8. Jahrgang
Mittwoch. v:u 25. März 1891.
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Druck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei (A. Drllmann).
Für die Redaction verantwortlich: Ludwig Deibel in Fulda.
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blendendsten Farben; aber der Arbeiter spürt davon wenig oder gar nichts, gewahrt vielmehr, daß dieselbe ihm Opfer auferlegt, namentlich ihn um die Arbeit seiner Kinder bringt. Er begreift daher sehr schnell, wenn die Sozialdemokraten ihm vormachen, der Staat müsse ebensogut auch seine und seiner Kinder leibliche Versorgung übernehmen, als diejenige der Beamten und sonstigen Bediensteten. Die Sozialdemokraten predigen schon Halbbekehrten in unserem zwangsbeschulten Deutschland. Die schnelle Mehrung ihrer Anhänger ist die Wirkung einer allgemeinen Ursache: der staatlichen Zwangserziehung.
Anfänglich war ja, wie wir wohl wissen, der Schulzwang kaum bedenklich. Er wurde gelinde gehandhabt, dabei den Rechten der Eltern und der Kirche durch Achtung des alten, durch alle Friedensschlüsse verbürgten Rechtszustandes nicht zu nahe getreten. Allmählich aber hat sich der Staat ganz der Schule bemächtigt, und dieselbe zur Staatsanstalt gemacht. Die Katholiken vermochten nur theilweisen Widerstand zu leisten. Gegen sie ist aber die Staatszwangschule am schärssten gerichtet. Jn Frank- futt haben die Vorstände der nationalliberalen, demokratischen und freisinnigen Partei öffentlich einen regelrechten Vertrag mit den Sozialdemokraten geschlossen, um die vom Staate den Katholiken aufgezwungenen Mischschulen, d. h. unkirchlichen Schulen gegen die Katholiken zu verlheidigen. Aehnliches ist auch in anderen Städten vorgekommen. Schon längst sind wir überhaupt gewohnt, daß bei Wahlen Staatsbeamte und Sozialdemokraten -einträchtig mit allen sonstigen Parteien gegen die Katholiken eintreten. Wie sollen diese in Reih und Glied mit jenen Gewalten die Sozialdemokraten bekämpfen? Für uns gibt es nur Einen Kampf und Einen Feldruf: „Für die göttliche Weltordnung," gleichviel, wer auf der anderen Sette steht.
Mit Recht hat der selige Windthorst den Schulkampf als ein schwereres Stück bezeichnet, als den bisherigen Kulturkampf. Gehen wir deshalb umso gründlicher zu Werke und schaffen klare Stellungen. Es handelt sich nicht bloß um den Religionsunterricht, sondern um die Schule überhaupt, um die unveräußerlichen Rechte der Eltern und der Kirche, um die christliche Weltordnung. Es handelt sich nicht bloß um die Volksschule, sondern um den gesannnten Unterricht, um den göttlichen Beruf der Kirche.
Wir kämpfen am wirksamsten gegen die Sozialdemokratie, wenn wir den heutigen Polizeistaat angreifen, volle Freiheit für die Kirche mit ihren Schulen, Anstalten und Orden erstreben. Wir wollen Gott, seine Offenbarung, seine Erlösung wiederum als Grund, als Anfang und Ziel des Staates und der Gesellschaft, nicht die schwankende menschliche Weisheit mit ihrer
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Verfolgt.
Frei nach dem Englischen des Marion Crawford von Cora von Schönburg.
(1. Fortsetzung.)
Mrs. Goddard trat etwas befangen ein. Hinter ihr her schritt Eleonore, welche durch all' die kürzlich vorgegangenen Neuerungen ganz still gewordett war und die großen Augen stets weit geöffnet hielt, um all' die Wunder darin aufzunehmen. Mrs. Goddard war noch immer schwarzgekleidet, obwohl ihre Trauer etwas von der gewöhnlichen Form abwich. Es wäre Mrs. Ambrose schwer gefallen, zu sagen, worin eigentlich der Unterschied lag: vielleicht war das Kleid etwas zu knapp, das Hütchen etwas zu klein, der Schleier etwas zu kurz. Möglich, daß die Mode es jetzt so verlangte, aber Mrs. Ambrose wollte auf die Wahrnehmung hin wetten, daß die Fremde ausländisches Blut in den Adern habe.
