triumphiren unb frohlocken?
Auferstehen, auferstehen!
Schallt es weit burch Thal unb Höhen, Vöglein singen's hoch in Lüften;
Aufgewacht
Nach Winters Nacht
Sinb bie Blumen auf ben Triften.
Auferstehen, auferstehen!
Mahnt bes Lenzes milbes Wehen, Unb ber golb'nen Gottessonne Warmer Strahl Füllt Berg unb Thal Neu mit Licht unb Lebenswonne.
Glocken, Lieber, Frühlingswehen Mahnen all' zum Auferstehen: Aufersteh'n zu neuem Leben Sollst auch Du Aus träger Ruh', ,
Sünber, Dich zum Licht erheben!
Auferstehen, auferstehen!
Willst Du nicht ben Ruf verstehen, Der Dich heut' will milb erwecken: Einst wirb schon Posaunenton
Jäh Dich aus bem Schlaf aufschrecken!
feigen. Derselbe lief im nächsten Oktober ab, und sie hatte feie Möglichkeit, daß veränderte Verhältnisse den- selben rückgängig machen könnten, noch nie ins Auge gefaßt. Als Frau von Welt wußte sie, daß Mr. Juxon, nach einmal gemachter Bekanntschaft, ihren Umgang suchen würde. Der Gesellschaftskreis in dem entlegenen Dorfe war so beschränkt, daß jedes einzelne Mitglied nothwendig die Aufmerksamkeit auf sich ziehen mußte. Es war fast unmöglich, in Zukunft die Gesellschaft des Schloßherrn zu meiden, und der Umgang mit ihm würde nothwendig auch den mit feinen Gästen nadi sich ziehen. Ihr Traum von stiller Weltabgeschiedenheit war zu Ende. All diese Erwägungen machten sie für einen Augenblick so niedergeschlagen, daß Mr. Juxon, um einer verkehrten Auffassung vorzubeugen, rasch hinzufügte:
„Seien Sie darum unbesorgt, Mrs. Goddard, idi würde nicht so rücksichtslos sein, Sie aus Ihrem Heim zu vertreiben; außerdem ist die Cottage auch für meine Bedürfnisse zu klein."
„Haben Sie denn Familie?" fragte Mrs. Ambrose in so gestrengem Tone, daß der Squire verwundert aufschaute. Sie hätte es unverzeihlich gefunden, wenn Mr. Juxon nicht gleich bei seinem Eintritt in das Zimmer gesagt hätte, daß er verheirathet sei.
„Ich habe eine sehr zahlreiche Familie," erklärte der Squire, und nachdem er sich eine Zeit lang an dem Staunen der Mrs. Ambrose geweidet hatte, fügte lachend hinzu: „Sie besteht aus einer Bibliothek von über 10,000 Bänden — die wollen untergebracht fein. Sonst aber habe ich, Gott fei Dank, keinen Anhang."
„Sie sind ein Freund ernster Studien?" warf der Pastor eifrig ein.
„Ein Bücherwurm, so zu sagen ein Bücherwurm," entgegnete der Squire bescheiden, „ich kann es nicht ableugnen."
„Was ist ein Bücherwurm, Mama?" fragte Nellie im Flüstertöne, aber Mr. Juxon hatte trotzdem die kindliche Frage verstanden und er sagte zu der Kleinen:
„Ich will es Dir zeigen, wenn Deine Mama Dich einmal mit auf das Schloß bringt. Ein Bücherwurm ist ein schrecklicher Mensch, dem ein böser Geist fortwährend zuflüstert, er müsse alle Bücher kaufen, welche er sieht, obwohl er deren schon mehr besitzt, als er bis an sein Ende lesen kann."
Die kleine Nellie starrte den Squire verwundert an; sie schien so in seinen Anblick vertieft, daß sie auch einer Aufforderung ihrer Mutter, im Garten zu spielen, nicht Folge leistete.
„Sie werden also Ihre ganze Bibliothek mit hierher bringen?" kam der Pastor noch einmal auf den Gegenstand zurück.
„Jawohl — und ich hoffe, Sie machen in Zukunft Gebrauch von derselben. Ich habe eine große Bücherpassion, und ich habe mir auch einige recht werthvolle Werke zu verschaffen gewußt, aber, obwohl ich viel lese, bin ich kein eigentlicher Gelehrter wie Sie. Ich habe die Beobachtung gemacht, daß die Besitzer großer Bibliotheken in der Regel wenig wissen, während die Leute mit vielem Wissen wenig Bücher besitzen. Ich bin überzeugt, Sie haben keine tausend Bücher in Ihrem Hause, Mr. Ambrose?"
„Fünfhundert würde der Wahrheit näher kommen," antwortete der Pastor.
„Je weniger man besitzt, desto besser erfüllt man )ie weise Regel des Thomas von Aquin „Homo unius libri“. Sie sind dem idealen Standpunkte schon um 9500 Grad näher gerückt als ich."
Mr. Ambrose lachte.
„Sie können dessenungeachtet sicher fein, daß ich mit Ihrer Erlaubniß. einen recht eifrigen Gebrauch von Ihrer Bibliothek machen werde. Gerade beim Predigen wird man sich zuweilen einer Abnahme der eigenen Fundgrube bewußt, und bann ist es gut, sich durch anregende Lektüre wieder aufzuhelfen." (Forts, folgt.)
Auszug aus fern Registern des Standesamts Fulda
vom 20. bis 26. März 1891.
Aufgebote.
23. März: Dienstknecht Wilhelm Müller von Rönshausen unb Barbara Josepha Herber von Pilgerzell. 24. Fabrikarbeiter