„Ich würde schon früher gekommen fein,' begann Mrs. Goddard, etwas verschüchtert durch die strenge Erscheinung der Pfarrerin, „allein die Einrichtung der „Cottage" hat mich fo lange in Anspruch genommen."
„Bitte, das macht nichts," antwortete Mrs. Ambrose und fügte nach einer Pause hinzu: „es freut mich recht, Sie einmal hier zu sehen." Es schien, als habe sie mit ihrem Gewissen Rücksprache genommen,
am liebsten bis an mein Lebensende, in der Zurückgezogenheit leben zu können. Außerdem wird Nellie die Landluft sehr gut thun, sie wird sich viel kräftiger darin entwickeln."
„Sie fcheint mir recht wohl auszusehen," entgegnete Mrs. Ambrose, noch immer mit einiger Herbheit, indem sie die hellen Augen und die klare Haut des Kindes betrachtete. — „Sie haben bis jetzt immer in der Stadt gelebt?" bemerkte sie weiter.
„Nicht immer, aber doch wohl den größten Theil des Jahres."
Die junge Dame begann etwas unruhig unter Mrs. Ambrose's forschendem Blick zu werden, und die Letztere erkannte darin ein Zeichen ihrer Unausrichtigkeit.
„Glauben Sie die „Cottage" recht wohnlich machen zu können?" fragte sie, um die Unterhaltung wieder in Fluß zu bringen. ,
„O, davon bin ich ganz Mgt," antwortete ihr Besuch, froh, das Thema r zu können und die anfängliche Befangenheit -..'erwiiidend. „Es ist ein reizendes kleines Haus. Allerdings nicht fehr geräumig , aber darum um so eher einzurichten mit dem, was wir an Möbeln besitzen. Der Garten ist klein, aber hübsch angelegt, die Küche außerordentlich bequem. Ich bin wirklich entzückt von der praktischen Einther- lung des Baues. Die Aussicht ist auch ganz wunder -
fiir Landwirthschaft, Martcubnu u. Hauswesen wird vom 1. April d. I ab auch der »Fuldaer Zeitung' HT* gratis beigefügt werden.
Diese unseren seitherigen Lesern gewiß sehr willkommene Mittheilung dürfte geeignet sein, der,Fuldaer Zeitung' weitere Abonnenten zn gewinnen. Der
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Sozialdemokratie und staatliche Zwangs- schule.
Bekanntlich sind die Sozialdemokraten mit der heutigen Staatszwangschule durchaus einverstanden, stimmen allen Maßnahmen des Staates auf dem Ge
biete des Unterrichts zu. Sie jubelten, als Bismarck- Falk durch das Schulaufsichtsgesetz die Volksschule verstaatlichten, obwohl sie wußten, daß ihre Gesinnungsgenossen nicht mit der Schulaufsicht würden beauftragt werden. Ueberhaupt sind im gesummten Schulwesen kaum vereinzelte Sozialdemokraten angestellt; und trotzdem ist die Sozialdemokratie mit solchem Schulwesen ausnehmend zufrieden und setzt ihre Hoffnungen auf dasfelbe. Die Schule ist gerade derjenige, der einzige Punkt, bei dem sie mit dem Neustaat rückhaltlos übereinstimmen. Wenn die Sozialdemokraten die Mehrheit im preußischen Landtag besäßen, wäre die Genehmigung des Goßler'schen Vvlksschulgesetzes unzweifelhaft: doch nur, weil durch dasselbe der Verstaatlichung der Schule die Krone aufgesetzt wird.
Die Sozialdemokraten wissen eben ans Erfahrung, daß die Staatsschule an sich, ganz abgesehen von der darin herrschenden Lehre, für sie arbeitet. Dieselbe wirkt sozialdemokratisch, eben weil sie Staatszwangschule ist, weil sie den wesentlichsteil Bestandtheil des sozialdemokratischen Programmes verwirklicht. Die Staatszwangschule vernichtet saft gänzlich die Rechte der Eltern, sie nimmt ihnen ihre Kinder, um sie eigenmächtig nach Gutdünken zu drillen, sie im Hinblick auf den Staatsdienst — Unterwürfigkeit und Wehrdienst — abzurichten. Den Eltern bleiben nur die Lasten, die Sorge für den leiblichen Unterhalt. Hinsichtlich der geistigen Erziehung haben sie gar nichts mitzureden, betreffs der religiösen Erziehung blieb ihnen bisher noch ein Rest ihrer Rechte, der aber durch das Goßler'sche Gesetz auch noch beseitigt werden soll. -Daß es längst schon mit dem Elternrecht nicht genau genommen wird, erhellt aus der Thatsache, daß die Blätter unzählige Fälle von protestantischen Lehrern ansühren, welche katholische Kinder ohne weiteres zum protestantischen Religionsunterricht zwingen.
Nirgendwo ist die Sozialdemokratie so mit Naturgewalt ins Volk gedrungen, demselben so mühelos und allgemein vertraut geworden als in Deutschland, besonders in Preußen, wo die Zwaugsschule, die Erziehung zu ausschließlichen Staatszwecken, die höchste Vollkommenheit erreicht haben. Wer vom Staate also erzogen ist, fordert unwillkürlich, daß er auch von demselben versorgt werde. Diese Folgerichtigkeit drängt sich Jedem auf, ohne daß er die eigentliche sozialdemokratische Lehre genau zu kennen oder tiefer zu erfassen braucht. Denn es kommt Jedem von selbst der Gedanke, daß der Staat, nur der Staat für die Früchte der Erziehung verantwortlich ist, die er auf zwingt. Durch die Zwangserziehung stellt der Staat einen Schuldschein aus, ' dessen Eintreibung die Sozialdemokratie übernommen hat. Der Neustaat schützt die Nützlichkeit seiner Erziehung vor, preist dieselbe in den ob sie, der Wahrheit gemäß, mehr sagen dürfe oder nicht. Mrs. Goddard aber war schon für das geringste Entgegenkommen dankbar.
„Ich danke Ihnen", sagte sie, „Sie sind sehr freundlich. Darf ich Sie bitten, Mr. Ambrose meinen Dank für seine gütige Mithilfe auszusprechen? Wir haben sehr viel in diesen Tagen zu thun gehabt — nicht wahr, mein Liebling?" wandte sie sich an das Kind. Sie zog es näher heran und blickte ihm in die schönen Augen. Allein Nellie war scheu und versteckte ihr Köpfchen hinter der Schulter der Mutter, um von dort aus einen unsicheren Blick auf Mrs. Ambrose zu werfen.
„Wie alt ist Ihre Kleine?" fragte die Pfarrerin etwas freundlicher, denn sie liebte die Kinder; und jedes Kind, dessen Mutter fremdes Blut hatte, that ihr ganz besonders leid.
„Elleonor, ich nenne sie Nellie, ist jetzt acht Jahre alt; im Februar wird sie neun. Sie ist groß, nicht wahr?" fügte sie mit mütterlichem Stolze hinzu, obschon das Kind für seine Jahre ungewöhnlich zart war.
Die ehrliche Mrs. Ambrose vermochte auch nicht eine Zustimmung mit ihrem Gewissen zu vereinigen und änderte deshalb die Unterhaltung.
„Ich fürchte, Sie werden Billingsfield recht einfam finden", begann sie.
„O, daran werde ich mich schnell gewöhnen — ich ziehe einen einsamen Wohnort vor, um für einige Jahre,
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2. Guartal 1891
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